Motorschaden – der „neue“ Motor

Wie im vorherigen Beitrag zu lesen war, hatten wir einen kapitalen Motorschaden mit Feuer im Boot.

Da wir schon seit wir das Boot haben nicht glücklich mit dem Motor waren, hatte Christoph bereits auf der letzten Hanse Boot (sorry – Hamburg Boat Show heißt die ja jetzt) sich nach Alternativen umgeschaut. Am liebsten hätten wir einen E-Motor. Das lässt sich finanziell aber nicht realisieren – schließlich sparen wir auf die Langfahrt. Also kommt für uns generell nur ein gebrauchter als Austauschmotor in Frage.

Jetzt mussten wir uns entscheiden:

1. Gebrauchter Motor – viel Arbeit und man steckt nicht drin

2. Außenborder – suboptimal, da dieser konstruktionsbedingt zBsp bei Welle immer wieder rauskommt

3. Boot verkaufen – absolutes Verlustgeschäft

4. Boot über den Sommer stehen lassen und überlegen – bringt uns auch nicht weiter

Der Austauschmotor

Wir entscheiden uns für Option 1, es wird ein gebrauchter Yanmar 1GM10. Dieser ist ausreichend für unser Boot, passt von der Größe gut rein und Ersatzteile sind kein Problem.

Christoph beschließt, den Motor selbst einzubauen. Das Abenteuer beginnt im neuen Jahr.

Der Einbau

Den alten Motor hatte er schon im letzten Jahr vom Boot genommen, da dieser sowieso raus musste – egal wie wir uns entscheiden. Also konnten die Vorbereitungen beginnen. Es mussten neue Fundamente gebaut werden. Und Christoph als ursprünglich mal gelernter Tischler war da auch voll in seinem Element. Jedes Wochenende wurde im Boot verbracht, Bohlen wurden zugesägt, gehobelt und laminiert. Der Motorraum wurde soweit vorbereitet, gereinigt und gestrichen. Und dann war es soweit, „Keule“ wurde ins Boot gehoben.

Mittlerweile kam unser geplanter Wasserungstermin immer näher und die Liste wurde irgendwie nicht kürzer. Wir entschieden uns im April, das Anschließen an eine Firma abzugeben – April ist Hochsaison. Wir hatten jedoch Glück und fanden eine Firma, die uns gleich einen Monteur schicken konnte.

Es wurde immer enger mit dem Termin, bis zum Schluß hofften wir, es noch zu Ostern zu schaffen. Aber wir konnten unseren Termin nicht halten und mussten verschieben. Was bedeutete, wir mussten auch das Boot verschieben, wir standen ja schon auf der Slipbahn. Also Unterstützung organisiert und das Boot verschoben. So hatten wir sämtlichen Druck rausgenommen und konnten in Ruhe alles fertig machen. Und wieder mal wurde das Boot gründlich gereinigt – der Feuerlöscherstaub war immer noch überall.

Ins Wasser

Dann war es tatsächlich doch so weit: wir konnten ins Wasser. Endlich den Lohn der monatelangen Arbeit einkassieren…

Es ist der 1. Mai: wir fahren die Elbe entlang, vorbei am Entenwerder 1, die Elbbrücken, das Grinsen wird breiter, die Anspannung löst sich…bis ein lauter schriller Ton uns plötzlich zurückholt – Alarm!

Wir hatten gleichzeitig mit einem anderen Boot gewassert und fuhren mit denen zusammen, falls etwas wäre. Dass tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist – damit hat keiner gerechnet.

Wir hatten einen „Kühlwasseralarm“, dh heißt der Motor überhitzt. Also Maschine aus und Fragezeichen. Nach einer kurzen Wartezeit starten wir wieder und fahren weiter, zum Glück haben wir es nicht weit zum Citysporthafen in Hamburg. Dort angekommen ist die Enttäuschung genauso groß wie die Unsicherheit.

Nach Travemünde?

Die Fehlersuche startet. Und gleichzeitig die Suche nach Plan B – da wir am Wochenende überführen wollten. Christoph hatte sich freigenommen, damit wir genug Zeit haben. JaNeinJaNeinJaNein…lange Überlegungen. Donnerstag Abend hatten wir uns gegen eine Überführung entschieden. Freitag morgen dann die endgültige Entscheidung: wir fahren, aber langsam. Das könnte zwar heißen, das Boot liegt eine Woche in Lübeck, weil wir es nicht schaffen – aber ob es jetzt in Hamburg oder Lübeck liegt, ist auch egal. Also machen wir uns auf den Weg. Nach ein paar Versuchen hat sich unsere Reisgeschwindigkeit auf ca 3,8 Knoten eingependelt, nicht gerade schnell. Aber im letzten Herbst mit dem Außenborder waren wir auch nicht viel schneller, also nichts neues. Es ist jedoch ziemlich frustrierend, wenn man von Kajaks überholt wird…

Wir kommen noch am Sonntag in Travemünde an und sind glücklich, zumindest schon mal hier zu sein. Am folgenden Wochenende stellen wir den Mast und machen alles soweit fertig. Unsere Genua ist noch beim Segelmacher, wir brauchen dringend eine neue. Daher können wir sowieso noch nicht segeln.

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Und jetzt?

Christoph telefoniert und recherchiert die ganze Zeit wegen des Motors und es könnte am Propeller liegen. Noch ist das aber nicht geklärt.

Ich hoffe, wir können euch und uns da bald eine positive Rückmeldung geben. Auf Facebook oder Instagram bekommst du die Informationen zeitnah!

Ansonsten wünschen wir Dir und uns eine tolle Saison und natürlich immer HANDBREIT!

 

Saison/Ende – Eigner/Ende?

Es war sehr still um uns die letzten Monate. Auf Facebook oder Instagram konnte man erfahren, warum: wir haben ein größeres Problem mit Sleipnir. Aber lest und seht selbst:

27.08.2018 Ein Sonntag im August

Ein schöner Spätsommer-Sonntag im August. Wir machen uns gemütlich fertig, um eine Runde zu segeln. Raus aus der Box auf die Trave und die Genua gesetzt…doch noch bevor wir den Motor stoppen können, geht dieser aus.

Aha. Kurze Irritation bei uns. Ich starte den Motor, aber nichts passiert. Was ist jetzt los? Schnelle Entscheidung: wir müssen umdrehen. Aber wie sollen wir in die Box kommen? Das geht nicht unter Segeln. Also legen wir uns am Priwall an die Hafenmole und lassen uns von den Hafenmeistern mit deren Motorboot abschleppen.

Segelboot wird abgeschleppt

Jetzt ging erst einmal die Fehlersuche los… Dazu sei gesagt, es ist unser erstes Boot, unser erster Dieselmotor. Unser Stegnachbar gab uns den Kontakt zu einem Schrauber, der ein Faible für alte Motoren hat. Zum Glück hatte dieser direkt Zeit und „Mann“ machte sich zusammen direkt auf die Suche.

Es war zuerst augenscheinlich nur die Einspritzpumpe kaputt. Diese zu besorgen war nicht einfach, es ist ein sehr alter Motor und die Ersatzteile werden knapp. Zwar ein sehr robuster Motor, aber wenn dann mal etwas kaputt geht…

Christoph baute mit Manuel die neue Einspritzpumpe ein. Beim ersten Startversuch ging der Motor direkt auf Vollgas und es kamen Flammen aus dem Auspuff. Die einzige Möglichkeit war, den Motor mit dem Feuerlöscher zu stoppen. An diesem alten Motor gibt es keinen Notstopp. Der Schreck saß tief…und es gab viele Fragezeichen. Es stellte sich später heraus, der „Gasregulierer“ war gebrochen.

Segelboot Motorraum nach Feuerlöschereinsatz

Feuerlöscher-Pulver…ein Desaster. Jetzt ging es richtig los: Versicherung, Gutachter, … Es begann ein langes hin- und her: neuer Motor, alter Motor, neues Boot, kein Boot, usw.

Ja, wir stellten das ganze Boot in Frage, denn mal ganz ehrlich: den Motor austauschen? Für mich sowieso undenkbar und für Christoph auch neu. Wir sprachen und diskutierten lange und immer wieder und stellten beide fest: wir wollen weiter auf eigenem Bug segeln. (warum das so ist, kannst du hier nachlesen)

Letztendlich entschieden wir uns daher, den Motor auszutauschen. Okay, nächste Frage: neu oder gebraucht? Christoph hatte auf der Hanseboot (sorry, die heißt ja jetzt „Hamburg Boat Show“) das Angebot für einen gebrauchten Yanmar bekommen. Es gab einen 1GM10/9PS und einen 2GM20/17PS. Wir entschieden uns aus vernunftsgründen für den kleineren und führerscheinfreien 1GM10. Führerscheinfrei ist ein tolles Verkaufsargument – viele wollen ja leider keinen Führerschein machen. Außerdem passt der kleine Motor mehr oder weniger problemlos in unser Boot.

12.10.2018 Zurück nach Hamburg

Diese Entscheidung brachte mit sich, daß das Boot auf jeden Fall nach Hamburg muss. Also brauchten wir einen Außenborder, um die alte Dame über den Elbe Lübeck Kanal zu schippern. Glücklicherweise konnten wir uns einen ausleihen und diesen ohne den Heckspiegel zu durchlöchern, anbringen. Okay, Christoph brachte diesen an…

Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir Sleipi in 3 Tagesetappen nach Hamburg. Die Planung sah etwas anders aus, aber hey, was heißt schon Planung? Das Anbringen des Außenborders dauerte länger als erwartet, am Ende legten wir noch mit Jan zusammen (danke dafür!!!) den Mast am Liegeplatz. Daher kamen wir doch erst am späten Nachmittag los und schafften wir es nur bis zur Marina am Stau, nicht mal die Hälfte des Weges nach Lübeck. Wir waren dazu noch sehr langsam: der Motor hing zu schräg am Boot, wodurch es nicht genug Schub gab.

In der Marina am Stau versuchte Christoph unter der Steglaterne und mit Stirnlampe den Motor besser einzustellen.

Sonnenaufgang Marina am Stau Lübeck

Wir standen sehr früh morgens auf – und wurden dafür mit einen unglaublichen Sonnenaufgang belohnt. Plan war, bis Geesthacht durchzukommen. Wir waren jetzt auch schneller, die Nachjustierung hatte sich gelohnt. Allerdings reichte es nicht, wir tuckerten mit ca 4kn über den Kanal. Wir beschlossen dann doch, lieber in der Freizeitwelt Güster mit allem Komfort eine Nacht einzuplanen. Das ist angenehmer als irgendwo vor einer Schleuse zu nächtigen.

Der Hafenmeister sagte uns am Telefon, es wäre kein Problem, ein paar Plätze gibt es noch. Völlig untertrieben, es waren fast alle Plätze leer. Der Abstecher hat sich gelohnt, es gab lecker Bratkartoffeln und eine schöne Umgebung. Da es auf Saisonende zuging, war die Freizeitwelt sehr beschaulich und ruhig. Im Sommer sieht das sicherlich ganz anders aus.

Freizeitwelt Güster am Elbe-Lübeck-Kanal

Am nächsten Tag fuhren wir bis Geesthacht. Weiter konnten wir leider wegen der Tide nicht mehr, zeitlich hätten wir das auf jeden Fall nach Hamburg geschafft. So ist das Segeln auf der Elbe: immer abhängig von der Tide (deswegen bin ich auch lieber auf der Ostsee. Anm. d. Red.). Da ich am darauf folgenden Tag nicht mehr mit an Bord war, übte Christoph an der letzten Schleuse das „Einhandschleusen“. Echt schwer für mich, nicht mal eben einzugreifen – wie man im Video auch gut erkennt… Es klappte gut, alles war fein.

Wir legten Sleipi beim Geesthachter Segelverein an und fuhren mit dem Bus nach Hamburg, um den Sonntagabend zuhause zu verbringen. Wir hatten keinen Landstrom vor Ort und da wir mit Außenborder fuhren, konnten wir die Batterien nicht laden. Morgens fuhr ich Christoph nach Geesthacht und überließ ihn schweren Herzens seinem Schicksal.

Segelboot im Geesthachter Segelverein

In der Schleuse von Geesthacht hatte er direkt viel Spaß: der Schleusenwärter konnte ihn wegen des Sonnen-Gegenlichts nicht sehen – und schloß die Schleuse in dem Moment, als er unter dem Tor war. Es ist ihm zum Glück nichts passiert, und so kam er in den Genuß, das Einhand-Schleusen exzessiv zu üben. DAS kann er jetzt!

03.11.2018 Winterlager

Ausslippen. Wieder bei schönem Wetter die Elbe entlang. Wirklich immer wieder schön und ein Erlebnis! Es klappte alles trotz schwachem Außenborder reibungslos und wir waren erleichtert, daß das Boot jetzt in der Halle war. Allerdings hatten wir auch eine ordentliche Pockenzucht am Unterwasserschiff. So sieht es wohl aus, wenn ein Boot mehr als 2 Monate nicht bewegt wird.

Sleipnir im Winterlager

Seepocken am Unterwasserschiff

Jetzt beginnt der unschöne Teil des Segelns: die Winterarbeit! Dieses Mal mit einer ganz großen Herausforderung: Motortausch! Wir wollten ja ein altes Boot, um zu lernen und zu üben. Dass sich das Boot jetzt so proaktiv einbringt und uns die Lektionen vorgibt, war so nicht geplant…

Hier das Video dazu:

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Wie es mit dem Motor, dem Boot und uns weitergeht, erfahrt ihr bald! Wer nicht auf den nächsten Artikel warten will: folge uns doch auf Facebook oder Instagram!

Nutshell Tours pesents:

Kopenhagen – weiter oder nicht?

Tag 9-11

Endlich in der Marina Margareteholms Havn angekommen, suchen wir als erstes das Hafenbüro – in der Hoffnung, es ist jemand da. Natürlich nicht am Samstag nachmittag. Wir reden mit zwei Vereinsmitgliedern und erzählen unser Dilemma. „You hit a rock? Oh“ betroffene Gesichter… nachdem wir aber erklärt haben, daß alles ok ist, der Kiel hängt noch und wir haben auch kein Wasser im Boot, sind alle wieder entspannt. Montag morgen ist der Hafenmeister wieder da und dann hilft er sicher gleich.

Zurück am Boot sind wir erledigt, irgendwie hat das doch geschlaucht. Eigentlich wären wir am liebsten im Boot geblieben, dann kam aber doch der Gedanke durch: jetzt sind wir extra nach Kopenhagen gefahren und nun wollen wir nicht raus? Schnick Schnack – ab in die Stadt! Von dem Liegeplatz kommt man entweder mit dem Bus oder mit dem Havnebus weg. Der Havnebus ist eine Fähre und natürlich haben wir uns für die Fähre entschieden. Schon auf dem Weg zur Fähre sind wir völlig überwältigt von dem Flair und der Atmosphäre dieser Stadt. Und dabei sind wir nicht mal in der Innenstadt, sondern in einem von Industrie geprägten Stadtteil, Refshaleøen.

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Mit der Fähre in die Innenstadt, begleitet von vielen Motorbooten unterschiedlicher Art und Größe. Wir steigen aus und befinden uns mitten in Nyhavn, der Touri-Rutsche. Kopenhagens Flair in voller Breitseite. Wir genießen und schlendern, drehen dann aber doch ab in die Seitenstraßen. Bei einem kleinen Italiener und lecker Pasta lassen wir die letzten Tage Revue passieren. Viel passiert und alles gut gegangen!

Sonntag entschieden wir uns gegen das klassische Sightseeing Programm, als wir die Touristenmassen zwischen der Meerjungfrau und dem Kastellet sahen. Wir fuhren mit der Fähre weiter bis zur Det Kongelige Bibliotek und liefen los. Vorbei am Zeughaus und dem Christiansborg Königspalast. Nachmittags wollten wir noch tanzen gehen. Wer uns nicht kennt, wir haben neben dem Segeln eine zweite Leidenschaft: Lindy Hop. Und Sonntag nachmittag sollte ein Social Dance sein. Kopenhagen gefiel mir von Moment zu Moment besser. Wir hatten noch dazu perfektes Wetter: Sonne pur!

Montag morgen, Zeit für Sleipnir. Beide sind wir ziemlich angespannt, es werden nicht viele Worte gewechselt. Also Taschen mit dem Nötigsten gepackt – man weiß ja nicht, wie es ausgeht. Wir tuckern zum Yachtkran, lösen das Achterstag und legen uns in Warteposition. Und warten. Dann endlich können wir ran. Langsam hebt sich Sleipi – und unser Blutdruck. Der Hafenmitarbeiter sagte uns vorher schon, er ist Bootsbauer und kann sich das anschauen. Puh, genau das, was wir erhofft hatten von dem Liegeplatz!

Schauen, suchen, checken. Dann die finale Aussage: „no damage. You have a solid boat!“ Der Stein, der mir vom Herzen gefallen ist, war definitiv um ein mehrfaches größer, als der, den wir getroffen hatten. Also wieder zurück auf den Liegeplatz und alles wieder in Normalzustand bringen. Achterstag anbringen, Taschen auspacken, Kaffee trinken. Tief durchatmen!

Endlich können wir entspannt mit unserem Urlaub weitermachen, die letzten Tage waren gedanklich doch sehr von einem möglichen Schaden am Boot in Beschlag genommen. Also setzten wir uns hin und machten einen Plan für den weiteren Törn. Eigentlich wollten wir nach Kopenhagen natürlich auch Malmö besuchen. Ist ja nur ein Katzensprung, 15 Seemeilen. Aber das musste jetzt leider ausfallen, wir wollten doch lieber langsam Richtung Süden fahren und zur Ruhe kommen. Und bei genauer Betrachtung des Weges war es Zeit. Abends sind wir noch zum Reffen, ein Streetfood Markt in Refshaleøen, um die Ecke von der Marina. Uns war die letzten Tage schon aufgefallen, daß dort immer viele Menschen und Musik war. Wir dachten, man trifft sich dort nur so zum Sundowner. Toller Ort, tolle Atmosphäre und lecker (!!!) Essen. Ein perfekter Abschluss für Kopenhagen und das Stein-Drama!

Der Wind, der Wind…

Tag 12-14

Dienstag morgen geht es los nach Rødvig. Auf dieser Strecke gab es keinen anderen Hafen, welcher für uns Sinn gemacht hätte. Also wurde Rødvig der einzige dänische Hafen, den wir auf dieser Reise zweimal besucht haben. In Rødvig angekommen, ein erneuter Windcheck: nun ja. Eher zu viel als zu wenig. Der Plan war, außen um Falster herum und den Sprung von Gedser oder Nystedt. Also erst mal die Genua gegen die Fock getauscht. Abends gab es Pizza, morgens sind wir früh los Richtung Klintholm auf Møn.  Als wir auf Höhe der Klippen von Møn waren, wurden wir in unserer Nussschale wieder ganz schön durchgeschaukelt. Der Wind blies um die Ecke, die Wellen türmten sich auf 1 Meter und wir waren froh über die Fock.

In Klintholm angekommen legten wir längs an und machten 10 Kreuze. „Ihr seht aus, als wärt ihr um die Klippen gekommen“ der Kommentar des Seglers, der neben uns lag. Im Hafen um uns herum nur „große“ Yachten, 9,50 aufwärts. Und jetzt? Morgen bei den gleichen Verhältnissen mehr als 30sm nach Hesnæs? Der Windcheck gab uns einen Start von eher später als früh am Tag, für nachmittag war wieder Starkwind angesagt. Als wir aufgestanden waren, blies der Wind schon ziemlich kräftig. Die meisten großen Yachten waren schon unterwegs. Bleiben und morgen los oder durchkämpfen durch Wind und Welle? Mein Bedarf war eigentlich gedeckt – und der Blick aus der Hafenmole war nicht besonders einladend. „Fahrt doch durch den Grønsund!“ unser Nachbar. Recht hatte er! Ab an die Karte und die mögliche Törnplanung gecheckt: perfekt! Und dabei ist auch noch Fejø drin, dort wollten wir doch so gerne hin. Er selbst mit seinem 9,5 m Boot bleibt lieber im Hafen – zu viel Wind für ihn…

Wir mussten leider doch noch ein paar Meilen um Møn, um zum Grønsund zu gelangen. Also Augen zu und durch… interessant war für mich, daß ich deutlich entspannter war, obwohl die Wellen definitiv die höchsten unserer Reise waren. Leider wurde unsere Besteckschublade ein Opfer der Wellen! Mit voller Wucht flog sie durch den Salon und die vordere Abdeckung brach. Aber zum Glück bastelt Christoph gerne und er konnte das im Hafen wieder reparieren.

Der Sund und damit das Smålandsfahrwasser war definitiv die richtige Entscheidung, es war deutlich ruhiger. Aber es war auch Konfrontationstherapie…Untiefen und flaches Wasser: das gibt es dort zu genüge. In Stubbekøbing brav dem betonnten Fahrwasser gefolgt, wunderten wir uns über das Hafenbecken, in welchem nur Fischerboote lagen. Nebenan waren die Yachten zu sehen- aber wie dort hinkommen? Ein freundlicher Däne auf dem Fahrrad gab uns die Anweisung, außen an der Hafenmauer entlang zu fahren. Keine Betonnung? Einfach so quer? Oha. Nachdem er uns versichert hatte, es ist tief genug, tuckerten wir los. Er wies uns auch gleich einen Liegeplatz an und gab uns Informationen zu der Marina. Immer nett, die Dänen!

Die letzte Insel

Tag 15-16

Fejø, der Weg dahin war lang. Wir hatten den Wind gegen an, weshalb wir viel motoren mussten. Aber: keine Welle, wenig Schiffe. Ruhe! Tolle Gegend, das Smålandsfahrwasser: kleine Häfen, kleine Ortschaften, Inseln und nicht so viel los. Fejø war wie erwartet: klein. Jeder grüßt, jeder kennt sich. Im Hafen liegen fast nur Dänen, eine weitere deutsche Flagge war zu sehen und später kam doch noch ein drittes dazu. Die Sonne scheint, wir spazieren zum einzigen „Kaufmannsladen“ der Insel. Dort gibt es alles, was man braucht. Und was es nicht gibt, braucht man nicht. Eine dänische Bilderbuchinsel und wir sind froh, hier zu sein!

Von Fejø geht es auf unsere letzte Station vor dem Sprung: Bagenkop auf Langeland. Einer der Häfen auf dem Weg von Deutschland nach Dänemark. Wir starteten früh, da für nachmittags Starkwind und schlechtes Wetter angesagt war. Das war auch gut so, wie sich herausstellte, denn später gewitterte es kurz vor Bagenkop.

Auf dem Weg nach Bagenkop hatten wir für einen langen Moment eine schöne Begleitung: Schweinswale!Wir schätzen, es waren drei und die hatten viel Spaß mit uns: sie sind immer am Boot entlang und herum geschwommen. Ein toller Abschluß für Dänemark!!!

Die Ankunft in Bagenkop war von Fejø kommend wie ein Kulturschock für uns: groß, ordentlich angelegt, viele Yachten, viel los.

Auch wenn wir immer und immer wieder neu checkten: das Wetterfenster für den Sprung nach Deutschland war knapp, wieder Starkwind für nachmittag. Wir haben nur 27 Fuß und eine entsprechende Reisegeschwindigkeit. Ein kurzes Gespräch mit andren Seglern aus Deutschland unterstütze uns in unserer Entscheidung: möglichst früh los, um dem Starkwind gegen 14.00 vorweg zu fahren.

…und Hopp?

Tag 17-19

Wecker um 05.00 Uhr. MÄH…aber nützt ja nix. Um 06.00 Uhr machten wir los. Die erste Stunde unter Motor, konnten wir dann doch Segel setzen. Die Fahrt war unspektakulär, schöner Wind, keine Welle und später sogar noch Sonne. Gegen 12 erreichten wir den Fehmarnsund und überlegten noch mal, wie weiter. Auch für Montag und Dienstag war der Wind nicht so gut angesagt: falsche Richtung und Dienstag 5-6bft. Ich muss am Mittwoch in Hamburg sein, Christoph hat noch frei. Also überlegen wir als Plan B auf Fehmarn zu bleiben, ich fahre mit dem Zug nach Hamburg und Christoph bringt das Boot alleine nach Travemünde. Sollte das Wetter tatsächlich nicht passen.

Wir gehen ohne Wecker schlafen, wie es weitergeht entscheiden wir nach dem aufwachen. Als wir aufwachen sieht das Wetter ganz gut aus, die Sonne scheint. Aber die Windvorhersage ist gegen uns. Außerdem soll nachmittags wieder ein Schwerwetterfeld durchgehen. Die nächsten Tage ist die Vorhersage auch nicht berauschend, so daß Christoph sich für weiterfahren entscheidet. Also Frühstück und Richtung auf Richtung Grömitz. Wir hoffen ja noch, Segel setzen zu können, es sollte von der Vorhersage zumindest bis zur Landspitze gehen. Nix war es. Wir sind keine Höhe gelaufen, das hätte uns zuviel Zeit gekostet. Es war ja noch Starkwind angesagt. Also Segel bergen und Motor an. Das war richtig anstrengend, anstrengender als segeln… Einige Segler, welche in die gleiche Richtung wollten, gaben auch auf, bergten die Segel und motorten. Am nächsten Morgen machten wir uns auf zur letzten Etappe: Travemünde. Wir rechneten diesmal direkt mit motoren. Als wir aus dem Hafen waren, überraschte uns aber das Wetter mehr als positiv: wir setzten Segel und flogen die letzten Meilen über die Wellen zurück „nach Hause“.

Hier unsere Finale Reiseroute:

 

Gibt es ein Fazit? Oh ja, viele Erkenntnisse:

  1. Die Dehler Optima ist ein wirklich solides Boot. Zuverlässig und verzeiht Fehler! Das Raumangebot ist toll, wir hatten keine Beklemmungsgefühle!
  2. 27 Fuß sind 27 Fuß – auf offener See gleicht das Segelverhalten eher einer Nußschale! Wind und Welle setzen Grenzen, 5bft müssen nicht unbedingt sein und 1 Meter Welle ist bei dieser Länge ziemlich ungemütlich.
  3. Konfrontationstherapie hilft: Wellen und Untiefen nehmen ihren Schrecken.
  4. Auch Christoph hat seine Grenzen beim Segeln ;)
  5. Die sprichwörtliche dänische Gelassenheit gibt es wirklich! Sehr sympathisch!

Dänemark ist eine Segelreise wert!

Wollt ihr mehr Informationen über die dänischen Häfen? Gerne machen wir darüber einen Artikel, wenn wir entsprechende Rückmeldung bekommen!

Nutshell Tours presents:

Dänemark? Dänemark!

Christoph: „Ich kann 4 Wochen Urlaub haben. Wollen wir eine lange Reise machen?“

Ich: „Okay, wenn es mein Job erlaubt, dann machen wir das!“

Christoph: „Ich will nach Dänemark.“

Ich: „Oh ja – nach Kopenhagen mit dem eigenen Boot segeln!“

Gut, der Plan stand irgendwie. Da ich die Wochen vor dem Urlaub viel zu tun hatte, konnte ich mich nicht weiter mit Planung befassen. Ich musste in der ersten geplanten Woche noch zwei Jobs einschieben, daher starteten wir auch erst etwas später als gedacht. Christoph war schon vorgefahren um das Boot soweit vorzubereiten und alles einzuräumen. Donnerstag fuhr ich dann mit noch mehr Gepäck und voller unbekannter Erwartungen nach Travemünde. Das war meine erste lange Reise per Boot, mit dem eigenen Boot. Bis dahin war die längste Tour eine Woche mit einer 46ft Yacht um Mallorca, Komfortzone pur. Ansonsten waren es immer nur lange Wochenende – diese aber mit vielen Meilen und großer Crew. Und auch letztes Jahr konnten wir keinen langen durchgängigen Urlaub zusammen machen. Damals konnte Christoph in seinem Urlaub seine ersten Einhand-Erfahrungen mit Sleipnir machen. Mehr dazu hier: Einhandsegeln

Zurück zu mir: ich war also eher unerfahren und daher hatte ich auch viel Respekt vor der Tour. Sleipnir ist ein gutes Boot – trotzdem nur 27 Fuß groß. Genug Raum für 2 Personen, auf jeden Fall. Dennoch verhalten sich 27 Fuß bei Wind und Welle anders als 46 Fuß. 

Außerdem haben wir nur eine absolute Basic- Ausstattung: Plotter, Handfunke und Seafarer Tiefenmesser. Wer den nicht kennt, so sieht das aus:

Kein Radar, kein AIS.

 

Der holprige Start

Tag 1-4

Es geht los: wir wollen über Kühlungsborn nach Dänemark, Nystedt soll es werden. Leider wurde es erst mal nur Grömitz: Wind und Welle wollten es so. Und mein Kopf und Magen war damit auch vollkommen einverstanden. Für den nächsten Tag hatten wir dann eigentlich Kühlungsborn geplant, doch wieder schlug mein Kopf und mein Magen eine kürzere Route vor und wir strandeten in Boltenhagen. Weiße Wiek in Boltenhagen ist nicht unser Lieblingshafen. Nicht daß er ungepflegt oder ungastlich wäre, im Gegenteil: eine sehr gepflegte und auch mit allem ausgestattete Marina, tolle Sanitäre Anlagen und ein nettes Bistro. Wir mögen aber gewachsene Strukturen und Ortsnähe sehr gerne. Das ist in Boltenhagen nicht gegeben.

Ab nach Kühlungsborn und auf den Sprung nach Dänemark vorbereiten. Ich gestehe ja, ich habe da sehr viel Respekt vor, ist es doch etwas anderes als an der Küste entlang zu juckeln. Früh aufgestanden und… Nebel. Alles dicht, man sieht keine 2 Seemeilen mehr. Gut, zweites Frühstück mit Windfinder, Wetter noch mal checken. Es ändert nichts. Wir setzen uns einen Zeitpunkt, wann wir spätestens los müßten. Warten…aus dem Fenster schauen… Irgendwann legt neben uns eine größere Yacht an. Natürlich haben wir sie gleich befragt, sie kamen aus Boltenhagen. Die Aussage war recht klar (für mich zumindest): man sieht nicht viel und ohne entsprechende Ausstattung nicht zu empfehlen. Gut, dann ein wenig Arbeiten am Blog und Christoph konnte endlich den Artikel über den Elbe-Lübeck Kanal fertig machen. „Sofa und Video“ quasi…

Der Sprung nach Dänemark

Tag 4-5

Das Wetter hat mich schon ziemlich fertig gemacht: erst ist es zu viel Wind und darauf hin viel Welle. Dann der Nebel. Das senkt meine Bedenken nicht unbedingt und ich bin ziemlich angespannt. Am Montag ist es dann soweit, wir fahren los. Nystedt oder Gedser ist das Ziel. Zwar ist es noch etwas neblig, aber die Sicht ist gut genug. Ich hatte keinen Kaffee um meinen Magen vor Unwohlsein zu schützen. Leider bin ich dann auch nicht wach… Das Wetter klart auf, die Sonne scheint und wir laufen gut. Und immer besser, und immer mehr. Mehr Wind, mehr Welle von achtern. Teilweise zeigt der Plotter mehr als 8 Knoten Geschwindigkeit auf der Welle.

Später zeigten die realen Meßwerte bei Windfinder eine mittlere bis hohe 5. Hat sich auch so angefühlt! Kurz vor dem Ziel entscheiden wir, in den Guldborgsund nach Nykøbing zu fahren, um in der Nacht und am nächsten Tag Ruhe zu bekommen. Noch dazu war die Wettervorhersage ähnlich hoch und wir wollten wenigstens in der Nähe einer Stadt eingeweht sein. Die Einfahrt zum Sund ist extrem kabbelig und wir entscheiden, das Groß zu bergen. Für mich war das alles zum Ende hin sehr grenzwertig: Sleipi fühlte sich eher wie eine Nussschale als wie ein Boot an…

Wohin denn jetzt?

Tag 5-7

In Nykøbing angekommen, sahen wir dort eine große deutsche Yacht liegen. Je näher wir kamen, um so bekannter kam sie uns vor: es war die Moody 44, welche uns den Tag über den Elbe-Lübeck Kanal begleitet hatte! Ebenso waren noch zwei deutsche Einhand-Segler mit ihren Booten da. Wir kamen natürlich ins Gespräch und es kam die Frage auf, warum wir nicht um Sjæland segeln.

Wir haben doch viel Zeit. Und schwupps war der Floh im Ohr. Wir fanden die Idee gut. Jetzt aber gingen wir erst mal einkaufen, eine dänische Simkarte, damit wir mobil sind (60gb für 99kr und eine Karte für 49kr! Für den Preis bekommt man in Deustchland gerade mal 3gb…), und natürlich Softeis essen. Und der erste dänische Sonnenuntergang, traumhaft! Ach ja, dunkel wurde es erst gegen 23.00 Uhr, deutlich später als in Hamburg!

Am nächsten Morgen ging es los mit gesetzter Genua in Richtung Westen durch das schmale Fahrwasser des Guldborgsund. Es wurde immer enger und wir holten die Genua ein und motorten. Je weiter wir kamen, um so größer wurden bei mir die Bedenken: mit der Nussschale um Sjæland? Das war weit, wir hatten keine Karte von dem Gebiet und irgendwie und überhaupt. Irgendwann äußerte ich meine Bedenken. Nach langen Diskussionen entschieden wir, doch die Ostroute durch den Sund nach Kopenhagen zu nehmen. Christoph wollte unbedingt auf eine kleine Insel. Femø oder Fejø?

Wir hatten keinen Wind und ich hatte Zeit, mich über Femø und Fejø schlau zu machen. Natürlich gab es die Seiten im Internet nur auf schlecht übersetztem Deutsch, wodurch für Fejø „lecker Strickwolle“ und Flöhe rauskam. Das wollten wir sehen. Dann wurde es aber irgendwie doch Femø, was aber auch gut war. Eine kleine dänische Insel, im Hafen liegt die Fähre nach Kragenæs auf Lolland. Es gibt einen kleinen Laden und daher für uns Brot und Salat. Übernachten auf Femø und dann Kurs nach Vordingborg war der Plan. Auf dem Weg mussten wir feststellen, daß die geplante Route nicht schiffbar war, da die Masnedsundbroen gesperrt ist. Also um Masnedø herum. Wieder durch sehr enge Fahrwasser gelangen wir nach Vordingborg. Malerischer Ort, netter Hafen. Wir steuern eine Box an, ich wollte die Heckleine über den Dalben bringen – es geht nicht weiter. Blick zu Christoph: ?. Wir hängen im Sand. Okay, Rückwärtsgang und ab zur nächsten Box. Das gleiche Spiel: es geht nicht weiter. Blick zu Christoph, Blick zurück: es geht nichts! Plötzlich ein Ruf von nebenan: „Hey, your rope!“

So, da stecken wir nun, mitten im Hafen im Schlick mit der Leine um den Propeller. Christoph packt seinen Neo aus und den Schnorchel, er kann in aller Ruhe den Propeller befreien, wir stecken ja fest. Ab jetzt müssen wir mit einer kürzeren Heckleine leben, aber Schwund ist ja immer. Dann kommen wir auch aus dem Sand wieder frei und suchen uns eine Box bei den großen Booten – da ist genug Tiefe! Zeit für Pommes!

Vordingborg ist ein nettes kleines Städtchen, für dänische Verhältnisse schon fast groß. Es ist ein sehr idyllischer und ruhiger Hafen mit ein paar Restaurants, ein sehr nettes Café und stadtnah gelegen. Das Hafengeld wird an einem Automaten bezahlt, das kannte ich noch nicht. Ist uns bei unserer Reise dann noch öfters begegnet. Super Sache, Toilettencode und Wlancode auf der Quittung aufgedruckt! Wir hatten uns am Vormittag Ruhe und Kultur verordnet, außerdem wollten wir noch zur Bank. Was uns direkt aufgefallen ist: es gibt mehr Optiker als andere Ladengeschäfte aller Art zusammen. Merkwürdig.

My heart goes „boom“

Tag 7-10

Nachmittags machen wir uns auf den Weg, es soll über den Storstrøm und Ulvsund nach Stege auf Møn gehen. Durch die Sperrung des Masnedsund wurden die Fahrwasser im Færgestrøm angepasst und verändert, neue Fahrwasser wurden angelegt. Aber es ist alles sehr eng und knapp, teilweise nur 2m Wassertiefe und außerhalb direkt flach. Wir fahren unter Motor, sind ganz entspannt, als es plötzlich einen Schlag gibt und Sleipi hüpft. Ich bekomme direkt Schnappatmung und Christoph wird blass. Sofort stoppen und Anker werfen. Atmen. Was war das? Da war ein Stein im Weg. Christoph steigt direkt wieder in seinen Neo, schnappt sich den Schnorchel, die GoPro und los gehts. Nach ein paar Minuten die Entwarnung: scheint nichts Schlimmes zu sein, nichts zu sehen außer Schrammen. Ein Blick in die Bilge: trocken, die Bolzen sehen auch gut aus. Wir fahren langsam weiter. Ein Blick auf die Karte: der Ulvstrøm ist gestrichen, dort sind die Fahrwasser noch enger. Planänderung: wir fahren außen um Møn herum, Hårbølle wird angesteuert. Die Ansteuerung geht jetzt über sichere Wege, das heißt wir fahren zurück und die großen Fahrwasser entlang.

Die Stimmung ist angespannt, auf Grund laufen gehört zu meinen „worst case“- Szenarien! Christoph telefoniert mit der Versicherung. Der Agent ist ziemlich entspannt, dennoch weist er uns an, das Boot zu kranen und auf Beschädigungen zu checken. So wie es aussieht, wird das erst in Kopenhagen sein. In Hårbølle angekommen erst mal durchatmen und Plan machen. Kopenhagen ist in zwei längeren Schlägen zu erreichen. Also früh schlafen und aufstehen.

Am nächsten Tag um Møn, die weißen Klippen bestaunen und ab nach Rødvig, das war der Plan. Lief am Anfang auch super, gegen Nachmittag schlief dann der Wind langsam ein. Nach 11 Stunden segeln warfen wir doch den Motor an und fuhren die letzten Meter in den Hafen. Rødvig sollte laut einem Hafenführer auch einen Kran haben. Jedoch stellte sich heraus, es ist nur ein Mastkran. Also Pizza und Sofa!

Noch ein Schlag, dann sind wir in Kopenhagen. Auf dem Weg mache ich mich schlau, wo wir denn eine Marina mit Kran finden und habe drei zur Auswahl: Dragør, Margretheholms Havn und Svanemøllehavnen. Da wir nicht wußten, wie das mit Sleipnir ausgeht, entschieden wir uns für den zentralen Margretheholms Havn. Dieser wird betrieben von einem Segelverein, S/C Lynetten. Wir erhofften uns dänisches Bootswissen und Unterstützung bei der Beurteilung des Unterwasserschiffes durch den Verein. Außerdem: sollte das Boot tatsächlich beschädigt sein, kommen wir wenigstens gut von hier ins Zentrum oder sogar zum Zug – worst case…

Die Einfahrt in den Øresund ist beeindruckend. Riesige gemauerte Ansteuerungstonnen, es gibt dort ein Verkehrstrennungsgebiet, das wie ein Kreisverkehr funktioniert. Frachter und Fähren wie an eine Perlenkette aufgereiht und mitten im Sund Windräder.

Die vielen Boote, Schiffe und Häuser sind ganz ungewohnt nach den kleinen dänischen Örtchen. Wir nehmen Kurs auf Margretheholms Havn und sind froh, als wir angekommen sind.

 

Hier die bisherige Reiseroute:

 

Mehr über Kopenhagen, den Kiel und wie es weitergeht – das nächste Mal!

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Und wenn du direkt informiert werden willst, sobald die Fortsetzung online ist, melde dich bei unserer Flaschenpost an…

Mit dem Segelboot von Hamburg durch den Elbe-Lübeck-Kanal

Im Herbst waren wir mit stehendem Mast durch den Nord-Ostsee-Kanal und die Elbe hinauf nach Hamburg gefahren, was wir dabei erlebten findest du in dem Artikel „Der Tag auf dem NOK“ oder hier. Heute versuchen wir die andere Route über den Elbe-Lübeck-Kanal, mit liegendem Mast.

Segelyacht Sleipnir am Abend in Hamburg

Endlich werfen wir die Leinen los. Strahlender Sonnenschein, warme Luft, kurze Hosen und T-Shirt. Und das, obwohl wir erst den 20. April haben und vor zwei Wochen noch Schnee in Hamburg lag. Da überlegten wir noch, das Wassern um zwei Wochen zu schieben, so viel Arbeit hatten wir im Winterlager noch zu Erterledigen.

Doch jetzt stehen wir auf dem Boot und es geht tatsächlich los! Wir können es kaum glauben. Der Winter ist vorüber, das Boot ist im Wasser, heute starten wir am Hamburg City Sportboot Hafen mit Ziel Lauenburg. Und morgen weiter nach Lübeck über die Elbe und den Elbe-Lübeck-Kanal. Schon die ganze Woche haben wir das Boot vorbereitet, gepackt, eingeräumt, noch dies und das gebastelt.

Erste Etappe: Hamburg – Tespe (Elbe)

Die Elbe hinauf

Hamburg von der Elbe aus gesehenDen City-Sportboothafen in Hamburg verlassen wir an einem sonnig-warmen Freitag Nachmittag um drei, 30 Minuten bevor die Flut einsetzt. Die soll uns die Elbe hinaufschieben, bis Geesthacht zur Schleuse. Ab der Schleuse wird es keine Gezeiten mehr geben.

Vorerst tuckern wir durch Hamburg, seine östlichen Vororte, unter der Autobahn hindurch und verlassen die Stadt. Erstaunlich lange fahren wir noch gegen das ablaufende Wasser. Dennoch kommen wir gut voran, immer um die 4,5 Knoten, das ist in Ordnung.

Der Motor läuft nun ruhiger

Der 47 Jahre alte Faryman Diesel läuft mit den neu eingestellten Ventilen und dem frischen Impeller ruhig und wie mir scheint auch etwas leichter, glatter und er qualmt weniger. Ein Segelkamerad gab mir den entscheidenden Tipp. Einen, den ich erst nicht glauben konnte. Die Motorraumentlüftung wurde irgendwann vor unserem Kauf neu gemacht. Und diese saugt sehr viel Luft ab. Wenn diese zuviel Luft absaugt und nicht genug Luft nachgesogen werden kann, entsteht ein leichter Unterdruck im Motorraum. Durch diesen geringen Unterdruck kann der Motor nicht die notwendige Luftmenge ansaugen. Offensichtlich reicht hier bereits ein kleiner Unterdruck. Die simple Lösung: Die Luftnachströmöffnungen aus dem Innenraum habe ich etwas vergrößert. Der Motor qualmt seitdem weniger, ist schneller und wir haben einen ruhigeren Motorlauf.

Die Elbe teilt sich

Nach etwa 6 Meilen kippt die Tide endlich, leider ist der Einfluss der auflaufenden Flut viel geringer als erhofft. Hier oben und auf der Norderelbe merken wir nur einen halben Knoten, na immerhin.

Wenige Meilen später erreichen wir die Bunthäuser Spitze bei Bullenhausen, wo sich die Elbe in die Norder- und die Süderelbe auftrennt. Ab hier war früher alles ein Inselmeer, bis zum Zusammenfluss im Hamburger Hafen. Heute säumen hohe Deiche die Ufer. Schafe, Bauernhäuser, Bäume, Wiesen… Land eben. Ab hier ist die Flut stärker zu spüren, wir fahren 5,5 Knoten.

Langsam geht es die Elbe hinauf. Wir quälen den Motor an einem anderen Segelboot vorbei, dann an einem großen Schubverband, Meter um Meter schieben wir uns an dem Frachter vorbei.

Die Schleuse Geesthacht

Schleuse der Elbe bei Geesthacht am Abend

Gegen 6, die Sonne steht schon niedrig, erreichen wir die Schleuse Geesthacht. Ein Luftbild, was die Größe der Schleuse Geesthacht gut zeigt gibt es hier. Seltsamer weise fand ich im Internet wenig offizielles – für Segler interessantes – über die Schleuse und das Befahren. Auf der Seite des Motor Yacht Club Geesthacht fand ich die besten und kompaktesten Informationen zum Befahren der Schleuse Geesthacht mit dem Sportboot. Das ist im Übrigen auch der Link zu dem Hafen direkt oberhalb der Schleuse im Schleusenkanal.

Als die große Schleuse von Geesthacht in Sicht kommt, stutzt Marion, überlegt, blickt mich irritiert an. „Eine Schleuse? Du weißt doch, dass ich alleine nicht schleusen will!“ Ich bin erstaunt. Dass die Flut hier endet wusste sie, offensichtlich aber nicht, dass hier eine Schleuse ist. Noch dazu eine große… Ich war wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie das wusste. Ratlosigkeit, ich drossele den Motor, wir beratschlagen. Umdrehen und morgen mit unseren Freunden erneut aufbrechen? Dann erreichen wir die Ostsee nicht am Wochenende. Schließlich beschließen wir, es mit der Schleuse zu zweit zu versuchen.

Lange kreisen wir mit zwei anderen Booten vor der Schleuse. Normalerweise soll man sich telefonisch anmelden, wir verzichten darauf, da die anderen Segler ja auch schon warten. Bis zu zwei Stunden soll das teilweise dauern, erzählt ein anderer Segler. Nach ca. 30 Minuten erreicht uns ein Frachter und nochmal einige Minuten später ein weiterer: der Schubverband, an dem wir uns vorhin mühsam vorbei gekämpft haben. Na toll!

Zwei grüne Lichter, eine Lautsprecherdurchsage. Wir fahren ein, werden aber vom Schleusenmeister auf die andere Seite und weiter nach vorne verwiesen. Super, das heißt in Eile Fender umhängen, in der Schleuse, und das unter Stress… Klasse. Doch alles geht reibungslos, ruckzuck sind wir vertäut, leider keine eingelassenen Poller sondern nur Sprossen. Und dann: wieder warten. Es dauert lange, bis sich die 220 Meter lange Schleuse mit Wasser füllt und unmerklich die ca. 1,5 Meter bei diesem Wasserstand überwindet. Das Hubtor öffnet sich, die Frachter fahren mit wenig Schraubenstrom aus. Wir fahren aus. Im Schleusenkanal verlassen uns die beiden anderen Segler und steuern, es ist halb Acht und wird bald dunkel – den Hafen des MYCL an.

Von Geesthacht nach Tespe

Wir beschließen, noch die 5 Seemeilen bis Tespe zu fahren. Dort soll es einen kleinen sympathischen Anleger eines Vereins geben, Gastlieger willkommen, na mal sehen. Wird schon passen. Vorher fahren wir weiter die Elbe hinauf, gegen den Strom in einem unglaublich schönen und farbenfrohen Sonnenuntergang. Es wird kalt. Eine Jolle kreuzt über die Elbe, die einzige Begegnung bis zum Hafen Tespe.

Zwischenstopp Tespe

Endlich erkennen wir die Hafeneinfahrt zum Hafen des Motorboot Verein Tespe durch das Fernglas. Die Einfahrt ist nur 1,5 Meter tief, gut betonnt, allerdings unbeleuchtet. Im letzten Licht, es ist 21 Uhr, verlassen wir die Elbe und tuckern durch die Hafeneinfahrt. Alles geht glatt, keine Grundberührung, die Zufahrt weitet sich zu einer Art Bucht. Ziemlich groß, größer als erwartet und sehr ruhig. Sicherlich auch schön um zu ankern. Einige Boote, vor allem Motorboote, aber auch einige erstaunlich große Segler. Größer jedenfalls, als ich sie hier erwartet hätte.

Hafeneinfahrt bei Tespe am Morgen

Kaum haben wir die Nähe des Stegs erreicht stehen dort schon „Einheimische“ und nehmen unsere Leinen an. Ein Hafenmeister ist nicht da, nur eine Holzkiste, auf der „Hafenmeister“ drauf steht. Die Einheimischen aber kennen sich aus und erklären uns alles. Sofort haben wir Landstrom und den Kloschlüssel aus der Kiste. Sehr freundlich und hilfsbereit die Leute hier. Wir laufen müde über den Deich zu den überraschend gut gepflegten und sauberen Sanitäranlagen. Von wegen ruhig, Mopeds knattern über den Deich, passen aber irgendwie hierher und erinnern mich an meine Jugend auf dem Land. Totmüde fallen wir in die Koje. Dank der Schleuse war es eine erstaunlich abwechslungsreiche Fahrt.

Um fünf erwachen wir wieder und torkeln erneut zum Sanitärhäuschen. Als wir zurück sind, sind wach und beschließen abzulegen. Bald wird die Sonne aufgehen. Wir rollen einen 10 Euroschein zusammen und stecken diesen, durch den Schlüsselring am Kloschlüssel gesteckt, zusammen mit dem Kloschlüssel wieder in die Kiste. Das ist der Preis für unsere Schiffsgröße mit Strom und Duschen. So einfach kann das sein! Leinen los, auf nach Lauenburg.

Zweite Etappe: Von Tespe nach Lübeck

Wir tuckern durch die Hafeneinfahrt in die Elbe hinaus und verlassen Tespe und die freundlichen Menschen dort. Ich koche erst mal Kaffee. Die Sonne geht hinter den Hügeln auf. Ein Frachter, einige Angler sonst viel Landschaft und Ruhe. Friedlich so früh am Morgen. Die Pinne in der einen, den Espresso in der anderen Hand geht es die Strömung gegen an Richtung Lauenburg. Eine sehr malerische Altstadt immer wieder im Fernsehen, vor allem

Lauenburg elbabwärts gesehen

wegen der Elbhochwasser, die die Alstadt überfluten. Dort kommen wir um 9 Uhr morgens an, Marion hat zwischendrin nochmal in der Koje gedöst, ich die Ruhe des Morgens und die Landschaft an der Pinne genossen.

Doch nun erreichen wir den Yachthafen Lauenburg an der Einfahrt zum Elbe-Lübeck-Kanal. Wir machen kurz fest und vertreten uns die Beine, auch hier sind die Sanitäranlagen sauber und groß. Einige Minuten später kommen unsere Freunde an, die uns durch 61,5 km langen Elbe-Lübeck-Kanal und die insgesamt neun Schleusen nach Travemünde begleiten werden.

Der Elbe – Lübeck – Kanal (ELK)

Vom WSA Lauenburg gibt es das Merkblatt zum Befahren des ELK mit knappen aber hilfreichen Informationen auf deren Webseite oder hier.

Weitere gute und kompakte Informationen zum Befahren des Elbe Lübeck Kanals findest Du auf der Seite „ostsee-marinas.de“ oder ober diesen Link.

Sleipnir in Schleuse am ELK

Sobald unsere Freunde an Bord sind werfen wir los. Schon 50 Meter weiter, vor der ersten Schleuse, müssen wir zusammen mit einem anderen Segler warten. Nach 15 Minuten erreicht uns ein Frachter, der vor uns in die Schleuse einläuft. Der andere Segler sagt lakonisch: „Den werden wir vor uns haben – bis Lübeck.“ Ich staune, klingt aber logisch. Höchstgeschwindigkeit ist für alle mit 10 km/h gleich, der Frachter ist unser Schleusenöffner. Na gut, dann eben gemütlich hinterher.

Egal, die Sonne scheint, wir haben Freunde an Bord, ein ruhiger und entspannter Tag bei mäßiger Fahrt mit vielen Schleusen liegt vor uns. Erst geht es so alle halbe Stunde durch eine Schleuse bergan, drei oder vier, dann geht es 30 Meilen ohne Schleusen durch schöne Landschaft, und dann wieder alle Stunde eine Schleuse bergab. Die 30 Meilen ohne Schleusen sind nicht langweilig, dank der schönen Landschaft und dem langsamen Tempo. Schon netter, den

Elbe Lübeck Kanal im Frühjahr

Motor bei seiner eigenen Marschfahrt von ca. 4 bis 4,5 Knoten zu bewegen hinter dem Frachter, als 13 Stunden Vollgas auf dem NOK. Außerdem sorgen die vielen Schleusen für Abwechslung.

Wir sind etwas erstaunt, wie wenige Sportboote wir treffen. Klar in unseren Eigenen Richtung nur der zweite Segler der mit uns fährt und der Frachter. Auf der Gegenrichtung treffen wir zwischen Lauenburg und Lübeck genau zwei Boote, beides Motorboote. Gut, unser Konzept Sommerliegeplatz Travemünde, Winterliegeplatz Hamburg ist vielleicht auch nicht sehr gängig.

Zwischenstopp Lübeck

ELK bei Lübeck am Abend

Dann wird es dämmerig, die Türme von Lübeck tauchen hinter einer Biege auf. Wir fahren im letzten Licht westlich um die Stadt am ehemaligen Stadtwall dem „Stadtgraben“ entlang, zickzack um die Stadt herum. Wir unterqueren eine Brücke und da liegen nun die alten Segelschiffe, Hafenanlagen, Frachter und die Ziegelfassaden der hübschen Häuser am Hafen.

Ein letztes Mal fahren wir um eine Kurve und erreichen um 21 Uhr den Yachthafen am Mediadock auf der Trave, direkt gegenüber vom ehemaligen Feuerschiff Fehmarnbelt und der bisherigen Marina.

Yachthafen im Lübecker Zentrum

Der Yachthafen am Media Dock in Lübeck ist neu gebaut, Fingerstege und große Yachten. Teilweise wirken die Yachten wie „zusammengecastet“. Hauptsache groß, repräsentativ und auffällig.

Natürlich sind wir das kleinste und älteste Boot. Und auch noch zu viert auf dem kleinen Ding …

Eine Homepage zur Marina gibt es als ich den Beitrag schreibe noch nicht, die Links verweisen noch auf die alte Marina. Selbst die Internetseite zum Restaurant, dem Hauptstandbein des Betreibers,  ist eher Platzhalter oder Werbetext als Info.

Trave in Lübeck am AbendWir machen uns auf die Suche nach dem Hafenmeister, ein Papierzettel auf der Innenseite der Glastüre an dem modernen Restaurant „The Newport“ behauptet schließlich, dass hier der Hafenmeister zu finden wäre. Ich öffne die Türe und stapfe in meinen Seglerklamotten mitten in eine superschicke geschlossene Gesellschaft an weißen Tischdecken im Abendkleid und Anzug. Der Betreiber des Ganzen fängt uns ab. Doch ja, hier ist der Hafenmeister, ja die Kasse ist gerade nicht da, ob wir morgen früh nochmal kommen wollen. Schnell werden wir hinauskomplimentiert, durch den Vordereingang, um nicht noch einmal durch die Gesellschaft zu spazieren. Wir sind amüsiert über diesen Zwischenfall aber auch etwas beschämt und enttäuscht.

Ein schwimmendes Sanitärgebäude, sehr modern, sauber und geräumig. Wir vermissen den etwas altmodischen Seglercharme alter Häfen und alter Anlagen und… genug Kleiderhaken in den Duschkabinen. Auf dem Dach ein Tisch und Bänke mit Blick auf die Altstadt von Lübeck– für die Segler? Finde ich ungewöhnlich, aber gut!

Später sitzen wir noch in der Plicht zusammen, lachen, blödeln und trinken ein „Einlaufbier“. Dann geht es endlich ins Bett. Es reicht für heute. Gestern mittag noch Hamburg City, heute Abend Lübeck, wir sind glücklich und begeistert, dass der Motor so gut mitmacht und wir es bis hierher geschafft haben. Die malerische Altstadt, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist, verkneifen wir uns heute.

Letzte Etappe: Lübeck – Travemünde (Ostsee) auf der Trave

Stadthafen Lübeck am Abend mit Leuchtschiff

Um sieben sind wir wieder auf den Beinen, gehen brav ins Restaurant und zahlen unsere Hafengebühr. 26,50 Euro, zu viert, mit Strom und Duschen, im Zentrum von Lübeck, das ist okay. Wir treffen wieder auf den Betreiber des Restaurants, der sich nochmals entschuldigt, dass er gestern nicht kassieren konnte und uns hinausschicken musste.  Ich finde man sollte wissen, auf was man sich einlässt, wenn man vor hat, zum trendigen Restaurant gleichzeitig den Yachthafen zu betreiben. Aus meiner Sicht als aktiver Segler keine stimmige Kombination. Für das „Gesehen-werden“ und das Repräsentieren wohl eher das Richtige. Er sagt, er habe ein Hafenrestaurant und er möchte gerne Segler an der Bar sitzen haben. Bemüht um uns ist er auf jeden Fall.

Für uns wünschen wir uns für das nächste Mal eine informative Internetseite zur Marina und das Gefühl, dass auch aktive Segler mit kleinen Booten willkommen sind. Der letztere Wusch ist vielleicht übertrieben, denn hier kommen vielleicht gar nicht so viele Segler durch….

Natürlich ist das nicht die einzige Möglichkeit mit dem Boot bei Lübeck zu übernachten. Kurz vor und kurz nach Lübeck gibt es verschiedene Vereine mit Gastliegeplätzen, zum Beispiel die Häfen auf der Teerhofinsel flussabwärts von Lübeck Richtung Travemünde. Informationen zu den Liegeplätzen auf der Teerhofinsel findest Du bei „Mein Ostseehafen“ oder hier.

Von Lübeck nach Travemünde

Denn dritten Tag, den Sonntag, lassen wir langsam angehen. Erst gegen 10:30 Uhr verlassen wir Lübeck um nach Travemünde zu dampfen. Erst noch einige Hafenanlagen, alle 3 Meter ein Angler, dann haben wir schon schnell die Stadt hinter uns gelassen. Wir lassen die Teerhofinsel mit den vielen Yachthäfen links liegen. Nach der Herreninsel dann erscheint die Trave eher wie eine Förde und weitet sich. Kein Wunder das sich hier einige Yachhäfen befinden, ein schönes Segelrevier.

An schönen grünen Ufern mit Stränden vorbei erreichen wir erst den Dassower See und dann die Pötenitzer Wiek, erstaunlich schön, das alles. Kaum 5 Seemeilen von unserem Liegeplatz in Travemünde, kannten wir das noch nicht, denn es zieht uns immer auf die Ostsee.

Endlich Travemünde

Und schon kommt der Fischereihafen in Travemünde in Sicht. 13 Uhr und wir sind am Ziel.

Und weil es so schnell und gut ging, beschließen wir noch schnell den Mast zu stellen. Am Passathafen ist ein Kran, und obwohl heute ein gesamter Segelverein den Mast stellen will, haben wir wohl Glück, wir rutschen am Mastkran so dazwischen.

Das Rigg ist schnell klariert und obwohl wir das das erste Mal mit unseren Freunden „fast alleine“ machen, geht es erstaunlich reibungslos. Beim ersten Mal haben wir zwar die Salinge angebracht, aber die Wanten nicht durch die Salinge gefädelt, keiner ist perfekt. Auch haben wir das Achterstag zusammen mit dem Rigg an den Mast gebunden, das ist unglücklich, denn das brauchen wir ja gleich mit als erstes. Und weil wir den Stropp verkehrt herum um die Salinge eingefädelt haben hängt der Mast beim Kranen nach vorne, statt nach hinten. Nur mit viel Geduld und Kraft bekommen wir den Mast deswegen gestellt. Resultat: die nagelneue Windex ist verbogen und unbrauchbar.

Dass nächste Mal beim Mast stellen: Stropp richtig anschlagen, Hauptwanten durch die Salinge fädeln, und Vor- und Achterstag separat halten. Und: Windex nicht zerstören ;-). Über die kaputte Windex sind wir sehr unglücklich, da müssen wir uns dann eben was Schlaues einfallen lassen.

Fazit zum ELK

Abwechslungsreich und entspannend, wenig Verkehr, schöne Landschaft und kurzweilig. Die vielen Schleusen waren halb so wild. Ist ja nur Fender hängen, längsseits anlegen, festmachen und rechtzeitig fieren oder dichtholen und Umhängen der Festmacher. Nix dabei. Nun ist auch Schleusen kein Abenteuer mehr.

Die Zwischenstopps in Tespe und Lübeck waren schön und die Marinas angenehm. Und erzählen gibt es außer dem etwas. Wir sind glücklich, die Tour – noch dazu mit guten Freunden – war ein voller Erfolg und der Mast steht! Ich denke, diese Tour werden wir häufiger machen.

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Manchmal werden wir gefragt:

Warum habt Ihr eine Segelyacht?

Für jeden ist etwas anderes wichtig, keiner legt bei dieser Frage die selben Maßstäbe an. Der eine schaut aufs Geld, dem anderen ist Unabhängigkeit am wichtigsten, der Dritte bewertet vielleicht den Status besonders hoch. Oder auch: nach Liebhaberei oder dem „ideellen Wert“?

Der Kern der Frage lautet also eher „Was ist uns daran wichtig? Warum ist es das Geld wert?“

Wenn uns klar ist, was wir wollen, sind die anderen Punkte notwendige Folgen und haben ihre Konsequenzen. Also zum Beispiel: ihren Preis.

Also warum haben wir ein Boot?

Segeln und damit das Segelboot ist für uns das gemeinsame Hobby schlechthin. Es ist Kurzurlaub, Zufluchtsort, das schwimmende Ferienhaus, Urlaub und Entspannung. Man könnte sagen: Wir sind verrückt nach segeln, wir haben den Segelvirus…

Unser Boot bietet uns viele glückliche Stunden mit Wind, Welle, Sturm aber eben auch Stille, lesen, dösen, baden, basteln, lachen und diskutieren, draußen sein und das Wetter hautnah spüren, am Boot oder dem Motor schrauben, Sonnenuntergänge, Regen im Gesicht, Strandspaziergänge, kochen, Abende und übernachten an Bord.

Und nicht zu vergessen: die vielen schönen Momente am Steg und in der Halle.

Außerdem ist es ein spannendes gemeinsames Projekt. Es bringt viele interessante und lehrreiche Kontakte, neue Freunde und Bekanntschaften im Verein. Ausserdem ist es ein großer Wissensgewinn, Abwechslung und Beschäftigung.

Was waren also unsere Kriterien?

Wir wollten und wollen immer noch:

  • viel Zeit darauf verbringen,
  • am und auf dem Wasser sein,
  • viel Segeln,
  • viel erleben,
  • viel über das Boot und das Segeln wissen und
  • davon so viel wie möglich!
  • Ach ja: Marion hatte dann die Idee mit dem Blog, was ihr und mir nun auch (neben viel Arbeit) viel Freude macht
  • und ich entdeckte, dass ein altes Boot viel Handwerksarbeit erfordert, was mir einen echten Ausgleich bedeutet.

Diese beiden letzten Dinge sind für uns eine wertvolle Erweiterung und Ergänzung des Themas.

Und möglichst viel am Boot selbst machen zu können ist nicht nur sehr befriedigend sondern für uns auch ein zwingend notwendiges Wissen, weil wir in ein paar Jahren auf Langfahrt gehen wollen.

Was kam denn oben nicht vor:

  • es darf nichts kosten,
  • wir wollen zwar segeln aber keine Arbeit mit dem Boot,
  • es muss einfach und unkompliziert sein,
  • ich will an vielen verschiedenen – auch entfernteren – Orten segeln,
  • ich will nur hin und wieder segeln (dann darf es auch einen Euro mehr kosten),
  • ich will ein topmodernes Boot

Die letzten fünf Punkte sprechen für mich deutlich für das Chartern.

Lohnt es sich also?

Ich glaube: für wen klar ist „ich will so viel Zeit auf dem Wasser wie möglich verbringen“ und „natürlich macht das Arbeit“, der kommt an einem eigenen Boot nicht vorbei.

Deswegen ist für uns die einfache Antwort: Ja, weil es nicht ohne eigenes Boot geht!

Wir haben dieses Jahr viel Zeit auf dem Boot verbracht und können immer hin, wenn wir das wollen. Und so ganz nebenbei: Wenn die Antwort „lieber chartern“ wäre, gäbe es ja das Boot und diesen Blog nicht, oder?

Aber die Kosten?

Im vorletzten Beitrag „Die Unterhaltskosten unserer Segelyacht in 2017“ ging es um’s Geld. Da findest Du übersichtlich alle angefallenen Kosten zu unserer Dehler Optima 830.

Natürlich hat ein Boot seinen Preis, und der ist hoch. Segeln ist eine der teuersten Freizeitbeschäftigungen die ich kenne. Schach oder Joggen wäre billiger. Kommt aber nicht in Frage. Dafür sparen wir lieber an anderer Stelle in unserem Leben. Wir haben nur einen und dazu einen kleinen Wagen, wir machen keine teuren Urlaubsreisen und wir wohnen auch nicht in unserer Traumwohnung….

Charterfans würden vielleicht sagen, das Boot ist zu alt, zu teuer und es macht zu viel Arbeit. Dafür kann ich ja chartern und habe keine Arbeit damit. Ja, nicht falsch, deren Kriterien sind aber auch sicherlich nicht unsere.

Da ist sie wieder, die Frage: Was ist uns wichtig? Auf was sind wir bereit hierfür zu verzichten? Vielleicht könnte man auch sagen: Segeln bringt Dich näher an den Sinn Deines Lebens?! Na, zumindest können wir hierdurch eher benennen, was uns besonders wichtig ist.

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Wir wollen aber auch nicht verschweigen, dass eine alte Segelyacht viel, viel Arbeit und auch Sorgen macht – aber wir wollten es ja so!?!

Ich hoffe ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen, ob sich das alles lohnt. Wenn ja, freut mich das sehr!

Bist Du mit etwas nicht einverstanden, fehlt etwas? Wie immer:

Schreib uns gerne einen Kommentar, wir freuen uns drauf!

Wenn es Dir gefällt – schreib Dich in den Verteiler ein!

Der Ratgeber für Neueinsteiger und Sehnsüchtige!

Vor einiger Zeit sprach mich eine Freundin an, sie will jetzt endlich segeln lernen. „Du kennst dich doch aus, wie gehe ich das am besten an und was muss ich machen? Ist das schwer?“

Wie und wann habe ich segeln gelernt?

Ich habe erst im Jahr 2013 segeln gelernt. Zwar hatte ich es schon lange vor, aber es kam nie dazu. Nach einem Segelausflug mit Sonne und Sturm auf der Alster war ich infiziert. Da ich keinen Plan hatte, löcherte ich sowohl Tante Google als auch den Segellehrer eines Vereins und den Inhaber einer Yachtschule nach Informationen. Angefangen habe ich im Juni 2013 und im September hatte ich die für mich wichtigen Prüfungen bestanden und die Scheine zusammen. Es war ein toller Sommer auf der Alster mit vielen Erlebnissen und neuen Eindrücken! Aber auch große Herausforderungen, teilweise auch sehr nah an meiner persönlichen Grenze.

Warum „Segeln lernen für Erwachsene“?

Neidisch blicke ich auch heute noch auf die Kids in ihren Optimisten, die scheinbar völlig angstfrei an die Sache gehen und sich ausprobieren. Wir Erwachsene durchdenken meist viel zu viel und bringen unsere ganze Lebenserfahrung ins Spiel. Wir haben deutlich mehr Hemmschwellen.

Ich habe mich selbst am Anfang schwer getan. Mit der Zeit kam aber die Routine und die Sicherheit. Diese Erfahrung wollte ich anderen weitergeben und ich begann, im Verein die Segelschule zu unterstützen. Am liebsten habe ich mit den ganz blutigen Anfängern gearbeitet: es macht so viel Spaß, anderen das Segeln näher zu bringen und die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. Es scheint alles so schwierig zu sein: Segelstellung, Schoten, neue Ausdrücke, schwankendes Boot…. Aber mal ehrlich: das war doch in der Fahrschule nicht anders: kuppeln, schalten, bremsen und dann auch noch den Verkehr im Auge halten? Heute ist das alles pillepalle.

Und jetzt zu dir!

Du willst endlich auch mit dem Segeln anfangen, weißt aber nicht wie, wo und was?  Damit du nicht soviel suchen musst, zeige ich dir die Möglichkeiten. Und ich erkläre dir, warum ich mich für meinen Weg entschieden habe.

Übrigens, das Thema „Prüfung und Schein“ lasse ich jetzt mehr oder weniger außen vor, das sprengt den Rahmen. Du sollst ja erst mal segeln und Spaß haben – also los gehts!

Wie und wo fange ich an?

Segeln lernt man auf der Jolle. Du hast direkt das Zusammenspiel von Wind, Segel und Wasser und spürst genau, was du machst und wie das Boot darauf reagiert. Das ist deutlich direkter als auf Dickschiffen, auch wenn dort die gleichen Kräfte wirken. Egal, ob du später nur Yacht segeln willst, fange auf der Jolle an!

WIE?

Das WIE ist einfach: in einem Segelkurs. In einem Kurs wirst du an das Segeln herangeführt und dir werden Manöver, Segeltrimm und Zusammenhänge erklärt und du kannst es direkt erfahren.

WO?

Es gibt hauptsächlich zwei Möglichkeiten, einen Kurs zu machen: in einem Verein oder einer Segelschule.

Persönlich bin ich Befürworter davon, das Segeln in einem Verein zu lernen. Der Umgang ist meist persönlicher und Vereinskollegen helfen gerne weiter, wenn es mal nicht so klappt. Daher habe ich mich für einen Verein entschieden. In meinem Verein segelten wir am Anfang mit geübten Seglern, um die Grundkenntnisse zu bekommen. Wenn das soweit passte, durfte man dann alleine zu zweit an Pinne & Fock. Der Segellehrer war von Anfang an mit dem Motorboot dabei und gab Tipps. Die Theorie wurde an Land erklärt. Der DSV hat anerkannte Vereine aufgelistet: ausbildende Vereine.

Natürlich kannst du auch bei einer Segelschule lernen. Die anerkannten Segelschulen hat der DSV hier aufgelistet: Segelschulen. Die Kursdauer variiert von Crashkursen in 14 Tagen bis hin zu 6-wöchigen Kursen. Meistens ist das Schema ähnlich: die ersten Stunden sind mit einem Segellehrer, dann in Zweiergruppen auf der Jolle. Dieses Gruppentraining wird von einem Segellehrer auf Begleitboot angeleitet. Danach sollte es noch Stunden zum freien Training geben! Diese Zeit gibt dir Sicherheit, du kannst die Manöver in deinem Tempo üben.

Egal ob Verein oder Segelschule, mache auf jeden Fall ein unverbindliches Schnuppersegeln. So merkst du, ob dir der Stil und Ton passt. Du musst dich wohl fühlen! Dieses Schnuppersegeln solltest du machen, bevor du dich für die Kursvariante entscheidest. Vielleicht bist du ein Naturtalent und schaffst locker den Crashkurs. Oder aber du bist wie ich und lässt dir ganz viel Zeit.

Mein ganz persönlicher Tipp: achte darauf, daß du genügend Zeit zum Üben hast. Schließlich bewegst du dich nicht alleine auf dem Wasser und solltest daher wissen, was du tust. Die Sicherheit kommt mit der Zeit und der Erfahrung!

Der Kurs endet normalerweise mit einer Prüfung & einem Schein. Und keine Angst vor der Prüfung: die Prüfer machen das oft und wissen, daß es gerade für erwachsene Prüflinge Stress ist.

Equipment

Du brauchst nicht viel, wenn du mit Segeln anfängst, das meiste hat man. Meine Liste für dich:

  • Schuhe mit heller Sohle. Ich empfehle Stoffsneaker, es wird auch mal nass in der Jolle
  • bequeme Kleidung, Jollensegeln ist sportlich
  • Regenbekleidung, die vom Radfahren ist ausreichend
  • Segelhandschuhe! Hier bitte gute, die billigen halten die Segelschule nicht durch. Ich hatte auch erst günstige gekauft. Nach 4 Wochen gab es dann gute von Musto, die habe ich heute noch.
  • nice to have: eine Cap. Gut bei Regen und Sonne!
  • wenn du deine Wertsachen am Steg nicht wegschließen kannst, besorge dir ein kleines Drybag, 5 Liter sind mehr als genug! (Bitte am Boot festmachen, sonst ist es nach dem Kentern weg…)

Und hier noch mein Insider-Tipp: Ersatzklamotte und Microfaserhandtuch, beides aber am Steg lassen!

Und was kommt nach dem Segelkurs?

Geschafft, du hast die Prüfung bestanden und festgestellt, es war alles weniger schlimm als erwartet! Ich habe viele Prüfungen begleitet und ich verspreche dir, danach wirst auch du sagen: war halb so wild. Auch wenn du mir das vorher nicht glaubst. Glückwunsch!

Versuche dich auf unterschiedlichen Jollen-/Bootsklassen. So merkst du schnell, was dir mehr liegt und Spaß macht!

Vielleicht bist du der sportliche Segler? Dann probiere dich mit Laser, Hobie-Cat und ähnlichen Booten! Es gibt verschiedene Kursangebote, sowohl im Verein als auch kommerziell. Man kann das auch gut mit einem Urlaub verbinden,  z.B. den Cat-Schein auf Fehmarn oder Mallorca. Vereine haben oft interne Regatta Gruppen, dabei lernst du mehr über Segeltrimm und das richtige Bootshandling.

Bei mir hatte es sich schnell herausgestellt, dass ich eher der sogenannte „Kaffeesegler“ bin. Das heißt entspanntes segeln mit anderen. Das Rauschen der Wellen und die Sonne genießen, abschalten. Es darf auch mal schnell, sportlich und nass werden, aber ohne Druck und ohne Streß.

Dich zieht es auf die Yacht? Dann suche dir Mitsegelangebote. Vielleicht kennst du inzwischen Bootsbesitzer, dann frag bei ihnen nach. Viele freuen sich über neugierige Mitsegler! Oft bieten Vereine Yachtsegeln an, auf eigenen oder gecharterten Booten. Auch ein Segelurlaub kann in Frage kommen. Dafür erkundige dich aber vorher unbedingt über den Anbieter. Am besten hörst du dich nach Erfahrungen von Bekannten um, durch den Segelkurs hast du ja erste Kontakte. Da du noch Anfänger bist, solltest du dabei Segelerfahrungen sammeln können. Nichts ist frustrierender als ein misslungener Törn! Lege dir ein Meilenbuch zu und lass dir deine Seemeilen immer unterschreiben. Es gilt als Nachweis für dein Können und für manche Scheine benötigst später du den Nachweis.

Die grundsätzliche Frage: Warum eine Prüfung und einen Schein?

Scheine und Prüfungen sind meistens unangenehm. Du musst zum einen lernen und zum anderen dich in eine Stresssituation begeben. Aus diesem Alter sind wir ja eigentlich raus. Also warum? Auf dem Wasser ist es wie auf der Straße: es gibt Führerscheine unterschiedlicher Klassen. Welchen Führerschein du benötigst, hängt also davon ab, was du vorhast. Aber vermutlich weißt du das noch nicht, wenn du anfängst. Welchen Schein du für was benötigst, erkläre ich dir in einem späteren Artikel.

Solltest du vorher schon Informationen darüber wollen oder Fragen haben, schreib mir einfach einen Kommentar, eine Mail oder über Facebook!

Übrigens: meine Freundin machte vor zwei Jahren ihren Schein und ist begeisterte Seglerin!

Daher zum Abschluss der ULTIMATIVE Tipp:

Ab aufs Wasser, geh segeln!

Wir träumen vom Sommer

Schnee im Hamburg!

Es ist Ende Februar und es schneit. Schnee und Frost lassen Hamburg seit Tagen langsamer ticken. Wir träumen vom Sommer, vom Segeln, ja zumindest vom Arbeiten am Boot.

Es ist die wohl schlimmste Jahreszeit für Segler. Du bist auf Frühling eingestellt, die Arbeiten am Boot rufen und dann das: Kälte, Schnee und Frost.

Es ist Zeit, dich und uns ein wenig in den Sommer zu entführen. Auf diesem Video siehst du, was auf der Trave an unserem Liegeplatz so alles an einem schönen Nachmittag am Wochenende los ist. Der Blick von unserem Liegeplatz geht direkt auf die Viermastbark Passat (1911) und die Mündung der Trave in die Lübecker Bucht. Auf dem Video erkennt man, dass der Viermaster ganz schön schwoit. Mit bloßem Auge ist das nicht zu sehen. Der majestätische Segler ist übrigens das Schwesterschiff der Pamir, die 1957 in einem Hurrikan kenterte und sank.

Warum Travemünde?

Warum eigentlich Travemünde, wenn wir aus Hamburg kommen und der Hamburg Hafen so bekannt ist? Weshalb segeln wir nicht wie viele Hamburger auf der Elbe?

Wie unsere Entscheidung letztes Jahr für Travemünde gefallen ist und welche die Vor- und Nachteile der einzelnen Liegeplätze waren, erzählen wir Dir in einem der nächsten Artikel.

Kurz gefasst: Travemünde bietet mehr Erholung und viel mehr Möglichkeiten ist aber auch die teurere Wahl. Doch jetzt erstmal zurück zum Liegeplatz.

Nachmittag auf der Trave

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Es ist nachmittag, die MS Hanse, unser üblicher Nachbar, ist noch nicht aus Lübeck zurück. Statt dessen liegt dort ein kleiner Ausflugsdampfer aus Lübeck, der auf die Rückkehr seiner Tagesgäste wartet. Die meisten Segler kommen von der Ostsee rein. Manche befahren die Trave unter Segeln, andere mit Motor. Wer genau hinsieht entdeckt die Schwanenfamilie und den Paddler… Und ein Motorboot auf Zickzackkurs Richtung Ostsee. Ein paar Boote machen sich auch noch auf in die Bucht für einen abendlichen Schlag und kreuzen gegen den Wind.

Ich könnte dem Treiben stundenlang zusehen. Egal ob morgens beim Frühstück, aus der Plicht am Nachmittag (falls wir ausnahmsweise mal im Hafen bleiben) oder abends beim Spaziergang von der Promenade.

Die Abendstimmung auf der Trave kennst du vielleicht noch aus einem anderen Blogartikel von uns aus dem August. Damals aber die andere Blickrichtung die Trave hoch, hier zu finden.

Travemünde Leuchtenfeld – Stadtseite, nicht der beliebteste Platz im Hafen

Wir lagen 2017 auf der Stadtseite. Eigentlich nicht der beliebteste Platz im Hafen. Für diesen Platz haben wir uns wieder beworben. Warum eigentlich?

Vieles spricht gegen diesen Platz. Es ist viel Bewegung auf dem Wasser. Bei jeder Fähre gibt es viel Schwell. Die Fähren nach Skandinavien und ins Baltikum ziehen nur 20 Meter von uns entfernt vorbei. Schwimmende Hochhäuser aus Stahl. Die Schiffsschrauben sind unter Deck sehr laut. Der Schwell schüttelt das Boot durch. Teils ist festhalten angesagt.

Es ist der Teil der Marina mit den Gastliegern. Neben unseren gewohnten und geliebten Nachbarn am Steg sind fast jedes Wochenende ein oder zwei andere Boote über Nacht oder für mehrere Tage hier. Das bringt neben dem „Zuhause“-Gefühl auch immer neue Gespräche und unterschiedliche Nachbarn. Die meisten sind sehr hilfsbereit und gesprächig. Wenige auch rücksichtslos oder wenig hilfsbereit. Einer sah mir interessiert vom Steg aus tatenlos zu, wie ich alleine mit den Leinen beim Anlegen auf dem Vorschiff kämpfte und dringend Hilfe brauchte. Zum Glück sind das nur Ausnahmen, aber auch irgendwie das Salz in der Suppe ;-)

Auch auf der Promenade ist immer etwas los, viele Menschen sind unterwegs. Lärmen, Gelächter und Massen an Touristen. Zusammen mit dem Flappen der Schiffsschrauben, dem zischenden Geräusch des verdrängten Wassers, dem Schwell und natürlich den kreischenden Möwen auf den Dalben ist das unser Urlaubselexier.

Trotzdem: Zum Schlafen brauche ich Ohropax. Ein ruhiger Liegeplatz ist etwas anderes.

Also warum wollen wir wieder dort hin?

Eigentlich aus genau diesen Gründen: es ist viel los auf dem Wasser und an Land, es gibt immer etwas zu sehen! Von der Dinette aus sehen wir die Frachter schon beim Frühstück. Ich freue mich immer wenn die „Nils Holgerson“ – eine der großen Fähren – vorbeizieht. Außer dem Hafenleben ist der Platz bequem und alles ist nah. Vor allem das Leben auf der Promenade und die Läden. Lust auf ein Eis? Keine Lust zu kochen? Zahnpasta vergessen? Kuchen zum Kaffee? Alles das ist direkt vor Ort.

Ich, bzw wir, lieben das Leben auf dem Wasser. Wenn wir in Travemünde ankommen, sind wir direkt im Liveaboard-Modus, unser Liegeplatz ist unsere Zweitwohnung. Ruhe finden wir auf dem Wasser. Das Land brauchen wir fast nur zum Einkaufen. Wir lieben die Flexibilität, die wir zum Beispiel im Passat Hafen gegenüber nicht hätten. Dort ist es zwar erheblich ruhiger, aber du hast nicht das quirlige Leben um dich herum. Wenn wir uns am Nachmittag unter die Touristen auf der Promenade mischen, befällt mich sofort eine ganz spezielle, aufgekratzt-entspannte Urlaubsstimmung.

Ach ja, und das Restaurant Il Gabbiano die Promenade weiter runter, nahe am Priwall-Fähranleger macht die besten Pizzen in Travemünde. Sehr lecker!

Außerdem hatten wir tolle Stegnachbarn. Und von mindestens einem wissen wir, dass er wieder da sein wird. Nicht mehr sehr gut zu Fuß aber segeln und Sprüche klopfen kann er wie ein echter Seebär. Und eine Stimme wie ein Nebelhorn. Auf Ihn und die Gemeinschaft am Steg freuen wir uns jetzt schon!

Jetzt erst mal: Sommer ab! Also wenn die -13 Grad morgen durch sind…

Kann ich mir eine Segelyacht leisten?

Das fragt sich wohl jeder, der vor der Frage steht, sich den Traum von einem gebrauchten Segelboot zu erfüllen. Dabei ist der Kaufpreis vielleicht noch gar nicht das Entscheidende. Weshalb das?

Neben dem Kaufpreis kommen jedes Jahr die Unterhaltskosten, also z.B. Liege-, Reparatur- und Betriebskosten dazu, und die sind nicht ohne! Du hast nicht nur die einmalige Kaufsumme sondern auch über viele Jahre verschiedene laufende Kosten und Verpflichtungen.

Also stellt sich zunächst die Frage, ob das Boot in die eigene und jetzige Lebenssituation passt. Hast Du genug Zeit für das Hobby? Hast Du Lust und die Möglichkeit, Arbeiten am Boot selbst zu machen? Steht Dein Freund, deine Freundin, Frau oder Familie voll hinter der Idee? Hierzu möchte ich Dir diesen Artikel mit den entscheidenden Fragen empfehlen.

Du bist bereits entschieden und alles passt? Dann soll es nun um die Unterhaltskosten gehen. Ich empfehle Dir die jährlichen Unterhaltskosten mit in die Entscheidung des Bootskaufs einzubeziehen.

Ausgangslage

In diesem Beitrag geht es um die jährlichen Unterhaltskosten unserer Segelyacht. Also alle Kosten, die durch ein Boot in einem Jahr entstehen. Er zeigt, wo das Geld im Jahr an einem konkreten Beispiel hin geht. Diese Kosten hängen natürlich von vielen Faktoren ab, unter anderem von

  • Größe (Länge),
  • Material, Bauart etc.,
  • Alter,
  • Instandhaltungszustand,
  • Ausstattung,
  • evtl. beim Kauf unerkannte Mängel (Elektrik, Motor, Segel, Rigg, Osmose, Ausstattung etc.)
  • gesegelte Meilen bzw. davon, wie hart das Material ran genommen wird,
  • wie gut Du Dein Boot in Schuß halten möchtest,
  • wo das Boot liegt (Liegegebühren) und
  • wieviel Du in der Werft machen lässt, bzw. machen lassen musst.

Es geht hier beispielhaft um unser erstes Jahr mit dem Boot. Es ist also ein Einzelfall, in gewisser Weise aber ein sehr gutes Beispiel, wie ich später zeigen werde.

Unser Boot ist die Segelyacht „Sleipnir“, eine Dehler Optima 830 mit 27 Fuss aus 1971. Im Originalzustand, noch mit dem ersten Einbaudiesel und dem ersten Rigg. Derzeitiges Fahrgebiet Elbe und Ostsee, bisher bei Windstärken bis ca. 6 bft, 700 gesegelte Meilen in 2017, also normale Nutzung.

Kauf

Wir wollten vor dem Kauf genauer wissen, welche Arbeit und laufenden Kosten wir uns aufhalsen würden. Also machten wir uns auf die Suche. Hierzu fragten wir herum, recherchierten im Internet und rechneten nach eigenen Informationen die vermutlichen Kosten pro Jahr aus. Mehr über das Boot und den Kauf findest Du in unserem Artikel über die Erfahrungen beim Kauf.

Diese Unterhaltskosten solltest Du einplanen

Eins vorab, unter 2.000 Euro im Jahr wird das normalerweise nichts. Und nach oben fast keine Grenze. Wo ist also ein vernünftiger, mittlerer Erfahrungswert?

Ergebnis unserer Recherche: eine unter Seglern verwendete Faustformel, die sich gut mit unseren Berechnungen und Annahmen deckt:

Unterhaltskosten einer Segelyacht: Bootslänge in Metern mal 500 Euro pro Jahr. 

Sind in unserem Fall bei 8,3 Metern Länge also rd. 4.200 Euro im Jahr.

Darin enthalten sind alle Unterhaltskosten des Bootes incl. Instandhaltung, (kleinere bis mittlere) Reparaturen und alle Liege-, Versicherungs- sowie Überführungskosten.

Wenn Du selbst rechnen möchtest, kalkuliere nach Deiner Recherche folgende Kosten:

  • Liegeplatz im Sommer
  • Liegeplatz im Winter
  • Kran (ein Mal rein, ein Mal raus)
  • Transport vom Winter- zum Sommerliegeplatz und zurück
  • Reparatur- und Wartungsarbeiten
  • Versicherungsprämien

Und wieviel habt Ihr in 2017 für Unterhaltskosten nun bezahlt?

Alles zusammen hat die Dehler Optima 830 in 2017 ziemlich genau 4.260 Euro Unterhaltskosten verursacht. Und damit etwa das, was wir geschätzt hatten. Und was die Faustformel sagte. Es scheint sich also um eine typische Summe zu handeln.

Hier die Positionen im Überblick:

Unterhaltskosten einer Segelyacht am Beispiel einer Dehler Optima 830 in 2017

Nicht ganz repräsentativ, da es das erste Jahr war und auch weil wir mehrere nicht ganz kleine Reparaturen hatten. Wir versuchten, möglichst viel am Boot selbst zu verstehen und selbst zu machen, sonst wären die Kosten höher ausgefallen. Natürlich fällt Instandhaltung und Betrieb bei jedem Boot unterschiedlich aus.

Nun kannst Du Dir unter der einen oder anderen Position vielleicht noch nicht viel vorstellen, daher erkläre ich diese jetzt.

Laufende Kosten und eine weitere Faustformel

Lasst uns die bisher gezeigten Kosten mal weiter aufdröseln. Zuerst einmal der Posten „laufende Kosten“.  Also was kosten Versicherungen, Vereine und der Sommer- und Winterliegeplatz:

Laufende Kosten der Segelyacht Sleipnir, einer Dehler Optima 830 aus 1971 im Tortendiagram

Der Sommerliegeplatz ist natürlich der grösste Posten. Winterliegeplatz ist in der Vereinsgebühr mit abgedeckt. Kranen entfällt bei uns, es wird geslippt. Also sehr günstig. Allerdings habe ich die mehrere hundert Euro teure Aufnahmegebühr heraus gelassen, denn die würde die o.g. Rechnung zu stark verzerren.

Für die Versicherungskosten gibt es übrigens eine weitere Faustformel:

Versicherung Vollkasko: ca. 3 % des jetzigen Wertes eines Boots pro Jahr

Auch dieser Wert kommt in unserem Fall ziemlich gut hin. Jetzt liegt nach unserer Logik das Boot im Wasser und ist noch keine Meile gesegelt…. Wenn ich aber segele kommt es zwangsläufig zu Kosten für

Reparaturen und Ersatzteile

Durch das Segeln entstehen Kosten, die direkt oder indirekt durch Verschleiß entstehen. Diese Position war für uns vor dem Kauf nicht zu greifen. Mehr als das, wir hatten kein Gefühl dafür, was das so sein könnte. Dabei ist es so einfach: Alles geht einmal kaputt! Segeln ist ein sehr Material intensiver Sport, eine „Materialschlacht“. Und Ersatzteile sind teuer. Viel teurer, als ich am Anfang dachte.

Diese Position heißt bei uns „Reparaturen/Ersatzteile“. Es ist die grösste Position unseres Boots in 2017, denn wir hatten mehrere ärgerliche und kostspielige Schäden:

Reparaturen und Erstzteilkosten der Segelyacht Sleipnir, einer Dehler Optima 830 aus 1971 im Tortendiagram

Beim Zusammenrechnen war ich verblüfft, wie viel die Reparaturen ausmachen. Sicherlich mag man einwenden, dass das z.B. die Wellenkupplung oder der Anlasser nur alle 20 Jahre mal kaputt gehen. Das ist bestimmt richtig, dennoch kommt diese Position irgend wann einmal. Also sieh diese Positionen eher als Beispiel für eine notwendige Reparatur während der gesamten Haltedauer eines Bootes. Und damit also anteilig in 2017.

In der Einzelposition „diverse Ersatzteile“ finden sich Dinge wie Lifelines, Erste-Hilfe-Kasten, Lizenzgebühren für Navionics, das Material für den „Bullenstander“, den Lattenrost aber auch für Antifouling und kleinere Anpassungen, die uns wichtig waren.

Es ging viel kaputt in dem ersten Jahr. Finanziell sind wir noch ganz gut weg gekommen, weil wir viel selbst machen konnten.

Betriebsabhängige Kosten

Nun waren wir auch Segeln, trotz der Reparaturen ;-). Die dabei entstehenden Kosten haben wir „Betrieb“ genannt. Dabei fallen z.B. Diesel- und zusätzliche Marinakosten an:

Betriebskosten der Segelyacht Sleipnir, einer Dehler Optima 830 aus 1971 im Tortendiagram

Da sind einmal die Marinakosten auf Törns (nicht der Sommerliegeplatz, der ist oben schon berücksichtigt) und die Dieselkosten während des Jahres und für die Überführung. Dazu fast vier Wochen Liegegeld nach der Überführung im Herbst in Hamburg, bevor es in die Halle ging. In dieser Position ist also der gesamte Part „Überführungskosten“ mit abgedeckt.

Streng genommen gehören diese Kosten überhaupt nicht in die Berechnung nach der Faustformel, ich wollte diese aber gerne mit in der Berechnung sehen. Also ist eigentlich das Ergebnis von 4.260 Euro Unterhaltskosten in 2017 um 590 Euro zu vermindern.

Sonstiges

Und dann gibt es auch noch die Position „Diverses“, Kosten die so nirgendwo reinpassen wollen, aber dennoch angefallen sind:

Sonstige Kosten der Segelyacht Sleipnir, einer Dehler Optima 830 aus 1971 im Tortendiagram

Beim Rest war z.B. die Gebühr für das Umschreiben der Funklizenz mit drin.

 Ausblick: Wie hoch werden die laufenden Kosten in der Zukunft sein?

Ein 47 Jahre altes Boot hat sicher höhere Kosten und auch eine höhere Schadenshäufigkeit als ein 20 Jahre altes Boot. Dieses Jahr war unser erstes Jahr mit dem Boot, also waren auch diverse kleine Ausgaben „Erstausstattung“ enthalten. Einige Projekte stehen noch an: Tiefenmesser einbauen, Boot streichen, Traveller tauschen, Reffsystem und Lazy Jacks bauen bzw. anbringen, die Genua muss neu etc. Da kommen noch größere Ausgaben.

Auf der anderen Seite: Wir wollen und können vieles selbst machen, das spart Geld. Unser Winterliegeplatz ist sehr günstig. Und zu guter Letzt glaube und hoffe ich, dass es nicht mit so vielen, so großen Schäden weiter gehen wird.

Damit gibt es einige Gründe, bzw. Hoffnung, dass die Kosten in der Zukunft etwas geringer ausfallen werden als in 2017. Grundsätzlich gehe ich aber nicht davon aus, dass wir viel billiger weg kommen werden. Ich vermute, wir werden in der Zukunft eher bei ca. 4.000 Euro pro Jahr liegen, also knapp unter dem Faustwert.

Viel Geld, aber das ist es uns wert. Oder wie man auch sagen könnte, es ist eine Frage der Entscheidung.

Oder: Was ist DIR wichtig im Leben?

Wichtige Tipps und Erfahrungsbericht mit Video

Einhandsegeln – das ist kein Geheimnis!

In unserem letzten Sommerurlaub musste Marion überraschend einige Tage arbeiten gehen. Ich war also alleine an Bord und hatte die Wahl zwischen im Hafen bleiben oder alleine raus zu gehen. Die Wahl war klar – alleine raus. Einhandsegeln! Aber was gilt es zu beachten? Die Internetrecherche ergab erstaunlich wenige Informationen. Ob Einhandsegler wortkarge Menschen sind? Natürlich las ich das wenige, was ich fand und beschloss es einfach auszuprobieren. Nachdem ich vorher schon verschiedentlich alleine auf einer Jolle auf der Alster in Hamburg gesegelt war, dachte ich mir, so schwer könne das nicht sein. Ist es auch nicht, aber es gilt einiges zu beachten, und das möchte ich gern mit dir teilen.

Was ist Einhandsegeln überhaupt?

Einhandsegeln bedeutet, ein Segelboot oder einer Segelyacht ganz alleine zu segeln. Abgeleitet vom englischen „hand“ für Besatzungsmitglied (vgl.: „all hands on deck“, „single handed“)

Wer sollte Einhandsegeln können?

Du kannst immer in eine Situation geraten, in der dein Partner oder Dein Team an Bord ausfällt. Seekrankheit, Unfall, MOB. Deshalb bin ich der Meinung: Jeder sollte Einhand segeln können.

Welche Voraussetzungen brauche ich?

Du solltest dir in jeder Situation und bei jedem Manöver auf dem Segelboot sicher  sein. Außerdem solltest du dich bereit zum Einhandsegeln fühlen.

Das heißt, Du beherrscht die gängigen Manöver sicher. Du bist bereits alle Kurse gesegelt und hast Erfahrung mit verschiedenen Winden, Windstärken und Wetterverhältnissen. Mehr noch, das Boot ist dir vertraut, du kennst alle Fallen, Taue und Beschläge und kannst das Boot alleine segelfertig machen. Du bist dem Setzen und Bergen der Segel und dem Vertäuen und Klarieren nach dem Segeln vertraut.

Soll heißen, du bist ein sicherer Segler, eine sichere Seglerin! Bist du? Na fein, dann übertragen wir das Ganze nun auf das Einhand segeln.

Wie lerne ich Einhand segeln?

Also, sicher segeln kannst Du schon, bist aber noch nie alleine gesegelt? Macht nichts!

Folgende Schritte schlage ich vor:

  1. Segele mit einem Partner gemeinsam, aber Du machst alle Manöver alleine.
  2. falls Du danach nicht sicher bist: Segele Einhand und bitte ein zweites Boot mit Freunden, Dich zu begleiten. Das sollte in Deiner Nähe bleiben und zur Not zur Stelle sein. Das wirst Du nicht brauchen, die moralische Unterstützung könnte aber wichtig sein.
  3. Alternative: Nur mit dem Großsegel segeln, wie auf dem Laser
  4. Du fühlst Dich sicher: Dann bist Du bereit und kannst Deinen ersten Ausflug Einhand planen.

Welche der Schritte du machst oder benötigst hängt ganz von deiner Einschätzung ab.  Ich bin nach der Segelschule mit einem Partner Einhand gesegelt, wie unter 1. Das war eher spielerisch, weil mein „Fockaffe“ keine Lust hatte. Ob ich mir da den Einhandsegel-Virus geholt habe?

Segle zuerst mit einem Partner Einhand

Am einfachsten beginnst du also auf einem vertrauten Boot, an dem gewohnten Ort (wegen dem An- und Ablegen) mit Deinem  Segelpartner und suchst dir einen Tag mit wenig Wind und gutem Wetter. Ihr startet ganz normal – mit einem Unterschied. Dein Partner ist heute nur Zuschauer und soll dir nur – und nur dann – helfen, wenn Du ihn darum bittest. Das sprecht ihr vorher am besten so ab. 

Warum? Du sollst heute alles alleine machen, er oder sie soll dir nicht dazwischen greifen, egal was – Boot am Steg abdrücken, Segel setzen, Fock bedienen, Segel klarieren und so weiter – heute du alleine. Ganz alleine! Dein Partner, Deine Segelpartnerin ist an Bord, das gibt Dir Sicherheit. Und du wirst sehen: du wirst Ihn oder Sie nicht brauchen! Und wenn Du zurück bist: auch das Groß wird alleine aufgetucht und die Fock zusammengelegt. Du wirst staunen: das bringt Dir viele neue Erkenntnisse und viel Sicherheit im Segeln!

Wenn das gut war kannst Du an das Einhand segeln denken. Ich selbst stand eines morgens bei wenig Wind am Steg und wusste  – jetzt ist es soweit.

Welches Boot brauche ich zum Einhand segeln?

Benötige ich ein spezielles Boot?

Nein, ein spezielles Boot ist nicht nötig – wenn Du auf einer Jolle segelst. Ich empfehle Dir für den Start allerdings eine gutmütige, leicht zu segelnde Jolle, keine Gleitjolle oder einen Racer. Nichts kippeliges oder zickiges! Gilt natürlich genauso für die Yacht. Bei einer Yacht gibt es noch etwas mehr zu beachten, hier bietet sich eine bestimmte Ausrüstung schon an. Diese haben normalerweise die modernen Yachten bereits an Bord. Dazu mehr weiter unten.

Ich gehe bei meinen Erklärungen von einem „Ersten Schlag“ alleine, also in Sicht- bzw. Rufweite zum Ufer aus. Diesen Schlag willst Du zum Üben machen.

In jedem Fall empfehle ich Dir – von klein nach groß – heißt: Starte Einhand auf der Jolle. Diese ist leicht und direkt zu steuern und einfach von Hand oder mit dem Stechpaddel zu bewegen.

Ausstattung

 Jolle, Ausstattung zum Einhandsegeln

Der Vorteil an der Jolle ist, dass diese einfach aber sinnvoll ausgestattet ist und du alles gut alleine bedienen kannst. Du benötigst keine zusätzliche Ausstattung, sofern du von der Plicht aus beide Segel bergen und alles bedienen kannst. Normalerweise ist das der Fall, nur mit Ausnahme der Fock. Zu Not wirfst Du die Fock einfach los und lässt diese auswehen.

Klar: Stechpaddel und Rettungsweste sowie Ösfass gehören an Bord bzw. „an den Mann“ – eine Selbstverständlichkeit.

Yacht, Ausstattung zum Einhandsegeln

Bei der Yacht gilt im Prinzip das Selbe. Die Yacht sollte für den Beginn nicht zu groß sein. Ich empfehle eine Größe für den ersten Schlag alleine von nicht mehr als 27 oder 28 Fuss. Bei dieser Größe ist alles gut erreichbar und bei Bedarf kannst Du das Boot noch vom Pfahl oder dem Anleger abdrücken, wenn es nicht gerade ein „Stahldampfer“ ist.

Außerdem ist im Idealfall alles von der Plicht aus bedienbar (Anker mal ausgenommen), bedeutet, folgendes ist vorhanden und Du mit der Bedienung vollkommen (!) vertraut:

  • Motor – hilft beim Ablegen und Anlegen, Manövern, Flaute oder (hoffentlich nicht notwendig) bei Notfällen
  • Rollfock, Rollgenua – erlaubt das Setzen, Bergen und Reffen von der Plicht aus
  • Bergesystem am Großsegel (Lazy Jacks, Lazy Bag, Rollgroß) – erlaubt die Bedienung von der Plicht aus
  • Einleinen-Reffsstem am Groß – von der Plicht bedienbar.
  • Umgelenkte Fallen und alle Trimmeinrichtungen vom Cockpit aus erreichbar
  • Großschot sitzend vom Ruder aus bedienbar (ja, es gibt auch Ausnahmen, z.B. auf dem Kajütdach)
  • Pinnenpilot oder Autopilot – unverzichtbare Hilfe beim Segel setzen und -bergen, Seekrankheit, Müdigkeit und natürlich beim Toilettengang.
  • Strecktaue – um Dich spätestens außerhalb des Cockpits oder bei stärkerem Wind oder Welle einpicken zu können. Persönlich empfehle ich Dir, Dich wenn Du alleine auf der Yacht bist immer einzupicken. Warum erfährst Du später oder im Video.

Klingt viel und kompliziert? Nun, Du wirst alleine an Bord sein und wirst auch bei Deinem ersten Schlag möglicherweise schon von Böen oder einem Gewitter überrascht werden. Dann bist Du draußen und alleine – und keiner kann Dir helfen. Also: „Keep it simple“. Es sind Dinge zu Deiner Sicherheit, für Dein Leben.

Wenn die Yacht älter ist – so wie unsere Dehler Optima 830 aus 1971, sind die Fallen oftmals nicht umgelenkt und kein Reff- oder Bergesystem vorhanden. Das geht zur Not auch, ist aber ein deutlicher Sicherheitsverlust wie Du im Video sehen kannst. Das kannst nur Du alleine bewerten, ob Du das Risiko eingehen willst. Empfehlen kann ich das für den Anfang auf keinen Fall.

Ich sah das etwas fatalistisch, allerdings stehen nun nach dem Einhand-Schlag kurzfristig Lazy Jacks und ein Einleinen Reffsystem auf der ToDo-Liste. Und das nächste Mal spanne ich die Streckleinen auch bei 3 Bft vor dem Ablegen…

Außer dem Üblichen wie Erste-Hilfe Material, Seenotmittel, Kompass und aktuellem Kartenmaterial etc. sollte mindestens noch ein Funkgerät an Bord sein. Bist Du länger unterwegs, empfiehlt sich neben dem Kartenplotter eine Rettungsinsel.

Nun haben wir fast alles zusammen. Nein, das Wichtigste fehlt noch:

Sicherheit

Wie immer ist die Sicherheit an Bord das Wichtigste, das heißt zuerst einmal, Du hast Deinen Schlag sorgfältig vorbereitet und geplant. Wetterbericht gecheckt, Dir ein Bild von der Lage gemacht und diese für Dich alleine (!) eingeschätzt, Freunden oder der Familie Bescheid gesagt und eine Rückkehrzeit vereinbart.

„Am Mann“ solltest Du immer folgendes haben

  • automatische Rettungsweste
  • Lifeline  – eingepickt natürlich, sonst hilft sie wenig ;-)
  • Epirb, falls vorhanden
  • Mobiltelefon mit Navigationssoftware, wasserdicht verpackt (evtl. Hilferufe und Backup fürs Navi und Zweit-GPS)

Persönliche Vorbereitung

Alleine = keine Hilfe

Du wirst alleine unterwegs sein und alleine alles schaffen müssen, egal was passiert. Schätze deswegen immer zuerst deine persönliche Sicherheit ein und bedenke mögliche Konsequenzen. Sei überlegt und schätze die Lage objektiv und an Deinen persönlichen Fähigkeiten gemessen ein. Es wird und es kann einiges schief gehen. Auch wenn das passier musst Du die Dinge alleine meistern können. Bereite dich deswegen auch darauf vor, dass es nicht glatt geht. Vor jedem Manöver und vor jeder Handlung.

Wir  haben z.B. bisher keine Lazy Jacks. Das Groß benötigt daher Zeit und aufwändiges Auftuchen falls es bei Sturm runter muss. Und das dann logischer Weise bei viel Wind und bei Welle. Außerdem sitzen bei uns Großfall und Winsch am Mast. Für mich war daher immer erste Frage: Wie entwickelt sich das Wetter? Wenn ich das Groß jetzt setze, kann ich es später alleine sicher reffen oder bergen?

Außerdem hatten wir noch keinen Mastnut-Stopper. Der hindert das Großsegel beim Herausrutschen aus der Mastnut. Weil ich den nicht hatte, sicherte ich nach dem Setzen des Großsegels dieses mit einem um den Mast geknoteten Tampen. Leider vergaß ich den Tampen zwei oder drei Male. Beim Bergen glitt dann das Groß aus der Mastnut, bildete einen Windsack und ich bekam es dadurch – vor allem bei viel Wind – kaum noch unter Kontrolle. Natürlich merkte ich das erst dann, wenn schon zwei oder drei Rutscher aus dem Mast gerutscht waren und der Wind hinein gegriffen hatte. Klar, jetzt haben wir einen Nutstopper.

Du siehst daran, wie schnell dich kleine Fehler in größere Probleme verwickeln können.

Alleine = nacheinander

Und alleine segeln bedeutet auch, die Dinge die ihr bisher zu zweit gemacht habt, nun nacheinander zu machen. Kannst du bei der Wende beide Segel gleichzeitig bedienen? Vermutlich nicht. Groß und Fock bedienst du also nacheinander. Aber in welcher Reihenfolge? Mein Tipp: Bediene erst das Groß und dann die Fock. Das heißt, Du gehst zuerst „durch den Wind“, die Fock steht back, dann holst Du die Fock über.

Allein = keine Fehler

Also, denke voraus, sei ruhig und überlegt. Vermindere Stress und Mißerfolg auf ein Minimum durch sorgfältige und frühzeitige Vorbereitung. Ohnehin – es wird vieles schief gehen. Bleibe ruhig und gelassen. Mache die Dinge früher als sonst. Reffe früher, bereite Segel setzen, Manöver und vor allem das Anlegen früher vor. Du bist alleine und benötigst deshalb auch viel mehr Zeit. Wenn es geht, nutze den Pinnenpilot.

Lasse Dir Zeit. Lieber eine oder zwei Runden mehr im Vorhafen drehen. Suche den Liegeplatz im Hafen sorgfältiger als sonst aus. Hole Dir beim Anlegen Hilfe. Ein freundliches, „Ich bin alleine an Bord, kannst Du bitte die Leinen übernehmen?“ wirkt normaler Weise Wunder. Dir wird gerne geholfen! Dennoch sind Anlegemanöver, auch für alte Hasen, Stress pur.

Lies dir hierfür die zwei oder drei wichtigsten Tricks für die Hfenmanöver an. Das würde hier aber den Rahmen sprengen.

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Weitere Tipps

Im Übrigen gibt es zum Einhand Segeln ganz tolle Bücher, die auch viele Einhand-Tipps im Gepäck haben, lies Dich ein und probiere bereits vorher einiges aus! Ich empfehle Dir „Stressfrei segeln“ von Duncan Wells. Reich bebildert, einfach erklärt und gute Tipps.

Bestelle bei Deinem kleinen Buchladen um die Ecke, der nimmt die Bestellung auch gerne telefonisch an und freut sich. Und für Dich ist das Abholen vermutlich einfacher als irgendwo im Paketshop.

Alles klar so weit?

Na dann: Viel Spaß und Viel Erfolg für Deinen Einhandschlag! Natürlich sind diese Hinweise aus meiner persönlichen Erfahrung geschrieben. Die Anwendung der Tipps ist – wie immer beim Segeln – auf eigene Gefahr.

Weitere Fragen? Schreib mir einen Kommentar! Erzähl wie es gelaufen ist, und welche Tipps Du noch hast!

Es gibt vier Jahreszeiten.

Drei davon sind für mich prima, die vierte allerdings bringt mich jedes Jahr fast an die Grenze: der Winter. Ich konnte dieser Jahreszeit noch nie viel abgewinnen: kalt und dunkel. Seit ich segle, ist diese Jahreszeit noch schlimmer geworden. Ende Oktober ist normalerweise die Saison vorbei, die Boote sind an Land und die düstere Jahreszeit beginnt. Und langsam kommen die ersten Entzugserscheinungen…der Segel-Winterblues!

Zeit etwas dagegen zu tun! Aber was sind unsere Gegenmittel? Klar, wir schauen uns unsere Erinnerungen an, unzählige Videos und Photos! Und wir verfolgen andere Blogs, zum Beispiel Nike Steiger und ihr Vlog Untie The Lines. Wir besuchen Vorträge Hamburger Segelvereine, der Blankeneser Segel-Club e.V. und der NRV haben jeden Winter interessante Programme. Unter anderem konnten wir dort schon Vorträge von Sönke Roever und Max Lessner sehen. Aber was, wenn das nicht mehr genügt?

Dann müssen wir raus, ans Wasser!

Heute stelle ich euch meine Lieblingsorte gegen den Segel-Winterblues in und um Hamburg vor.

Alster

Alster im WInter mit Eisschicht

Auf der Alster habe ich Segeln gelernt, daher ist für mich die Alster eng mit Segeln verbunden. Ein Spaziergang an der Außenalster ist immer wieder schön. Und dann ein Stopp an der Alsterperle – einer der schönsten Spots im Winter! Ein ehemaliges Toilettenhäuschen wurde zu einem Café umgebaut, es gibt warme Getränke und Erbsensuppe. Man trifft sich, vor allem bei Sonne!

Adresse: Eduard-Rhein-Ufer 1

Und wenn man sich doch aufwärmen muss, empfiehlt sich das Literaturhauscafé. Nur wenige Schritte entfernt auf der anderen Seite der Strasse.

Hier gibt es Kuchen in einem wunderschönen klassischen Ambiente. Man beachte die Kronleuchter!

Ausblick MfG Binnenalster

Ein schönes Café mit Blick auf die Binnenalster ist das „Mit freundlichen Grüßen“ – Lampen in Backbord und Steuerbordfarben mit feinstem Alsterwinterblick (für ‚Nicht-Hamburger‘: Alstersommerblick ist, wenn der Blick auf die Alster nicht durch Bäume verdeckt wird. Das erhöht die Immobilienpreise!) Hier, über dem Jungfernstieg, lässt sich der Trubel von der Innenstadt leicht vergessen.

Lampen im MfG

Elbe

Strandperle Hochwasser

Wenn ich gegen starke Segel – Entzugserscheinungen vorgehen muss, dann ist bei mir natürlich die Elbe an erster Stelle. Und wer an die Elbe denkt, denkt natürlich direkt an die Strandperle. Im Winter ist diese Strandbar absolut empfehlenswert, denn nur im Winter gibt es dort leckere frische Waffeln! Dick in Fleecedecken eingewickelt, lässt sich der Winter gut ertragen. Ob Familien, Spaziergänger mit Hund oder einfach nur Wasserverrückte, hier ist der Blick auf die Elbe einfach nur schön. Und bis zum Nachmittag hat man hier auch viel Ruhe.

Mein alternativer Lieblingsort ist das Entenwerder 1. Leider kein Geheimtipp mehr, aber immer ein Besuch wert. Vor allem unter der Woche ist das ein schöner, ruhiger Ort. Draußen in Decken gewickelt oder innen im Container mit wunderbar bunten Wänden. Den Ponton ziert ein goldener Pavillion, ein ehemaliger Teil einer Ausstellung. Die Karte ist klein, es wird immer frisch gekocht. Und es gibt Gemüse/ Kräuter vom Biohof – schon lange hatte ich keine so leckere frische Minze mehr! Der Kaffee kommt von den Public Coffee Roasters, die direkt nebenan rösten.

Auch sehr schön und mit ordentlich Hafen-Flair in der City ist das Feuerschiff. Das liebevoll zu Restaurant, Bistro und Bar umgebaute ehemalige Feuerschiff bietet einen schönen Blick auf den City-Sporthafen. Seit einiger Zeit werden auch Kajüten vermietet, eine tolle Alternative zum Hotel! Wer das Gefühl von Seeschiff und Tradition haben möchte, ist hier richtig. Ich stelle mir das Feuerschiff immer als meine perfekte Wohnung vor!

Und sonst, was gibt es noch?

Wenn es richtig kalt ist, lohnt sich ein Besuch im Tropenaquarium bei Hagenbecks, dort herrschen sommerliche Temperaturen und überall ist Wasser! Faszinierende Tiere und traumhafte Welten. Ja, ich bin kein Fan von Zoos, aber er existiert und hat zumindest einen Bildungsauftrag. Hier ist allerdings die Uhrzeit fast egal, denn vormittags sind Schüler dort, nachmittags Familien. Aber die Wasserwelt lässt dich schnell abtauchen!

Aquarium Hagenbecks

Blick von der Linie 62 auf den Hafen

Wenn nichts mehr hilft, dann machen wir eine Rundfahrt mit der Linie 62. Diese Linie fährt ein mal im Kreis, an Övelgönne vorbei bis nach Finkenwerder und zurück. Und nur im Winter hat man das Deck für sich – allerdings muss man sich ordentlich warm anziehen!

Ein Video einer Rundfahrt findet ihr in dem Beitrag 2017 – unser erstes Jahr als Eigner. Natürlich im Dezember, die Entzugserscheinungen waren groß! Wir sprangen in Dunkelheit und Kälte an Deck herum um uns warm zu halten bei 1 Grad Celsius. Der Kapitän muss uns für bekloppt gehalten haben…

Als Hamburger hat man es nicht weit zur Ostsee, so kann man auch einfach mal an die Lübecker Bucht fahren. Ein Spaziergang an der Hermannshöhe und dann nach Timmendorfer Strand. Im „Café Wichtig“ unter Heizstrahlern lässt sich gut sitzen und die Gäste beobachten. Und natürlich Travemünde, unser Liegeplatz. Wohin ist eigentlich egal, hauptsache Meer! Das Meeresrauschen, die Spiegelung des Lichts, die frische Luft lässt mich von neuen Segelabenteuern träumen! Und die Entzugserscheinungen sind erst mal ein wenig gestillt…

Ostsee bei Warnemünde im Winter

Hilft es nicht, wenn ihr am Boot seid?‘ Jein. Es ist schön, am und im Boot zu sein, es fühlt sich an wie zuhause. „Hüggelig“ wie die Dänen sagen. Aber: das Boot steht in der Halle, es bewegt sich nicht. Es fehlt das Geräusch und das Gefühl von Wasser. Daher muss manchmal etwas stärkeres her! Das sind jetzt bestimmt nicht alle Möglichkeiten, aber diese sind erprobt und werden je nach Stärke der Entzugserscheinungen angewendet!

Ich freue mich, wenn unsere Tipps dir gefallen – oder vielleicht auch helfen?! Hast du noch einen anderen Vorschlag, eine Idee? Was machst du gegen den Winterblues?

So, nun ist es fast vorbei, unser erstes Jahr als Eigner.

„Eigner“ das klingt so groß, so nach „mein Haus, mein Auto, mein Boot…“. Aber es ist ja nicht immer so, auch ein 27 Fuß Segelboot ist eine Yacht. Und die gehört jetzt uns. Und daher sind wir Eigner.

Wie es dazu kam und wie das ganze Jahr für uns war, habe ich mal zusammen gefasst. Das war garnicht so einfach, alle Ereignisse zusammenzubekommen. Ich habe jetzt nur die großen Dinge herausgepickt

Dezember 2016

Im Herbst 2016 erzählte mir Christoph von einer Anzeige auf Ebay Kleinanzeigen für eine Dehler Optima 830.

Dehler Optima 830 Backbord Seite im Wasser

Er nahm Kontakt mit dem Eigner auf, ein älterer Herr, der aus gesundheitlichen Gründen das Segeln aufgeben musste. Dieser war sehr nett – und anscheinend mochte er uns. Aber es kam erst mal nicht zu einer Besichtigung. Im Dezember schauten wir uns mal wieder Boote an, unter anderem eine Seamaster 925, eines meiner Traumboote. Aber sie war mir zu groß, ich wollte etwas kleineres für den Anfang. Christoph war da zuerst anderer Meinung, bis wir auf Deck standen und er feststellte, was 9,25 Meter sind. Die Dehler hatte die richtige Größe, also vereinbarten wir den Besichtigungstermin. Als wir auf dem Boot waren – war uns beiden klar: das ist es. Tolles Raumangebot, gute Größe, offenbar das perfekte Angebot. Klar waren uns ein paar Dinge aufgefallen. Daher telefonierten wir, machten uns schlau und diskutierten viel und lange. Es gab Verhandlungen mit dem Voreigner und  am 30.12. war die Vertragsunterschrift bei uns in der Küche – wir waren Eigner! Uns beiden war mulmig zumute: war das die richtige Entscheidung?

Januar 2017

Viele weitere Telefonate folgten: Anmeldung bei der Versicherung, Bewerbung für den Liegeplatz. Wir entschieden uns für Travemünde und gegen die Elbe. Durch unseren ehemaligen Segelverein kannten wir den LYC und wussten, wo wir ungefähr liegen wollten.
Bei unseren Überlegungen kommt uns die Idee, wir könnten unsere Erlebnisse und Erfahrungen eigentlich in einen Blog schreiben. Also gehen wir in Konzeption: Warum? Für wen? Wie? Ich mache mich mal gleich an die Arbeit und versuche, eine ansprechende Seite zu entwerfen und erstellen.
Aber welchen Namen soll das Kind bekommen? Hey, Hafenkino! Was passt besser zu uns?

Warum Hafenkino? Das erklären wir in dem Trailer auf der Startseite!

Februar 2017

Unser zweiter Besuch bei unserem Boot Sleipnir. Wir waren sehr aufgeregt: wird das Boot uns immer noch gefallen? Was erwartet uns, was haben wir übersehen? Nach der Fahrt nach Barth fanden wir uns auf dem Boot im Winterlager wieder : und konnten es immer noch kaum glauben… unser Boot!
Aber: das Unterwasserschiff machte uns Sorgen. Wir sprachen mit Herrn Brandt vom Barther Yachtservice und soweit klang es gut: Abschleifen und neu machen, sollte nicht so teuer werden. Keine Osmose. Puh.

schlechter Zustand Unterwasserschiff und Antifouling

schlechter Zustand Antifouling vor Neuaufbau

Okay, er sollte das Boot zu sich holen, im Moment lag es noch ein paar Meter weiter in der Halle. Termin sollte so gegen Ostern sein. Alles gut soweit.

März 2017

Unterwasserschiff – das Thema der ersten Monate. Beim Abschleifen wurde schnell festgestellt, so geht das nicht. Okay. Es musste doch abgestrahlt werden, wodurch sich die Kosten erheblich erhöhten. Nützt ja nix…also Unterwasserschiff fast neu.

April 2017

Dehler Optima 830 aufgetakelt

Wir wollten Ostern überführen. Aber: Sleipnir war nicht fertig. Also umplanen und Ostern die Familie besuchen. Im Nachhinein auch okay – das Wetter war sowieso nicht passend. Dann endlich die Nachricht: das Unterwasserschiff ist fertig.  Also Urlaub geplant zum letzten Aprilwochenende. Christoph ist schon mal vorgefahren, ich musste noch einen Tag arbeiten. Schon auf dem Weg mit dem Zug nach Barth der Anruf von Christoph: der Motor geht nicht. Angekommen erst mal Frühstück & Lagebesprechung. Der Anlasser war kaputt. Wir konnten am selben Tag noch eine Bootsmotorenwerkstatt finden und den Anlasser zur Reparatur bringen. Und wieder die Frage: war das die richtige Entscheidung mit dem Boot?

Mai 2017

Arbeiten am Bootsmotor

…warten auf den Anlasser… Und wir fangen an, den Blog mit Leben zu füllen. Die ersten Geschichten werden geschrieben, die ersten Videos gedreht.

Dann die Nachricht: der Anlasser ist fertig! Wir fahren zu Sleipnir, um den Anlasser einzubauen und das Boot einzurichten. Jede Menge Geschirr und Schnick Schnack. Und es wird geputzt. Und…der Motor läuft! Was für ein schönes Geräusch! Wir takeln auf und machen unsere erste Runde auf dem Bodden. Sie fährt – und wir segeln! Wir können es kaum fassen.

Eine Woche später: Überführung!

ungewöhnliche Kaffeezubereitung mit Campingkocher an Bord

Endlich ist es soweit. Mit weichen Knien machen wir uns auf den Weg. Christoph hat noch für die Gasanlage einen neuen Druckregler besorgt, schließlich wollen wir ja auch Kochen, vor allem ohne Kaffee geht nichts. Aber wie soll es auch anders sein – die Gasanlage lässt sich nicht instand setzen – also wird gekocht, was mit dem Campingkocher und Wasserkocher zu machen ist. Ist auch halb so wild – bei der ganzen Aufregung hatten wir die Einkäufe zuhause vergessen. Oh je…
Wir lassen uns davon nicht abhalten – Stefan, ein Freund aus unserem ehemaligen Segelverein begleitet uns und wir fangen langsam an, das Leben als ‚Eigner‘ zu genießen…

Juni 2017

Ist etwas besonderes passiert? Nein, wir lernen unser Boot kennen, wir richten uns ein, im Boot und am Liegeplatz. Es werden Sorgleinen gespannt, Ruckdämpfer eingebaut und die Hafenmanöver geübt.

Origo 3000 Spirituskocher an Bord

Wir genießen das Leben an Bord, es ist für uns immer eine Auszeit von der Realität. Da die Gasanlage ja nicht mehr in Gang zu setzen war, haben wir einen schönen 2-flammigen Spirituskocher gekauft. Tolles Ding.
Und damit wir bequem kochen können, hat Christoph eine Ablage über dem alten Kocher gebaut. Sehr praktisch!

Juli 2017

In Hamburg ist G20 angesagt – und wir fliehen aus der Stadt. Unser erster Kurzurlaub mit Sleipnir, leider sehr überschattet durch die Ereignisse zuhause. Wir segeln nach Grömitz und Boltenhagen – und sind froh, unterwegs zu sein. Endlich fühlt es sich wie ein Zuhause an, es kommt das Gefühl, welches wir uns erhofft, gewünscht und geträumt haben!

Tisch in der Plicht Dehler Optima 830

Christoph hat Spaß beim Segeln mit mir – und hält das mal direkt in einem Video fest…
Es wird Zeit für eine neue Matratze, das alte Ding geht nicht mehr – durchgelegen und muffelig. Also mal wieder die Gehirnzellen angekurbelt. Wir sägen uns Dachlatten zurecht und schneiden aus einer alten Matratze, die wir noch übrig hatten, eine passende neue für das Boot zu. Der Bericht dazu kommt noch, das ist doch ein nettes Winterthema. Schlafen wie im siebten Himmel! Juhuuu!

August 2017

Dehler Optima 830 in Action beim Segeln

Wir fühlen uns immer heimischer an Bord, unsere Stegnachbarn sind schon wie echte Freunde. Wir verbringen nette Tage an Bord, auf dem Wasser, in Travemünde. Aber langsam wir uns auch klar, die Saison neigt sich dem Ende zu…
Sleipnir bekommt neue Batterien gegönnt. Und wir lernen beim Händler, daß wir diese auch gut pflegen – sprich, laden – müssen. Okay, wir machen das ab sofort besser. Außerdem wurde der Motor immer langsamer. Nach einiger Recherche gab es dafür nur eine Lösung: tauchen. Also ging Christoph erst mal ins Wasser und kratzte jede Menge Pocken und Muscheln vom Propeller. Und siehe da, der Motor lief wieder besser.

Christoph hat Urlaub. Leider muss ich genau in dieser Zeit viel Arbeiten – so müssen wir unsere großen Pläne etwas herunterschrauben. Eigentlich wollten wir in die Dänische Südsee, aber Grömitz ist ja auch nett. Ich versuche dennoch, soviel Zeit wie möglich an Bord zu verbringen. Und Christoph macht seine ersten Einhand – Erfahrungen. Ankern bis in die Nacht, alleine Hafenmanöver, Segel setzen und bergen (wir machen das alles noch am Mast und ohne Lazy Jacks). Das hat ihm ziemlich viel Spaß gemacht. Aber darüber wird er noch berichten!

September 2017

Einer meiner Lieblingsartikel wird endlich fertig! Ich habe Christoph ein Kochbuch zum Geburtstag geschenkt… ja, sowas machen wir! Und endlich kochen wir ein Gericht nach! Das hat echt viel Spaß gemacht – und es war eine Herausforderung, in Travemünde alle Zutaten zu bekommen.
Das Wetter wird schlechter, die Tage kürzer, es geht langsam in Richtung Saisonende… die Überführung muss geplant werden. Außerdem brauchen wir einen stählernen Bock für das Winterlager. Noch klappt der Verdrängungsmechanismus!

Bis… ja, bis die Wellenkupplung bricht. Und, weil das nicht reicht – platsch – und Christoph ist weg. Abgerutscht und ins Wasser gefallen. Dabei ging eine Smartwatch verloren und ein Iphone baden. Die sind nicht wasserdicht – schon garnicht bei Seewasser.

Uns wird langsam klar, was noch vor uns liegt. Zum Glück konnte uns ein Händler und Werkstattinhaber aus Travemünde helfen, er konnte die Kupplung besorgen und soweit zusammenfügen, dass wir die Überfahrt nach Hamburg machen können.

Oktober 2017

Überführung nach Hamburg! Wir entschieden uns für den langen Weg, über den NOK. Noch mal eine 4-tägige Tour über Fehmarn und Kiel zum Abschluss! Das war ziemlich spannend, aber für mich auch sehr traurig. Wir hatten viel Spaß mit Anni & Phillip. Vor allem der Dreh zum „Plopp“ Video war witzig! Und zum Schluß des Törns die rasante Fahrt über die Elbe bis in den City Sporthafen! 9,1 Knoten Fahrt! Okay, mit der Strömung…aber wow, was für ein Saisonende!

Jetzt müssen wir noch den Lagerbock bauen. Schwere Eisenteile wollen geschweißt werden. Ein Spielplatz für Männer – ich halte mich von solchen arbeiten fern! Da fliegen Funken und das ist nicht mein Metier!

November 2017

Der Termin für das Ausslippen steht. Tja, aber wie soll es auch anders sein – Hamburg fährt wieder einmal alles auf, was es zu bieten hat – und bringt eine Sturmflut vom feinsten. Wir müssen das Ausslippen verschieben, was nicht so einfach ist, da man nur zu Hochwasser ausslippen kann und andere Vereinsmitglieder nach uns auch noch Termine haben. Aber es klappt dann doch noch – bei schönstem Sonnenschein! Und Christoph darf zum Saisonabschluss noch bei 12 Grad Wassertemperatur in die Elbe – um die Patschen am Lagerbock zu richten. Seine Taufe hat er bestanden, haben die Segelkollegen gesagt. Das muss wohl jeder mal machen!

Sleipnir sitzt, ist eingewintert und jetzt beginnt die undankbare Zeit…

Dezember 2017

Was für ein Jahr!!! Ich kann gar nicht alles zusammen bringen, so vieles fehlt noch! Sleipnir wird jetzt im Winterlager eine neue Außenfarbe bekommen, der Motor wird gecheckt und die Wellenkupplung richtig gemacht. Die Genua wird beim Segelmacher überarbeitet. Lazy Jacks montiert, kleinere Reparaturen und Ausbesserungsarbeiten. Das alte Material leidet. Und wir waren gestern Abend bei 1°C mit der Fähren 62 auf der Elbe unterwegs, natürlich an Deck, um die Entzugserscheinungen zu mildern… Ein Video davon gibt es auf Facebook oder Instagram zu sehen

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Wie hat sich das erste Jahr als Eigner angefühlt?

Es war ein Jahr voller ups and downs. Es fing an mit dem Kampf um die Entscheidung: Sleipnir ja oder nein? Uns war klar, dass es ein altes Boot ist – und wir nicht viel Erfahrung haben. Aber das Boot hatte so ziemlich alles, was wir uns vorgestellt hatten. Zumindest auf dem Papier. Und doch gab es Fragezeichen. Unser Wunsch und unser Optimismus siegte vor der Vernunft, zumindest im Nachhinein gesehen.

Nachdem Sleipnir endlich an seinem Liegeplatz war, konnte das Abenteuer beginnen. Auf jeden Fall haben wir die Saison ausgiebig genutzt. Fast jedes Wochenende verbrachten wir auf dem Boot. Und auch, wenn der Sommer im Norden maximal eine 4- war, die Wochenenden in Travemünde waren meist trocken und auch schön sonnig. Was wollten wir nicht alles besegeln… Dänische Südseee, mindestens aber mal nach Fehmarn oder Kühlungsborn und landeten doch meist wieder zuhause oder in Grömitz. Aber vermutlich ist das im ersten Jahr normal. Alles war aufregend, neu und schön!
Am schönsten finde ich, dass sich die Welt sofort verändert, sobald ich beim Boot bin. Sorgen relativieren sich, Ansprüche verändern sich. Es macht mich glücklich, auf dem Boot und auf dem Wasser zu sein, selbst wenn wir nicht raus und Segel setzen können.

Wenn aber etwas kaputt geht, bringt es mich schnell an meine Grenzen. Das Boot ist, was die Technik angeht, ein Terrain, das ich nicht kenne und nicht durchblicke. Ich bin sowohl handwerklich als auch technisch nicht unbegabt – aber Motor ist absolut nicht meins. Und vor Elektrik habe ich viel Respekt. Jetzt sind das aber die Dinge, die bei einem alten Boot am meisten Sorgen machen… nun gut, Christoph ist aber ein Bastler, da ergänzen wir uns zum Glück!
Inzwischen sehen wir Sleipnir als Übungsplatz an: auf Langfahrt ist es wichtig, dass man möglichst viele Dinge selbst machen und reparieren kann. Alles andere kostet viel Geld.

Was war besonders schön?

Besonders schön fand ich unsere erste Fahrt mit Sleipnir, die Überführung nach Travemünde. Der Motor lief, die alte Dame segelte. Wir waren am Anfang zu dritt, den letzten Abschnitt segelten wir alleine. Und endlich, nach dem ganzen hin und her mit dem Unterwasserschiff und dem Anlasser, kam das gute Gefühl, das Richtige getan zu haben! Wir sind Eigner!

Wir haben eine Träne im Auge, denn die Saison endet heute

Heute wollen wir ausslippen, aus dem Wasser und in die Halle. Wir starten morgens um halb elf bei allerschönster Sonne im City-Sport-Hafen in Hamburg. Es geht in das Winterlager auf der Peute in Hamburg.

Der Mast ist bereits gelegt, das haben wir vor wenigen Tagen im Rüschhafen gemacht. Wir tuckern also an diesem schönen Morgen an der Elbphilharmonie vorbei die Elbe hinauf. Ein würdiger Abschluss unserer ersten Saison als Eigner. Wir passieren die Freihafen-Elbbrücken, bisher habe ich immer von oben herabgesehen auf die Boote und Schiffe, wenn ich mit dem Rad darüber fuhr. Ein Erlebnis die Brücke heute auf dem eigenen Boot zu unterqueren. Kurz danach dann die Elbbrücken, dahinter weitet sich der Blick. Links der Park Entenwerder, mit dem Ponton und dem goldenen Pavillon des Café „Entenwerder 1“, wo wir gerne Kaffee trinken und auf die Elbe sehen. Wir überlegen kurz am Ponton anzulegen und uns einen Latte Macchiato zu holen,  fahren dann aber weiter, um um bloß nicht den Hochwasserscheitel zu verpassen.

Rechts kommt unser Segelverein in Sicht, der Hanseat mit seiner Halle aussendeichs. Gestern beim Orkan und Sturmflut schwammen alle Boote in der Halle… Ein Einfahren in den Lagerbock wäre allein schon wegen des Seitenwindes nicht möglich gewesen, außerdem wäre bei dem Pegel das Hallentor viel zu niedrig gewesen.

Wasser und Anfahrt

Jetzt kommt der spannendste Teil: Unsere zwei Helfer haben schon unseren Lagerbock, den ich vor ein paar Tagen auf die Lore montiert habe, zu Wasser gelassen. Nur noch die vier Stangen am Gestell – die sogenannten Rungen – stehen noch einen Meter aus dem Wasser, sozusagen als Positionsangabe. Dort muss das Boot rein. Dazu muss genau der Hochwasserscheitel abgepasst werden, vorher und danach haben wir mit ca. 2,5 bis 3 Knoten zu viel Quer-Strömung durch die Elbe. Diese würde uns schräg in die Rungen drücken, das Boot säße nicht richtig auf dem Bock.

Der Lagerbock

Ohnehin ist das sehr spannend, weil der Bock nach meinem Entwurf geschweißt wurde. Weil an unserem Boot im zeitigen Frühjahr das Unterwasserschiff in der Werft neu aufgebaut wurde, lag das Boot danach im Lagerbock der Werft. Aus diesen Fotos habe ich die Maße abgeleitet. Ich hatte die Maße der Pflastersteine, die Länge des Boots und ich erinnerte mich, dass der Wasserpass etwa auf meiner Augenhöhe war. Daraus konnte ich dann alle Maße so einigermaßen ableiten. Der Rest wurde geraten und geschätzt.

Ob das passt?

Wir sind sehr nervös, ob dass alles klappt. Der Lagerbock selbst, das Einfahren in den Lagerbock, der Abstand der Rungen. Dass das mit dem Wasserstand alles passt und alles bereit ist. Und schließlich, dass das Boot sich richtig auf den Bock absenkt, wenn es aus dem Wasser gezogen wird. Und dass der Bock das alles hält. Viele Fragen also, wir sind extrem angespannt.

Wir fahren ein

Wir erwischen den richtigen Zeitpunkt, das Einfahren klappt einwandfrei. Die Rungen sind etwas stramm, aber soweit erstmal alles klar. Beim Herausziehen aber zeigt sich dann, dass das Boot noch nicht richtig sitzt. Also nochmal zurück ins Wasser, das Boot neu zwischen den Rungen ausrichten. Dann neuer Versuch. Besser jetzt, aber das Boot sitzt nicht auf den Auflagerpunkten, den „Patschen“ auf. Da der Bock im Wasser steht – gibt es nur eine Lösung.

Und die heißt: Klamotten aus und ein Bad in der 12 Grad kalten Elbe. Ich gehe rein, vor lauter Stress spüre ich die Kälte gar nicht so extrem. Ich schwimme um das Boot,  drehe eine nach der anderen die vier Patschen hoch und steige wieder in das Boot. Das Boot wird herausgezogen bis zur Wasserlinie und ich gehe von Bord, erstmal heiß duschen. Das muss nun sein! Erst unter der Dusche merke ich, wie durchgefroren ich bin.

Während dessen wird das Boot nochmal ins Wasser gelassen und letzte Korrekturen vorgenommen. Als ich dann zurück komme sitzt das Boot fast perfekt im Bock. Okay, kleinere Änderungen müssen im Winter am Bock noch vorgenommen werden, doch das ist normal. Wir sind zufrieden und erleichtert, dass bisher alles geklappt hat.

Runter von der Lore – von Hand!

Bisher, denn das ist lange noch nicht alles. Schlagartig wird uns klar: Es ist noch nicht mal Halbzeit des Ausslippens, denn das 1-Tonnen-Gestell muss samt 3-Tonnen-Boot von der Lore wieder runter! Alles mit purer Muskelkraft und ein paar Handgeräten.

Wir haben Seilzüge und große Wagenheber mit Kurbeln und Pallhölzer zur Verfügung. Ein Abenteuer für uns, mich fasziniert das alles unglaublich. Das so etwas mechanisch und von Hand geht, ich bin schwer beeindruckt.

Wie geht denn das?

Kurz gesagt geht das etwa so: Der Lagerbock wird zuerst von den Ketten befreit, die Ihn auf der Lore in Position halten. Dann wird der Lagerbock mit Boot darauf von Hand hochgekurbelt, bis quer U-Profile aus Stahl als Laufschiene darunter passen, Räder werden an den Lagerbock gesteckt. Die gesamte Konstruktion wird wieder abgelassen, nun kann der Lagerbock auf den Laufschienen quer von der Lore herunter gezogen werden. Doch leider ist die Lücke, in die wir hinein müssen nicht gr0ß genug dafür. Einige Mal müssen die Räder umgesetzt werden und der Lagerbock wieder angehoben und versetzt werden, bis das Boot halb auf der Lore, halb mit den Rädern, schräg hinter das bereits eingelagerte Boot eingeschoben werden kann.

Am meisten beeindrucken mich die beiden älteren Segler, die mit viel Erfahrung und Ruhe die gesamte Aktion während der fast 3 Stunden organisieren und vieles noch selbst machen. Der eine ist 82, der andere um die 75! Ob Segeln fit hält?

Schließlich liegt das Boot im Lagerbock wo es hin sollte, nahe an der Wand in der Halle umgeben von 10 anderen Booten, die auch bereits das selbe Verfahren hinter sich gebracht haben.

Wir sind erleichtert und zufrieden!

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Ein langer Tag

Früh aufstehen…

Heute fahren wir zum ersten Mal und in einem Tag den Nord-Ostsee-Kanal. Etwas Neues für uns vier, denn zwei Freunde von uns sind mit dabei und die kennen den NOK auch noch nicht. Der Wecker geht viel zu früh, bereits um 6 Uhr. Ab 06:30 Uhr kann zwischen dem 1. und dem 15. Oktober geschleust werden. Das sagt das Merkblatt für Sportbootfahrer des WSA. Es gibt feste Fahrzeiten auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Sportbootschiffer dürfen nur bei Tageslicht fahren und wir wollen und müssen in einem Tag durch den NOK. Das begrenzt die Fahrdauer und wir dürfen nicht bummeln… Wir beeilen uns also und starten ohne Frühstück in Regen und Dunkelheit, um dann mit zwei weiteren Frühaufstehern vor der Schleuse im Wartebereich zu kreisen. Wir warten auf das weiße unterbrochene Signal das heißt: Einfahrt erlaubt.

Auch unsere weiteren Infos stammen fast alle aus dem Merkblatt. Tipp: vorher herunter laden und lesen.

Wir wissen: nicht die Schleuse anrufen. Ein anderer weiß das nicht und kennt auch die Signale nicht. Er funkt die Schleuse an: „Ich sehe hier ein weißes Licht, heißt das, dass ich einschleusen darf?“ – „Die Südschleuse steht auf Rot, die Nordschleuse steht auf grün, ich weiß nicht, wo sie ein weißes Licht sehen!“ kommt die prompte Antwort von der Schleuse. „Kein Problem, ich warte gerne“ kommt kleinlaut vom Segler. Blöd und überflüssig, denn die Jungs auf der Schleuse haben anderes zu tun…

Warten und kreisen – oder frühstücken und Funk hören

Nachdem wir eine halbe Stunde im Regen gekreist sind, frierend, aufgeregt, müde und schweigend…. endlich! Das weiße unterbrochene Signal! Alle drei Boote streben der Schleuse zu. Ein Blick nach hinten, und wir entdecken, dass sich jetzt erst die anderen Segler aus dem Yachthafen Kiel-Holtenau auf den Weg machen.

Wir sind platt und erkennen: Nur die Anfänger kreisen vor der Schleuse! Die Erfahrenen haben wohl Funk gehört und erst noch gefrühstückt. Das scheint zu reichen und ist dann die klügere und wärmere Methode.

Ich nehme freiwillig einen der hinteren Plätze bei den einfahrenden Booten ein – erstmal gucken, was die Anderen machen…

In der Schleuse ist noch Platz

Einschleusen am frühen Morgen in Kiel-Holtenau mit dem Segelboot

Zur Blauen Stunde in der Schleuse

Die kleine Schleuse ist derzeit defekt. Wir werden deswegen mit der Berufsschifffahrt in der grossen Nord-Schleuse geschleust. Es ist sehr viel Platz, insgesamt sind es vielleicht 10 Boote mit uns. Zwei kleinere Schleppverbände sind auch mit dabei. Alles andere sind Sportboote. Wir hängen die Fender um und so tief, so dass die auf dem Wasser aufliegen, denn die Schwimmstege sind sehr niedrig.

Ich entspanne mich. Kein Durcheinander, einfaches Anlegen mit viel Platz längsseits, trotz des starken Windes. Wir legen an und vertäuen das Boot an den Ringen.

Marion zeigt auf die anderen Boote: Bei den meisten Booten steht mindestens einer draußen auf dem Steg und hält die Leine in der Hand. Hat das einen Grund? Wir liegen auf Slip… Hm. Ich bitte Phillip wieder auf den Schwimmsteg, man weiß ja nie. Es geht los. Das Schleusentor schließt sich, es passiert scheinbar nichts, dann öffnet sich das andere Schleusentor schon wieder. Das könnte der Grund sein, Vertäuen lohnt sich wegen der Kürze des Schleusens nicht und der auf dem Schwimmsteg kann das Boot abstoßen. Für das nächste Mal was gelernt! Wir werfen los, Abstoßen brauchen wir nicht, wir liegen auf Abstand und fahren als Dritte hinaus.

War das alles? Ist ja unspektakulär. Wir hatten tatsächlich mehr erwartet.

Der Motor tuckert unter uns

NOK im Regen mit Blick nach vorne, ein Segler kommt entgegen

Die ersten 3 Meilen sind noch spannend. Schleusenvorhafen, Lagerhäuser, Brücken, Kanal, Industriecharme. Die anderen Segler anfangs um uns herum, wie eine Perlenkette. Das Motorengeräusch und die Vibrationen von dem alten Diesel höre und spüre ich noch gerne.

Zwei von uns gehen hinunter, erstmal das Frühstück nachholen. Eine sehr gute Idee. Marion und ich machen die erste Schicht. Die ersten 5 Meilen. Doch bereits nach drei Meilen sind die anderen Segler vor uns schon fast außer Sicht. Für uns sind 5 Knoten eine hohe Geschwindigkeit. Für die anderen eher nicht. Auf dem Kiel-Canal, so die internationale Bezeichnung, wären 15 km/h  erlaubt, das sind 8,1 Koten. Auf Shipspotting-Seiten wie der Shipspotting.com kann man sich einen Überblick über den Verkehr auf dem Kanal verschaffen und sehen, dass die Frachter teils mit 8,7 kn unterwegs sind. Schön wär`s. Das Feld zieht sich in die Länge. Und wir hinterher …

Wir haben nun alles gesehen, der Kanal könnte jetzt gerne zu Ende sein. Es liegen aber noch 49 Meilen vor uns….

Langeweile

Wir spielen in Kälte und Regen „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ und blödeln herum, tanzen, singen. „Nach müde kommt doof“, wie Marion gerne sagt. Aber es tut gut und verkürzt die Zeit.

Unten ist das Frühstück zu Ende, unsere Freunde versuchen zu lesen. Das sieht aber eher mühsam aus, wie die beiden vorne über gebeugt mit den Decken über den Schultern zusammengesunken da sitzen.

Wir üben das internationale Buchstabieralphabet. Marion hat als Aufgabe „Gill“, sie gibt mir „Leuthäuser-Schnarrenberger“ ;-). Das übt und hält uns beschäftigt. Die Zeit vergeht. Doch auch das wird irgendwann langweilig.

Ich blicke nach unten. Unsere Freunde sind auf den Bänken umgekippt und eingeschlafen. Das ist ja auch kein Wunder. So früh und dann so kalt und nass auf dem Kanal.

Wachwechsel

Endlich werden wir abgelöst und gehen nach ein paar Worten hinein. Die Wärme vom Kocher staut sich unter der Decke. Ah, wohlige Wärme! Meine Offshore-Jacke ist nach 8 Jahren undicht geworden. An der Schulter und am rechten Arm bin ich nass. Ich ziehe die verschiedenen Schichten aus – und entdecke den doppelten Sinn hinter dem Wort „Schichtwechsel“.

Freunde im Regen auf den Nord-Ostsee-Kanal. Dick eingepackt in Ölzeug.

Wir sind durchgefroren und müde. Warme, trockene Kleidung! Einweg-Heizsohlen in die Stiefel. Eine Wohltat! Essen! Himmlisch! Der Kocher wärmt das Wasser und den Salon gut auf. Ein heißer Tee. Wie gut das tut!!! Allerdings ist es sehr laut unter Deck. Eine Unterhaltung ist wegen des alten Diesels kaum möglich.

Draußen klopft der Regen aufs Dach. Von Philipp und Anni ist unter den Neonkapuzen nur noch wenig vom Gesicht zu sehen. Bei 10 Grad keine Freude. Die zwei haben dennoch Spaß an dem Trip.

Die Zeit vergeht langsam

Steuern, Wachwechsel, dösen, Wachwechsel. So vergeht der Tag. Wir verbringen am Nachmittag eine lange Zeit gemeinsam zu viert in der Plicht und haben Spaß. Viele Boote überholen uns. Fast immer nur einzelne, meist ältere Männer an Bord. Wenige Paare, selten mehrere an Bord.

Ein Segler auf dem Nord-Ostsee-Kanal unter Segeln kommt entgegen.

Wir genießen es sehr, nicht alleine an Bord zu sein. Dennoch vergeht die Zeit langsam. Doch wenigstens ist es wärmer geworden. Der starke Wind mit bis 5 bft in Böen von vorne bremst uns teilweise bis auf 3,9 Knoten herunter. So wird das ja nie etwas! Dennoch überholen wir ein Boot. Eines! Auf 54 Seemeilen! Und das hat einen 6 PS Aussenborder. Hm. Bei unserem Boot sollte da etwas mehr drin sein.

Abwechslung bietet nur hin und wieder der Gegenverkehr. Das ist meist Berufsschifffahrt. Etwas 100 Schiffe passieren pro Tag im Schnitt den Kanal. Wir sehen vielleicht 15 oder 20. Es bleibt mehr als genug Platz zum Passieren. Auf der Trave sind die Fähren viel größer und mit den vielen Seglern ist es dort viel enger. Auch das also nichts besonderes. Hin und wieder ein Überholer, eine Fähre, eine Brücke, Schwäne….

Rendsburg ist noch ganz interessant. Spannend ist es, die Autobahnbrücke zu unterqueren über die man sonst mit dem Auto fährt. Die Hafenanlagen liegen aber still und verlassen da.

Einmal kommt uns ein schöner großer Segler entgegen. Bei dem starken Rückenwind hat er die Fock gesetzt, das hilft richtig. Das darf er auf dem Nord-Ostsee-Kanal sogar: „Sportfahrzeuge mit Maschinenantrieb dürfen zusätzlich Segel setzen. Sie müssen dann im Vorschiff einen schwarzen Kegel – Spitze unten – führen.“ Aus dem Merkblatt für Sportbootfahrer des WSA. Hätten wir doch auch Rückenwind, dann wäre das nicht so eine Quälerei.

Kochen hilft gegen Langeweile

Kochen auf dem NOK - Nudeln abgiessen

Gegen Nachmittag beschließen wir zu kochen. Nudeln in Tomatensoße, aber nicht einfach so. Wir durchsuchen die Schapps und finden was noch so da ist: getrocknete Tomaten, Schalotten, gestückelte Tomaten, grünes Pesto, Sambal Oelek, Oliven, Tomatenmark und Reissahne. Klingt gut! Wir sind glücklich etwas zu tun zu haben und legen los. Unsere Freunde genießen während dessen oben sogar die Sonne!

Als wir fertig sind gieße ich das Wasser über Bord ab, immer ein sehr besonderer Moment. Mit den Nudeln im kochenden Wasser in der einen Hand und dem Sieb in der anderen an Deck balancieren und dann die Nudeln außenbords abgießen.

Auf die Teller verteilt und ab in die Plicht in die Sonne. Wir sind alle sehr erstaunt. Es ist unglaublich lecker geworden. Hier das Rezept.

NOK-Nudeln – Lecker, lecker – das Rezept

2-3 Schalotten würfeln, andünsten.

Eine Handvoll gewürfelte getrocknete Tomaten mit dazu. Ein Esslöffel Tomatenmark, eine Prise Zucker dazu.

Mit gestückelten Tomaten aus dem Tetra-Pack und Tomatenmark ablöschen und weiter köcheln lassen.

Einige schwarze Oliven aus dem Glas dazu, einen Teelöffel Sambal Oelek, einen Esslöffel Basilikum-Pesto mit in die Sauce.

Während dessen die Nudeln machen und abgiessen.

Soße mit Pfeffer und Salz und Reis- oder Soja-Sahne abschmecken. (Reis- und Soja-Sahne sind haltbar und im Tetra-Pack unzerbrechlich an Bord, es geht natürlich auch normale Sahne….)

Das Ganze auf dem Teller mit Parmesan bestreuen. Lecker!

Der Motor hat genug, wir auch!

Der Motor spuckt schwarzen Qualm, wir haben ihn zu sehr getrieben. Langsam spulen sich die Meilen runter. Es kann nicht mehr weit sein, ein Öllager auf der Backbordseite an Land. Immer wieder ein besorgter Blick auf den Auspuff. Der Motor ist wie das Boot mit 46 Jahren nicht mehr der Jüngste. Aber er läuft noch immer brav und zuverlässig. In dem Alter darf man auch mal rauchen …

Schließlich drosseln wir die Drehzahl herunter. Nur noch 4 Knoten Fahrt, es zieht sich sehr. Aber der Motor ist merklich leiser geworden und qualmt jetzt nicht mehr.

Endlich kommt Brunsbüttel gegen 19 Uhr in Sicht. Wir sind erleichtert. Für uns und auch für den Motor.

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Anlegen

Wir laufen sehr langsam in den Yachthafen Brunsbüttel ein, es ist ziemlich voll. Alle Überholer liegen schon im Päckchen. Wir tuckern herum und sondieren den besten Platz für uns. Schließlich entscheiden wir uns für ein ebenso betagtes Boot wie unseres, das am Steg liegt. Wir wollen längsseits ins Päckchen.

Erstmal Erlaubnis einholen. Das dürfen die Damen machen ;-) Der Bootsnachbar scheint sich unter Deck zu verstecken. Doch nein, er kommt, ist sehr freundlich und hilfsbereit. Ich setze nochmal zurück, nehme Anlauf, kupple aus und lasse das Boot mit dem letzten Schwung längsseits kommen. Kurz rückwärts einkuppeln, wir stehen. Leinen übergeben, Festmachen, Fender kontrollieren, ein kurzer Schnack. Auch dieses Manöver war recht entspannt für mich.

Dann der große Moment: Motor aus. Endlich! Das waren 13 Stunden Fahrtzeit unter Motor! Für alle eine Strapaze. Die Ruhe ist ungewohnt.

Ein weiteres Boot kommt und geht wiederum an uns längsseits. Eine große Yacht, ziemlich neu. Wir helfen. Auch hier ein kleiner Schnack. Dann auf zum Hafenmeister, 8 Euro, das ist okay, allerdings gibt es keinen Strom. Duschen, einkaufen, Feierabend!

Ach nein. Leider nein. Starkwind ist auf der Elbe für morgen angesagt. Wir tauschen widerwillig noch die Genua gegen die Fock und quälen uns an Deck mit dem zusammenlegen des riesigen Tuchs bei ordentlich Wind. Schließlich gelingt es und sieht sogar recht gut aus.

Feierabend

Auf einem Segelboot, und vor allem auf einem kleinen von 27 Fuß, ist es wirklich keine Selbstverständlichkeit, sich nie auf die Nerven zu gehen. Wir sind sehr froh, dass wir mit unseren Freunden eine so nette und anpackende, aber vor allem unkomplizierte und angenehme Gesellschaft haben. Obwohl es eigentlich ein ereignisloser, kalter Tag mit viel Regen und motoren war: es war doch irgendwie toll auf dem NOK und zu viert war die Tour auch für alle so angenehm wie möglich. Trotzdem war es ein langer und sehr anstrengender Tag auf dem Kanal.

Gegen 21 Uhr, das Abendessen fällt wegen Müdigkeit aus, wir öffnen ein Bier und sitzen noch kurz zusammen bis uns die Augen zufallen. Es reicht für heute!!!

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Doch wir sind uns einig: Der Kanal ist insgesamt weniger schlimm als erwartet und viel unspektakulärer als wir dachten. Für uns ist es von Travemünde über Fehmarn, Kiel, den Nord-Ostsee-Kanal und dann die Elbe hinauf bis nach Hamburg hinein ein schöner 4-Tages-Törn mit Freunden zum Abschluss des ersten Jahres. Und der NOK ist dabei eben nur eine Etappe.

Die letzten Tage war bei meist gutem Wind schönes und flottes Segeln angesagt. Die Bilanz der Reise stimmt also.

Alles hat gut begonnen ….

… doch dann haben wir einen Schaden am Boot. Die Wellenkupplung an unserer Dehler Optima 83 ist gerissen. Damit ist klar: Heute und bis auf weiteres kein Segeln mehr! Und dann wurde es auch noch nass, denn ich fiel über Bord.

Doch eines nach dem anderen:

Die Sonne scheint milchig durch die Fenster. Sonntag morgen. Wir sitzen noch gemütlich im Bett, ich halte das Kaffee Glas in der Hand. Lecker! Wenig Wind ist angesagt, aber Sonne. Natürlich wollen wir zum Boot, denn es fehlt uns. Viel zu lange sind wir schon ohne Wind und Wellen! Wir packen eilig unsere Sachen zusammen. Vor allem warme Kleidung, denn es sind nur 15 Grand vorausgesagt. Gegen 10 sind wir auf der Autobahn. Wenig Verkehr und wir kommen gut voran. Die Felder sind abgeerntet, der Herbst ist deutlich spürbar. Wehmut macht sich bei mir breit. Es wird eines der letzten Male sein, dass wir dieses Jahr segeln können.

Erst einmal einen Tee…

…. denken wir uns, als wir angekommen sind. Während Marion den Tee kocht, hänge ich die Batterie an das Ladegerät. Es lohnt sich, nur noch 12,8 Volt. Ich bringe noch schnell die Klemme an der Mastnut an, die die Rutscher in der Nut halten sollen. Bastele noch 2-3 weitere Kleinigkeiten. So, fertig, es kann losgehen. Hm, Tee ist kalt. Schon wieder eine Stunde vorbei?! Unglaublich! Waren das nicht wenige Minuten gewesen? Egal, gut das erledigt zu haben! Marion hat sich dem Handy zugewandt, während ich gebastelt habe.

Kein Wind?

Der Wind war mit 3 Knoten vorausgesagt. Doch er frischt auf. Nichts wie los! Marion möchte uns raus fahren aus dem Hafen. Die Heckleinen sind gelöst. Ich werfe uns vorne los, endlich kann es losgehen. Wie oft wir noch in diesem Herbst zum segeln kommen werden? Es könnte einer unserer letzen Schläge sein.

Einkuppeln!

Marion legt den Rückwärtsgang ein.  Es klingt anders als sonst. „Ist der Gang drin?“, fragt mich Marion. Ich blicke auf den Schalthebel. „Ja, ist drin!“ meine ich. „Wir fahren aber nicht, wir treiben mit dem Wind.“ Wir versuchen es nochmal. Vorwärtsgang, Leerlauf, Rückwärtsgang. Nichts. Der Gang scheint sich nicht einlegen zu lassen. Noch bin ich gelassen. „Sicherlich hat sich nur das Schalt-Gestänge gelöst“, denke ich bei mir und hole das Werkzeug. Wir stoppen den Motor. Um an das Gestänge zu kommen müssen wir den Boden in der Plicht ausheben. Ein großer, schwerer Deckel aus GfK. Um den heraus zu bekommen, muss allerdings der Traveller abgebaut werden und die Roste in der Plicht heraus. Wir schrauben gemeinsam den Traveller ab, heben den Deckel aus. Ich steige hinein, Marion startet den Motor, ich schalte. Es klingt nicht wie sonst. Ich kontrolliere das Gestänge.  Nichts, alles in Ordnung.

Der Schaden – die Wellenkupplung ist gerissen

Dann sehe ich die Bescherung. Die Wellenkupplung, das Verbindungsstück zwischen Getriebe und Welle, ist abgerissen. Das Teil ist aus massivem Gummi und soll die Vibrationen des Motors von der Welle und der Dichtung in der Rumpfdurchführung fern halten. Abgerissen. Damit ist klar: Heute kein Segeln mehr!

Marion zieht sich erst mal zurück um den Schreck zu verarbeiten. Ich bekämpfe den Schreck und den Schaden mit Werkzeug. Schnell ausbauen das Ding. Hier das Video zum Schaden:

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„Wird schon nicht so schlimm sein….“, denke ich bei mir, „bestimmt ein Standardteil für 50 Euro“. Nachdem ich die Wellenkupplung ausgebaut habe, schaue ich in die Ersatzteilliste des Motors. Nicht verzeichnet. Hm. Also Internetrecherche auf dem Handy. Einer verkauft so eine passende Wellenkupplung gebraucht. 130 Euro?! Unglaublich! Bei Faryman, dem Hersteller des Motors, finde ich auch nichts. Ich suche nach technischen Alternativen. Andere Systeme von Wellenkupplungen kosten um die 400 Euro – ohne Montage, natürlich! Langsam wird uns klar, dass das möglicher Weise teurer und komplizierter werden könnte, als wir dachten. Mit Pech brauchen wir einen Mechaniker. Für heute können wir nichts mehr tun. Wir wollen zusammenpacken und zurück fahren.

Das ist aber noch nicht alles…

Als ich das Boot vorne wieder festmachen möchte, versuche ich mit einem großen Schritt auf den Steg zu gelangen. Der Abstand ist zu groß, plötzlich hänge ich zwischen Boot und Steg und kann mich nicht mehr halten. Platsch! Ich liege drin, in voller Kleidung. Zum Glück ist die Brille noch da! Der Nachbar versucht mich raus zu ziehen, aber ich bin zu schwer. Seine Töchter verbeißen sich mühsam das Lachen. Ich drehe um, schwimme zum Heck und klettere über die Badeleiter wieder an Bord. Patschnass, das finde ich eher lustig. Noch.

Dann realisiere ich, dass ich das Iphone in der Hosentasche hatte. Das ist aus und wohl hin. Sicher werde ich das erst morgen wissen. Und später auf der Heimfahrt entdecke ich, dass meine Smartwatch weg ist. Dort wo an meinem Handgelenk das Gummiarmband war, ist jetzt eine Schramme. Vermutlich abgerissen bei der Aktion und gesunken. Sehr ärgerlich!

Ein teurer Sonntag. Und die Sonne haben wir nicht wirklich genossen…. dafür gibt es was zu erzählen und wieder was gelernt.

Wir hoffen, das Ersatzteil noch zu bekommen, schließlich ist der Motor 46 Jahre alt. Hoffentlich! Genauer werden wir es erst in den kommenden Tagen wissen.

Dienstag

Nach vielem telefonieren und Email schreiben scheint sich eine Lösung abzuzeichnen. Der Dehler Händer, das Marina Team in Oldenburg hat eine passende Wellenkupplung für 462 Euro. Stolzer Preis! Außerdem sieht das anders aus als unseres, würde aber passen. Nach deren Aussage ist das Teil auf deren Liste das Original und das bei uns verbaute demnach etwas anderes. Zwei Wochen Lieferzeit, hm. Weil es schnell gehen muss frage ich noch 2-3 andere Adressen an.

Mittwoch:

Schließlich die Erlösung! Unser Lieblings Händler, Törper Marinetechnik in Travemünde, scheint etwas gefunden zu haben. Er kann uns eine passende Wellenkupplung für unsere Dehler Optima 83 tatsächlich anbieten. Und deutlich günstiger und schneller. Törper hat sich die Fotos und Maße genau angesehen und hat echt Ahnung. Lieferzeit nur rd. 5 Tage. Obwohl beide beim selben Lieferanten beziehen. Support your local dealer!

So viel ist klar: Es gibt eine Lösung, kostet halt Geld ;-)

Ach Geld: Nun ist es sicher, das Iphone ist hin! Und heute hat sich der Autoschlüssel, den ich beim „Baden“ in der Hosentasche hatte, auch noch verabschiedet ….. Da wird einem erst mal klar, wie viel „Geld“ man so in der Hosentasche hat. Erstaunlich!

„Ein Segelboot ist ein Loch im Wasser in das man Geld wirft“, wohl wahr!