1. Plane deine Schläge sehr sorgfältig!
  2. Rechne damit, alles über den Haufen zu werfen!

Als Ostseesegler kennen wir Regen, Wind, Welle.
Das denken wir zumindest.
Aber aus eigener Erfahrung im Ärmelkanal kann ich heute sagen: vergiß alles, was du bis jetzt kanntest.

Der Wind ist härter, der Regen kälter und die Welle unerbittlich.

Aber mit ausreichend Vorbereitung ist das echt toll und macht sehr viel Spaß!
Ein vergleichbares Segelrevier wirst du nicht mehr finden.

Dies ist ein Artikel für Ostseesegler und ähnliche:

die zwar ihr Revier kennen, aber mit Tide und Strömung keine Erfahrung haben. Also für Leute, wie wir es waren.
Natürlich geht vieles anders: höher, schneller, weiter. Wir wollten zuerst auch mehr… und haben es schnell bereut.

Das wichtigste zuerst: so schwierig wie bei uns muss es nicht sein!
Vieles liegt an dir und deiner Planung. Du kannst zwar das Wetter nicht machen, aber du kannst steuern, wie du damit umgehst.

Damit du den Ärmelkanal genießen kannst, wollen wir dir hier ein paar Tipps basierend auf unserer Erfahrung und natürlich die „offiziellen“ Empfehlungen mit auf den Weg geben.

Grundsätzliches

Lass dir Zeit!

Im Ärmelkanal hast du zwei Faktoren, die du nicht beeinflussen kannst: Wind und Tide. Nur wenn beide in einem guten Verhältnis zueinander stehen, macht es Spaß. Alles andere ist einfach anstrengend und unter Umständen auch sehr gefährlich.

Daher lass dir genug Zeit, um auf ein passendes Wetterfenster zu warten. Und keine Sorge, meistens wartest du an schönen Orten.

Du kannst nicht alles in Tagesschlägen machen, aber ziemlich viel. Wieviele Tagesschläge du einplanst, hängt ganz stark von deiner Erfahrung mit Nachtfahrten ab. Nicht vergessen: eine Nachtfahrt auf der Ostsee ist etwas anderes. Im Kanal hast du sehr starke Strömungen und sehr viel Verkehr um dich. Und glaube uns: Fischer haben meist kein AIS und sind oft sehr sehr schnell.

Mache dir immer einen Plan B!

Oftmals ändert sich das Wetter im Ärmelkanal, nicht alles ist gut im Voraus zu planen. Diese Erfahrung haben nicht nur wir gemacht, wir haben diese Rückmeldung auch von anderen bekommen. Daher schaue bei der Törnplanung immer nach einem Plan B für unterwegs. Dabei musst du alle Faktoren beachten: kommt man jederzeit in den Hafen und wie ist das mit der Wassertiefe im Hafen? Viele Häfen an der Küste fallen trocken oder können nur zu bestimmten Zeiten aufgrund der Tide angelaufen werden.

Nutze alle verfügbaren Informationsquellen!

Diesen Punkt haben wir erst auf der Reise zu schätzen gelernt. Frage die Hafenmeister! Frage Stegnachbarn und nimm nicht nur den Reeds oder deine Karte. Es gibt ein französisches Pendant zum Reeds, diesen haben wir uns erst in Cherbourg zugelegt. Aber von dem Moment an wollten wir ihn nicht mehr missen (den findest du weiter unten aufgeführt).

Und ja, er ist natürlich auf französisch geschrieben. Aber er ist super zu verstehen, intuitiv zu lesen und an vielen Stellen einfacher und besser als der Reeds. Trotz dem ich kein Französisch spreche. Aber er ist kein Ersatz sondern eine Ergänzung!
In den meisten Marinas gibt es Wettervorhersagen, entweder als Screen oder als Ausdruck. Schau dir diese immer an, meistens sind hier die für die Region passenden Vorhersagen genutzt.

Unterschätze die Welle nicht.

Die Wellen sind anders, als auf der Ostsee. Nimm zur Törnplanung nicht nur den Wind, sondern auch die Wellenhöhe und die Wellenrichtung. Wind gegen Welle ist im Ärmelkanal sehr unangenehm. Wenn dann noch die Strömung dagegen ist, kommst du nicht mehr voran.

Nutze den Tidenstrom

Im Tidengewässer hast du immer eine Zeit Strom mit dir und dann auch wieder gegen dich. Über den Daumen gepeilt 6 Stunden. Nutze die Strömung bestmöglich, mache sie zu deinem Freund! Fahre mit der Strömung, wann immer es geht. Vermeide Wind gegen Strom, denn das ergibt eine steile und unangenehme Welle.

Unsere Etappen – Tipps

Eigentlich wollten wir ja in 3 Etappen durch den Ärmelkanal: Hamburg – Vlieland, Vlieland- Boulogne, Boulogne – Cherbourg, Cherbourg – Brest. Fertig, aus die Maus.

Das hat ja überhaupt nicht funktioniert, wir mussten schon in Cuxhaven den ersten Stopp machen, weil eine Gewitterwarnung gemeldet wurde.

Und schon war der ursprüngliche Plan über den Haufen geworfen. Auf die Details gehe ich hier nicht ein, die kannst du in dem Artikel Langfahrt – Der hakelige Start nachlesen.
Natürlich kannst du auch längere Schläge machen oder andere Häfen anlaufen. Wir machen hier nur Vorschläge.

Die Raz und der Chenal

Neben der Tide gehören diese Stellen zu den Herausforderungen im Ärmelkanal. Als Ostseesegler kennen wir das so nicht.

Extreme Strömungen an besonderen Stellen, im französischen Raz genannt. Das sind meistens Engstellen im Wasser, wo die Strömung durchgepresst wird. Dadurch können bei entsprechenden Wind- und Strömungsverhältnissen stehende Wellen entstehen. Diese sind auf den Karten immer eingezeichnet, werden aber gerne übersehen. Vor allem, wenn man nicht weiß, was es ist. (Ich wusste das bis dahin nicht)

Meistens gibt es einen Leuchtturm, einer der bekanntesten ist der Phare du Four. Aber es gibt auch das Race of Alderney, hier presst sich die Strömung zwischen dem Festland und den Kanalinseln hindurch.

Die gleichen Regeln gelten für die Chenals. Hier quetscht sich ebenso Wasser durch Meerengen und unterschiedliche Wassertiefen. In Jahrhunderten der Seefahrt haben sich hier die besten Wege herauskristallisisert und inzwischen sind diese auch benannt, bezeichnet und betonnt.

Auf Strecke Calais – Brest ist das der Raz de Barfleur, das Race of Alderney (oder auch Raz Blanchard genannt) und der Chenal du Four. Ich empfehle eine Bildersuche erst nach der Tour (… na, hast du schon ein neues Browserfenster offen???)

Tief durchatmen, wir haben das auch überlebt!!! Du bekommst in diesem Artikel für jede dieser Stellen unsere Tipps dazu!

Allgemeine Tipps für die Raz und den Chenal

1.) Beachtung des Koeffizienten. Dieser beschreibt die Stärke der Strömung und den Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasserstand. Je niedriger der Koeffizient, desto schwächer ist die Strömung. Je höher je stärker. Das hängt mit der Mondphase zusammen.

Mein persönlicher Tipp dafür:
wenn du kannst, plane die Tour so, daß du bei niedrigen Koeffizienten und fallendem Wasser am ersten Raz bist. Dann hast du fast zwei Wochen Zeit, bis der Koeffizient so hoch ist, daß die Strömungen wieder richtig stark werden.
In dieser Zeit hast du bei gutem Wetter vielleicht sogar bis Brest alles durch!

2.) Vermeide Wind gegen Strömung, das bringt die berüchtigten stehenden Wellen! Natürlich gibt es bei wenig bis keinem Wind keine große Gefahr. Jedoch können die Wellen auch schon bei „moderaten Winden“ entstehen. Uns wurde gesagt, bis 3 Bft ist eigentlich alles gut machbar.

3.) Fahre immer mit der Strömung. Mehr dazu findest du bei dem jeweiligen Raz im Text!

Unsere Etappen im Ärmelkanal

Alle unsere Häfen sind tidenunabhängig anlaufbar! Das ist gerade für Nicht-Nordsee-Segler sehr wichtig, denn die tidenberechnung fällt dadurch einfacher.
Es gibt in der Liste einen Hafen, der nicht 100% unabhängig ist, aber dieser ist auch nur ein lohnenswerter Zwischenstopp. Es geht auch ohne ihn.

Der Ärmelkanal beginnt streng genommen erst bei Calais. Für uns Ostseesegler ist aber schon die Nordsee quasi Kanal. Daher beginnen wir mit unseren Tipps schon bei unserem ersten Frankreich Stopp.

Dunkerque

Eigentlich wollten wir von Breskens (NL) nach Nieuwpoort in Belgien. Daher sind wir mit der beginnenden Strömung in der Westerschelde los. Aber die Fahrt lief so super und wir entschieden, nach Dunkerque durchzufahren. Allerdings hat man dann natürlich zum Schluss die Strömung gegen an. Wie oben erwähnt, 6 Stunden mit und 6 Stunden gegen.
Dunkerque ist tidenunabhängig anlaufbar und die Einfahrt ist auch gut.

Dunkerque – Boulogne-sur-mer 56 nm

Eine gute Strecke, auch etwas kürzer als die vorherige. Hier geht es bei Calais um eine Ecke, ein kleines Cap. Daher kann es hier andere Wind- und Strömungsverhältnisse geben, als im Wetterbericht angesagt. Das ist der Capeffekt, auf den du im Kanal noch oft treffen wirst.
Achte unbedingt auf die Farbe des Meeres! Diese Farbe wirst du so schnell nicht wieder sehen. Allerfeinstes türkis!

Boulogne-sur-mer ist Tidenunabhängig anlaufbar, da ein Becken durch eine Schleuse abgetrennt ist. Die Stadt ist auch definitiv einen zweiten oder dritten Blick wert. Wenn du guten Fisch magst, hier bist du richtig! Es ist Frankreichs größter Fischereihafen.

Als nächstes gibt es zwei Möglichkeiten, weiterzufahren:

A) Boulogne-sur-mer – Cherbourg 145 nm

Entweder du fährst in einem sehr langen Schlag direkt nach Cherbourg.
Das wären 145 nm, nicht unter 24 Stunden zu schaffen.

Oder etwas in die Bucht hinein, evtl. um besseren Wind zu haben. Das musst du von deinen Wetterverhältnissen abhängig machen.

Das haben wir gemacht:

B) Boulogne-sur-mer – Dieppe 55 nm

Wir hatten keinen Wind für die direkte Strecke und sind daher nach Dieppe gefahren.
Dieppe ist toll und definitiv einen Abstecher wert. Dieppe hat einen starken englischen Einfluß, das Örtchen könnte auch an der englischen Küste liegen.
Tidenunabhängig und unbedingt sehenswert.

Von hier kannst du in kurzen Etappen weitere Häfen anlaufen, zBsp Fecamp oder LeHavre. Aber Vorsicht, viele der Häfen sind nicht immer anzulaufen oder fallen trocken.
Wir wollten nach Fecamp, mussten dann aber vor der Hafeneinfahrt umdrehen, da Wind und Welle dagegen sprachen. Hier hat uns der Reeds beraten: bei 5bft auflandigem Wind wird dringenst von einer Einfahrt abgeraten. Wir hatten auflandigen Wind mit einer oberen 5. So waren wir abends wieder in Dieppe.

(Wenn es dich interessiert, schau doch mal bei YouTube unter Fecamp, da findest du eindrucksvolle Aufnahmen aus Fecamp. Wir waren froh, das nicht versucht zu haben!)

Kurz darauf passte bei uns dann das Wetter und wir haben uns von Dieppe auf bis nach Cherbourg gemacht. Wir sind direkt durchgefahren, ohne weitere Zwischenstopps. Es macht Sinn, den Wind zu nutzen, wenn er passt.

Dieppe – Cherbourg 110 nm

Unsere erste Nachtfahrt.

Cherbourg ist auf jeden Fall ein guter Ort. Du bekommst Ersatzteile, es gibt gute Shipshops und auch in der Stadt bekommst du alles.

Außerdem ist es ein TransOcean Stützpunkt. Du kannst dir Pakete schicken lassen und es gibt Rabatt für Mitglieder. Nur als Side-Info.
Wir mochten die Stadt sehr, uns hat sie richtig gut gefallen. Für mich war es die erste Stadt, in der ich mich tatsächlich in Frankreich angekommen fühlte.

Cherbourg bei Nacht anzusteuern ist nicht empfehlenswert. Das sagen wir aus eigener Erfahrung. Es ist machbar, aber stressig. Es sind wirklich viele Lichter vor Ort. Und durch die beiden vorgelagerten Barrieren wird es nicht einfacher. Aber es ist machbar, klar. Wir haben es ja auch geschafft. Nur wenn du es vermeiden kannst, ich würde es tun.
Der Hafen ist riesig und komplett tidenunabhängig.

Raz de Barfleur

Wir starten mit dem ersten Raz! Wohooo!

Vor Cherbourg ist die Pointe de Barfleur, markiert durch einen Leuchtturm. Am besten hältst du dich ca. 5 nm davon entfernt. Nähere Passagen sind nur bei ganz ruhigem Wetter zu empfehlen.
Du fährst am besten 4,5 Stunden vor Hochwasser Cherbourg dort vorbei, dann ist die Strömung ziemlich niedrig bzw. Stillwasser.

Cherbourg – Roscoff 125 nm

Auch hier wieder eine Nachtfahrt, wenn du magst, du bist ja gerade in Übung.

Race of Alderney

Hier durchfährst du das berühmte Race of Alderney! Das Alderney Race heißt bei den Franzosen „Raz Blanchard“ (weiße Flut), da das Wasser weiß ist, wenn es so aufgewühlt ist. Unser zweites Raz.

Wenn du danach googlest oder im Reeds nachschlägst, willst du wahrscheinlich am liebsten umdrehen.
Aber keine Sorge! Wenn du ein paar Dinge beachtest, kann das eine entspannte Fahrt werden.

Wir haben uns hier so verrückt gemacht! Wir sind tatsächlich bei so wenig Wind gefahren, daß wir motoren mussten. Wenn es dich stresst, dann mach das auch gerne so, es spricht überhaupt nichts dagegen!

Da wir wegen der Einreisebestimmungen die Kanalinseln nicht besuchen konnten, sind wir durchgefahren, unsere zweite Nachtfahrt.

Unsere Tipps sind tatsächlich nicht anders, als die der anderen:

Die Abfahrt in Cherbourg sollte 1 Stunde vor Hochwasser sein. Dann kommst du zum Kipppunkt der Tide an der Stelle entlang, wo die stärkste Strömung ist: das Cap de la Hague. Wenn du das Wasser beobachtest, siehst du die „Eddies“. Du musst ja nicht unbedingt drüber fahren. Sie sind auch in der Karte eingezeichnet, du kannst dran vorbeifahren.

Bei Wind gegen Welle baut sich hier eine stehende Welle auf. Ich muss das nicht unbedingt live erleben.

Der Rest der Strecke ist entspannt und 24 Stunden nach Abfahrt kommt man in Roscoff an.
Roscoff kann man gut als Zwischenstopp machen. Für uns war es nicht mehr, es hat uns nicht gefallen und auch der Supermarkt ist weit entfernt.
Die Marina ist aber klasse, gepflegt und ordentlich.

Roscoff ist natürlich tidenunabhängig und kann jederzeit angelaufen werden.

Von Roscoff aus kann man mit einer weiteren Nachtfahrt theoretisch durchfahren bis nach Brest oder Camaret-sur-mer.

Allerdings muss man hier wieder durch eine der Engstellen, den Chenal du Four. Nummer drei quasi.

Direkt nach zwei Nachtfahrten empfehlen wir lieber eine Zwischenstation: L’Aber Wrac’h.
Bretagne Pur! Allein die Ansteuerung ist faszinierend, denn man fährt durch ein schmales Fahrwasser entlang an aus dem Wasser ragenden Steinen und Felsen.

Roscoff – L’Aber Wrac’h 39 nm

Leider ist Aber W’rach nicht für jeden geeignet, da er nicht tiefer als 2,50m ist. Aber mit bis zu 2,50m Tiefgang sind schon die meisten Boote abgedeckt. Und bei der Anfahrt muss auch die Tide beachtet werden. Keine Sorge, hier ist es noch „tidenanfänger“ Niveau und für jeden zu berechnen! Und wenn du es bis hierhin geschafft hast, bist du kein Tiden-Neuling mehr!

Nach einer schönen Portion Bretagne ist die nächste Etappe dann endlich die letzte im Ärmelkanal. Du kannst dich zwischen Brest und Camaret-sur-mer entscheiden. Der Unterschied ist einfach erklärt: Stadt oder Ort.
Brauchst du Ersatzteile oder einen Großeinkauf? Dann fahr nach Brest. Willst du Bretagne und Urlaubsgefühl, dann nimm Camaret-sur-mer.
Wir waren in Camaret-sur-mer und haben es nicht bereut.

L’Aber Wrac’h – Camaret-sur-mer 36 nm

Um dort hinzukommen, steht dir aber noch der Chenal du Four im Weg – der sogenannte Höllenkanal.
Der dazugehörige Leuchtturm heißt Phare du Four.

Chenal du Four

Bis 3bft ist der Chenal kein Problem, aber fahre möglichst nicht gegen die Strömung. Achte darauf, keinen stärkeren Wind gegen Welle zu haben (der Klassiker). Du solltest zum Kipppunkt der Tide am Eingang des Chenal sein. Und um diesen abzupassen fährst du in L’Aber Wrac’h 3 Stunden vor Hochwasser in Brest los. (z.B. Hochwasser in Brest 09.00 Uhr = Abfahrtszeit in L’Aber Wrac’h 06:00 Uhr)
Und dann viel Spaß im Kanal.
Wir hatten, wie bei den vorherigen Raz auch , fast keinen Wind und entsprechend dadurch keine Welle. Wir motorten die meiste Zeit.

Geschafft

Hooray – du bist durch den Ärmelkanal! Streng genommen endet der Ärmelkanal sogar noch vor dem Chenal.
Du kannst auch schon von Roscoff oder L’aber Wrac’h über die Biscaya springen, wenn das Wetterfenster passt. Bei uns war das nicht so und wir sind die Küste weitergefahren.

Ohne Pausen hätten wir es in 8 Tagen geschafft. Aber wir haben uns zum Glück Zeit gelassen. Und es hätte noch so viel mehr Zeit sein können, die französische Küste ist einfach traumhaft!

Unsere Hilfsmittel für den Ärmelkanal

  1. Papier- und Plotterkarten von NV-Charts.
    Papierkarten finden wir wichtig, um den kompletten Überblick zu haben und größere Gebiete einzuschätzen. Du kannst die Karten in Ruhe betrachten und auch die Gebiete mit stehenden Wellen gut eingrenzen.
  2. Der Reeds Almanach. Ja, ja und ja. Niemals ohne, hier findest du alle relevanten Informationen. Leider ist sehr vieles stark abgekürzt und viele dieser Abkürzungen erschliessen sich nicht auf den ersten Blick. Aber die Informationen sind sehr wichtig.
  3. Ergänzend dazu gibt es den Bloc Marine, das französische Pendant. Auch diesen finden wir extrem wichtig. Viele Informationen sind gleich zum Reeds, aber du hast die Strömungskarten zu jedem Gebiet gleich in der passenden Uhrzeit. Den Reeds muss man immer umrechnen (und für mich ist das mega kompliziert, ich habe es bis heute nicht richtig verstanden). Ebenso findest du die Koeffizienten, hier aber farblich dargestellt, dadurch ist es viel schneller einzuschätzen.
  4. Gezeitenrechnung mit Koeffizienten. Der Koeffizient bestimmt die Höhe der Tide und damit die Wassermenge, die bewegt wird. Je nach Wassermenge ist die Strömung stärker oder schwächer.
    Großer Koeffizient = starke Strömung und viel Tidenhub. Für die Gezeiten gibt es eine mega App: „Maree Info“. Für 1,69 € bekommst du für 4 Wochen Zugriff auf die Gezeiten aller französischen Häfen, also auch auf die sogenannten „secondary ports“. Inclusive Wasserhöhen und Wasserständen. Tolle App!
  5. Vermeide starken Wind gegen starke Strömung, das bringt die berüchtigten stehenden Wellen.
  6. Hafenmeister/ Locals
    Normalerweise können dir die Hafenmeister immer sagen, wann die beste Zeit ist, um weiterzufahren. Uns hat man hier immer die richtige Info gegeben. Und auch wann der Hafen wegen der Tide anlaufbar ist. Selbst rechnen und dann den Hafenmeister Fragen als Gegencheck – super Sache!
  1. „Meteo Consult Marine“ App. Diese Wetterapp war für uns für Frankreich die passendste. Kostet nichts.

Wenn du diese Tipps beachtest und mit den Apps arbeitest, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen!
Damit solltest du gut und sicher durch den Ärmelkanal kommen. Es sind so tolle Orte unterwegs und wir sind froh, uns genug Zeit gelassen zu haben. Es wäre schade gewesen, hier etwas zu verpassen.

Wenn du mehr zu unseren Vorbereitungen und über den Start wissen willst, dann schau dir diesen Artikel an:

Die Vorbereitungen zur Langfahrt

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Hier die Links zu unseren Tipps

Reeds (kein Affiliate Link)

Bloc Marine(kein Affiliate Link)

NV-Charts (Affiliate Link, mit deinem Kauf unterstützt du uns)

Die Apps (ohne Links und wir haben beide iPhones)

Meteo Consult Marine
Maree Info

Wir sind nach einem sehr heftigen Start in IJmuiden, Niederlande. Direkt an der Nordsee.

Nach einigen Tagen haben sich das Wetter und unsere Nerven soweit wieder beruhigt, daß wir weiter segeln können und auch endlich wollen. Es wird Zeit für den Weg von der Nordsee in den Ärmelkanal!
Christiane ist wieder zurückgefahren, da sie arbeiten muss. Dieter will uns noch ein paar Tage begleiten und auch unterstützen. Das freut uns sehr und nimmt auch ein wenig Stress.

Auf der Nordsee

Wir starten mit Dieter in IJmuiden auf die Nordsee nach Scheveningen.
Das Wetter zeigt sich von seiner allerbesten Seite: Sonne, ein angenehmer Windhauch. Als hätte es die letzten Tage nicht gegeben. Ganz langsam stellt sich ein positives Gefühl ein.

Scheveningen soll immer voll sein, stand im Reeds. Aber es Ist ja keine Saison mehr, das wird schon passen. Dachten wir. Wir waren total erstaunt, als wir bei den Einfahrt um die Ecke bogen: es war total voll, fast kein freier Platz zu sehen. Der Hafenmeister holte uns mit dem Rib ab und wies uns einen schönen Platz zu. Es war eng und knapp, aber ein schönes Plätzchen.

Scheveningen

Scheveningen war toll. Es fühlte sich ein wenig an wie Urlaub: Cafés und Restaurants an der Marina, entspannte Menschen und Leben. Das erste Mal war alles so, wie wir uns das vorgestellt hatten: ankommen bei die Sonnenschein nach einem sonnigen Segeltag. Und wir müssen nichts reparieren oder keine Wäsche waschen. Der erste Hafen ohne direkten Gang zur Waschmaschine!

Wir gingen einkaufen und schlenderten ein wenig durch die Gegend. Aber am nächsten Tag sollte es auch gleich wieder weitergehen, daher wurde der Abend kurz. Der nächste Stop: Steelendamm.
Es läuft alles wie am Schnürchen. Die Sonne scheint, Dieter und Christoph versuchen sich an der Windfahnensteuerung. Es ist entspannt. Allerfeinstes segeln auf der Nordsee.

Zwischenstopp in Steelendamm

Wir kommen am Abend in der Marina an, legen uns in eine freie Box und stellen uns den Wecker. Dirt treffen wir eine Familie, die wir aus unserer Zeit mit der Dehler von Social Media kennen. Sie wollen auch auf lange Fahrt gehen. Wir tauschen Erlebnisse und Werkzeug. Es ist gut, jemanden zu haben, der das gleiche vor hat!
Heute machen wir wieder nicht lange, es soll früh weitergehen. Der nächste Stop ist Breskens.

Es ist noch früh am morgen, als wir ablegen. Es wird der erste Schleusenvorgang der Schleuse an diesem morgen genutzt, die Sonne scheint, es ist kein Wind. Also motoren am Hoek van Holland vorbei. Wir sind angespannt, schließlich ist Rotterdam einer der größten Häfen der Welt. Aber wie so oft: es ist weitaus weniger los, als gedacht.
Wir werden ein mal angefunkt, bitte unseren Kurs zu halten. Damit lassen wir einem Tanker genügend Platz. Kein Problem, wir halten den Kurs wie geplant.
So ist es ein tolles Segeln in der Nordsee und wir kommen sehr gut Richtung Ärmelkanal voran.

Breskens

Aber in Breskens werden wir wieder durch Starkwind ausgebremst. Und daher endet hier auch unsere Reise mit Dieter, Christiane holt ihn ab und bringt im Austausch für Dieter viele Ersatzteile mit. Unter anderem das neue Solarpaneel, das uns beim Anlegen in Amsterdam kaputt ging.
DANKE DANKE DANKE an euch beide!

Wenn du mehr über den Start und unsere Mitsegler wissen willst, dann schau doch mal in den Artikel: Langfahrt – Der hakelige Start

Wir warten das schlechte Wetter in Breskens ab. Waschen, putzen und erste kleine Reparaturen werden gemacht. Und erholen, viel erholen. Wir schlafen viel und machen einfach mal nichts.

Dann endlich passt alles: Wetter, Boot und wir sind bereit für die erste Etappe ganz alleine.
Wir beschließen weiterzufahren. Die größeren Reparaturen wollen wir im nächsten Hafen angehen. Das Solarpanel muss getauscht werden und der Solarlüfter fliegt raus.

Next stop: Nieuwpoort, Belgien.
So dachten wir uns das zumindest bei der Tourplanung. Doch es läuft alles so gut und wir beschließen, gleich bis nach Dunkerque durchzufahren. Das bringt uns deutlich näher Richtung Ärmelkanal.
Und dabei hatte Christoph doch gerade erst die belgische Flagge gesetzt.
Es war von der Strömung gesehen nicht die beste Idee, wir mussten irgendwann gegen an motoren. Aber wir wollten weiter kommen auf der Nordsee.

Wir sind in Frankreich!

Dunkerque

Wir hatten einen tollen Ritt durch 1,5 Meter Welle und hoch am Wind.
Natürlich müssen wir in Dunkerque Wäsche waschen, alles ist wieder nass. Doch die Sonne scheint, es ist schönes Wetter für Reparaturen. Und wir sind in Frankreich!!!

Der Zoll kommt vorbei, 6 Mann im Schlauchboot. Schon ein merkwürdiges Gefühl, als sie so im Cockpit sitzen. Aber da Christoph ja fliessend französisch spricht, ist das Eis schnell gebrochen und wir unterhalten uns gut mit den Beamten. Sie checken die Papiere, loben „die Deutschen“ für ihre Ordnung und geben uns die Bescheinigung: alles okay bei uns! Dunkerque ist der erste Hafen nach der Grenze, hier werden viele Boote kontrolliert. Die Kontrolle hier ist normal. Es gibt eine Truppe im Schlauchboot, die fährt täglich durch die Häfen und schaut nach neu angekommenen Booten.

Wir wollen uns nicht länger als nötig in Dunkerque aufhalten, wir kennen den Ort und für uns ist das irgendwie nicht „unterwegs sein“. Noch sind wir ja nicht im Ärmelkanal, der beginnt offiziell erst in Calais. Wir tauschen das Solarpanel und den Lüfter und fahren bei der nächsten Gelegenheit weiter nach Boulogne-sur-mer.
Es ist wieder hoch am Wind, es ist wieder gegen an. Und es ist wieder nass: die Luke ist natürlich immer noch undicht- aber der neue Lüfter hält dicht! Ein Problem weniger.

Boulogne-sur-mer

hat uns zum ersten Mal das richtige Fahrtensegler-Gefühl gegeben. Die Sonne scheint, die Menschen waren gut gelaunt und es gab viel zu sehen. Zuerst war die Stadt nicht so toll, aber auf den zweiten Blick gefiel sie uns richtig gut! Es ist keine echte Schönheit, aber sie hat viel Charakter.
Wir nahmen uns Zeit und schauten uns um. Zum ersten Mal seit wir unterwegs sind. Das war es doch eigentlich, was wir wollten: neues sehen und kennenlernen!

Es ist Frankreichs größter Fischereihafen. Das merkt man an jeder Ecke, Fisch bestimmt hier den Alltag, sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Es gibt das Nausicaa, eines von Europas größten Aquarien.

Was ich interessanter fand, war der Street Art Parcours. Jeden Sommer gibt es eine Art Festival, wo Street Art Künstler der ganzen Welt Flächen für ihre Murals zur Verfügung gestellt bekommen. Wenn man durch die Stadt läuft, findet man an jeder Ecke tolle Kunstwerke.

Ebenso lohnt sich der Weg auf den Berg, die Küste von oben ist sehr faszinierend. Hier zeigt sich, warum diese Küste auch „Opalküste“ genannt wird: das Meer hat ein faszinierend intensives türkis!

Leider waren unsere Ersatzteile nicht da, die wir von IJmuiden nach Boulogne-sur-mer haben schicken lassen. Eine intensive Recherche ergab, diese lagen in einem Zustellzentrum in Flandern. DPD konnte sie nicht zustellen. Die Info ging an den Versender, dieser informierte uns aber nicht.
So mussten wir weiter, ohne dafür eine Lösung zu haben. Darum wollten wir uns unterwegs kümmern. Der nächste Stopp war Dieppe.

Von der Nordsee in den Ärmelkanal

Auf dem Weg nach Dieppe kommen wir an Calais vorbei: jetzt sind wir offiziell im Ärmelkanal! Der erste Meilenstein ist geschafft! Und das nach diesem Start, wir hatten anfangs nicht daran geglaubt, es noch von der Nordsee in den Ärmelkanal zu schaffen.

Dieppe

ist eine sehr nette kleine Stadt in der Normandie. Der Abschnitt nennt sich hier Alabasterküste, da die ganz Küstenlinie durch weiße Kreidefelsen geprägt ist. Dazu kommt das immer noch sehr türkisfarbene Wasser. Was soll ich sagen….traumhaft schön!
Dieppe ist eines der ältesten Seebäder Frankreichs und diesen Flair hat man auch heute noch.
Die Marina liegt direkt an der Stadtpromenade, hier gibt es viele Restaurants und Bars. Urlaubsfeeling pur! Und direkt dahinter ist die Altstadt, gut erhalten mit vielen hübschen Läden.

Hier ist der Tidenhub übrigens fast 9 Meter! Das ist total faszinierend, wenn man das sieht. Und du merkst davon einfach nichts auf dem Boot.

Dieppe hat uns gut gefallen, doch wir wollen weiter. Das Wetter ist mal wieder gegen uns und wir beschließen, durch die Bucht nach Fecamp zu fahren. Das sollte uns besseren Wind für die Etappe nach Cherbourg bringen.

Nach Fecamp

Und so machen wir uns bei einer guten Wettervorhersage auf den Weg: Doch wie so oft, es kommt anders. Der Wind wird im laufe des Tages deutlich stärker als erwartet und immer gegen an. Als wir kurz vor der Hafeneinfahrt sind, haben wir eine obere 5 bft auf der Anzeige. Der Wind kommt aus West. Und im Reeds steht, man sollte bei westlichen Winden stärker als 5 bft nicht in den Hafen einfahren. Welle ca. 2 Meter. Wir beobachten andere Yachten, die auch abdrehen. Keiner fährt rein.

Wir besprechen die Situation: können wir weiter zur nächsten Marina? Tatsächlich nicht, die nächsten Häfen sind zu weit und der Wind ist zu heftig. Also ist unsere einzige Möglichkeit zurück. Wir atmen tief durch und wenden schweren Herzens. Der Vorteil hier ist, der Wind kommt von hinten. Das ist eine deutlich angenehmere Windrichtung. Die Rückfahrt ist schön, wir haben achterlichen Wind und die Welle trägt uns zurück nach Dieppe.
Angekommen fallen wir erst mal in die Koje.

Es war wieder eine Bremse, vielleicht war es auch wieder nötig. Wir nutzen die Zeit, um es uns gut gehen zu lassen: Christoph bekommt endlich Moules Frites und ich probiere Galletes.
Wir kommen zu der Frage, ob wir es wirklich dieses Jahr noch über die Biscaya schaffen können.
Und was passiert, wenn nicht? Eine wichtige Frage für uns: sie klärt unsere Einstellung!
Und die Antwort ist klar, wenn auch zuerst nicht einfach: dann schaffen wir eben es nicht über die Biscaya. Wir haben ja kein festes Ziel, wir planen uns selbst. Und das wichtigste Ziel ist, uns soll es gut gehen.

Nach Cherbourg

Dann passt das Wetter für eine Fahrt direkt nach Cherbourg. Wir sind wieder sehr aufgeregt, es wird unsere erste Nachtfahrt! Ganz akribisch bereiten wir uns darauf vor und überlegen uns Strategien. Das wichtigste ist: nicht bei Dunkelheit in den Hafen! Die Fahrt läuft gut, wir genießen den Sonnenuntergang und den Mond. Wir sehen Delfine! Später erfahren wir, es waren vermutlich Pilotwale, denn die interessieren sich nicht für die Boote.
Nachtfahrten haben ihren ganz eigenen Flair. Es hört und fühlt sich alles ganz anders an, die Sinne sind viel geschärfter. Leider ist wenig Wind und wir motoren ziemlich viel.

Und es kommt, wie es kommen muss: wir sind zu schnell und sind schon gegen 03:00 Uhr vor der Hafeneinfahrt. Es blitzt und blinkt überall. Wir versuchen mit aller Kraft und allen Mitteln die Hafeneinfahrt zu finden. Hier? Da? Ist es das rote Licht? Ist das hier das Richtfeuer? Der Hafen von Cherbourg hat zwei Schutzbarrieren. Eine große äußere, die den Vorhafen von der See trennt. Als wir hier endlich drin sind, nähert sich von hinten eine weitere Yacht. Wir beschließen, dieser Yacht hinterherzufahren. Aber wie es so ist: vor lauter vorbereiten und Konzentration auf Fender und Leinen in der Dunkelheit fährt uns diese Yacht einfach davon. Also tasten wir uns im Dunkeln weiter voran. Im Hafen angekommen, legen wir uns gleich an den ersten greifbaren Steg. Anlegen im Dunkeln, nachts.
Ein perfektes Anlegemanöver! High five um 05.00 Uhr und ab in die Koje!

Wie es in Cherbourg weitergeht, kannst du im nächsten Artikel nachlesen.

Mehr über die Orte in Frankreich:

Dieppe

Boulogne-sur-mer

Wir sind unterwegs auf unserer Langfahrt. Es ist kaum zu glauben. Alles fühlt sich gleichzeitig normal und ungewohnt an. Und es könnte immer noch einfach ein langer Urlaub sein. Und dennoch ist Hamburg und unsere Wohnung gedanklich schon sehr weit weg!

Hamburg, Anfang Juli 2021

Es ist Anfang Juli und wir liegen im Harburger Binnenhafen. Konzentriert versuchen wir, das Boot so gut wie möglich vorzubereiten. Ob die Dinge, die wir uns überlegen, wirklich die richtigen sind und ob der Fokus auch der richtige ist? Wir werden es erst erfahren, wenn wir unterwegs sind.
Unser Termin zum Start der Langfahrt war ursprünglich mal für den 19.07. gesetzt, eine sehr knappe Hausnummer. Daher haben wir den schon auf den 24.07. gesetzt.

Da ich (Marion) am Anfang einer Saison immer seekrank werde (nur Müdigkeit, aber das reicht) und ausfalle, haben wir beschlossen, Mitsegler zu suchen. Damit wollen wir gleich das zweite Problem auch lösen: wir kennen uns in der Nordsee und im Tidengewässer nicht so richtig aus. Also suchen wir Mitsegler, die die Nordsee und am besten auch den Kanal kennen. Unser Plan war, schnell durch den Kanal zu fahren. Dadurch wollten wir uns nach hinten mehr Luft verschaffen. Ein guter Plan, dazu später mehr.

Wir hatten Glück, es fand sich ein Paar. Dieter und Christiane, erfahrene Nordeesegler und Yachtmaster. Perfekt, dann sollte es klappen!

Hamburg, 17. Juli 2021

Am 17. Juli war es soweit: wir verlegen uns in den Citysporthafen in die Innenstadt! Endlich bewegt sich etwas (im wahrsten Sinne des Wortes, wir hatten ganz vergessen: der Citysporthafen hat sehr viel Schwell, das Boot schwankt die ganze Zeit…) Damit wurde auch die Abfahrt und das Ziel „Langfahrt“ wieder viel konkreter.

Und: wir segeln das erste Mal. Leider nur kurz, das Wetter war nicht perfekt dafür, aber immerhin.

Doch nicht alles läuft reibungslos in der Vorbereitung, und so scheint der Abfahrtstermin erneut zu kippen. Es fehlen Teile, ich muss noch mal zur Familie fahren und ein wichtiger Arztbesuch steht auch noch an. Wir sind langsam am Ende unsere Kraft.

Wir diskutieren lange, ob wir den Mitseglern absagen sollen und eine Woche später alleine losfahren. Das heißt, den ganzen Weg in kurzen Schlägen und deutlich länger unterwegs sein. Das heißt, die Nordsee und den Ärmelkanal alleine fahren und für Christoph am Ende vielleicht auch „Einhand“, da ich ausfalle.
Das klingt alles nicht nach einer vernünftigen Entscheidung. Also verschieben wir nur um einen Tag und hauen richtig rein.

Hamburg zeigt sich von seiner schönsten Seite, die Sonne scheint und wir bekommen fast Heimweh. Das ist wohl so: immer wenn etwas zu Ende geht, ist es plötzlich ganz toll. Und man fragt sich, warum man das verändert… mir ging es bei meinem Jobs immer so.

Hamburg 25. Juli 2021

Am 24.07. ist es dann soweit. Christiane und Dieter reisen an. Wir proviantieren, stauen und planen die Abfahrt am nächsten morgen. Ich setzte die Wimpelkette, das ist eine alte Tradition: man schmückt das Boot mit Flaggen aus aller Welt. Das macht man bei einem neuen Boot, bei einer Taufe oder eben vor einer langen Reise. Flaggenparade nennt sich das seemännisch. Kurz bevor ich das Fall oben habe, kommt mir der Gedanke: wie kommt es denn wieder runter? Ich habe vergessen, eine Rückholleine anzubringen. Und das heißt: einer muss in den Mast.
So schnallt Christoph sich das Klettergeschirr um und wird mit der elektrischen Ankerwinsch hochgezogen. Ein verrückter Start der Langfahrt…

Die Elbe ist traumhaft am frühen morgen. Ein Feuerschiff macht Löschübungen im Sonnenaufgang- wie bestellt!
Rasmus bekommt seinen Schluck für gutes Wetter und wir freuen uns. Wir genießen Sonne, Wind und die letzten Blicke auf unser schönes Hamburg.

Der Plan war, bis zu den friesischen Inseln zu fahren. Mindestens. Doch kurz vor Cuxhaven kommt eine Gewittermeldung. Es wird diskutiert und seemännisch beschlossen, nach Cuxhaven abzudrehen und dafür mit der nächsten Tide um 03.00 Uhr wieder auszulaufen.

Ich bin aufgrund meiner Seekrankheit-Situation aus der Planung raus und so merke ich es kaum, als es mitten in der Nacht weitergeht. Wenn du mehr zum Thema Seekrankheit wissen willst, dann schau doch mal in den Artikel über Seekrankheit und was wirklich hilft.

Cuxhaven ins IJsselmeer, 26. Juli 2021

Es läuft richtig gut. Die Sonne scheint, es weht ein schönes Lüftchen. Zwischenzeitlich schläft der wind mal ein und Christoph kann sich um einen verstopften Borddurchlass kümmern. Details gibt es hier nicht, es war der Durchlass, der nicht soviel Spaß macht…wir genießen unsere Reise, so hatten wir uns unsere Langfahrt vorgestellt.

Doch dann, mitten in der Nacht vor den friesischen Inseln kommt der Regen und der Wind. Da ich nicht im Wachplan eingeteilt war, habe ich nur mitbekommen, daß es extrem unruhig war – ich wurde in meiner Koje regelrecht herumgeschleudert.

Am nächsten Morgen kam dann das erwachen: es war „alles“ nass. Wir haben ganz viel Wasser im Schiff, an Stellen wo es nicht hingehört. Die Luken sind undicht, der Lüfter ist ist wie ein Loch, das Wasser fließt ungehindert durch. Und auch an den Wänden läuft das Wasser.

Die Crew hatte entschieden, ins IJsselmeer zu fahren. Die Wettervorhersage hat sehr starken Wind angekündigt. Das tun wir und wir machen einen Stop in Enkhuizen. Wäsche waschen, schlafen, tanken und weiter gehts am nächsten Morgen.

Nach Amsterdam, 28. Juli 2021

Der Wind frischt sehr stark auf und wir können wie geplant nicht weiterfahren. Wir müssen eine Pause machen und den Wind abwettern. So entscheiden wir, noch durchs Markermeer nach Amsterdam zu fahren. Dort können wir wenigstens eine schöne Zeit verbringen.
Also bolzen wir bei 7 bft gegen Wind und Regen an und kommen nass und fertig in Amsterdam an. Doch die Stadt zeigt sich nicht von ihrer besten Seite: es gibt keine Plätze mehr, die Häfen sind überfüllt.

Ein Hafenmeister hat dann aber doch noch ein Herz für uns und findet eine Lücke. Als wir dort ankamen und der Hafenmeister den Platz anweist, bekam ich gleich weiche Knie: rückwärts in eine schmale Lücke zwischen zwei andere Boote. Ohne Steg und ohne Dalben.

Mein erster Gedanke war: mach das nicht, das wird nichts. Christoph steht am Steuer und ich flüstere ihm schnell noch zu, er kann auch abbrechen. Aber es gab ja irgendwie auch keine Alternative, alle Häfen dicht, wir sind alle durchnässt und verfroren. Also versuchte er es. Doch es war sehr knapp am Bug eines großen Motorbootes. Schon war es passiert: wir schrammten am Anker des Motorbootes vorbei und unser Solarpanel knirschte und er Anker verhängte sich dann noch in der Reling. Wir konnte uns wieder lösen und Christoph brach das Manöver ab.
Wieder raus aus dem Hafen, kurz sortieren und Schäden checken. Das Solarpanel war zersplittert und die Reling verbogen.

28. Juli – Planänderung

Da es keine anderen Möglichkeiten mehr gab, entschieden wir nach IJmuiden zu fahren.
Wir motorten also weiter. Der Wind drehte mehr und mehr auf. Nach der Schleuse von IJmuiden ballerte es so richtig, es waren Böen von mehr 45 Knoten.
Die Hoffnung war, in der Marina wird es windgeschützt sein. Doch so richtig stimmte das leider nicht. Und so kam es, wie es kommen musste: beim Anlegemanöver erfasst uns eine Böe und drückte uns gegen ein Motorboot. Trotz tatkräftiger Hilfe mehrerer Leute am Steg, 9 bft sind halt einfach 9 bft.

Als wir fest sind, überprüfen wir den Schaden zusammen mit dem Eigner des Motorbootes. Und siehe da – unser Anker ging direkt in das geöffnete Fenster des Motorbootes und hat dadurch auch nichts beschädigt. Es ist echt unglaublich – aber es ist so! Und so atmen wir erstmal tief durch.

Pause in IJmuiden – brechen wir ab?

Bei einem langen Gespräch mit unseren Mitseglern beschließen wir, die Pläne für unsere Langfahrt zu ändern. Es ist so vieles nicht in Ordnung bei dem Boot, daß wir guten Gewissens in diesem Tempo nicht weiterfahren können. Und auch unsere Seelen sind ziemlich geschunden, das schwierige Wetter und die zwei Crashs haben uns nicht gut getan.

Segeln wird in den nächsten Tagen aufgrund des Wetters nicht möglich sein. Christiane wird die Fahrt abbrechen und mit Freunden zurückfahren, so kann sie ihren Urlaub aufsparen.
Dieter wird mit uns das Boot noch etwas auf Vordermann bringen und noch ein paar Etappen mitfahren.

Das klingt nach einem guten Plan und wir fangen zu viert mit der Arbeit an: es wird gewaschen, gebastelt, das Boot abgedichtet, Ersatzteile bestellt und Krönchen gerichtet.
Christoph machte Hafenmanöver, wir lernten Leinen werfen.

Dann verabschieden wir Christiane und machen uns wieder auf den Weg… mit angezogener Bremse und noch nicht verheilten Wunden.

Fazit …und wie geht es weiter???

An dieser Stelle auch noch mal ein dickes, fettes DANKESCHÖN an Christiane und Dieter!

Für eure Geduld, für eure Unterstützung, für euer Wissen!
Wir sind froh und dankbar, euch dabei gehabt zu haben und wir haben so viel von euch gelernt!

Wenn du auch eine Langfahrt planst, hier meine Tipps für den Start:

  • starte eine Langfahrt niemals gestresst. Wir waren an manchen Punkten überfordert, obwohl es nicht nötig war. Das kann ich heute, mit entsprechendem Abstand sagen.
  • kläre die genauen Vorstellungen mit der Crew ab. Der Plan für unsere Mitsegler war: schnell durch den Kanal. Sie hatten „komme, was da wolle“ als Zusatz und wir „aber nicht um jeden Preis“. Dieser Zusatz ist extrem wichtig und sollte im Vorfeld immer abgeklärt werden!
  • kenne deine Grenzen und bleibe am Anfang in deiner Grenze oder besser noch unterhalb. Das stärkt und gibt für die folgende Komfortzonenerweiterung ganz viel Kraft!
  • mache dich mit dem Boot vor der Abfahrt vertraut. Segeleigenschaften, Systeme – das sollte sitzen.
  • und gehe vorher mal segeln, mehr als 2 Stunden…

Zu diesem Thema wird es auch noch einen Extra Artikel geben.

Du willst wissen, wie es weitergeht mit unserer Langfahrt?

Dann schreibe dich doch in die Flaschenpost ein.
Du bekommst eine Mail, wenn der nächste Artikel fertig ist!

Wenn du unsere Position wissen willst, du findest uns unter anderem bei Marinetraffic oder Vesselfinder.
Einfach nur den Schiffsnamen eingeben. Sollten wir nicht zu sehen sein, dann spinnt das AiS oder wir sind in einem „Funkloch“. Das passiert leider noch, wir arbeiten aber an der Lösung.

Zu dieser Etappe gibt es natürlich auch ein Video.

oder: wir scheitern uns ans Ziel

„Wir planen eine Weltreise. Start ist in 2 Jahren. Unsere Vorbereitungen zur Langfahrt: Wir kaufen für einen fast 6-stelligen Betrag das passende Boot und lassen es dann in der Werft für das gleiche Geld nach unseren Vorstellungen umbauen. Wir verkaufen das Haus und die Firma und kaufen eine kleine Wohnung. Diese vermieten wir dann, das sichert uns ein gutes Einkommen während der Reise…“

…nein, das sind nicht wir…

Wo starten wir mit den Vorbereitungen zur Langfahrt?

Wir haben weder ein Haus, noch eine Firma noch wollen wir erst in zwei Jahren los. Bei uns hat es sich spontan ergeben.
Wir träumen schon lange davon, auf das Wasser zu ziehen und am liebsten loszufahren. Erst lief uns 2020 das Boot zu. Wir schauten uns zwar nach Booten um, doch Corona gab uns keine Möglichkeit, zu reisen und es explodierten die Bootspreise. Und dann kam unser Stegnachbar aus dem Urlaub zurück: ich verkaufe mein Boot, es wird mir zu viel. Ich kaufe mir ein Motorboot.
Keine zwei Wochen später hatten wir plötzlich ein großes Boot. Dann änderten sich die „äußeren Umstände“. Veränderungen in Jobs, Corona-Krise…

Die Entscheidung fiel schnell, November 2020.

Mehr dazu kannst du im letzten Artikel nachlesen: 2021 – Die große Segelreise beginnt!

Wir entschieden uns, sofort loszulegen und schnellstmöglich loszufahren. Das heißt im Sommer 2021. Und das heißt: Wohnung kündigen, leer räumen, das Leben neu organisieren.
Der Startschuss für die Vorbereitungen zur Langfahrt.

Die Wohnung wird gekündigt

Der erste Meilenstein

Die Wohnung kündigen. Ganz ehrlich – so einfach ist das nicht. Ja, die Kündigung an sich schon, aber die Entscheidung. Die Kündigung ist der erste endgültige Schritt. Und deswegen haben wir auch immer wieder verschoben, bis wir eines morgens im Bett saßen und festgestellt haben – wir „prokrastinieren“. Also den Kalender geholt, Termine gecheckt und Entscheidungen getroffen: Kündigungstermin 31.05. Am nächsten Tag ging die Kündigung direkt zur Verwaltung, und zwar persönlich. Wir entfernen die Winterplane vom Boot und wollten hochmotiviert durchstarten. Doch wie so oft, das Wetter spielt einfach nicht mit. Schnee, kalt, Regen. Wir können sehr viel weniger machen, als geplant.

Der Umzug

Also wird es Zeit für den nächsten Meilenstein: den Umzug.
Wir beschließen, unseren Lebensmittelpunkt auf das Boot zu verlegen. Wir wollen Ariba zu unserem Zuhause machen, sie nach unseren Wünschen ein- und herrichten.

Und so starten wir die Projekte im Innenraum, da es draußen stürmt und schneit.
Auch wenn es furchtbar „Gender“ klingt und wir beide gendern nicht mögen: ich kümmere mich um die optischen Sachen, Christoph um die technischen. Das ist bei uns berufsbedingt, ich bin gelernte Dekorateurin und Christoph der Ingenieur. Wir versuchen den Spagat zwischen praktisch und schön zu machen. Schliesslich wohnen wir auf dem Boot.

Bei allen unseren Überlegungen versuchen wir, unseren Vorsatz einzuhalten:

KISS – keep it stupid simple.

Das hast du vielleicht schon in dem vorherigen Artikel gelesen.
Wir wollen das Boot nicht komplett zerlegen, bevor wir losfahren. Wir wollen die wichtigsten Sachen erledigt haben und dann unterwegs schauen, was wir wirklich brauchen. Dazu kommt, daß wir keine xx-Jahre Zeit und auch nicht das Geld haben, alles neu und alles in der Werft zu machen.
Dennoch achten wir bei unseren Vorbereitungen zur Langfahrt auf Sicherheit, Praktikabilität und den Wohlfühlfaktor.

Daher gab es erstmal Vorhänge aus unserem alten Vorhangstoff im Schlafzimmer. Überzüge für die Polster aus einem einfachen Bündchenstoff, nähfrei. Alles keine Dauerlösungen, es reicht aber für das erste.
Die Elektrik wird jedoch überarbeitet, es gibt LiFePo4 Batterien, Solar und eine vorschriftsmäßige Absicherung.

Da wir unter mit Termindruck am besten arbeiten, haben wir uns einen persönlichen Umzugstermin gesetzt: 08.05.2021. Ganz bewußt deutlich vor der Übergabe, weil Termine beim Boot meistens einfach nicht funktionieren. Du brauchst immer länger.

Die Wohnungsauflösung

Auf einem Boot zu wohnen ist nochmal etwas anderes, als einen Urlaub zu machen oder eine längere Reise. Du brauchst an der einen oder anderen Stelle doch nochmal andere Sachen oder auch mehr Dinge. Der Termin ist gut gesetzt, denn es ist tatsächlich sehr viel zu tun. Parallel müssen im Boot Dinge verstaut und in der Wohnung abgebaut werden.

Die Wohnungsauflösung verläuft besser, als erwartet, wir können viele Dinge verkaufen oder verschenken. Da hat uns Corona doch sehr geholfen, viele Möbel wurden uns abgekauft. Die Kleinanzeigen-Kunden haben sich teilweise die Klinke in die Hand gegeben. Das lag sicher auch an den guten Preisen. Wir wollten hier nicht reich werden, sondern recyceln. Vielleicht warst du ja auf Instagram dabei, wir haben den ganzen Prozess in der Story hautnah gezeigt. Falls nicht, es ist eine Highlight-Story, du kannst es immer noch anschauen. Anstrengend war es.

Und am 31.05. haben wir dann die allerletzten Sachen aus der Wohnung geholt, um diese direkt nach Süddeutschland zu Freunden und Familie zu fahren. Der Nachmieter hatte schon diverse Sachen verändert und gestrichen, es war schon nicht mehr unsere Wohnung. Ein seltsames Gefühl.

Ist das KISS oder kann das weg?

Immer wieder verfallen wir in Ideen und Vorstellungen, die bei näherer Betrachtung für die Abfahrt nicht wichtig sind. Dann stellen wir und die Frage.

Dazu gehörte zum Beispiel die Heizung. Es war lange kalt, es gab sogar noch mal Schnee. Unsere Heizungsschläuche in der V-Koje wurden von einem der Voreigner abgebaut. Zuerst wollten wir die Heizschläuche wieder verlegen. Dann haben wir aber überlegt, wo wir eigentlich hin wollen: ins Warme. Also wurde beschlossen, damit zu warten, bis wir die Heizung brauchen. Dann können wir sie immer noch verlegen.
Wer die Videos kennt, die Heizung hat inzwischen auch den Geist aufgegeben. Wir werden diese ersetzen, aber nicht sofort. Die Abreise hat Prio.

Und so geht es mit einigen Dingen auf unserer Liste. Wer jetzt aber denkt, die Liste wird dadurch kürzer, der irrt. Ein Punkt abgestrichen, kommt ein neuer dazu.

Wie ist der Stand unserer Vorbereitungen zur Langfahrt jetzt?

(seit der Rückkehr von der Verteiler-Tour am 04.06.)

Heute ist der 08.07.2021. Wir sitzen gerade in Süddeutschland bei Freunden am Tisch, Christoph arbeitet und ich schreibe endlich diesen Text fertig. Wir machen die Abschiedstour bei der Familie, wir brauchten dringend eine Auszeit. Nicht von der Enge, sondern von der Arbeit. Die letzten Wochen haben wir so richtig reingehauen, um unseren Abfahrttermin zu schaffen. Die Vorbereitungen zur Langfahrt sind ein gutes Stück weiter.

LiFePo und Elektrik

Die Technik hat sich richtig quer gestellt, wir mussten hier sehr viele Dinge wieder und wieder angehen. Die LiFePo Batterien haben sich schwieriger gezeigt, als erwartet. Wir hatten leider auch Pech mit dem ersten Hersteller, hier ging richtig viel Zeit drauf in Fehlerfindung und Problemlösung. Bis wir uns dann entschieden haben, das gesamte System zu wechseln und einen anderen Hersteller zu nehmen. Die Stromversorgung muss einfach funktionieren. Natürlich ist das nicht nur Zeit – das ist auch sehr viel Geld, das hier verbrannt wurde.

Letztendlich haben wir die Verkabelung outgesourced, aus Zeitgründen.

Solarpaneele

Die Solarpaneele wurden angebracht, dafür ließen wir uns Bügel anfertigen. Wir entschieden uns gegen einen Geräteträger, dieser passt irgendwie nicht so richtig auf das Boot. Leider wurden uns für die Paneele die falschen Halterungen geliefert. Das wussten wir nicht und bei der Installation gingen diese direkt in die Knie und verbogen sich. Also auch hier noch nicht fertig, wir warten immer noch auf eine Ersatzlieferung.

V-Koje

Die Verkleidung des Himmels in der V-Koje löste sich wieder, hier musste eine neue Lösung her (das war ein Fehler von uns, nicht vom Hersteller) auch hier arbeiteten wir nach. Aber: wir haben endlich wieder eine gute Matratze. Wir haben unsere relativ neue Matratze aus der Wohnung umarbeiten lassen und mit einem speziellen „Stoff“ beziehenlassen, der die Luft zirkulieren lässt. Jetzt ist es viel besser und nicht mehr so viel Kondenswasser!

Sonstige Technik

Nach der Verkabelung der Elektrik funktionierte das Bugstrahlruder nicht mehr. Ganz schlecht! Hier half uns ein Bekannter, ein Elektrik-Freak. Danke Claas!!! Es geht wieder!

Der Generator musste eingebaut werden, es war vorher ein kleinerer installiert, der uns nicht gereicht hätte. Leider hat der neue zuerst die Batterien nicht geladen, was nicht gut ist. Auch hier hat uns Claas sehr geholfen.

Ach ja, die Windsteueranlage hängt jetzt auch dran und die Installation ist auch von Herrn Förthmann abgenommen. Leider musste dafür die Badeleiter versetzt werden, das war nicht geplant. Auch das ist noch nicht fertig. Danke Sebastian für deine tolle Unterstützung hierbei!!!

Der Anker musste angebracht werden, das alte System passte nicht zu dem neuen Manta, 25kg. Auch das ließen wir machen.

Holzarbeiten, divers

Wir mussten die Decksfuge GFK zu Teak neu verfugen, die war löchrig und brüchig und auch schon mit diversen unterschiedlichen Materialien geflickt. Das war eine sehr sehr doofe Arbeit, wir haben damit auch keinerlei Erfahrung. Ob das gut aussieht? Geht so, Ob es hält? Keine Ahnung. Wir werden sehen, das Teak ist sowieso im „Winterlager“ dran. Hier ein dickes DANKE an Rudi, der uns drei Tage lang ganz kräftig geholfen hat.
Es gibt jetzt auch tolle Schlingerleisten und die zusätzliche Kühlbox ist in der Kabine fixiert.

Was fehlt jetzt noch bei den Vorbereitungen zur Langfahrt?

Die Liste der Vorbereitungen zur Langfahrt ist lang, aber das sind die wichtigsten Sachen:

Das Funkgerät muss noch getauscht werden. Wir haben uns dafür entschieden, unser „altes“ Funkgerät unter Deck einzubauen. Das hatten wir recht neu für die Dehler gekauft und bei dem Verkauf mitgenommen, da dieses über passives AIS verfügt. Wir haben noch ein extra aktives AIS, das wird wohl aber erst später eingebaut. Die Zeit wird dafür nicht reichen.

Wir haben eine undichte Stelle in der Achterkabine. Da müssen wir ran, da unsere Mitfahrer dort schlafen werden. Das geht natürlich nicht.

Die Badeleiter braucht noch eine Lösung, hier muss wohl auch etwas geschweißt werden.

Es gibt noch ein paar Sachen zum Verstauen aus dem Lager. Segel zum Beispiel, diese müssen noch untergebracht werden (eine Fock, der Spi). Wir müssen das ganze Raumkonzept noch optimieren, im Moment ist es noch ziemlich planlos, das geht auf jeden Fall besser!

Auch fehlt noch sicherheitsrelevantes Equipment wie die Epirb oder der JonBuoy. Corona und der Suez Kanal machen sich auch für uns bemerkbar. Grundsätzlich wollten wir ein Sicherheits-Seminar machen, das Komplettprogramm mit Einsteigen in die Rettungsinsel und Medizin-Basics. Coronabedingt musste das leider ausfallen, aber wir hatten ein tolles Online-Seminar und auch eine super telefonische Beratung hinterher durch Sailpartner. Danke Britta für deine Geduld – und das ist unbezahlte Werbung, da wir sehr zufrieden waren!

Und wir müssten auch mal Probesegeln und Systeme testen, das ist noch nicht passiert dieses Jahr. Es sind so viele Vorbereitungen zur Langfahrt, nicht ohne Grund nehmen sich viele zwei Jahre Zeit dafür.

Unsere Abfahrt ist der 24.07.2021.
Mal sehen, ob das klappt.

…wir sind schon mitten drin!

Kennst du unseren Trailer auf YouTube?

Wir träumen von einem Leben auf dem Boot und einer ganz langen Segelreise. Nicht „Einmal in drei Jahren um die Welt“ sondern von „Liveaboard“ und schauen, wo die Fahrt hingeht.

Hamburg, 31.01.2021. Ich, Marion, nehme dich jetzt mit auf eine Reise!
Die beginnt 2020, dem total verrückten Corona-Jahr. Das ist jetzt aber hier nicht das Thema.

2020 – Das neue Boot

Schon seit einiger Zeit schauen wir uns immer mal wieder nach einem größeren und für unseren Traum passenden Boot um. Im Frühjahr 2020 hatten wir zwei Boote gefunden, die uns direkt „auf dem Papier“ zugesagt haben. Beide lagen jedoch in Griechenland.
Wegen der Pandemie war das für uns aber nicht zu organisieren, wir wollten dieses Mal nur mit Gutachter kaufen.
Das eine der beiden Boote hatte es uns ganz besonders angetan, ein Stahlboot unter Schweizer Flagge. Gebaut in Deutschland, ausgebaut in der Schweiz und seit Jahren in Griechenland. Christoph begann, sich mit dem Thema Mehrwertsteuer auseinanderzusetzen. Das Ergebnis waren zwei sehr interessante Artikel: Unsere Erfahrungen zu Mehrwertsteuer bei gebrauchten Sportbooten und Nachweis der Umsatzversteuerung bei Schiffen. Die Dinge, die Christoph auf diesem Teil der Reise lernte, führten am Ende zu einer Entscheidung gegen das Boot.

Die Suche

Der Bootsmarkt nahm zum Sommer hin irrsinnige Formen an: es wurde alles gekauft und verkauft, was nur irgendwie schwamm. 35 füssige Rassys in sehr fragwürdigem Zustand und ohne jegliche Ausstattung zu über 60 T Euro. Insgesamt waren nicht viele interessante Boote auf dem Markt. Im Jahr vorher sah das noch deutlich besser aus. Mehr Angebot zu besseren Preisen. Auch an unserem Steg wechselten die Boote mitunter schnell die Eigner. Wir verabschiedeten uns langsam von dem Gedanken, in dieser Zeit ein Boot zu einem vernünftigen Preis zu finden.

Der Zufall

Aber wir hatten ja auch noch Zeit, Christoph hatte einen guten Job. Und da ich durch Corona nur noch wenig zu arbeiten hatte, wäre es ja unklug gewesen, den festen Job jetzt zu kündigen. Wer weiß schon, was kommt.

Unsere Stegnachbarn, Hilde und Jost, waren auch diesen Sommer wieder mit ihrer Dufour 39 für viele Wochen unterwegs. Seit dem ersten Tag an unserem Steg in Travemünde fand Christoph dieses Boot toll. Irgendwie war es für ihn immer die Verbildlichung seines Ziels. Schnell, groß, robust und tolle Linien.

Als die beiden von ihrem Sommertörn zurückkamen, war ich alleine beim Boot und wir unterhielten uns über ihre Reise. Sie erzählten, sie wollen das Boot verkaufen und aus gesundheitlichen Gründen auf ein Motorboot umsteigen. War klar, mein Anruf bei Christoph folgte sofort!

Und dann ging das Karussell los:
Probefahrt, Sachverständiger, Verhandlungen, Überlegungen. Uns wurde manchmal richtig schwindelig…

Ein paar Fakten zur Ariba

Dufour 39
BJ 1984
Baunummer 29
Gezeichnet von German Frers
Hochseetauglich, Klasse A
LÜA 11,98
Tiefgang 2,00
Rollgroß
Rollgenua
Bugstrahlruder
Radar
gute technische Ausstattung
Segelgarderobe überkomplett in sehr gutem Zustand

Hier gibt es ein Datenblatt und Pläne zur Dufour 39: Die Spezifikationen der einzelnen Modelle und Baujahre verändern sich stark, je nach Eignerwunsch wurde vieles angepasst. Später wurde auch das Innenlayout verändert. Unser Layout entspricht im wesentlichen dem ersten Grundriss.

Contra:

  • es ist kein Langkieler – dadurch viel Tiefgang
  • Keine Eigner-Achterkabine, nur zwei „Schlupfkabinen achtern“, der klassische Charterriss mit 3 Kabinen
  • Wenig Stauraum – keine tiefe Bilge, wenig Schränke
  • Nicht für Langfahrt ausgerüstet

Pro:

  • Stabiles und Eigner-gepflegtes Boot
  • Hell und viel Raum
  • Gute Grundausstattung
  • segelfertig
  • Tolles Segelverhalten (schnell und wendig)
  • keine Baustelle – ready to go

Der Sachverständige war einverstanden, der Motorspezi auch und man wurde sich einig. Das Boot ist von der Substanz gut, es ist mit Abstrichen und einigen Kompromissen für unser Vorhaben geeignet.
Das wichtigste aber: es war VERFÜGBAR und der Preis realistisch.
Also wurde zugeschlagen.

Natürlich musste Sleipnir auch verkauft werden. Das war emotional echt anstrengend, da es ja unser erstes Boot war. Wir hingen beide sehr an der Dehler. Wir haben viel mit ihr erlebt und erst mit ihr so richtig Erfahrungen rund um Boot und das Segeln sammeln dürfen.

Aber es musste ja sein. Wir hatten wieder Glück, gleich die erste Besichtigung war ein Volltreffer. Die Interessentin hatte sich direkt verliebt und kaufte gleich. Das erste Kapitel war 5 Tage nach unserem Inserat schon abgeschlossen.

Das neue Boot – der Startschuss!

Ich war Corona-bedingt das ganzen Frühjahr mehr zuhause als arbeiten. Natürlich dachte ich darüber nach, warum nicht jetzt auf Reise gehen? Natürlich haben wir viel darüber gesprochen. Aber gerade in solchen Zeiten wie der Pandemie ist es ja gut, ein gesichertes Einkommen zu haben.
Und dann bekam Christoph unerwartet ein Angebot seiner Firma, seine Abteilung wurde umstrukturiert. Viele Arbeitsplätze, darunter seiner, sollten entfallen.

Wir dachten kurz nach und die Entscheidung wurde getroffen: Wir haben das passende Boot, wir haben die Zeit, wir gehen jetzt auf Reise! Und damit wurde das Karussell angestoßen…

Wann soll es losgehen?

Start wird jetzt im Frühjahr 2021 sein. Wir sind gerade dabei, alle wichtigen Fragen zu klären: Versicherungen, Meldeadressen, Geschäftsbedingungen.

Mitte April wollen wir auf das Boot ziehen, das ist ja nicht in ein- bis zwei Tagen gemacht.
Bis dahin muss die Wohnung aufgelöst und ausgeräumt sein, die Unterlagen untergebracht und vor allem das Boot fertig sein. Vermutlich wird die Wohnung zu Ende April gekündigt. 

Ende April hat Christoph noch einen Termin an der Ostsee. Und dann hängt es nur noch davon ab, wie die Lage ist: ist das Boot soweit? Wie sieht es mit der Pandemie aus? Haben wir alles geregelt?
Wir machen uns hier keinen Stress. Wenn wir erst mal auf das Boot gezogen sind, ist schon ein großer Teil unseres Wunsches erfüllt!

Was ist noch am Boot zu machen?

Natürlich ist am Boot noch einiges zu machen. So wie bei jedem Boot gibt es normale Winterarbeiten, irgendwas ist da ja immer. Dazu kommt, das Boot soll autark und Langfahrt-tauglich werden. Wir werden nicht alles sofort machen können, aber zumindest das Autarke muss unter dem Corona-Aspekt gewährleistet sein.
Daher haben wir auch schon einen Wassermacher, einen neuen Strom-Generator und eine Windfahnensteuerung gekauft. Jetzt kommt noch Solar und eine Sicherheitsausrüstung dran.

Aktuell kümmert sich Christoph um die Erweiterung der Batterie-Kapazitäten.

Unsere Richtlinie dabei ist: KISS. Keep It Simple Stupid.

Nur so können wir das zeitlich und finanziell schaffen
Im nächsten Winter planen wir dann in Portugal an Land zu gehen und dort noch wichtige Dinge zu machen. Zum einen das, was wir schon wissen. Zum anderen das, was uns noch auffällt.
Die Seeventile sollten teilweise ausgetauscht werden. Das Antifouling muss neu, das ist noch nicht Langfahrt geeignet.

Wir haben uns dafür entschieden, das alles später zu machen. Wir wollen die Zeit auf der Segelreise lieber für Erfahrungen nutzen und wir werden nach einiger Zeit sowieso erst merken, was wirklich noch fehlt. Und das Boot ist ja soweit in einem super Zustand.

Wohin und wie lange soll die Segelreise gehen?

Beide Fragen sind so nicht zu 100% zu beantworten. Schliesslich haben wir immer noch eine weltweite Pandemie. Und wir waren noch nie länger als 4 Wochen unterwegs – und das auch nur auf 27 Fuß.

Zuerst starten wir Richtung Portugal. Ob wir jetzt den Ärmelkanal auf der englischen oder der französischen Seite durchqueren, ist noch offen. Das hängt von Reisebestimmungen ab. Dann vielleicht die Biskaya rein, Richtung Bordeaux. Das ist davon abhängig, wann wir los kommen. Schon der Weg von Hamburg durch den Englischen Kanal und die Biskaya ist ein spannender und aufregender erster Teil der Reise.
Und zum Winter wollen wir an Land gehen, um die restlichen Arbeiten zu erledigen. Das wird vermutlich Faro oder Umgebung. Dann geht es erst mal ins Mittelmeer. Hier gilt es einen tollen Sommer zu erleben. Und der nächste Winter wird auf den Kanaren verbracht.

Und weiter geht die Planung nicht, das ist so schon weit genug.

Die Länge der Segelreise ist davon abhängig, wie es uns gefällt. Wie wir zurecht kommen. Und wie das mit dem Geld aussieht.

Wie finanziert ihr die Segelreise?

Wir haben keine vermieteten Häuser oder Wohnungen. Keine Firma, die ohne uns läuft und uns Geld bringt. Wir haben ein wenig Erspartes. Nicht viel, aber es reicht für die erste Zeit.
Und dann müssen wir entweder Geld verdienen oder irgendwann die Reise beenden.

Jetzt mag es die Meinung geben, warum wir dann losfahren. „Man kann unterwegs kein Geld verdienen.“ Das sehen wir anders. Und wir wollen arbeiten. Wir fahren jetzt los, denn jetzt passt es. Wenn wir nicht jetzt fahren, dann fahren wir nie. Ich will nicht in zwanzig Jahren meinem Traum hinterher heulen.

Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover.

Mark Twain

Wir haben beide Fähigkeiten, die wir Remote anbieten werden. Natürlich sind auch der Blog und die Videos Teil unseres Modells, aber nur Teil. Es ist eine Mischkalkulation. Schliesslich soll es ja weiterhin Spaß machen.

Eine Segelreise während der Pandemie?

Bis wir loskommen wird es Mai. Bis dahin wird sich noch vieles tun in Bezug auf die Pandemie und die Bestimmungen. Die Impfungen gehen weiter und irgendwann sind auch wir dran.
Ja, wir werden uns natürlich impfen lassen.
Der letzte Sommer hat uns gezeigt, daß wir uns mit einem Boot gut in der Pandemie bewegen können. Wir werden auf unserer Segelreise autark sein, wir können auch 14 Tage Quarantäne auf dem Boot aushalten. Wir mögen uns gut leiden, daher schaffen wir das auch zu zweit auf dem engen Raum.

Und viele sind auch jetzt schon wieder in Europa unterwegs. Wir sind flexibel und offen für alles.

Gibt es einen Plan B?

Nein, keinen klaren. Die Segelreise ist mit Absicht so offen gewählt, damit wir auf veränderte Bedingungen reagieren können. Was wir definitiv wissen ist, die Reise wird uns verändern. Und auf diese Veränderungen sind wir gespannt und damit werden wir dann weiter durch das Leben gehen.

Leinen los zur Segelreise!

Wir haben lange nicht mit Euch da draussen darüber gesprochen, was wir vorhaben. Es ging alles so schnell, wir wurden quasi selbst überrannt. Das Boot hat uns gefunden, die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Es war noch so vieles ungeklärt und auch für uns noch offen. Aber in den letzten Wochen konnten wir die Dinge ordnen und schon viele Fragen klären.
Wir hoffen, du begleitest und weiter auf unserer Segelreise. Wenn du Vorschläge, Ideen oder Anregungen hast, freuen wir uns sehr darüber!

Es ist Ende November, ich sitze auf dem Sofa und lasse das Jahr gerade Revue passieren. So ein merkwürdiges Jahr, dieses 2020. Dieses Jahr ist einfach alles anders und die Welt wird wahrscheinlich nie mehr so sein, wie davor.
Und doch hatten wir einen unglaublich schönen Urlaub, den wir sonst nicht gehabt hätten. Hiddensee war nicht geplant…

Corona- Zwangspause

Nachdem wir im März von einem Tag auf den anderen nicht mehr ins Winterlager durften, stellten wir natürlich die Saison 2020 in Frage:
Sollen wir das Boot überhaupt ins Wasser bringen? Oder sollen wir lieber in Hamburg bleiben? Was wird aus unserem Urlaub? Und was passiert, wenn die Häfen wieder schließen?
Nach vielen Diskussionen und Gesprächen einigten wir uns darauf, das Boot nach Travemünde zu bringen und in Urlaub zu fahren. Wenn wir überhaupt ins Wasser kommen…
Und dann war es doch soweit, Mitte Mai durften wir wieder in die Halle und wir machten das nötigste am Boot fertig. Es wurde weniger als geplant und wir konnten tatsächlich nur die geöffneten Baustellen schließen.

Wegen dieser Verzögerung waren wir dann auch erst am 01. Juni in Travemünde. Noch waren die sanitären Anlagen in den Marinas geschlossen. Gut, eine Toilette haben wir ja an Bord, das geht schon mal. Aber was ist mit der Dusche?
Schliesslich wollen wir drei Wochen Urlaub machen. Also ab in den Outdoorladen und eine Solardusche gekauft – sicher ist sicher. Wir versuchen, uns auf alle möglichen Situationen vorzubereiten.

Urlaubsbeginn mal anders

Und dann startet der Urlaub eine Woche nach der Überführung – mit Maststellen in der Box. Eine ziemlich wackelige Angelegenheit, aber mit der Unterstützung der Stegnachbarn klappte das ganz gut. Danke nochmal!!!

Wo soll es denn jetzt hingehen? 2019 machten wir den Plan, nächstes Jahr nach Samsø zu fahren. Dänemark hat jedoch immer noch die Grenzen dicht. Der erste Gedanke war, die Ostsee Richtung Westen zu fahren, Richtung Flensburg, die Schlei. Da dort jedoch alle Dänemark – Lieger auf die Grenzöffnung warten, entscheiden wir uns um. Unser Ziel ist in diesem Urlaub „Wohin uns der Wind weht“. Und der wehte uns tatsächlich nach Osten. So oft kommt das in der Ostsee nicht vor.

Und wie immer in jedem Urlaub: das erste Ziel ist Grömitz. Grömitz ist quasi unser Absprunghafen, Grömitz geht immer. Doch auch hier ist es anders: einerseits so vertraut und gewohnt. Aber es ist ziemlich ruhig und leer in Grömitz, das ist ungewohnt.

Auf nach Poel

Am nächsten Morgen Leinen los nach Poel. Der Wind passt, die Sonne scheint. Der Urlaub kann beginnen. Ich schwächel ein wenig, wie immer zu Beginn der Saison: leichte Seekrankheit, noch keine Seebeine.
Poel ist eine sehr schöne, kleine Insel in der Wismarer Bucht. Wir lieben Poel, es ist sehr ruhig und hat einen wirklich tollen Strand direkt neben dem Hafen Timmendorf.
Es gibt auf Poel zwei Häfen: Timmendorf und Kirchdorf. Beide haben ihrem Charme und unterschiedliche Möglichkeiten.

Kirchdorf liegt quasi mitten auf der Insel, es ist der Dreh- und Angelpunkt der Insel. Hier ist die Festlandbrücke und der Fähranleger. Daher gibt es hier auch viele Restaurants, Läden und Supermärkte.

Timmendorf dagegen liegt direkt am Strand. Es gibt nur die strandtypischen kleinen Shops und wenige Restaurants. Aber dafür einen ganz tollen weiten Strand, mit Strandkörben. Direkt am Strand liegt ein großer Campingplatz mit allen typischen Einrichtungen: Minigolf und Pommes- Bude. Die Marina ist klein und fein, die Ansteuerung neigt zur Versandung. Meistens bekommt man noch einen Liegeplatz.

Wir liegen gerne in Timmendorf, der Strand ist für uns das wichtige Kriterium und wir mögen es gerne kleiner.
Auf Poel treffen wir uns mit Frank und Andrea, die wir damals in unserem Dänemark Urlaub in Rødvig kennengelernt haben. Schön ist das, wenn solche Freundschaften entstehen! Wir gehen zum Italiener, das erste Mal Essen gehen unter Corona – Bedingungen.

Eingeweht auf Poel

Angedacht ist ein Wochenende auf Poel. Dann wird das Wetter schlechter und es ist Sturm und Gewitter angesagt. Wir beschließen, uns auf Poel einwehen zu lassen. Es ist ein guter Platz dafür, windgeschützt und ruhig.

So nutzten wir die Zeit und packen das Longboard aus, um die Insel zu erkunden. Eine Corona – Errungenschaft: ich begann Longboarden, nachdem meine Inlineskates an Altersschwäche gestorben waren. Das Longboard von Christophs Sohn war bei uns im Keller und ich begann zu üben.

Dann müssen wir einkaufen und leihen uns E-Bikes, da der Supermarkt in Kirchdorf ist. Grundsätzlich sind Fahrräder eine gute Idee, allerdings hat der Wetterbericht tatsächlich recht und es beginnt aus Kübeln zu gießen und zu gewittern. Als Segler sind wir ja Wasser gewöhnt und wir radeln durch den Regen zurück.
Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne, es ist aber noch Starkwind. So machen wir einen Strandtag, und lassen unsere Sachen trocknen. Der Inselkoller greift um sich, nach 5 Tagen wollen wir endlich los!

Nächster Stopp: Kühlungsborn

Frühmorgens legen wir ab nach Kühlungsborn. Es ist nicht weit, aber der Wind passt nicht. Also kreuzen wir den ganzen Tag. Das ist total okay, schließlich lagen wir 5 Tage fest…

Kühlungsborn ist eine schöne Marina. Es gibt eine nette Strandpromenade, an der in normalen Zeiten die Menschen sitzen und chillen. dieses Mal ist es ruhig, viele Geschäfte haben noch geschlossen. Wir spazieren ein wenig herum, doch die Stimmung ist irgendwie merkwürdig. Es gibt für jeden ein Eis und wir gehen zurück aufs Boot.

Schliesslich müssen wir die Weiterfahrt planen. Die Optionen:
Rerik und das Salzhaff – das ist echt nah, wenig segeln.
Warnemünde und Rostock – schöner Strand, aber das kennen wir schon.
Hiddensee – über Barhöft anzusteuern, das sind auf direktem Weg ca 60sm, für unser kleines Boot ziemlich weit.

Der Wind passt, wir sind immer noch „untersegelt“ nach 5 Tagen Poel. Also auf gehts nach Barhöft!

Leinen los Richtung Hiddensee

Sehr früh am morgen fahren wir los, die ersten Meilen unter Motor. Und dann schon das erste besondere Erlebnis: ein Schweinswal schaut vorbei und begleitet uns kurz. Endlich ist es soweit, der Wind frischt auf und wir können die Segel setzen. Es ist Segeln vom feinsten: moderater Wind und Sonne.

Wir beschäftigen uns mit Buchstabierübungen und chillen. Dann wieder ein: „pfscht“
Der nächste Schweinswal! Und diesmal begleitet er uns richtig lange, schwimmt mit, zeigt sich, dreht sich und spielt mit uns. Es ist immer wieder ein großartiges Erlebnis!
Übrigens meldet man Sichtungen von Schweinswalen hier: Schweinswalsichtung.de
Die Meldungen sind wichtig und dienen der Erhebung von Daten zum Bestand der vom Aussterben bedrohten Tiere!

Trotz schönstem Sommerwetter und gutem achterlichem Wind … Die Zeit beginnt lang zu werden. Es wird Zeit, anzukommen. Leider haben wir erst „half way“ … Wir diskutieren noch einmal das Einlaufen im Darßer Ort. Darßer Ort ist ein Nothafen und soll auch nur in Notfällen angelaufen werden. Es ist ein Naturschutzgebiet und es gibt vor Ort nichts. Da wir nicht in Not sind und auch Naturschutzgebiete schützen, fahren wir weiter.

Zwischenstopp: Barhöft

Nach 11 Stunden Fahrt ist es dann endlich soweit, wir erreichen Barhöft. Zu Barhöft gibt es nicht viel zu sagen, wir kennen Barhöft nur als Durchgangshafen. Es gibt es ein Restaurant und einen freundlichen Hafenmeister! Als wir 2017 das Boot aus Barth geholt haben, war Barhöft unsere erste Marina, auch nur als Durchgang. Damals gab es Bratkartofffeln im Restaurant. Das tat gut nach einem langen Segeltag. Dieses Mal gibts Brot und Karotten. Oder „Wurzeln“ wie es hier oben auch heißt.
Obwohl, eine Sache gibt es: Mücken. Unendlich viele Mücken! Ein Boot heißt „Muckenpatsche“ … ;-)

Morgens legen wir ab nach Hiddensee. Im Bodden ist es ganz windstill und wir haben ein Dejá Vù: das sieht hier aus wie damals im Smålandfahrwasser! Wunderschön!
Wir müssen motoren, haben aber die Hoffnung, es ist außerhalb vom Bodden Wind. Und das ist auch so! Wir fliegen die letzten Meilen nach Hiddensee. Dort haben wir die Wahl zwischen 3 Häfen: Kloster, Vitte und Neuendorf. Wir entscheiden uns für die goldenen Mitte und fahren nach Vitte (das reimt sich ja!).

Angekommen im Paradies – Hiddensee

Wir kommen mittags an, können uns einen Liegeplatz aussuchen und machen uns gleich auf den Weg zum Strand. Schliesslich haben wir Sommerurlaub und es scheint die Sonne. Was soll ich sagen? Schon auf dem Weg zum Strand sind wir schockverliebt in diese Insel. Und der Strand erfüllt mehr als unsere Erwartungen.
Der feinste, weißeste Sand, den ich in Deutschland je gesehen habe. Türkisfarbenes Wasser, die Sonne glänzt darauf. Traumhaft.
Wir sind absolut fasziniert und verliebt!

Hiddensee ist eine autofreie Insel. Es liegt alles nah und ist gut mit dem Fahrrad zu erreichen. Außerdem kann man gut „wandern“ oder spazieren. Ich weiß nicht, wie man das dazwischen so nennt. Es gibt alles was man braucht. Und was es nicht gibt, braucht man nicht.
Es ist die totale Entschleunigung und Erdung. Und nach den letzten Wochen im Corona-Universum ist das total wichtig und nötig. Wir kommen endlich etwas runter.

Die nächste Schlechtwetterfront ist angesagt. Am nächsten Tag ist es schon bewölkt und frisch. Wir mieten uns E-Bikes, um die Insel zu erkunden. Der Fahrradverleiher: „24 km hatte der Vorgänger, das schafft ihr sowieso nicht…“ Upps, der kennt uns nicht! Bei der Abgabe haben wir 27 km auf der Uhr.
Hiddensee ist von Anfang bis hinten schön, es gibt viel zu entdecken und tolle Ausblicke.
Ein paar Impressionen:

Wir checken das „Animationsprogramm“ der Insel. Es ist überschaubar, schliesslich ist noch Corona und Vorsaison. Es gibt ein „Zeltkino“. Kino, das gab es die letzten 2 Monate nicht! Und es läuft ein Film, den wir damals im Kino sehen wollten, es aber irgendwie nicht geschafft haben. Wir gehen ins Kino, wie aufregend! Natürlich mit Popcorn. Das gibt es am Eingang in kleinen Tütchen. Und das hat uns so gut gefallen, daß wir am nächsten Abend noch mal ins Kino gehen. Wie schön, wenn es keinen Freizeitstress gibt!

Von Hiddensee nach Rügen

Der Regen hat nachgelassen, das Wetter wird aber noch nicht wirklich besser. Wir bekommen einen kleinen Inselkoller und beschließen, uns im Bodden umzuschauen und fahren nach Rügen. Wiek wurde uns empfohlen als „hübsch“.
Also machen wir uns auf den Weg, es ist ja auch nicht weit. Irgendwie hatte ich schon bei der Ankunft in Wiek direkt das Gefühl, daß es mir nicht so gefällt. Aber das ist ja unfair, wir haben noch nicht mal richtig angelegt.

Wir marschieren los, uns ist nach Sightseeing und Eis. Außerdem ist mir nach Pizza heute Abend. Es gibt eine kleine und sehr hübsche gotische Kirche. Sehr schön. Aber wir finden keine Pizzeria und kein Eis, es gibt dafür Kuchen.
So bei Kaffee und Kuchen schauen wir uns an und stellen fest: das hier ist nicht unseres.
Also gehen wir an Bord und überlegen die Alternativen: Dranske oder zurück.

Lost Place – Dranske

Wir entscheiden uns für Dranske. Dort soll es einen „Lost Place“ geben, mehrer versunkene Schiffswracks. Wir beschließen, loszufahren. Die Ansteuerung ist boddentypisch: man beachte immer den Tiefenmesser! Wir legen an und sind zufrieden: hier gefällt es uns. Es ist keine Marina, es ist ein Segelverein, der sehr gerne Gastlieger aufnimmt. Und so werden auch wir direkt aufgenommen, man gibt uns den Schlüssel für das Vereinsheim, wo auch die Dusche ist. Es sieht aus wie in unserem Verein: ein liebevoll gestaltetes Seglerheim mit Wimpeln und unzähligen Bildern! Wer auch mal hin will … hier geht es zum Wittower Segelverein. Die Menschen sind freundlich und aufgeschlossen. Allerdings ist es nur ein Steg und ein Seglerheim, keine Marina. „Betreutes Ankern“ quasi.

Wir laufen los, um den „Lost Place“ zu finden. Christoph nimmt die GoPro mit – sicher ist sicher. Aber schon im Segelverein wurde uns gesagt, das Gelände ist abgeschlossen, man kommt da nicht hin. Christoph schlägt sich durchs Dickicht und kommt mit tollen Video – Aufnahmen zurück. Ich hatte mich mal wieder nicht getraut. Zu viele Mücken, zu viel Morast und Gestrüpp.

Pizza gibt es hier in Dranske auch nicht, aber einen unglaublichen Sonnenuntergang! Besseres Wetter meldet sich langsam an.

Am nächsten Morgen wollten wir die Schiffswracks von der Wasserseite aus nochmal schauen. 
Wir tuckern am nächsten morgen hin, doch der Wasserstand ist gegen uns: es ist fast nichts zu sehen.

Wir wollen weiter. Da das Wetter besser werden soll, suchen wir langsam wieder nach Strand. Schaprode hat laut Karte einen Strand. Es ist noch sehr windig und wir legen in Böen an, müssen ordentlich vertäuen. Schaprode ist hübsch und beschaulich. Aber Schaprode ist auch einer der Fährhäfen für Hiddensee. Es gibt einen großen Parkplatz und Touriprogramm: Cafe, Fischbude und Eis. Aber nur, wenn die Fähre fährt.
Eine kleine mittelalterliche Kirche gibt es, schön restauriert und hübsch anzusehen. Am Strand in Schaprode gibt einen großen Campingplatz, mit allem drum und dran. Der Strand selbst ist allerdings klein, wir sind so sehr verwöhnt von Hiddensee!

Und wieder Hiddensee?

Also entscheiden wir, zurück nach Hiddensee zu fahren. Wir wollen noch ein paar schöne Strandtage machen, bevor wir zurück müssen. Wir tanken noch in Schaprode und fliegen zurück nach Hiddensee.
Dort ist es schon deutlich voller als beim ersten Mal. Wir bekommen erzählt, daß es im Sommer hier keinen Platz gibt. Alles voll und sehr begehrt. Ich kann das verstehen!

Abschied von Hiddensee

Wir genießen noch zwei tolle Sonnentage mit vollem Programm: Softeis, Essen gehen, Sonnenuntergänge.
Aber der Abschied naht und damit auch die Törnplanung. Der Wind passt wieder und wir beschließen, richtig Strecke zu machen. Der Plan ist, noch ein bis zwei Strandtage rauszusegeln! Nächste Station ist entweder Kühlungsborn oder Warnemünde. Oder das ganz ambitionierte Ziel: Poel! Wir haben Rückenwind, es läuft gut. Doch die Dünung baut sich immer mehr auf und nach fast 60 Meilen ist es einfach genug: wir fahren nach Kühlungsborn, Poel ist einfach zu weit.

Nach einem sehr langen Segeltag fallen wir in die Koje. Das nächste Ziel ist Poel, hier wollen wir noch Strand genießen. Am morgen ist es wenig Wind und wir motoren.

Es ist sehr entspannt, wir freuen uns auf Poel. Bis… „Piep, Piep, Piep“ der Motoralarm. Gas runter, Rückwärtsgang. Normalerweise hilft das. Aber kurz danach wieder: „Piep, Piep, Piep“.
Motor aus, mitten im Fahrwasser und Naturschutzgebiet. Durchatmen. Nachdenken, alle möglichen Fehlerquellen durchprobiert: Wasserfilter, Thermostat. Christoph geht noch tauchen und prüft den Ansaugstutzen, alles ok. Merkwürdig.

Leichtwindsegeln nach Travemünde

Wir setzen Segel, schließlich haben wir ja ein Segelboot. Und bei viel Wind segeln kann ja jeder, hat mein Segellehrer immer gesagt. Also dümpeln wir so vor uns hin und suchen die Windfelder.
Krisensitzung: was machen wir? Alle Pros und Cons werden diskutiert und am Ende beschließen wir, direkt nach Travemünde zu segeln. Kurz darauf kommt auch der Wind und wir kommen nachmittags in Travemünde an. Das war auch eine gute Entscheidung, denn am nächsten Tag gab es ein Gewitter mit einer ordentlichen Böenwalze. Also letztendlich alles richtig gemacht!

Es hat sich mal wieder gezeigt, Meck-Pomm ist ein wunderschönes Segelgebiet, Hiddensee ein absolutes Kleinod und Urlaub an der Ostsee immer wieder toll. Hiddensee und Rügen, eine tolle Kombination!

Und wie sind unsere Pläne für 2021?

Ja, das ist ein ganz neues Kapitel… wer uns auf Instagram folgt, hat es schon mitbekommen: wir haben ein neues, größeres Boot. Damit geht viel mehr!
Und was wir damit vorhaben, erfährst du in einem der nächsten Artikel!
Also, wenn du es noch nicht gemacht hast: abonniere gleich den Newsletter und du wirst über neue Artikel und neue Videos informiert.
Und wenn du uns auf Instagram oder Facebook folgst, bist du ganz nah dabei!

Wenn du dich jetzt für das Segeln interessierst, weißt aber nicht wo und wie? Dann schau doch mal den Artikel: Segeln lernen als Erwachsener an, dort findest du hilfreiche Tipps für den Einstieg!

Und wenn du unsere Reise anschauen willst, hier ist der YouTube Link zu dem Video!
Weil wir so viel erlebt haben, sind es zwei Videos geworden…ich verlinke hier nur Teil 1

„Für Boote vor 1985 brauchst Du keine Mehrwertsteuernachweise“! Oder „Der Zoll darf Boote nicht mehr kontrollieren!“. Diese beiden Sätze habe ich häufiger gelesen oder gehört. Was meinst du? Stimmt oder stimmt nicht? Kleiner Hinweis: Nur weil du etwas schön häufiger gehört hast, muss das nicht richtig sein.

Falls du dich gerade mit dem Kauf oder Verkauf eines Bootes beschäftigst, wird das Thema aktuell. Oder sollte es zumindest. Als wir damals unser (erstes) eigenes Boot kauften, war das für uns noch kein Thema. Wie wir den Kauf damals angingen und was wir dabei erlebten kannst Du in dem Artikel Nicht nachmachen! Der Kauf unserer Dehler Optima 830 lesen. Jetzt sind wir schlauer und haben das beherzigt.

Zurück zur Steuer. Du brauchst also die richtigen Steuernachweise zum Schiff.

Worauf ist zu achten beim Thema Gebrauchtboot und Umsatzsteuer?

Welche Nachweise zur Mehrwertsteuer brauchst Du auf dem Boot? Reicht da die Originalrechnung der Werft? Reicht also ein einziger Nachweis, auch wenn das 30 Jahre her ist? Und was hat das nun mit dem Zoll zu tun?

Bild eines Fischkutters an Land in Dänemark
Je älter ein Schiff ist, um so schwieriger kann es sein, den ursprünglichen Kaufvertrag zu bekommen.

Und wie ist das eigentlich, wenn ich, sagen wir mal in Griechenland ein Boot von einem Schweizer kaufen möchte und die Umsatzsteuernachweise sind aus den Niederlanden? Das Boot wurde in Deutschland gebaut, dann in die Schweiz gebracht zum Innenausbau. Der dauerte 7 Jahre. Dann wurde das fertige Schiff wieder ausgeführt und liegt nun unter schweizer Flagge in Griechenland. Sind die niederländischen Steuernachweise für mich als künftiger deutscher Eigner ausreichend?

Klingt ganz schön konstruiert? Stimmt. Ist es aber nicht. Wir standen genau vor dieser Situation. Es war ein super Ding, überkomplett ausgestattet, gepflegt und fertig für die Langfahrt.

Wo finde ich Informationen zur Mehrwertsteuer bei Schiffen?

Meine eigene Recherche in diversen Online-Artikeln, Fachartikeln in bekannten Seglerzeitungen, Magazinen und Einträgen in Segelforen war widersprüchlich. Es kommt sehr auf Fachbegriffe, Details und Zusammenhänge an. Die Angaben halfen nur zum Teil und diese warfen bei mir zum Teil noch mehr Fragen auf.
Gespräche mit Maklern, Sachverständigen, dem Zoll in Emden und Hamburg und auch mit Bootseignern bestätigten meine Fragen und gleichzeitig auch die Unsicherheit, welche Herangehensweise jetzt richtig ist.

Also, wo finde ich nun verlässliche Informationen? Verlässliche Informationen findest Du grundsätzlich beim Zoll, z.B. auf der Seite des Zolls zu Steuerbefreiungen bei der Einfuhr und bei einem erfahrenen Steuerberater.

Mein Tipp: Verlasse dich speziell bei diesem Thema nicht auf Hörensagen oder Foren. Wobei ich Foren für Technik und Erfahrungen sehr schätze! Suche Dir verlässliche, hochwertige Quellen in Schriftform und beschäftige Dich damit.

Die beste Nachricht für dich: Du findest diese hochwertige Quelle hier im Fachartikel des Steuerberaters Tim Eselgrimm aus Schweinfurth exklusiv auf dem Hafenkino.blog: Nachweise zur Umsatzversteuerung von Schiffen.

Was ist den nun richtig bei der Mehrwertsteuer und Gebrauchtbooten? Und worauf kann ich mich verlassen?

Abend im Hafen von Neustadt i. Holstein
Abendstimmung im Hafen von Neustadt i. Holstein. Liegeplatzrechnung aufbewahren!

Ich wandte mich also mit meinen den Fragen zu dem schweizer Boot zuerst an den Zoll. Und dann mit den Antworten an einen Steuerberater. Dieser hatte in einem Seglerforum 2012 eine sehr kompetente Antwort gegeben und war mir hierdurch positiv aufgefallen.

Ich sprach ihn also mit unserem konkreten Thema an und seine Antworten waren klar, einfach und eindeutig. Und oft genauer, fundierter und überzeugender als die Aussagen des Zolls. Das Thema war auf einmal gar nicht mehr so kompliziert. Es hatte sich sehr gelohnt, ihn anzusprechen. Wir nahmen Abstand von dem schweizer Boot, denn die Ereignisse überschlugen sich auf einmal, doch das ist eine andere Geschichte.

Es entstand die Idee, den Steuerberater zu bitten einen Artikel für den HAFENKINO.blog zu verfassen. Er willigte ein! Und ich bin sehr stolz und begeistert, dass er für uns den ersten Gastartikel verfasst hat.

Weil es viele Abhängigkeiten und Details zu beachten gibt, empfehle ich Dir den Fachartikel des Steuerberaters Tim Eselgrimm: Nachweise zur Umsatzversteuerung von Schiffen

Die für mich wichtigsten „Learnings“ zu Steuernachweisen auf Sportbooten

  • Früher galt mal: Für Boote, die vor 1985 in Betrieb genommen wurden, muss kein Nachweis über die entrichtete Mehrwertsteuer geführt werden. Das war die sogenannte „Besenrichtlinie“ aus 1993 für Schiffe vor 1985. Diese Regelung gilt nicht mehr. Beispiel: Dein Boot ist z.B. aus 1971. Du brauchst also Nachweise über die korrekte Versteuerung. Da Du eine Mappe mit Rechnungen des Vorgängers erhalten hast, sollte das kein Problem sein. Die Originalrechnung der Werft ist noch vorhanden. Schon mal gut, oder? Trotzdem zeigt meine Erfahrung, dass viele diese Regelung noch für gültig halten, so teilweise auch der Zoll. Man kann es also zuerst damit versuchen, sofern das Boot nachweislich vor 1985 zugelassen wurde.
  • Heute gilt: Alle Waren, die sich in der EU befinden oder dort hergestellt wurden, gelten erst mal als Unionsware. Aber nur, wenn nicht das Gegenteil nachgewiesen ist. D.h. diese Waren gelten als ordnungsgemäß versteuert und verzollt. Und genau deswegen darf der Zoll kontrollieren, denn der muss ja feststellen, ob das Gegenteil der Fall ist.
  • Die Nachweise für Unionswaren müssen längstens 14 Jahre zurückreichen. Denn alles was davor war, gilt als verjährt. Das zeigt zum einen, dass die Originalrechnung zu dem Schiff zwar gut ist. Alleine bringt der Nachweis aber nichts, wenn der Kauf bzw. die Herstellung länger als 14 Jahre her ist. Daraus folgt: Es müssen mehrere Nachweise sein, doch wie viele und welche?
  • Es gilt „geeignete Nachweise“, es ist damit immer eine Einzelfallentscheidung, was anerkannt wird. Also z.B. alles was eine offizielle Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer ist, und diese muß in der EU ausgestellt worden sein. Und auch alles was nachweist, dass das Boot in der EU war. Z.B. Reparaturrechnungen, Liegeplatzrechnungen oder Hafengebühren, Logbücher, eventuell hilft auch Nachweis einer erfolgten Kontrolle durch Polizei oder Zoll mit Ort und Datum etc. Also alles, was zeigt, dass das Boot in dem fraglichen Zeitraum in der EU war.
  • Wichtig: Es dürfen keine Lücken in der Nachweisführung von 3 Jahren vorkommen. Und das liegt daran: Alles was länger als 3 Jahre nicht in der EU war, verliert seinen Status als Unionsware. Diese Ware müsste dann bei Kontrollen neu verzollt und versteuert werden. Denn: War das Boot vielleicht länger als 3 Jahre z.B. auf Langfahrt ausserhalb der EU und hat damit den Status als Unionsware verloren? Damit der Zoll nicht auf die Idee kommt, helfen die Belege. Und da kommen die „lückenlosen“ Nachweise ins Spiel: Was in der EU repariert wurde oder in der Marina lag, muss doch hier gewesen sein, oder? Und die Menge der Unterlagen ergibt sich daraus, dass alle (etwas weniger als) drei Jahre eine Rechnung da sein muss.
    Deswegen Lücken in den Nachweisen von mehr als 3 Jahren vermeiden oder anders gesagt: vor dem Ablauf der 3 Jahresfrist muss das Boot wieder nachweislich in der EU gewesen sein.

Und nun zu dem Fachartikel des Steuerberaters „Nachweise zur Umsatzversteuerung von Schiffen“

Nun, das waren unsere, sehr subjektiven Erkenntnisse aus Gesprächen und Telefonaten. Wer es aber definitv genau weiss ist der Steuerberater. Der hat noch viele weitere Zusammenhänge, Details und entscheidende Hinweise für Dich auf Lager.

Segelboote im Hafen von Grömitz am Morgen
Im Bereich der Lübecker Bucht wird vor allem in der Wismarer Bucht häufiger durch den Zoll die Steuerunterlagen an Bord geprüft

So z.B. der wichtige Hinweis nach dem INF3! Was nun das INF 3 ist, und wozu das gut ist, welche Steuernachweise Du zu Deinem Boot brauchst und warum ein gebrauchtes Boot neu sein kann, all das erfährst Du in dem folgenden Artikel.

Darüber hinaus gibt es wichtige Tipps, wie Du Dich bei Kontrollen verhalten solltest und was Du tun kannst, wenn der Zoll Dich doch abkassiert hat.

Und nicht zuletzt räumt er mit einigen verbreiteten Behauptungen und Irrtümern auf.

Fachlich ausführlich, im richtigen Zusammenhang und vielschichtig ist der Artikel. Du solltest Dir diesen nicht entgehen lassen. Ausserdem ist er vom Fachmann, damit wirklich fundiert, inhaltlich richtig und interessant zu lesen.

Ich garantiere dir: Ganz sicher ist das eine oder andere überraschend oder neu für Dich.

Hier geht es zum Fachartikel des Steuerberaters Tim Eselgrimm: Nachweise zur Umsatzversteuerung von Schiffen.

Also viel Spass damit!

Gastbeitrag von Tim Eselgrimm, Steuerberater

Die Kurzversion

Für diejenigen, die den Sachverhalt wirklich in Gänze nachvollziehen wollen wird es ein langer Text. Daher beginne ich für die Ungeduldigen mit einer Kurzversion, bevor ich lange aushole um zu begründen, warum das, was ich schreibe so ist wie es ist.

Hier die Kurzversion:

Sie müssen nachweisen, dass ihr Schiff die Eigenschaft als Unionsware (ehemals Gemeinschaftsware) innehat und dass dies längstens die letzten 14 Jahre ohne Unterbrechung der Fall war. Nachgewiesen werden kann das „auf geeignete Weise“, sprich entsprechende Belege, wie zum Beispiel die Logbücher der letzten 14 Jahre, geschmückt mit den dazu passenden Liegeplatzrechnungen. Ein vorliegender Kaufbeleg schadet nicht, ist aber nicht als absolutes Dokument des Nachweises zu verstehen und insbesondere ist ein Fehlen desselben noch lange kein Grund zur Verzweiflung.

Das Sportboot, ein Gegenstand wie jeder andere

Nun zur ausführlichen Version, die am Ende das gleiche Ergebnis hat, man aber nachvollziehen kann, warum das so ist. Die Bezeichnungen Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer verwende ich wahlweise und gleichwertig. Es handelt sich um dasselbe, auch wenn streng genommen Mehrwertsteuer korrekt ist. Bis 1967 hatte Deutschland ein Umsatzsteuer- bzw. Allphasen-Brutto-System, seit 1968 ein Mehrwertsteuer- bzw. Allphasen-Netto-System. Der Begriff Umsatzsteuer hat sich jedoch gehalten.

Wovon Sie sich gleich trennen sollten, ist der Gedanke, dass ein Schiff, rein rechtlich, etwas Besonderes oder Außergewöhnliches ist. Ja, Schiffe, insbesondere Sportboote wie Segelboote oder Motorboote finden in den Gesetzen gesonderte Erwähnung, jedoch nicht hinsichtlich eines besonderen Nachweises der Mehrwertversteuerung.
Besonderes Aufmerksamkeit erhalten Boote steuerlich lediglich im Zusammenhang damit, dass Aufwendungen für Sportschiffe im Allgemeinen das Einkommen nicht mindern dürfen. Darüber hinaus gelten Sportschiffe, ebenso wie Autos und Sportflugzeuge, eine Weile als „Neu“ obwohl Sie bereits in Verwendung sind. Daher kann ein innergemeinschaftlicher Erwerb stattfinden und auch beim Kauf durch Privatpersonen gegeben sein.

Hinsichtlich der Thematik des Nachweises der Umsatzversteuerung jedoch ist ein Schiff, egal ob neu oder Gebrauchtboot ein Gegenstand, wie jeder andere auch. Es gibt keinen Unterschied zwischen einem Sportschiff, egal ob Segelboot oder Motorboot, einem Golfschläger oder einem Paar Schuhe. Sie haben sicherlich schon einmal davon gehört oder in einer entsprechenden Reportage gesehen, dass der Zoll, besonders teure oder neue Gegenstände von Einreisenden genau unter die Lupe nimmt.

Meist sind das kostspielige Elektrogeräte wie Laptops oder Kameras, Schmuck oder Kleidung oder auch besonders teure Gegenstände wie zum Beispiel eine Profigolfausrüstung.

In solchen Fällen prüft der Zoll, ob die Gegenstände erstmalig in die EU eingeführt werden. Ist das der Fall, wird Einfuhrumsatzsteuer und ggf. Zoll fällig. Ein Schiff ist nichts anderes. Der Unterschied liegt darin, dass ein Schiff selbst gebraucht noch häufig einen Gegenstand von großem Wert darstellt. Das, und dass Schiffe regelmäßig die EU verlassen und wieder zurückkehren, macht diese selbstverständlich interessant für die Zollverwaltung.

Zoll und Einfuhrumsatzsteuer

(Fast) kein Zoll auf Sportboote

Die erste gute Nachricht an der Stelle vorneweg: Der Zoll auf Sportschiffe beträgt 0% (Aktuelle Ausnahme aufgrund des Handelsstreites sind Schiffe aus den USA mit 25 %). Das kann jeder selbst nachschlagen. Die entsprechende Internetseite ist Europe taxation customs. Der Zollcode für Sportboote, egal ob Segelschiffe oder Motorschiffe ist 89039110. Dort können Sie prüfen welcher Zolltarif aktuell gültig ist. Die zweite gute Nachricht ist, dass es Möglichkeiten gibt, sich davor zu schützen, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer entrichten zu müssen, wenn das entweder noch nie nötig war oder bereits einmal gemacht wurde.

Waren innerhalb der EU haben Unionswarencharakter

Hierzu muss man wissen, dass alle in der EU hergestellten Gegenstände grundsätzlich Unionswaren sind (Art. 60 ff Zollkodex der Union). Gleiches gilt für Gegenstände, die bereits einmal offiziell in die EU eingeführt wurden und für die Zoll und Einfuhrumsatzsteuer entrichtet wurde (Artikel 127 Zollkodex der Union). Mehr Details zu Unionswaren auf der Seite des Zolls.

Kauft man einen Gegenstand bei einem Händler innerhalb der EU muss man sich darüber keine Gedanken machen. Sicherlich sind dann alle notwendigen Formalitäten bereits erfüllt. Möchte man selbst einen Gegenstand erstmalig in die EU einführen, muss man das mittels Anmeldung beim Zoll und Entrichtung der entsprechenden Abgaben tun.
Das entsprechende Formular hierzu ist ein T2L, das dann auch (zumindest aktuell noch) als entsprechender Nachweis dienen kann. Das T2L muss, soll es als Versteuerungsnachweis dienen, auf den aktuellen Eigner ausgestellt sein oder Beginn einer nachvollziehbaren Kette von Nachweisen sein.

An der Stelle sei angemerkt, dass die EU dabei ist eine Datenbank zu erstellen, die den Namen UZK PoUS-System haben wird (UnionsZollKodex Proof of Union Status-System) und in der schlussendlich alle Waren mit Unionswarencharakter erfasst sein sollen. 

Die Kontrolle jedes einzelnen Gegenstandes wird nach Inbetriebnahme des Systems ein Leichtes sein. Wann diese Datenbank mit zig Milliarden Gegenständen jedoch zum Einsatz kommt, weiß aktuell noch niemand.

Aufgrund der Annahme, eine lückenlose Erfassung zu ermöglichen, hat die EU auch die Grundannahme hinsichtlich der Eigenschaft als Unionsware geändert. Daher gilt seit 01.05.2016 jede in der EU befindliche Waren als Unionsware, solange nicht das Gegenteil festgestellt wird. Geregelt ist das in Art. 153 des Zollkodex der Union.

Dieser Umstand sorgt aktuell dafür, dass man an manchen Stellen lesen kann, der Zoll dürfe gar nicht mehr kontrollieren, da die Gegenstände per Gesetz als Unionsware gelten. Richtig, aber falsch. Ja, die Gegenstände gelten als Unionsware, aber nein, deswegen darf der Zoll noch immer kontrollieren. Waren innerhalb der Europäischen Union gelten nur als Unionsware „bis das Gegenteil festgestellt ist“ und feststellen darf der Zoll noch immer.

Interessant an der Stelle ist auch, dass Waren, die die Europäische Union verlassen und, ohne in ein Land außerhalb der Europäischen Union eingereist zu sein, wieder in die Europäische Union zurückkehren, ihren Unionswarencharakter nicht mehr verlieren (Art. 155 i.V. Artikel 263 und 269 des Zollkodex der Union).

Für Segler und Motorbootfahrer ist das insbesondere deswegen von Bedeutung, da damit in vielen Fällen das Thema „Rückware“ nicht mehr so brisant ist, womit wir beim nächsten Punkt der Frage „wie kann ich mich schützen“ ankommen.

Rückwaren

Verlassen des Binnenmarktes auf begrenzte Zeit

Rückwaren sind Waren, die für einen vorübergehenden Zeitraum, das Gebiet der Europäischen Union, den Binnenmarkt, verlassen und wieder in diese zurückkehren. Der Zeitraum darf nicht länger als 3 Jahre sein. Verlässt eine Ware die EU, ohne wieder auf direktem Weg in die EU einzureisen, verliert diese den Unionswarencharakter. Kehrt sie wieder zurück, löst dies zunächst grundsätzlich eine erneute Abgabepflicht aus (Art. 201 Zollkodex der Union).
Auf die Abführung der Abgaben kann jedoch auf Antrag verzichtet werden (Art. 203 Zollkodex der Union), wenn die Rückkehr binnen 3 Jahren nach Verlassen des Gemeinschaftsgebietes erfolgt ist. Aufgrund der erwähnten Änderung bleibt der Unionswarencharakter jedoch dann erhalten, wenn eine Ware die EU zwar verlässt, jedoch direkt wieder in diese zurückkehrt. Das hat zur Folge, dass bei der Rückkehr für diese Waren auch keine erneute Abgabenpflicht ausgelöst wird.

Ja, das mag egal erscheinen, bedeutet jedoch, dass, wenn ich zum Beispiel in Griechenland kontrolliert werde und nachweisen kann, dass ich ohne Zwischenstopp aus Italien komme, die Prüfung an der Stelle eigentlich schon vorbei ist, da gar keine neue Abgabepflicht ausgelöst wurde.

Schade ist in dem Zusammenhang, dass Großbritannien demnächst nicht mehr zur EU gehören wird. Das Thema Rückware ist aber genau der Rettungsanker, der vielen Bootseignern sehr gelegen kommt, wenn es um den Nachweis des Unionswarencharakters geht. Wie bereits beschrieben, unterliegen Waren, die von Drittländern in die Europäischen Union befördert werden, zunächst grundsätzlich der Abgabenpflicht. Von der Abgabenpflicht kann abgesehen werden, wenn es sich um Rückwaren handelt, also Waren, die das Gebiet der EU zuvor verlassen haben und nun zurückgebracht werden.

Nachweisführung bei Rückwaren

Dass es sich um Rückwaren handelt, lässt sich relativ einfach nachweisen, wenn man VOR Antritt der Reise ein entsprechendes Formular besorgt hat. Hier kann ein vereinfachter Nämlichkeitsnachweis (Formular 0330, Verwendung nur in Deutschland) oder das Auskunftsblatt INF3 (Formular 0329, Verwendung in der EU) verwendet werden. Beide Formulare bescheinigen dem Gegenstand vor Abreise, dass dieser Unionswarencharakter hat.

Selbstverständlich kann auch auf andere geeignete Weise nachgewiesen werden, dass der Gegenstand, den man wieder mitbringt, eine Rückware ist. Für die allermeisten Gegenstände ist das der Kaufbeleg, mit dem man nachweisen kann, dass man diesen Gegenstand innerhalb der EU erworben hat. Es geht nur darum, nachzuweisen, dass der Gegenstand bereits Unionswarencharakter hatte. Im Gegensatz zu den meisten Waren, die von Reisenden Aus- und wieder Eingeführt werden, haben selbst Gebrauchtboote häufig einen beachtlichen Wert. Daher reicht der Originalbeleg des Erwerbs im Zweifel nicht (mehr) aus, insbesondere dann, wenn der Kaufzeitpunkt bereits eine Weile in der Vergangenheit liegt.

Das Formular INF 3 als Hilfe beim Nachweis der Versteuerung

Sie haben Zweifel, ob Sie den erforderlichen Nachweis der Versteuerung führen können, oder möchten den ggf. strittigen Sachverhalt nicht auf See mit einem kontrollierenden Zöllner erörtern? Dann besteht eine Möglichkeit mittels eines Formulars INF 3 in Ruhe zu klären und nachzuweisen, dass das Schiff Unionswarencharakter hat. Das INF 3 ist ein Nachweis, dass die Ware in der EU im freien Verkehr, also versteuert und verzollt, ist. Das Formular ist 3 Jahre gültig und kann der Beginn eines durchgehenden Nachweises sein, dass der Unionswarencharakter seit Ausstellung nicht verloren gegangen ist. Das Muster eines Formulars 0329 INF 3 kann man hier ansehen.

Der entscheidende Tipp:

Sollten Sie ein gebrauchtes Schiff erwerben wollen, bei dem Unsicherheit besteht, ob ein Nachweis der Versteuerung geführt werden kann, teilen Sie den Kaufpreis auf.

Vereinbaren Sie mit dem Verkäufer, dass Sie einen Teil des Kaufpreises zurückbehalten oder auf ein Treuhandkonto legen. Dieser Teil des Kaufpreises wird erst fällig, wenn sie in der Lage waren, sich ein INF 3 zu besorgen.

Alternativ können Sie beim Gebrauchtbootkauf zur Bedingung machen, dass der Verkäufer ein INF 3 vor dem Verkauf auf sich ausstellen lässt, das für Sie dann zusammen mit dem Kaufvertrag ein geeigneter Versteuerungsnachweis ist.

Wo bekomme ich ein INF 3 Formular und wie kann ich es abzeichnen lassen?

Das INF 3 wird vom Zoll abgezeichnet, ist jedoch im Gegensatz zum vereinfachten Nämlichkeitsnachweis, nicht beim Zoll erhältlich. Sie müssen das INF 3 zunächst kaufen. In der Regel wird das Formular von den Industrie- und Handelskammern angeboten.

Abzeichnen kann jedes Zollamt, es gibt keine Zuständigkeit (aber nur Zollämter, keine Hauptzollämter). Um das Formular abzeichnen zu lassen, ist jedoch eine körperliche Vorführung notwendig, auf die in Ausnahmefällen verzichtet werden kann. Nun dürfte die körperliche Vorführung eines seegängigen Schiffes in der Regel eher schwierig sein, sodass dem Grunde nach ein berechtigter Ausnahmefall gegeben sein dürfte. Sieht das der Zöllner in dem von Ihnen gewählten Zollamt anders und besteht darauf – gehen Sie zum nächsten Zollamt.

Beim Zoll müssen Sie geeignete Nachweise vorlegen, die annehmen lassen, dass das Schiff entweder Unionswarencharakter hat, oder zumindest die letzten bis zu 14 Jahre den Unionswarencharakter nicht verloren hätte.

Das kann alles Mögliche sein. Eine Originalrechnung mit daran anschließenden Logbüchern, Hafengebühren der letzten Jahre, Reparaturrechnungen etc. etc.

Handelt es sich um einen Eigenbau, die Materialeinkaufsrechnungen. Das Schiff hat mit Herstellung innerhalb der EU automatisch Unionswarencharakter erhalten, wer es hergestellt hat, spielt keine Rolle. Denken Sie aber bitte daran: Wer zum Zoll geht, kann auch abkassiert werden. Heißt, gelingt es Ihnen nicht, den Zoll davon zu überzeugen, dass das Schiff aktuell eine Unionsware ist, wird gleich die Einfuhrumsatzsteuer fällig.

Gut, dann hat man natürlich auch Gewissheit, wenn auch nicht wie gewünscht. Sollte Ihnen das passieren und Sie sind der Meinung, dass eine Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer ungerechtfertigt vorgenommen wurde wenden Sie sich bitte umgehend (!) an einen Steuerberater, z.B. an uns, damit innerhalb der Einspruchsfrist eine Überprüfung stattfinden und möglicherweise eine Rückerstattung veranlasst werden kann.

Irgendwann ist gut – Eintreten der Verjährung

So, sie haben nun eine Vorstellung, worum es eigentlich geht.

Nun möchte ich Ihnen noch erklären, warum die Originalrechnung „nett“ aber oft nicht notwendig ist und warum ich die Behauptung aufgestellt habe, dass man einen Zeitraum von bis zu 14 Jahren betrachten muss. Dies gilt für Deutschland. In den anderen EU-Ländern können abweichende Regelungen gelten, wobei alle mir bekannten Fristen in den anderen EU-Ländern kürzer sind.

Man muss sich an der Stelle zwei Dinge vor Augen führen. Zum einen, dass nahezu alles was in diesem Zusammenhang, egal von welcher Seite, angeführt wird, bestenfalls ein Anscheinsbeweis ist. Ausserdem, dass wir uns dem Grunde nach über die Thematik Abgabenhinterziehung unterhalten.

Anscheinsbeweis deswegen, weil, zumindest in der Theorie, ein einzelner Beleg meist fast nichts beweisen kann. Eine Originalrechnung zum Beispiel lässt vermuten, dass der Käufer seit dem Kauf unverändert der Eigentümer einer Sache war. Genauso gut aber, kann der Eigentümer mit seinem Schiff und Originalrechnung aus 2015 die EU zwischenzeitlich für mehr als 3 Jahre verlassen haben, sodass eigentlich eine erneute Versteuerung vorzunehmen gewesen wäre.

Das heißt eine vorliegende Originalrechnung ist noch kein schlussendlicher Beweis für irgendwas, sondern stützt nur die ggf. widerlegbare Vermutung, dass die Versteuerung korrekt ist.

Nicht entrichtete Einfuhrumsatzsteuer ist in der Regel Steuerhinterziehung

Damit kommen wir zum Thema, was denn wäre, wäre die Versteuerung tatsächlich bislang nicht erfolgt. Das wäre ein Fall von Abgabenhinterziehung.

Die zu entrichtenden Abgaben sind Einfuhrumsatzsteuer und ggf. Zoll. Beide haben ähnliche Zeiträume und Bedingungen hinsichtlich der Verjährung der Abgaben und da der Zoll ohnehin 0 % beträgt und es bei 0 % keine Abgabe und somit auch keine Hinterziehung geben kann, konzentriere ich mich nur auf die Einfuhrumsatzsteuer. (Der Zoll auf Schiffe aus den USA wird sicherlich wieder wegfallen, wenn der Handelsstreit beigelegt wird.)

Hierzu ein kleiner Ausflug in die Abgabenordnung. In der Abgabenordnung (§ 169) ist geregelt, dass eine Steuer nach Ablauf eines bestimmten Zeitraums nicht mehr festgesetzt, aufgehoben oder geändert werden darf.

Es tritt dann Rechtsfriede ein und egal wie falsch etwas eventuell war, es wird nach Ablauf dieser Frist nicht mehr verfolgt. Und die verjährt (nach deutschem Recht) nach maximal 14 Jahren.

Normalerweise würde die Festsetzungsfrist nach 4 Jahren enden. Im Fall einer Steuerhinterziehung jedoch erst nach 10 Jahren. (§ 169 (1) Satz 2 AO). Nun ist es jedoch leider so, dass zunächst festgestellt werden muss, wann die Festsetzungsfrist überhaupt beginnt. Dies ist im Fall von Steuern, für die eine Erklärung abzugeben ist, mit Ablauf des Kalenderjahres in dem die Steuer angemeldet oder erklärt wurde, spätestens jedoch mit Ablauf des 3. Kalenderjahres, nach Ablauf des Jahres, in dem die Steuer entstanden ist (§ 170 AO). Hinsichtlich des nicht versteuerten Schiffes kann davon ausgegangen werden, dass nie eine entsprechende Erklärung abgegeben wurde. Heißt also, die Verfolgung der Steuerhinterziehung endet bis zu 13 Jahre und 365 Tage nachdem die Tat begangen wurde.

Ein Beispiel:

Anmeldung wäre erforderlich gewesen im Mai 2006. Es wurde keine Erklärung oder Anmeldung vorgenommen. Nicht im/für Mai 2006 und auch nicht für das Veranlagungsjahr 2006. Die Festsetzungsfrist beginnt mit Ablauf des 3. Kalenderjahres nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist. Das wäre also der 31.12.2009 um 24:00 Uhr. Die Festsetzungsfrist beträgt 10 Jahre und endete damit am 31.12.2019.

Heißt, selbst wenn nun im Jahr 2020 herauskäme, dass in, beziehungsweise für, 2006 die Steuer anzumelden und abzuführen gewesen wäre, wird das nun nicht mehr verfolgt, da die Steuer nicht mehr festgesetzt werden kann.

Nun mag jemand denken „nein, falsch, Betriebsprüfungen gehen auch immer maximal 10 Jahre zurück“.

Ja, stimmt schon, meistens zumindest, das liegt aber daran, dass übliche Geschäftsunterlagen für 10 Jahre aufzubewahren sind. Das heißt länger als 10 Jahre zurück ist, völlig rechtskonform, in der Regel alles weg, was noch geprüft werden könnte.

Allerdings gilt das nicht für Anschaffungen, die dauernd zu dienen bestimmt sind. Diese Rechnungen sind so lange aufzuheben, bis die betriebsübliche Nutzungsdauer verstrichen ist, plus 10 Jahre. Das heißt für ein Schiff kommt dieser Effekt nie zum Tragen, da die Festsetzungsverjährung stets eher eingetreten ist.

Höhe der nachzuentrichtenden Steuer

Der zu versteuernde Wert des Schiffes (die Bemessungsgrundlage) richtet sich dabei nach dem aktuellen Zeitwert zu dem Zeitpunkt, wenn es in die EU eingeführt wird. Dies ergibt sich aus § 11 Umsatzsteuergesetz in Verbindung mit Artikel 70 Unionszollkodex. Es kann daher sinnvoll sein, dass, wer mit einem brandneuen Schiff eine Weltreise plant, das Schiff außerhalb der EU ausliefern lässt. Die Auslieferung kann dann ohne Umsatzsteuer erfolgen.

Die Besteuerung erfolgt dann erst nach Rückkehr in die Europäische Union in Höhe des dann bestehenden Zeitwerts. Hier wiederum wird der Austritt Großbritanniens aus der EU für den ein oder anderen angehenden Langstreckenfahrer sicherlich angenehm sein, insbesondere auch, was die Ausrüstung der neuen Yacht vor Antritt der Reise anbelangt. Hierzu aber die Thematik der vorübergehenden Verwendung für Großbritannien prüfen und im Auge behalten.

Nicht vergessen werden sollte, dass unterlassene Anmeldung von Zoll und Steuern grundsätzlich eine strafbare Handlung darstellt und entsprechend geahndet werden kann.

Je nach schwere des Vergehens kann daher neben der nachzuentrichtenden Steuer bzw. Zoll zusätzlich eine Geldbuße oder auch eine Freiheitsstrafe verhängt werden. Bei Beträgen bis 50.000 EUR Steuerhinterziehung wird aktuell in der Regel lediglich eine Geldstrafe fällig, bei Beträgen über 50.000 EUR kommt eine Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren in Betracht.

In der Regel wird es nicht dazu kommen, dass bei der Versteuerung von Schiffen Fälle aus der Vergangenheit auftreten. Das Schiff wird kontrolliert, kann den Nachweis nicht führen und gilt als zu diesem Zeitpunkt in die EU eingeführt. Sollte aber nachgewiesen werden, dass die Einfuhr bereits in der Vergangenheit stattgefunden hat, ist die Steuerschuld auch noch zu verzinsen.

Nachweis des Unionswarencharakters

Startzeitpunkt bestimmen

Idealer Weise kann man mittels eines eindeutigen Nachweises zu einem bestimmten Zeitpunkt nachweisen, dass das Schiff Unionswarencharakter erlangt hat.

Das kann die (innerhalb der EU ausgestellte) Kaufrechnung sein, ein Formular INF 3 das man sich geholt hat, sollte man das Schiff selbst importiert haben auch ein T2L oder die Anmeldung als innergemeinschaftlicher Erwerber.

Hat man einen solchen Nachweis ist es immer von Vorteil diesen mitzuführen. Liegt er jedoch länger als 3 Jahre zurück müssen dennoch weitere Nachweise geführt werden.

Geeignete Nachweise, dass der Unionswarencharakter nicht verloren gegangen ist

Wenn man einen Startzeitpunkt hat, ist es wichtig ab diesem den Nachweis führen zu können, dass das Schiff seither den Unionswarencharakter nicht verloren hat. Sie erinnern sich, das ist zunächst grundsätzlich dann der Fall, wenn das Schiff ein Land außerhalb der EU anläuft. Das kann noch unschädlich sein, wenn das Schiff binnen 3 Jahren wieder in die EU zurückkehrt. Dies gilt es nachzuweisen.

Hierzu kann man Bände mit diversen Belegen füllen, aber wer will schon den Papierkrieg auf dem Schiff mitführen.Ich empfehle Ihnen daher, durchaus viele Belege zuhause zu sammeln (eine Klarsichtfolie für jedes Jahr z.B.), Hafengebühren bei Törns zum Beispiel.

Ebenso würde ich für zumindest 14 Jahre die Logbücher zuhause aufbewahren. Ich kann Ihnen aber nicht raten jedes „Fitzelchen“ Papier der letzten 14 Jahre an Bord mitzuführen

Was Sie mitführen sollten sind eindeutige Belege, aber nicht zu viel davon.

Das kann zum Beispiel eine Kopie der Liegeplatzgebühren des Heimathafens oder Kopien von größeren Instandsetzungsarbeiten in der jüngeren Vergangenheit sein. Ebenso sollten Sie zumindest für die letzten paar Jahre die Logbücher dabeihaben.

Die Anzahl der mitgeführten Nachweise nicht übertreiben

Hierbei müssen Sie es nicht übertreiben. Die Nachweise müssen plausibel und schlüssig sein und insbesondere ein Startzeitpunkt ist wichtig. Viele Zöllner kennen sich wie gesagt in der Materie auch nicht 100%ig aus und sind schon glücklich, wenn man ihnen einen Startzeitpunkt präsentieren kann.

Liegen dazu noch geeignete Nachweise aus den letzten Jahren vor, sollte der Drops eigentlich gelutscht sein. Ansonsten hat man noch immer die Möglichkeit im Nachhinein weitere Nachweise und Belege vorzulegen.

Besonderheiten und „urban legends“

Wer bis hierhin durchgehalten hat, weiß nun auch, warum die Originalrechnung häufig gar nicht mehr von Belang ist und warum es wichtig ist, nachzuweisen, dass das Schiff in den letzten bis zu 14 Jahren den Unionswarencharakter nicht verloren hat.

Wichtig ist dabei vor allem für Käufer ein „Start der Betrachtung“, das kann jegliche Rechnung eines Händlers innerhalb der Europäischen Union sein (auch wenn es zum Beispiel eine Rechnung nach der Differenzbesteuerung ist) oder eben ein entsprechendes Zollformular wie das T2L nach einer tatsächlichen Einfuhr oder eben ein INF 3 das man sich geholt hat, sowie entsprechende Nachweise seit diesem Zeitpunkt.

Sie sind nun mit dem nötigen Wissen ausgestattet, um vermutlich sogar dem ein oder anderen Kontrolleur noch etwas Neues erzählen zu können, denn die Zöllner vor Ort sehen meist das Ganze gar nicht, beziehungsweise können sie das auch nicht, da Teile außerhalb ihres üblichen Rechtsgebietes liegen. Mit dem nun erlangten Wissen und geeigneten Nachweisen (sammeln Sie ein paar und nehmen diese zu den Schiffspapieren und Logbüchern) sind Sie sicherlich gut gewappnet.

Zum Schluss möchte ich noch auf einige Besonderheiten und allgemein verbreitete Irrtümer eingehen.

Erwerb eines neuen Schiffes in einem anderen Land der Europäischen Union

Sollten Sie sich dazu entscheiden, ein neues Schiff mit einer Länge von mehr als 7,5 Metern, in einem anderen Land innerhalb der Europäischen Union zu kaufen, müssen Sie beachten, dass bei Schiffen, Flugzeugen und Fahrzeugen diesbezüglich eine besondere Regelung besteht.

Diese Schiffe gelten bis 100 Betriebsstunden oder drei Monaten Alter als „Neu“ im Sinne von § 1b UStG. Dies bedeutet, dass, wenn Sie ein Schiff neu oder sehr wenig gebraucht im EU-Ausland erwerben, Sie damit einen innergemeinschaftlichen Erwerb auslösen und das Boot OHNE ausländische Umsatzsteuer erwerben. Sie sind daher gezwungen, eine entsprechende Meldung an die zuständigen Finanzbehörden abzugeben und die Steuer auf das Schiff in Deutschland zu entrichten.

In diesem speziellen Fall zählen der Kaufbeleg, die Anmeldung in Deutschland, sowie der Zahlbeleg der Umsatzsteuer zu den Schiffspapieren.

Erwerb eines Schiffes aus einem Drittland (außerhalb EU) – egal ob neu oder gebraucht

Selbstverständlich steht es Ihnen frei, ein Boot, egal ob gebraucht oder neu in Ländern außerhalb des Gebietes der Europäischen Union zu kaufen. Ist der Verkäufer in der Lage Umsatzsteuer des jeweiligen Landes auszuweisen, können Sie sich diese nach Ausfuhr des Schiffes vom betreffenden Land oder dem Verkäufer ersetzen lassen.

Egal ob Sie sich eventuell gezahlte Umsatzsteuer ersetzen lassen können oder nicht. Sobald Sie das Schiff in die Europäische Union einführen muss dieses verzollt und versteuert werden, und zwar mit dem Umsatzsteuersatz des Landes, in das der Gegenstand bei der Einfuhr erstmalig gelangt. Das entsprechende Formular gehört zusammen mit dem Zahlbeleg der Abgaben zu den Schiffsbelegen.

Differenzbesteuerung – Originalrechnung ohne ausgewiesene Umsatzsteuer

Sie haben ein Gebrauchtboot von einem Händler/Makler erworben und dieser weist keine Mehrwertsteuer auf der Rechnung aus, da es sich um ein gebrauchtes Schiff handelt, dass dieser seinerseits von einer Privatperson ohne Umsatzsteuer gekauft hatte.

Sie müssen sich keine Gedanken machen. Es obliegt dem Händler beim Einkauf zu klären, ob mit dem Schiff rechtlich „alles in Ordnung“ ist. Für Sie ist die Rechnung vom Händler ohne ausgewiesene Umsatzsteuer, aber mit dem Hinweis, dass es sich um eine Differenzbesteuerung handelt völlig ausreichend.

Die „Besenrichtlinie“ aus 1993 für Schiffe vor 1985 – gibt es nicht mehr

Es ist noch immer an vielen Stellen zu lesen, dass Schiffe mit einem Baujahr von vor 1985 grundsätzlich von einem Nachweis der Versteuerung ausgenommen sind. Ja, es gab eine entsprechende Regelung, aber diese wurde aufgehoben und bereits zuvor falsch verstanden.

Dazu muss man wissen, dass 1993, im Jahr der Gründung der Europäischen Gemeinschaft, die bestehende gültige Mehrwertsteuerrichtlinie 77/388/EWG durch die Richtlinie 92/111/EWG geändert wurde. (Zuvor handelte es sich um die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG). In dieser Richtline ist unter den „Übergangsvorschriften“ ein Passus zu finden, nach dem Einfuhrabgaben nicht fällig werden, wenn ein Gegenstand vor dem 01.01.1985 hergestellt wurde.

Das Ziel ist, dass nicht unmögliches verlangt werden kann, nämlich einen Nachweis zu führen, der vor 1985 ggf. noch gar nicht geführt werden konnte.

Die gleichen Ausnahmeregelungen gab es für Finnland, Österreich und Schweden, Stichtag 01.01.1997, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Zypern, Litauen, Estland, Lettland, Malta, Slowakei und Polen, Stichtag 01.05.1996, sowie Rumänien und Bulgarien mit Stichtag 01.01.1999.

Diese Regelungen sind jedoch schon lange aufgehoben. Die komplette Richtlinie 77/388/EWG wurde zum 01.01.2006 durch die Mehrwertsteuersystemrichtlinie 2006/112/EG ersetzt.

Aber kein Steuertatbestand für „alte Schiffe in neuen Binnenmärkten“

Gemäß Artikel 408 in Verbindung mit Artikel 410 der Mehrwertsteuersystemrichtlinie 2006/112/EG sind Fahrzeuge bei Einfuhr von der Abgabe von Steuern freigestellt, wenn sie länger als 8 Jahre vor dem Eintritt eines Landes in die EU in dessen Binnenmarkt in Betrieb genommen wurden.

Was jedoch nicht von jeglicher Nachweisführung entbindet

Ob ein Fahrzeug diese Bedingung erfüllt muss selbstverständlich nachgewiesen werden und stellt daher keine so große Erleichterung dar, wie man zunächst annehmen könnte.
Habe ich zum Beispiel einen Kaufvertrag aus 2017 zwischen einem Slowenen (wohnhaft in Slowenien), und mir über eine Elan 33, Baujahr 1995, würde mir das in dem Fall wenig helfen, da daraus die Historie des Schiffs nicht hervorgeht. Auch hier hilft den Zeitraum nachweisen zu können, der innerhalb der Verjährungsfristen liegt.

Der Zoll darf gar nicht mehr kontrollieren?

Diese Behauptung liest man aktuell gelegentlich. Der Ursprung rührt daher, dass (siehe 3.2 Waren innerhalb der EU haben Unionswarencharakter) seit Mai 2016 Gegenstände, die sich innerhalb der EU befinden, automatisch Unionswarencharakter innehaben. Das ist jedoch nur der Fall, solange das Gegenteil nicht bewiesen ist.

Zu entsprechenden Ermittlungshandlungen ist der Zoll selbstverständlich befugt. Die abgeleitete Behauptung, dass der Zoll nicht mehr kontrollieren und Ermitteln dürfe ist nich daher nicht haltbar.

Das Flaggenzertifikat genügt als Versteuerungsnachweis?

Nein, leider nicht. Zwar lassen sich von Internationalem Bootsschein oder Flaggenzertifikat manchmal ausländische Zöllner beeindrucken, ein Nachweis der Mehrwertversteuerung ist es jedoch leider nicht.

Explizit als Versteuerungsnachweis gilt dagegen ein Eintrag ins Schiffsregister (verpflichtend ab einer Rumpflänge von 15 Metern, darunter möglich). Der Eintrag ins Schiffsregister ist, anders als das Flaggenzertifikat, ein Eigentumsnachweis und gleichzeitig Bestätigung dafür, dass es sich um eine Unionsware handelt. Vergleichbar hierzu ist der normale Pkw oder Lkw, der nie Thema einer Kontrolle der Umsatzversteuerung wird, da mittels der Zulassungspapiere dokumentiert ist, dass es sich um Unionsware handelt.

Ich wurde kontrolliert und musste Nachentrichten – kann man da noch was machen?

Erstmal weiterfahren können und nicht an der Kette liegen

Nicht verzweifeln. Bevor man sich mit einem Zöllner auf dessen Terrain anlegt, gibt man lieber klein bei und beißt in den sauren Apfel. Das kann Ihnen kaum jemand verdenken und ich kann das gut nachvollziehen. Da fehlen häufig einfach die Grundlagen um sich mit dem Beamten auf fachlich hohem Niveau auszutauschen und nachgelesen hat man die sich auch nicht eben in zwei Minuten auf dem Wasser bei der Zollkontrolle.

Bevor einem der Zoll das Schiff an die Kette legt, macht man lieber den Geldbeutel auf und bezahlt die Chose erstmal.

Und dann im Einspruchsverfahren den Sachverhalt klären

Egal ob Sie direkt von Ort die Steuer geleistet haben oder zunächst nur eine Zahlungsaufforderung haben, auf den Bescheid kommt es an. Solange Sie in der Einspruchsfrist sind (ist auf dem Bescheid vermerkt, zumindest auf allen die ich kenne) können Sie auch nach der Kontrolle und nach Zahlung Widerspruch bzw. Einspruch einlegen.

Hierbei muss begründet werden, was am Bescheid falsch ist. Können Sie im Nachgang nachweisen, dass die Steuern zu Unrecht erhoben wurden, wird der Bescheid aufgehoben und Sie erhalten eventuell geleistete Zahlungen zurück.

Ich rate Ihnen, sich im Einspruchsverfahren der Hilfe eines Fachmannes zu versichern. Das kostet zwar ein paar EUR, aber die sind im Zweifel meines Erachtens gut angelegt.
Schlusswort

Wer ich bin und warum ich das hier geschrieben habe

Mein Name ist Tim Eselgrimm, ich bin seit 2002 Steuerberater und Partner bei Eselgrimm und Partner, Steuerberater mbB in Schweinfurt. Außerdem bin ich begeisterter Segler und habe vor einigen Jahren begonnen mich mit der Thematik des Nachweises der Umsatzversteuerung bei Schiffen zu beschäftigen.

Nachdem ich kürzlich den Beiden vom Hafenkino.blog fachlich zur Seite stehen konnte, wurde ich gebeten einen Gastbeitrag für den Hafenkino.blog zu schreiben, was ich gerne tat.

Zugegeben, am Anfang, vor einigen Jahren, ging es mir wie vielen anderen. Mir fehlte an einigen Stellen auch das Fachwissen, bzw. sah ich nicht das ganze Bild. Da ich über eine gewisse Zeit jedoch so viel „Geschichten“ über die Thematik des Versteuerungsnachweis gelesen und gehört habe, war es irgendwann an der Zeit das Ganze mal richtig aufzurollen. Das hat mir die Möglichkeit verschafft im Lauf der letzten Jahren etlichen Schiffseignern und Bootskäufern zur Seite stehen zu können.

Ich hoffe, es ist mir gelungen Ihnen die, zugegeben etwas Trockene und teilweise recht komplexe, Materie nahe zu bringen und Sie in die Lage zu versetzen, selbst zu beurteilen, ob Sie ausreichende Dokumente bei den Schiffspapieren haben, bzw. sich diese gegebenenfalls zu besorgen.

Keine Panik! Alles halb so wild, vor allem wenn man gut vorbereitet ist

Abschließend möchte ich Sie noch etwas beruhigen.

Ja, es finden Kontrollen statt. Ja, mehr im Mittelmeerraum als an den Nordküsten, aber auch an diesen und auch in Deutschland finden Kontrollen statt, wenn auch bei weitem nicht so viele wie man annehmen möchte.

Aber! Bleiben Sie ruhig und gelassen.

Die Kontrollen konzentrieren sich in der Regel auf „dicke Fische“, bei denen es auch richtig was zu holen gibt (und die nebenbei bemerkt natürlich auch den größeren Anreiz bieten die Steuer zu „sparen“). D.h. neuwertige Schiffe über 45 Fuß sind eher das Ziel als die Dehler Duetta mit Baujahr 1986.

Wenn Sie kontrolliert werden, bleiben Sie freundlich, höflich und zuvorkommend. Der Zöller will ihnen nichts Böses und macht nur seine Arbeit.

Das meiste dessen, was Sie gerade hier gelesen haben, werden Sie bis zu einer Kontrolle vermutlich vergessen haben. Was Sie aber sicherlich bis dahin an Bord haben, sind entsprechende Nachweise der Versteuerung. Nach meiner Erfahrung ist eine Kontrolle in dem Moment bereits beendet, in dem Sie mit einem Päckchen Papier kommen, das wie vernünftige Nachweise aussieht.

Handbreit

Lassen Sie es sich auf See gut gehen und immer eine handbreit Wasser unterm Kiel

Ihr

Tim Eselgrimm

Eselgrimm und Partner,

Steuerberater mbBB

Am Friedhof

2697422 Schweinfurt

https://www.stb-eselgrimm.de

Passend dazu: Unsere Erfahrungen zu Mehrwertsteuer bei gebrauchten Sportbooten

In dem Artikel „5 Insidertipps für einen unvergesslichen ersten Segeltörn“ habe ich versprochen, alles über Seekrankheit zusammenzutragen.

Grundsätzlich kann jeder seekrank werden. Immer und überall, sogar langjährige Seebären.
Direkt vorab: Ich kann dir hier nicht „die“ Lösung für dich bieten, denn Seekrankheit trifft jeden anders und bei jedem hilft etwas anderes. Aber ich habe unterschiedliche Ansätze zusammengetragen, was bei Seekrankheit hilft. Es gibt viele Vorschläge. Und ich bin mir sicher, da ist auch für dich etwas dabei.
Also „kopfüber“ ins Thema Seekrankheit!

Was ist Seekrankheit?

Meine Theorie ist ja, Seekrankheit ist sehr viel Kopfsache. Je mehr Sorge oder Angst du davor hast, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit. Daher klären wir zuerst die Frage, was Seekrankheit eigentlich ist.
Medizinisch hat Seekrankheit etwas mit dem Gleichgewichtssinn zu tun. Dieser wird gesteuert über Auge und Ohr. Wenn da etwas stört, wird uns schwindelig, werden wir müde, seekrank. Mehr ist es eigentlich nicht, kann aber bei manchen Menschen zum Totalausfall führen.
Bei Netdoktor wird es natürlich besser beschrieben, hier ein paar Auszüge:

„… stehen bei der Seekrankheit verschiedene Sinneseindrücke im Konflikt. Das Gleichgewichtsorgan nimmt mit winzigen Haarzellen in seinen einzelnen Teilorganen Drehbewegungen sowie horizontale und vertikale Beschleunigung wahr. Die sogenannten Propriorezeptoren senden Informationen darüber, welcher Muskel sich gerade wie bewegt… Sehr wichtig ist auch die optische Wahrnehmung – also das, was der Mensch mit seinen Augen sieht, um sich zu orientieren.

Widersprüchliche Sinneseindrücke
Auf hoher See ist es oft so, dass die sichtbare Umgebung – etwa die Planken eines Segelboots oder auch die Wände im Inneren eines größeren Dampfers – gerade erscheinen und man eigentlich stabil sitzt oder steht. Durch die ständigen Schaukelbewegungen bei Seegang nimmt das Gleichgewichtsorgan allerdings wahr, dass der Körper andauernd in Bewegung ist und kippt. Dies sorgt für widersprüchliche Informationen, welche das Gehirn nicht einordnen kann.

Viele Menschen reagieren darauf zunächst mit Müdigkeit, leichten Kopfschmerzen und häufigem Gähnen. Oft verstärkt sich der Speichelfluss und die Betroffenen beginnen zu schwitzen. Erst danach kommt es zu den klassischen Symptomen der Seekrankheit: Schwindelgefühl, Übelkeit und Erbrechen. Im Extremfall wird der Seekranke völlig apathisch oder sein Kreislauf bricht zusammen. Dies ist allerdings sehr selten.“

https://www.netdoktor.de/krankheiten/reisekrankheit/seekrankheit/

Ich werde meistens nur zum Anfang der Saison seekrank, wenn ich noch keine „Seebeine“ habe. Das heißt, mein Gleichgewichtssinn hat sich noch nicht wieder an die Situation gewöhnt. Bei mir äußert sich das darin, daß ich müde werde. Ich liege dann immer in der Plicht und döse vor mich hin. Vielleicht hast du das schon in einem unserer Videos gesehen. Mir ist ein paar Tage flau, bis die Seebeine wieder da sind.

Seekrankheit macht schläfrig
Marion ist seekrank

Während der Saison kommt es nur vor, wenn ich nicht ganz fit bin. Zum Beispiel: wenn wir früh los müssen, kann es auch mal kritisch werden. Übergeben muss ich mich nicht, es ist maximal der Magen flau. Seit unserem England Törn stehe ich in einem solchen Fall auf schwarzen Tee mit Milch und Zucker. Und normalerweise mag ich keinen Zucker im Tee, niemals! Aber es tat mit damals gut, also hilft es mir immer. Soviel zum Thema Kopfsache…

Setze dich damit auseinander, was Seekrankheit ist und wie diese zustande kommt. Das Wissen darüber kann dir schon helfen. Wenn es dich trifft, dann hole dir das Wissen ins Bewusstsein. Mir hilft es immer zu wissen, dass sich mein Körper einfach nur an die ungewohnte Situation gewöhnt und es bald vorbei ist.

Ich habe inzwischen eine gute Mischung aus Ignoranz, Wissen und „über mich ergehen lassen“ gefunden.

Was hilft bei Seekrankheit?

Es gibt so viele Tipps wie Fische im Wasser. Wenn dir flau wird, geh an die frische Luft und am besten ans Steuer. Keine histaminhaltigen Nahrungsmittel essen! Vitamin C nehmen! Apfelkuchen essen! …und so weiter!
Jeder wird dir etwas anderes erzählen. Daher jetzt hier mal eine Zusammenstellung.

Vor der Reise

Vitamin C

Die Einnahme von Vitamin C sollte eine Woche vor der Reise beginnen. Wichtig ist dabei die Dosierung: das Vitamin C sollte hochdosiert sein, mindestens 500mg. Am besten besorgst du dieses in der Apotheke, dort gibt es hochdosiertes Vitamin C.
Vitamin C ist ein Histaminblocker. Histamin ist ein Stoff im Körper, der die Seekrankheit begünstigt. Vitamin C hilft aber nur, wenn es vorbeugend genommen wurde, die Vitaminspeicher im Körper quasi voll sind. Die Wirkung von Vitamin C konnte wissenschaftlich noch nicht bewiesen werden, aber es soll helfen und kann nicht schaden.

Gleichgewichtssinn trainieren

Wenn du die Möglichkeit hast, dann mache Dinge, die den Gleichgewichtssinn trainieren. Klingt merkwürdig, kann aber unterstützen.
Was kann das sein?
Skateboarden, Inline, Rollschuhe, Eislaufen
Trampolin
Slacklining, Bouldern, Klettern
Balance Boards, Balance Kissen, etc
Auch hierfür gibt es keine Studie, das ist meine persönliche Logik. Und hey, was spricht dagegen?

Während der Reise

Ernährung

Histaminhaltige Nahrungsmittel solltest du vermeiden. Das sind lange gereifte Nahrungsmittel wie zum Beispiel Käse, Rotwein, Salami. Das ist in der Seefahrt lange bekannt und auch verbreitet.
Natürlich solltest du auch stark und scharf gewürzte Nahrungsmittel vermeiden. Ebenso Kaffee. Also alles, was den Magen reizt.

Diese Hinweise sind beide nicht wissenschaftlich 100% bewiesen. Das mit (also ohne) Kaffee mache ich aber auch. Jedoch werde ich müde bei Seekrankheit. Und natürlich auch ohne Kaffee. Heißt also, ich bin noch müder …daher trinke ich den oben erwähnten schwarzen Tee mit Milch und Zucker. Aber ich esse, wenn mir flau ist, gerne stark gesalzene Nahrungsmittel. Am liebsten Chips mit Meersalz und Pfeffer.
Meine Erfahrung ist: der Körper sagt Dir, was er mag. Ich hatte den Fall, daß sich mir mal bei einfachen Spaghetti mit Tomatensosse schon beim Anblick der Magen gedreht hat. Also esse ich es natürlich nicht.
Grundsätzlich aber ist etwas essen sehr wichtig: der Magen darf nicht leer sein, er übersäuert sonst.

Ingwer

Ingwer hilft allgemein gegen Übelkeit. Am besten wirkt frischer Ingwer. Für die Hartgesottenen: einfach ein Stück abschneiden und darauf herum kauen. Ansonsten als Tee oder als Ingwerwasser, wobei das Ingwerwasser eine sehr schwache Konzentration hat.

Verhalten

Selten hilft es, unter Deck zu sein. Am besten, Du gehst an Deck und schaust auf den Horizont. Das hilft dem Gleichgewichtssinn, sich neu zu ordnen und dem Gehirn, die Situation zu verarbeiten.
Ebenso hilft es, sich abzulenken: Aktiv ans Ruder gehen und ins Geschehen eingebunden zu werden.
Aber ja, es kann auch irgendwann soweit sein, daß der Skipper dich fürs erste unter Deck schickt, da du dich und andere gefährdest. Dann nimm die Pütz unter den Arm und geh sterben. Das klingt jetzt schlimm, aber glaube mir, du wirst nicht sterben. Die allermeisten fühlen sich nach einer Zeit besser.

Ohrstöpsel

Der allerheißeste Tipp im letzten Jahr war ein Ohrstöpsel. Rechtshänder links und Linkshänder rechts im Ohr. Nur ein einzelner Ohrstöpsel ist gemeint, das andere Ohr bleibt ohne. Dadurch wird der Gleichgewichtssinn angeregt, sich besser und schneller neu zu sortieren. Mehrfach bestätigt, bis jetzt auch noch nicht wissenschaftlich belegt.
Aber dieser Tipp war sogar schon in einer Rätselsendung im Fernsehen bei der Frage „Was hilft gegen Seekrankheit“ die Antwort. Daher kann es ja auch nicht so falsch sein.

Minzöl

Ein paar Tropfen Minzöl auf ein Tuch träufeln und einatmen. Das macht den Kopf frei, hilft gegen die Kopfschmerzen und ist dadurch gut für das Befinden. Ich denke, es wirkt auch durch Ablenkung (siehe oben).

Medikamente

Meiner Meinung nach sind Medikamente absolut legitim, sie helfen bei Seekrankheit. Trotzdem sollten sie aber das letzte Mittel der Wahl sein. Meistens haben diese Medikamente Nebenwirkungen, sie machen oft müde. Dir ist also nicht mehr schlecht, aber du verschläfst vielleicht die Reise. Jeder verträgt die Medikamente natürlich anders. Vielleicht bleibst du auch wach und alles ist gut.
Es gibt unzählige Medikamente, dein Arzt oder die Apotheke deines Vertrauens kann dich da bestimmt beraten. Viele schwören auf Reisekaugummis, das habe ich jetzt schon oft gehört.

Alternative Mittel und Homöopathie

Diese Mittel möchte ich natürlich nicht verschweigen, alles was hilft hat seine Berechtigung!
Magnetarmbänder sind in Seglerkreisen sehr beliebt. Ich kenne keinen, der diese nutzt, aber das heißt jetzt auch nichts.
Die Homöopathie hat zum Beispiel Cocculus im Angebot, das hilft gegen Übelkeit. Oder Tabakum und Petroleum rectificatum. Die Suchmaschine ist da dein Freund. Persönlich bin ich ab von Globuli in jeder Hinsicht. Aber wie gesagt, alles was hilft hat seine Berechtigung…

Sonstiges

In Gesprächen kommen dann natürlich auch gerne solch hilfreiche Tipps wie:

  • Apfelkuchen schmeckt runter wie hoch gut.
  • Pfefferminztee und Schokolade, schmeckt rückwärts wie „Hauchdünne Schokoladentäfelchen mit einer zartschmelzenden Pfefferminzcremefüllung“
  • Banane flutscht gut…

Übersetzt heißt das: Bleib entspannt, Seekrankheit kommt und geht auch wieder. …nimm es mit Humor, das hilft auch!

Eine Anekdote habe ich auch dazu: wir hatten auf einem Törn eine stark gebeutelte Mitfahrerin an Bord. Unser Skipper erzählte damals, es hilft an einer Kartoffel zu riechen, da der Geruch einen quasi „erdet“. Sie hing sich eine Kartoffel an einem Bändsel um den Hals und stand kurz darauf freudestrahlend am Steuer.

Wie gesagt: es ist sehr viel Kopfsache und es gibt kein für alle passendes Heilmittel! Höre auf Deinen Körper und höre auf Dein Gefühl! Das hilft sehr gut bei Seekrankheit.
Wenn Du noch eine Ergänzung oder einen Erfahrungswert hast, dann schreib uns gerne einen Kommentar. Sicherlich hilft das dem einen oder anderen – Seekrankheit verbindet!

Und ansonsten mein wichtigster Tipp:
Ab auf’s Wasser, geh segeln – laß dir von der Angst vor Seekrankheit nicht den Spaß nehmen!

Hier ist eine Linkliste zu den Tipps:

https://www.aerztezeitung.at/fileadmin/PDF/2009_Verlinkungen/2009-05_Orig.arbeit_SeekrankheitHistaminUndVitaminC.pdf

Ein Video zum Thema Ohrstöpsel hier bei YouTube

Starke Knolle gegen Reiseübelkeit: Ingwer

Globuli gegen Reisekrankheit

https://www.boat24.com/de/blog/seekrank-das-boese-histamin/

https://de.wikipedia.org/wiki/Reisekrankheit

Nachdem du segeln gelernt und vielleicht sogar einen Schein gemacht hast, willst du jetzt natürlich auf deinen ersten Segeltörn.
2014, im Jahr nach meinem Segelschein, stand mein erster Törn an. Eine langes Wochenende mit dem Segelverein auf der Flensburger Förde.
Und da waren sie, die Fragen: Was nehme ich mit? Wie verhält man sich? Muss ich was besonderes beachten?…

Für mich war es bis heute ein unvergesslicher Segeltörn, auch wenn danach noch viele weitere folgten. Auf diese konnte ich mich dann auch immer freuen: ich wußte ja, was mich erwartet.

Damit du vor deinem ersten Segeltörn den Kopf frei hast für deine Vorfreude, geben wir dir jetzt viele wichtige Tipps und 5 spezielle Insidertipps an die Hand! Diese habe ich mit Christoph zusammengetragen.

Kleidung

Was du brauchst, ist abhängig vom Segelrevier und der Jahreszeit. Logisch: in der Karibik benötigst du andere Kleidung als auf einem Törn nach Island. Und natürlich ist auch jeder unterschiedlich empfindlich.
Aber es gibt ein paar Basics, die du bei deiner Planung beachten kannst. Der Rest ist dann individuell nach Temperatur und Gusto.
Grundsätzlich gilt: nimm nur soviel mit, wie nötig. Ich habe immer noch meistens zu viel dabei, obwohl ich schon viele Segelreisen gemacht habe.

Neben der normalen Kleidung gibt es ein paar spezifische Kleidungsstücke, die für das Segeln wichtig sind.

Wasserdichte Kleidung

Ja, segeln ist Wassersport und es kann nass werden. Und auch wenn es regnet, muss mindestens einer das Boot steuern, wenn es auf dem Wasser ist. Daher benötigst du wasserdichte Kleidung.

Insidertipp Nr 1 – Bekleidung

Es muss für die erste Reise nicht spezielle Segelbekleidung sein, es tut absolut auch die gute Fahrradregenkleidung oder Outdoorkleidung. Und wenn es kälter werden sollte, kann es auch die Skibekleidung sein!

Christoph mit Fahrrad- Regenbekleidung

Du hast weder noch? Es gibt auch einen Verleih: (keine bezahlte Werbung, nur Info) Ich habe damit keine Erfahrung, finde die Idee aber super. Wenn du das ausprobiert hast, kannst du uns gerne deine Erfahrungen in den Kommentaren hinterlassen!

Schuhe

Sneakers mit heller Sohle und Profil, das erhöht die Rutschsicherheit. Nimm zwei Paar mit, falls ein Paar nass wird oder doch rutschig sind. Mädels: natürlich an Bord keine spitzen Absätze. Und für alle: keine dunklen Sohlen, das gibt blöde Schlieren und Streifen an Deck, Boote sind zu 99% weiß.
Wenn das Wetter nicht ganz so gut sein könnte, sind Gummistiefel eine gute Idee. Auch hier gilt: helle Sohlen! Je nach Temperatur solltest du gerade bei Gummistiefeln an warme Socken denken (am besten Merinowolle) und je nach Wetter wärmende Einlagen. Es gibt von Thermopad sich selbst aktivierende Sohlen. Traumhaft für Kaltfüssler! (wieder keine bezahlte Werbung, nur reine Überzeugung) Und immer daran denken: Gummistiefel sind nicht atmungsaktiv!

Ich halte übrigens nichts davon, barfuß zu segeln. Die Verletzungsgefahr an Bord ist hoch. Aber das ist meine Meinung, Christoph sieht das anders, er liebt es.

Windjacke

Beim Segeln wird es schnell mal kühler und windig, daher empfiehlt es sich, eine leichte Windjacke dabei zu haben. Oder eine Softshelljacke. Oder ein gutes Fleece. Die klassische Outdoorbekleidung ist für das erste mehr als ausreichend!

Es gibt doch auch günstige Segelbekleidung bei (Sport)Discountern, warum nicht dort kaufen?

„Wer billig kauft, kauft zweimal“. Wer Spaß beim segeln haben will und auch öfters auf das Wasser möchte, sollte sich meiner Meinung nach gute Kleidung kaufen. Und diese am besten auch im Laden deines Vertrauens mit der richtigen Beratung. Lieber einmal richtig investieren und lange Spaß und Freude damit haben.

Beim Segeln lässt sich eine Sache einfach nicht planen: das Wetter. Mache auf jeden Fall kurz vor der Abfahrt einen Wettercheck und passe gegebenenfalls dein Reisegepäck an: ein Pulli mehr oder ein Pulli weniger. Aber bedenke bitte, auf dem Wasser ist es noch mal anders (meistens kühler) als an Land!
Ein schönes Wort für die Bekleidung ist das „Zwiebelprinzip“. Wenn du mehrere Lagen trägst, dann kannst du dich den Wetterverhältnissen besser anpassen.

Ausstattung

Ein Segelurlaub ist etwas anderes als ein Urlaub im Hotel. Wenn du Backpacker – Erfahrung hast oder Camper bist, wird dir das Packen und das Zusammenstellen der Ausrüstung vermutlich leichter fallen. Aber auch dann haben wir ein paar Tipps für dich, speziell für den Urlaub auf dem Boot.

Insidertipp Nr 2 – eine Lampe

Nimm eine Lampe mit. Eine Stirnlampe ist super, manche haben ja eine vom Laufen. Du musst du dir aber nicht extra eine kaufen, eine kleine Taschenlampe geht auch! Du brauchst sie zum Beispiel nachts auf dem Weg zum Klo oder wenn du mal etwas suchen musst.

Weitere Tipps

  • Bitte keinen Koffer. Nein, nein, nein. Eine Sporttasche, eine Reisetasche, auch gerne mit Rollen. Es ist immer zu wenig Platz auf dem Boot!
  • nimm nicht zu viel Technik wie zBsp Laptop mit, genieße das Segeln!
  • magenfreundliche Kopfschmerztabletten, Elektrolyte & Vitamin C. Und Ohrstöpsel, vermutlich seid ihr mehrere Leute an Bord und manchmal kann es dann laut sein, wenn du Ruhe willst.
  • Sehr wichtig: einen Turnbeutel für den Waschbeutel, das Handtuch sowie Flipflops/ Badeschuhe für die Dusche.
  • Packe dein Gepäck in der Reisetasche in kleinere Taschen: zum Beispiel Wäsche, Oberteile, Hosen, Technik, etc. Dadurch hast du mehr Ordnung und findest deine Sachen schneller.
Gepäck-für-Segelreise
Unser Gepäck in Taschen und Klappboxe

Am besten du besorgst dir eine Packliste. Es gibt im Netz viele unterschiedliche Packlisten, daher habe ich mich jetzt auch dagegen entschieden, die x.te Packliste zu erstellen. Wenn du willst, kann ich dir meine aber gerne geben. Schreibe einfach einen Kommentar, dann stelle ich diese zur Verfügung.

Sehr praktisch finde ich persönlich die Zusammenstellung von Sönke Roever: Packliste Segeltörn für Mitsegler – Das muss unbedingt mit! Dort ist alles wichtige aufgeführt, zusammengetragen und erklärt. Natürlich kannst du auch hier auf das eine oder andere verzichten, ein paar Dinge sind nur „nice-to-have“ (ich habe kein Taschenmesser dabei und vor allem keine Angel…)

Schreibe dir deine Liste zusammen und beachte dabei noch unsere Tipps, dann kann nicht viel schiefgehen! Und wie gesagt, lieber zu wenig als zu viel.

Regeln an Bord

Es gibt nur eine allgemein gültige Regel an Bord: Der Skipper hat immer recht. Punkt. Er trägt er die Verantwortung für Besatzung und Boot. Und dafür muss er klare Ansagen machen.
Der Skipper klärt am Anfang der Reise auch über die bei ihm geltenden Regeln auf.

Zum Beispiel gibt es oft „Bordkasse“. Da schmeißt jeder pro Tag einen bestimmten Betrag rein, von dem alles an Bord bezahlt wird. Aber auch schon hier beginnen die individuellen Spielregeln: manchmal wird die Bordkasse nur für Einkäufe genommen, manchmal auch wenn man Essen geht. Manchmal ist der Skipper frei, manchmal beteiligt er sich.

Klärt die Spielregeln am Anfang (zum Beispiel auch: kochen, putzen, Vorlieben, …)
Ihr seid normalerweise mehrere Personen auf engstem Raum, je nach Reise sogar Unbekannte. Da sind Kompromisse an der Tagesordnung. An Bord hilft man sich, man arbeitet miteinander und nimmt Rücksicht aufeinander. Das ist selbstredend und seemännische Praxis.

Insidertipp Nr. 3 – Törndauer

Ich bevorzuge für einen Törn mit unbekannten Mitreisenden eine Reisedauer von maximal einer Woche, aus eigener Erfahrung und nach Umfragen unter Skippern. Solange kann sich normalerweise jeder zusammenreissen, falls es nicht passen sollte. Wenn es länger dauert, kann es kritisch werden…

Eine ganz wichtige Regel ist Ordnung und Sauberkeit. Jeder räumt alles wieder weg und verstaut, was nicht mehr gebraucht wird. Vor allem, wenn es dann auf Fahrt geht. Da kann ein Messer sehr schnell zum lebensgefährlichen Flugobjekt werden.

Sicherheit

Ein beliebtes Thema und die Meinungen sind sehr kontrovers.
Meine Meinung ist: lieber zu vorsichtig. Aber da unterscheide ich mich zum Beispiel auch schon von Christoph, dessen Level doch ein anderes ist. Daher nur der Tipp: mache nichts, bei dem du dich unwohl fühlst.

Ansonsten: achte darauf, daß du alles Relevante weißt: wo sind die Notsignalmittel, wo ist der Feuerlöscher und wie holst du im echten Ernstfall Hilfe. Ein verantwortlicher Skipper macht eine ausführliche Sicherheitseinweisung. Dabei zeigt er euch alles und erklärt auch, was im Notfall zu tun ist. Gerade bei deinem ersten Törn ist das sehr wichtig! Frage ruhig nach, wenn du etwas nicht verstehst. Natürlich hoffe ich, du wirst dieses Wissen nie anwenden müssen!

Und das Lieblingsthema, stets heißdiskutiert in Seglerforen: das Tragen der Rettungsweste. Trage deine Rettungsweste lieber zu oft als zu wenig und auch wenn es doof aussieht: benutze den Schrittgurt! Nur dann erfüllt die Weste auch ihren Zweck richtig. Lass dir erklären, warum.

Höre auf den Skipper. Frage nach Manöverübungen (Person über Bord) falls der Skipper es nicht anspricht.

Rettungsweste beim ersten Törn
Trotz leichter Brise: Marion trägt Rettungsweste mit Schrittgurt

Insidertipp Nr. 4 – gehe ans Ruder

Wenn du Angst vor dem Segeln hast, zum Beispiel wenn das Boot in Schräglage ist, dann gehe selbst ans Ruder. Auch gerne mit dem Skipper neben dir. Ein verantwortlicher Schiffsführer wird versuchen, dir die Angst zu nehmen. Das bringt enorm viel Sicherheit!

Natur

Segelurlaub ist ein Urlaub direkt in der Natur. Daher gibt es noch für euch den

Insidertipp Nr. 5 – respektiere die Natur

Das ist eigentlich kein Tipp sondern eher ein Hinweis und sollte auch selbstverständlich sein:
du bewegst dich in einem unglaublich tollen Umfeld und Revier. Bitte benehme dich entsprechend und respektiere die Natur und die Umwelt. Es gehört nichts ins Wasser, was da nicht von Natur aus ist. Müll gehört an Land. Und in Schutzgebieten verhält man sich entsprechend.

Vor allem: Sei sparsam mit den Ressourcen und genieße auch einfach mal!

Du hast jetzt 5 Insidertipps von uns bekommen, aber vielleicht hast du noch diese eine ganz bestimmte offene Frage:

Was mache ich bei Seekrankheit?

Es gibt von mir keinen Insidertipp, da das Thema sehr individuell und auch komplex ist. Der nächste Artikel widmet sich rein nur diesem Thema. Darin findest du dann alle Informationen auf einen Blick. Wenn du diesen nicht verpassen willst, trage dich direkt in unseren Newsletter ein!

Trotzdem ein paar Worte vorab:

Grundsätzlich kann Seekrankheit jeden treffen. Immer und überall, sogar langjährige Seebären. Jetzt bei deinem ersten Törn Angst davor zu haben, ist unnötig. Viel dabei ist Kopfsache: wenn du Sorge oder Angst davor hast, ist die Wahrscheinlichkeit höher auch seekrank zu werden. Seekrankheit hat etwas mit dem Gleichgewichtssinn zu tun, dieser wird gesteuert über Auge und Ohr. Wenn da etwas im Ungleichgewicht ist, wird uns schwindelig. Mehr ist es eigentlich nicht, es kann aber bei manchen Menschen zum Totalausfall führen.

Was hilft wirklich?

Es gibt so viele Tipps wie Fische im Wasser. Der allerheißeste Tipp im letzten Jahr war ein Ohrstöpsel, Rechtshänder links und Linkshänder rechts (ein einzelner Ohrstöpsel ist gemeint). Wenn du Sorge oder Angst vor Seekrankheit hast, nimm dir Reisetabletten oder Reisekaugummis mit. Alleine das Wissen, du hast im Ernstfall etwas dabei, kann schon sehr helfen!

Das Fazit

Segeln ist wahnsinnig erholsam und vor allem: du bist sofort weg vom Alltagsstress und tauchst in eine andere Welt. Lass es auf dich wirken, es wird dich verändern! Normalerweise hat man speziell nach dem ersten längeren Törn ein ganz besonderes Lächeln im Gesicht…
Und ich hoffe, unsere Insidertipps helfen dir dabei, dich auf dieses Lächeln gut vorzubereiten und es zu einem unvergesslichen ersten Segeltörn zu machen!

Wenn du noch Fragen hast oder auch einen tollen Tipp, dann schreibe gerne einen Kommentar! Du kannst mich auch über Facebook und Instagram erreichen und Email geht natürlich auch.

Jetzt noch mein allerletzter Tipp für dich, und das ist definitiv kein Insider:
Ab auf’s Wasser, geh segeln!

Wie konnte es dazu kommen?

Gerade noch lief es so gut, Du verlässt deinen Liegeplatz bei bestem Wetter um Segeln zu gehen. Plötzlich ein teures Geräusch aus dem altersschwachen Motor. Der Motor geht aus und Dir ist klar: das war es jetzt. Motor kaputt. Ich brauche einen neuen Innenborder für die Segelyacht!

Oder du fummelst mal wieder bei bestem Segelwetter an dem ölenden Motor herum und er will schon wieder nicht wie Du willst?

Doch was bedeute das? Was kostet ein neuer Motor? Was musst Du wissen, was musst Du beachten, wenn Du Dich um einen neuen Motor kümmerst? Und was hängt mit dem neuen Motor noch alles zusammen?

Die Rahmenbedingungen und ein Beispiel

Uns hat das Drama eines „sterbenden“ Motors in 2018 im August kalt erwischt. Der Segel-Sommer war schlagartig vorbei, Sorgen und viele Fragen kamen statt dessen. Denn die Reparaturkosten überstiegen bei Weitem den Wert des Bootes.

Weshalb und wie spektakulär der Motor kaputt ging, kannst Du in unserem Blog-Artikel „Motorschaden – was nun?“ nachlesen.

Foto - kaputter Innenborder

So sieht ein Motor nach einer missglückten Reparatur und Feuerlöscher Einsatz aus

In jedem Falle stellt sich die Frage nach den Kosten und was alles damit einhergeht. Falls Du Dich in einer ähnlichen Situation befindest, die Sorgen können wir Dir vielleicht nicht nehmen. Wir können Dir aber gerne Deine Fragen beantworten und damit den Grundstein legen für erste Informationen.

Ich erkläre Dir am Beispiel einer 8 Meter Segelyacht mit Innenborder und Welle, was auf Dich zukommen kann.

Beispiel: Dehler Optima 830, 1-2 Zylinder Innenborder Dieselmotor.

Basis: 3 Angebote, 2 von Motoren Spezialisten für Bootsmotoren plus ein Angebot von einer Werft. Alle Preise aus Hamburg incl. Ust in 2018.

Wie wir uns in den ersten Überlegungen zwischen verschiedenen Motorkonzepten entschieden haben, erklärt unser Blog-Artikel „Motorschaden – der neue Motor“.

Was kostet ein neuer Innenborder für die Segelyacht und was hängt damit zusammen?

Die Kosten eines neuen Innenborder für die Segelyacht: kurz und schmerzhaft

Ein neuer Motor mit Getriebe, geliefert auf Palette an den Bordstein kostet ca. 5.000 – 8.000 Euro. Dann ist aber der Altmotor noch nicht ausgebaut und der neue Motor nicht eingebaut, nicht angeschlossen und auch noch nicht in Betrieb genommen.

Die Ausbau-, Anpassungs- und Einbauarbeiten sind nicht mal eben gemacht. Diese schlagen ebenfalls mit ca. 3.000 – 4.000 Euro zu Buche. Was das alles ist zeige ich weiter unten.

Foto - Motor Innenborder Farman

Blick auf das hintere Ende des alten Motors von oben. Oben im Bild: Schaltungsgestänge und Plichtlenzer. Mitte: Blick von oben auf das Getriebe, die Wellenkupplung (Modell Dehler) und die Propellerwelle. Unten: Auspuffschlauch und Plichtlenzer

 

Ein neuer Motor incl. aller Arbeiten bis zur Inbetriebnahme kostet also komplett ca. 9 – 12 T€. Dieser Preis gilt für eine Segelyacht bis ca. 10 Meter Länge und ca. 20 Ps.

Was hängt nun mit dem neuen Innenborder für die Segelyacht alles zusammen?

An viele Dinge würde man als Laie vielleicht gar nicht denken. Das betrifft (natürlich neben dem neuen Motor) viele verschiedene Arbeiten.

Dazu zählt: Vorbereiten, Demontage des Altmotors, Reinigen des Motor Raums, Motor Raum ausmessen, passenden Motor auswählen, Angebote für Motor und Zubehör einholen und verhandeln, Lieferfristen und Arbeiten koordinieren und vereinbaren, Motorfundamente bauen/anpassen, Schaltungsarmatur und Schaltzüge neu/verlängern, Auspuffanlage anpassen, Kühlwasserfilter und Vakuumbrecher ergänzen/ersetzen, Elektrik ergänzen oder neu anschließen etc.

Zudem solltest Du bedenken, dass „Motor raus“ auch bedeutet, den Motor Raum leer zu haben. Der Motor Raum ist endlich einmal überall gut zugänglich um gründlich reinigen zu können, neu zu lackieren, zu dämmen, eine Beleuchtung zu installieren etc.

 

 
Foto - Motorraum Segelyacht Dehler

Motorraum Segelyacht. Leergeräumt, gereinigt, angeschliffen und vorbereitet für den Einbau der Motorfundamente

Doch nun zu den notwendigen Leistungen beim Motortausch.

Motortausch 1:1

Am einfachsten ist es sicherlich, wenn der defekte Motor noch hergestellt wird und damit 1:1 ersetzt werden kann.

Also: selbes Fabrikat, unveränderte Leistung, identisches Getriebe und gleiche Übersetzung; auch Gewicht und Abmessungen verändern sich nicht.

Das bedeutet, dass alle Anschlüsse, die Motoren Fundamente, die Schaltung, Auspuff, Welle, Propeller, Wellenkupplung, alles passt noch und kann ohne Anpassung weiter verwendet werden.

Hier ist der Aufwand am geringsten. Du kannst das meiste selbst machen. Aufwand: ca. 1-2 Tage und ca. 5 – 8 T€ Kosten. Alter Motor raus, neuer Motor rein und alles in umgekehrter Reihenfolge nach den vorher gemachten Fotos zu jedem Arbeitsschritt wieder anschließen.

Nur das Ausrichten des Motors auf dem Fundament zu der Welle sollte jemand tun, der die Messuhr hat und das kann. Aufwand: ca. 4 Stunden.

Austausch des Bootsmotors gegen ein anderes Fabrikat, Leistung, Abmessung

Wenn Du den Motortyp gegen eine anderen tauschst, samt Übersetzung/Getriebe, dann ist der Aufwand am größten. Im Weiteren gehe ich von diesem Fall aus. Dabei wirst Du vermutlich beinahe alles von der folgenden Liste benötigen da Du fast alles anpassen und neu anschließen musst.

Foto Motorfundamente einbauen

Erstes Anhalten und grobes Ausrichten der Motorfundamente aus Hartholz. Lageausrichtung grob nach Lehre (über der Welle) und Maßband

Ich gehe hier von dem Austausch eines Innenborders gegen einen ganz anderen Dieselmotor mit anderem Getriebe aus.

  1. Kranen, Ausslippen, Lagern
  2. Demontage des Altmotors
  3. Reinigung des Motorraums
  4. Ausmessen des Motorraums für den neuen Motors, ggf. Bau eines Models
  5. Lieferung neuer Motor
  6. Lieferung neuer Welle, Wellenkupplung und neuer Propeller
  7. Herstellen, Anpassen Motorfundament, evtl. Schweissarbeiten oder laminieren, lackieren
  8. Einheben des Motors mit Kran / Kettenzug
  9. Einbau des Motors incl. Ausrichten auf die Welle
  10. Motor anschließen: z.B. Bedienpaneel Motor, Anschließen Motorelektrik an Batterie, Schalt- Gaszüge, Schläuche, Auspuffanlage verbinden, Treibstoffleitung, Elektrik anschliessen, Getriebe und Welle verbinden,
  11. bzw. neue Welle kürzen und einbauen, Propeller einbauen.
  12. Anschließen Bordelektrik an Motor/Batterie, z.B. Motorinstrumente oder sonstige Verbraucher. Hier getrennt genannt, da das der Motormechaniker nicht oder sehr widerwillig macht. Besser: mit Unterstützung selbst machen oder Bootselektriker beauftragen
  13. Inbetriebnahme, Probelauf
  14. Wassern: Ausslippen, Kranen, Probefahrt

Wenn ich den Motor tausche, was sollte ich noch erledigen?

Wie so häufig, wenn man etwas austauscht, hat man alle Bestandteile einmal in der Hand. Du kannst diese bei gutem Licht und von allen Seiten kontrollieren. Dabei findest Du auch verschiedene Dinge, die Du nicht vor hattest neu zu machen oder Du findest Zustände vor, die so nicht in Ordnung sind. Und die sich daher anbieten neu zu machen, wenn Du ohnehin dabei ist.

Das könnte sein:

  1. Reinigen, Lackieren, Dämmen des Motor Raums
  2. Einbau Beleuchtung
  3. neue oder zusätzliche Motorinstrumente wie Batteriewächter, Drehzahlmesser, Thermometer. Vor allem wenn das – wie bei älteren Booten häufig – alles „zusammengesuchte“ Instrumente und Schlüsselschalter von überall her waren. Bei mir war z.B. der Schlüsselschalter der Selbe der auf den Treckern verbaut war, das Motorpaneel war eine Holzplatte im Niedergang mit verschiedenen, einzeln eingebauten (defekten) Anzeigen. Alles neu, alles aufeinander abgestimmt, alles ordentlich.
  4. neuen Platz dafür finden, den alten Platz wieder herrichten
  5. Wellenkupplung, Wellendichtung, Wellenlager neu
  6. Wasserfilter, Auspuffanlage anpassen oder ersetzen
  7. Rumpfdurchführungen, Seeventile neu machen

Wenn Du erst mal dabei bist, fällt Dir sicherlich noch mehr ein. Und auch wenn es schon teuer genug ist, mache es gleich mit. Es lohnt sich.

Was kann ich beim Motoreinbau selbst machen?

Wie immer hängt das von Deinen Vorkenntnissen, deinem Netzwerk, Deinen technischen Möglichkeiten, Werkzeug, Helfern und der Dir zur Verfügung stehenden Zeit ab.

Foto - Motorfundamente einlaminieren

Die Motorfundamente sind ausgerichtet, eingeklebt und verschraubt. Hier: Laminieren mit Glasfasermatten

Nicht alles was Du selbst tun kannst ist auch sinnvoll selbst zu tun. Du solltest genau überlegen, was Du selbst übernehmen möchtest. Meine Erfahrung ist, dass meine Schätzung für Tätigkeiten die ich noch nie gemacht habe, meistens drei mal so lange dauern wie ich dachte. Bei bereits gemachten Tätigkeiten liege ich oft um den Faktor zwei daneben, brauche also doppelt so lange wie geplant. Das ist gut zu wissen, also plane ich oft entsprechend, bzw. plane das als Puffer mit ein. Doch natürlich tickt da jeder anders.

Für den Ausbau des Motors habe ich wie geplant einen Tag gebraucht, alleine.

Allerdings hat das Ausmessen des Motorraums, Motormodell bauen, Motorraum reinigen, herrichten und Motorfundamente bauen, einbauen, einlaminieren und Motorraum streichen statt einer Woche satte drei Wochen benötigt.

Oft bin ich einfach „hängen geblieben“. Ich war mir unsicher ob so oder anders, z.B. hält die Ausführung oder muss diese stärker oder anders ausgebildet werden? Hinzu kommt, dass viele Themen in den Foren und im Internet nur als Stichworte ausgeführt sind, z.B. „Motorfundamente baut man am besten aus Styrodur“. Aha, danke. Ich frage mich sofort: Und wie schraube ich den vibrierenden 130 kg Motor darauf fest? Reicht da eine aufgeklebte Bohle, einlaminiert? Oder baue ich besser massiv?

Übernimm dich also nicht.

Grundsätzlich eignet sich beim Motortausch folgendes zum Selbstmachen:

Einfache Tätigkeiten beim Austausch des Innenborders:

  1. Motorraum reinigen
  2. Motorraum streichen
  3. Welle kürzen und einbauen
  4. Wellenkupplung montieren
  5. Propeller montieren

Anspruchsvollere Tätigkeiten beim Austausch des Innenborders:

  1. Motor ausbauen
  2. Schaltung einbauen
  3. Auspuff anpassen
  4. Elektro anpassen
  5. Wellenlager tauschen
  6. Kühlwasser anschließen
  7. Motor einheben

Spezialistenaufgaben und weniger geeignet zum Selbstmachen

  1. Motor Fundamente bauen
  2. Motor einbauen incl. Ausrichten auf Welle
  3. Stevenrohr ändern

Fazit und Empfehlung: Machen oder Machen lassen?

Viele Dinge wirst Du, auch wenn einfach oder mittelschwer nicht sinnvoll selbst machen können. Das liegt am Arbeitsablauf, bzw. daran dass die Werft/der Monteur dazu seine Arbeit unterbrechen muss. Ausserdem wirst Du vermutlich doch deutlich länger benötigen als der Spezialist.

Zudem arbeitet der Fachmann nicht gern an „selbst gemacht“ an. Da besteht für ihn immer die Gefahr von Streitigkeiten mit dem Eigner. Wenn etwas nicht funktioniert, war es dann das was ich gemacht habe, oder die Tätigkeit des Mechanikers oder sogar beides und was macht man nun?

Foto - fertig laminierte Fundamente

Endlich – die Motorfundamente sind beide fest verbaut, fertig einlaminiert und in der Höhe kontrolliert. Passt! Fertig zum Streichen!

Und wo kann ich beim Motoreinbau sparen?

Am meisten kannst Du sparen, wenn eine Motorüberholung ggf. doch in Frage kommt, der selbe Motor ersetzt werden kann (1:1) oder es ggf. auch ein gebrauchter Motor tut.

In diesen Fällen kommst Du mit ca. 3.500 bis 8.000 Euro hin. Der untere Wert bezieht sich auf Motor überholen, ca. 6.000 bis 8.000 Euro werden für einen neuen Motor mit Getriebe in der Anschaffung (ohne Einbau) fällig.

Diese Varianten setzen voraus, dass Du den Motor selbst aus-, wieder einbaust und wieder anschliesst.

Was Du noch wissen solltest

Alles aus einer Hand?

Am neuen Motor hängen mehrere Tätigkeiten, die üblicherweise nicht aus einer Hand kommen.

Der Motorspezialist repariert Motoren und baut neue ein.

Der Bootselektriker macht üblicher Weise nur die Elektrik an Bord.

Die Werft übernimmt Arbeiten am Rumpf, würde also die Fundamente bauen und alle oder auch alle anderen anfallenden Arbeiten übernehmen können.

Warum erwähne ich das? Nun, alle drei Gewerke sind beim „Motor tauschen“ notwendig. Die Schnittstellen sind zu koordinieren.

Der Motorspezialist baut oft keine Fundamente, denn dabei kann man viel falsch machen. Ebenso verkabelt er Deine Elektrik nicht gerne mit dem Motor, das ist eine Haftungsfrage. Nicht jede Werft hat diese Spezialisten, manche Werft will mit einem Motortausch nichts zu tun  haben.

Wie unterscheide ich ein gutes Angebot von einem weniger guten Angebot

Gemeint ist hier ein vollständiges und das seinen Preis werte Angebot. Was billig ist, muss nicht gut sein.

So sieht ein gutes und detailliertes Angebot aus, aus dem Du alle notwendigen Arbeiten und Grenzen und Risiken der Leistungen entnehmen kannst.

Angebot 1 für einen neuen Motor für eine Segelacht

Das erste Angebot für Lieferung und Einbau eines Innenborders für eine Segelyacht in 2018. Ausführlich, aussagekräftig und vollständig.

Alle meine Fragen waren im Angebot schriftlich und mit Preis beantwortet. Dieser Anbieter hat übrigens eine in der Werft befindliche Dehler Optima 83 hierzu nochmal genau angesehen. Er hat den Motor Raum ausgemessen und sich vorher überlegt, auf welche Art und Weise er den neuen Motor einbauen würde. Für das Angebot hat er dann verdienter Weise Geld verlangt. Ich komme später darauf zurück.

Angebot 2 für einen neuen Motor für eine Segelacht

Ein weiteres, weniger aussagefähiges und teureres Angebot für den Austausch eines Motors auf einer Segelyacht

Und so sieht ein, naja, jedenfalls nicht so klares Angebot aus. Was ist hier genau enthalten? Was nicht? Ich kann hier nicht erkennen, ob der Anbieter sich tatsächlich Gedanken über die zu erbringenden Leistungen gemacht hat. Für mich wirkt das eher wie ein „Schätzpreisangebot“.

Von dem zweiten Angebot würde ich besser die Hände lassen. Hier könnte es passieren, dass der Monteur mit verschiedenen Mehrkosten „um die Ecke“ kommt. Und das passiert oft erst, wenn die Arbeit begonnen ist, alles zerlegt ist und Du sinnvoller Weise niemanden anderen beauftragen solltest. Kann, muss aber nicht.

Hier in diesem Fall ist das ein seriöses Unternehmen, nur das Angebot ist eben nicht so klar gefasst.

Warum ich das erzähle?

Nun, es ist sinnvoll den Spezialisten verschiedene Fragen zu stellen um heraus zu arbeiten, was er tut und was nicht. Welche Leistungen sind enthalten und welche nicht? Baut er Motorfundamente? Passt er bestehende an? Passt der angebotene Motor auch sicher in den Motor Raum? Ist alles am Motor zur Wartung dann noch erreichbar? Schließt er die Elektrik der Verbraucher und vorhandener Anzeigen wieder an? Was ist z.B. mit dem bestehenden Motorstunden Zähler, der direkt auf der Zündschloss sitzt? Was mit der nachgerüsteten Temperatur Anzeige oder der Diesel Vorförderpumpe? Schließt er das alles wieder an?

Eigentlich klar, nur zur Erinnerung: Nur das, was auf dem Angebot steht, ist im Streitfall auch zu diesem Preis beauftragt gewesen.

Also: Was ist nicht erwähnt, wo ist eine Lücke oder Unklarheit im Angebot? Nachfragen! Erst beauftragen, wenn Du keine Fragen mehr und ein gutes Gefühl mit dem Anbieter hast.

Angebote kosten oft Geld

Manche Werften sind dazu übergegangen, Geld für ein Angebot zu verlangen. Das wird beim Auftrag üblicher Weise verrechnet. Das kommt daher, dass diese Werften/Firmen oft Angebote schreiben, die nicht zu einem Auftrag führen.

Ein durchdachtes Angebot benötigt neben einer technisch machbaren Lösung, angemessenen Preisen und einer treffenden Beschreibung der Leistungen und Telefonaten zu Lieferzeiten und Kosten und leicht 2-3 Stunden Arbeit. Deswegen kannst Du hier mit ca.100 -150 Euro rechnen.

Aus meiner Sicht ist das ein Zeichen von Seriosität. Andere Anbieter liefern teilweise ungenaue und wenig aussagefähige Kostenvoranschläge auf der Basis von Faustwerten. Das ist unter Umständen gut für ihn und teuer für Dich.

Zur Erinnerung, das erste Angebot (das bessere, genauere und günstigere) kostete für die Erstellung, das zweite (ungenauere) kostete nichts. Obwohl der zweite einen guten, aber teuren Ruf genießt.

Also auf ein seriöses Angebot achten.

Elektrik wieder anschließen

Das Anschließen des Motors durch den Motorspezialisten ist meist auf den Motor selbst, dessen Kabelbaum und das Motorpaneel beschränkt.  Das ist „Plug and Play“. Dann noch die Kabel von der Batterie zum Motor neu verbinden. Mehr macht er nicht mit der Elektrik. Mein Motorspezialist hatte von vornherein bereits ausgeschlosssen, die Elektrik der Verbraucher wieder anzuschließen.

Folge: kein Licht, keine Steckdose, die Kühlbox, der Plotter nichts funktioniert. Kabel hingen aus der Wand und alles war „tot“. Und ich selbst „guckte wie ein Schwein ins Uhrwerk“, denn ich hatte von Elektrik keine Ahnung – ich musste mich erst mal damit beschäftigen und einlesen.

Als das gemacht war benötigte ich dann noch ca. 2 Tage, bis alles zugeordnet war, jedes Kabel beschriftet, neu verkabelt, bzw. angeschlossen und bis alles wieder einigermaßen funktionierte.

Wenn also die Bordelektrik eher gebastelt ist, also mal hier mal dort noch elektrisch angeschlossen wurde, dann ist nach der Arbeit des Motoren Spezialisten noch viel selbst zu machen.  Unter Umständen wird ein bestellter Bootselektriker sich auch weigern, das wieder so zu verkabeln ohne Änderungen vorzunehmen.

Wenn das so ist, dann freue Dich. Möglicher Weise hat er Dich dann vor einem Schwelbrand oder Schlimmerem bewahrt.

Foto - Motor einbauen

Das erste Einheben des Motors in den Motor Raum auf die Fundamente. Mehrfach gemessen habe ich ja. Wochenlang gehobelt, geschraubt, laminiert. Passt das wirklich?

Die Drehrichtung des Motors ändert sich?

Wenn Du Dich für einen neuen Motor entscheidest, der nicht mit dem selben Getriebe weiter betrieben werden kann, denke an den Propeller. Vielleicht benötigst Du ebenfalls einen neuen Propeller. Warum das? Der Propeller kann rechts- oder linksdrehend sein, wie Du sicherlich weisst. Wenn Du vorher z.B. einen rechtsdrehenden Motor hattest und der neue Motor oder besser gesagt das Getriebe ist linksdrehend, tja dann wirst Du auch einen neuen linksdrehenden Propeller brauchen.

Ändert sich die Getriebeübersetzung?

Meist benötigst Du bei einem neuen Motor auch ein neues Getriebe. Im Preis des neuen Motors ist das Getriebe oftmals enthalten. Dieses Getriebe wird sich, auch wenn die Drehrichtung stimmt, eventuell in der Übersetzung von dem bisher verbauten Getriebe unterscheiden. Wenn das so ist (Beipackzettel, Motorspezifikationen beachten), dann wirst Du auch einen neuen Propeller brauchen.

Das liegt daran, dass sich dann die Welle schneller oder langsamer dreht. Das wiederum würde bedeuten, dass der Propeller dann nicht mehr zur Übersetzung passt und sich zu schnell oder zu langsam dreht, bzw. zu groß oder zu klein ist, bzw. die falsche Steigung aufweist. Die Folge wäre Überlastung des Motors und schwarzer Qualm bzw. die volle Motorleistung und damit die volle Geschwindigkeit wird nicht erreicht.

Änderung des Gewichts oder der Lage des Motors

Wenn sich das Gewicht des Motors oder dessen Lage im Rumpf verändert, kann das bedeuten, dass sich der Schwerpunkt verschiebt. Das wiederum kann Ausgleichsgewichte notwendig machen, um die Segeleigenschaften zu erhalten.

Bei unserem Boot war der neue Motor leichter. Damit hob sich das Heck etwas aus dem Wasser. Die Segeleigenschaften wurden besser. Allerdings mussten wir die Lackierung der Wasserlinie anpassen.

Frontansicht des Motors Yanmar 1GM10 im Segelboot

Fertig! Nach endlosen Stunden am Rechner und in der Halle ist der neue Motor endlich eingebaut und betriebsbereit

Fazit für den Motortausch am Segelboot:

Motorschäden sind immer ärgerlich und teuer. Sie sind um so teuerer und ärgerlicher, je weniger Erfahrung du mit dem Thema hast, je schmaler der Geldbeutel und je weniger das Boot noch wert ist.

Daher hast Du – mit dem Lesen des Artikels – schon den ersten wichtigen Schritt getan. Denn Du machst Dich erstmal schlau, Du holst Dir Informationen von Betroffenen, Erfahrungsberichte und Meinungen von Experten ein.

Für einen kompletten Austausch des Innenborder Diesels solltest Du mit 9 – 12 T€ rechnen. Das ist natürlich abhängig von der Maschine, der Preisgestaltung der Werft, Eigenleistung und Umfang der Arbeiten. Und natürlich auch von Deinen Ansprüchen.

Hole Dir verschiedene Meinungen und min. 2-3 Angebote ein. Gehe auf die Messe und sprich mit verschiedenen Anbietern über Dein Vorhaben. Wie vollständig, aussagefähig und seriös wirkt das Angebot? Kommt der Monteur zu Dir oder muss das Boot in die Werft? Hier kommt ggf.  noch der Transport hinzu.

Prüfe, rechne, hinterfrage. Bleibt ein ungutes Gefühl? Dann lass die Finger weg von dem Anbieter und suche Dir einen anderen.

Mache Dir klar, welche Arbeiten Du selbst machen kannst oder möchtest. Welches Unternehmen soll welche Arbeiten ausführen? Kannst, möchtest Du das koordinieren? Eventuell bist Du beim „all inclusive Auftrag“ bei einer Werft am besten aufgehoben. Das kostet zwar viel Geld, du schonst aber deine Nerven ;-)

Kommt evtl. vorübergehend oder dauerhaft ein Aussenborder in Frage? Dann bist Du mit ca. 2.000 – 2.500 incl. Ust Euro dabei. Kann der Motor evtl. doch repariert werden, dann kannst Du von mind. 1.500 bis 4.000 Euro incl. Ust ausgehen.

Was ist Deine Erfahrung mit einem Motortausch? Welche Erfahrung möchtest Du mit uns teilen? War der Artikel hilfreich? Hast Du noch Hinweise? Nutze bitte die Kommentarfunktion und erzähle!

Wenn Du wissen willst, wie der Einbau bei uns funktionierte, dann schau doch mal in das Video rein. Hier kannst du ein wenig zuschauen!

Unsere Erfahrungen mit der Dehler Optima 830 bzw. 83

Heute stellen wir euch die Segelyacht Dehler Optima 83/85 als Gebrauchtschiff vor. Wir zeigen die 10 Vorteile und was wir an ihr so schätzen. Gleichzeitig erzählen wir auch, was wir vermissen. Die Dehler Optima 850/85 ist fast baugleich, daher gelten die Informationen entsprechend.

Falls Du vor der Frage stehst, „Soll ich mir eine Dehler Optima 83o/850 gebraucht kaufen?“ erhältst Du hier entscheidende Informationen.

Wer sollte es besser beurteilen können als ein Eigner nach mehreren Jahren Gebrauch? Du willst Erfahrungen aus erster Hand zur Dehler Optima? Hier findest Du viele Hinweise und Erfahrungen, weshalb das Boot auch heute noch eine sehr gute Wahl ist.

Die Dehler Optima 83 und 85 (oder Dehler Optima 830 bzw. 850) sind fast identisch, bis auf 20 cm am Heck, hinter dem Heckkorb, ein unbedeutender Unterschied. Im Video erklären wir das genauer.

Wie ist die Optima 830 im Vergleich zu damaligen Booten?

Die Optima war schon damals ein Qualitätschiff und höherpreisig angesiedelt, viele Leute schwärmen noch heute davon. Entweder weil Sie sich damals eine leisten konnten, oft aber auch, wenn das Geld nicht für das Boot reichte und die Dehler ein Traum bleiben musste.

Wir werden häufig auf das Boot angesprochen. Aus unserer Sicht ist sie nach wie vor ein Schiff von toller Qualität und sehr guter Haltbarkeit. Mit dem Boot selbst haben wir nur gute Erfahrungen gemacht, allerdings war der Original Motor von Faryman das Sorgenkind. Wie der Faryman Innenborder-Diesel nach diversen Problemen einen Motorschaden bekam und dann abbrannte kannst Du in dem Artikel „Motorschaden – was nun?“ lesen.

Als wir das Boot vor drei Jahren kauften, haben wir viele Fehler gemacht, die sollst Du ja nicht machen. In dem Artikel Der Kauf unserer Segelyacht Dehler Optima haben wir darüber berichtet. Falls Dich die Kostenseite eines solchen Boots interessiert, empfehle ich Dir den Artikel „Die Unterhaltskosten unserer Segelacht in 2017„. Ein Kostenupdate ist für den Winter 20/21 geplant.

Wer mehr über den Konstrukteur und die Entwicklung der ersten Segelyachten von Dehler lesen möchte, dem empfehle ich das sehr lesenswerte Portrait zu Ericus Gerhardus Van de Stadt bei Sail24.com. Gleichzeitig versteht man sehr gut, weshalb das Boot gebaut wurde wie es ist und was seine Schnelligkeit und Besonderheit ausmacht.

Zahlen, Daten und Fakten zur Dehler Optima 830/850

    • Dehler Optima 830
    • Konstrukteur: E. G. Van de Stadt.
    • Länge: 8,30 m (27 Fuss) – bzw. 8,50 bei der 850
    • Breite: 2,48 m
    • Tiefgang: 1,22 Meter
    • Länge Wasserlinie: 6,70 m
    • Ballast: 775 kg Stahlkiel (Sailbatdata.com), Andere Angabe: 1,1 to (Palstek)
    • Gesamtgewicht: unbekannt, ich schätze 2,5 – 3 Tonnen. Wenn jemand das Reisegewicht seiner Dehler Optima kennt, bitte einen Kommentar schicken! Danke!
    • Besegelung:
      • Rollfock (Standard?)
      • Rollgenua
      • kleine Fock
      • Grosssegel mit 2 Reffreihen
      • Alumast
      • Winsch für Großfall am Mast
    • Segelfläche: 37,9 qm
    • Mastlänge: 10 m
    • Durchfahrtshöhe: ca. 11,20 m
    • Verdrängung: 2,3 to
    • Rumpfgeschwindigkeit: 6,7 kn
    • 5 Schlafplätze. Zwei in der Vorschiffskajüte, zwei davon im Salon bei heruntergeklapptem Tisch, einen in der Hundekoje
    • Seetoilette
    • zwei Flammen Gaskocher (im Original), Spüle. Kein Backofen.
    • 80 tlr. Frischwassertank im Vorschiff
    • 2x 120 Ah Batterien (nicht Standard)
    • 40 ltr. Kompressorkühlbox (nicht Standard)
    • Handfunkgerät (nicht Standard)
    • Plotter (nicht Standard)
    • Ein historischer Seafarer Tiefenmesser mit wandernden Dioden
    • mechanische Logge. Hat was von den Fahrradtachos aus meiner Kindheit.

Pläne, Risse und Informationen findest Du auf der Seite von sailboatdata.com

Aus der Bauzeit findest Du einen Erfahrungsbericht zu Dehler Optima 830/850  bei Palstek  kostenpflichtig zum herunterladen. Sehr empfehlenswert wenn Du das Boot kaufen willst oder noch mehr Informationen suchst.

Wie ist der Rumpf der Dehler Optima im Langzeittest?

Erfahrungen mit Rumpf der Dehler Optima

Der Plan der Dehler Optima ist schnell und stabil ausgelegt. Er zeigt gleichzeitig die innovativen Ideen von Van de Stadt und den Anspruch ein schnelles Boot zu entwerfen.

Das Unterwasserschiff hat einen geteilten Lateralplan, wie bei Van de Stadt typisch. Dieser macht das Boot schneller als Langkieler und darüber hinaus viel wendiger. Und das alles bei fallenden Baukosten und geringerem Gewicht.

Wie wurde der Rumpf der Optima hergestellt?

Der Rumpf wurde im Handauflegeverfahren in GFK hergestellt. Das Laminat ist bis zu ca. 2 cm stark. Ich sage ja immer: „Stabil wie Stahl, ein Drittel so schwer und rostet nicht“ ;-).

Der Stahlkiel ist nicht einlaminiert. Es handelt sich um einen Kurzkiel, allerdings nicht um eine schmale Flosse wie bei heutigen Segelyachten. Es handelt sich um einen Kiel, der im Vergleich etwas länger ausgebildet ist. Dennoch ist es kein Langkieler. Das macht das Verhalten bei Seegang stäbig und robust und auch bei starkem Wind sehr angenehm zu segeln.

Trotz allem ist das Boot sehr wendig und lässt sich sehr gut und feinfühlig steuern.

Der Übergang zwischen dem Kiel und dem Unterwasserschiff besteht aus einer ebenen Auflagefläche am Rumpf und vier Bolzen, die vom Kiel bis in die Bilge reichen. Die Bilge wiederum besteht aus vier Abteilungen, jeweils durch massive Abtrennungen untereinander abgetrennt.

Wie gut schlägt sich der Rumpf im Langzeitest?

Dadurch, dass der von dort ausgehende Rumpf aus starkem Laminat besteht, ist das Unterwasserschiff auch für Aufsetzer auf Grund und Fels sehr widerstandsfähig. Das hat der Langzeittest eindrucksvoll bewiesen. Wir hatten einen heftigen Rumpler über einen Felsen bei 4,5 kn Motorfahrt – ohne jeden Schaden. Ich möchte es nicht noch einmal erleben. Es gibt mir aber ein sehr gutes Gefühl, dass der Kiel und das Boot das mitmacht.

Ursprünglich war der Kiel abnehmbar konzipiert. Das Boot sollte für eine Urlaubsfahrt getrailert werden können und am Zielort bei einer Dehler-Station ein Leihkiel zu bekommen sein. Das setzte sich allerdings nicht durch.

Die Dehler Optima steuert man mit einem großen Ruder

Das Ruder besteht genau genommen aus zwei Rudern. Das mit der Pinne verbundene Ruder ist das große Hauptruder. Der Teil, der bei anderen Booten der Skeg ist, ist bei der Optima ebenfalls ein etwas kleineres (Hilfs-)Ruder und wird über den Innensteuerstand bedient, wenn er denn noch vorhanden ist. Bei uns ist das Hilfsruder allerdings – weil nicht mehr einsetzbar,  Innensteuerstand fehlt – irgendwann früher festgesetzt worden.

Wie ist der Decksaufbau?

Das Deck besteht zum Teil aus Sandwich mit einem Kern aus Balsaholz. Das Deck sollte also auf weiche Stellen geprüft werden.

In den Laufbereichen sind Salinos aufgeprägt, die eine gute Rutschfestigkeit bieten. Durch die geringe Breite ist der Laufbereich sehr schmal.

Wie ist die Ausstattung an Deck im Langzeittest?

Es gibt zwei 25er Lewmar Zweigang Winschen, sehr robust.

Die Klemmen für die Fockschot sind selbstklemmend ausgeführt, wodurch man sich den Knoten beim Belegen sparen kann. Schot einklemmen und fertig. Sehr praktisches Detail!

Es gibt einen Ankerkasten, der Anker bis ca. 7,5 kg und 30 Meter Kette aufnehmen kann. Eigentlich würde das Boot einen 10 bis 15 kg Anker benötigen, der passt dann aber nicht in den Ankerkasten.

Eine Mittelklampe wäre schön, zur Not kann man aber im dort vorhanden Heißauge einen Karabiner einhaken und eine Schot hierdurch führen und aus der Plicht bedienen. Z.b. beim Anlegen in der Box unter Seitenwind.

Wie segelt es sich in der Plicht der Dehler Optima?

Zu zweit ist die Plicht sehr geräumig, zu Dritt funktionieren Manöver noch sehr gut. Für vier Erwachsene wird es bei den Manövern  schon eher eng, jedenfalls dann, wenn der Rudergänger den Platz wechselt, um weiterhin in Luv zu sitzen.

Wenn alle brav aufrecht sitzen und den Platz nicht tauschen dann finden auch 6 Personen Platz.

Die Plichtbänke sind aus Teak gefertigt und an der Vorderkante abgeschrägt. Das erlaubt vor allem bei rauem Wetter sich mit den Beinen an der gegenüberliegenden Bank gut abzustützen. Hierfür ist die schmale Plicht natürlich besonders gut geeignet.

Der Plichtboden ist ein riesiger Deckel, der es erlaubt, von oben an die Welle, die Wellendichtung, die Wellenkupplung und das Getriebe sowie von hinten an den Motor heran zu kommen. Vermutlich war der Deckel früher verschraubt um Dichtigkeit gegen einsteigende Wellen herzustellen.

Insgesamt ist die Plicht ein sicherer Ort. Wir hatten noch keine einsteigenden Wellen. Allerdings fehlen Punkte, an denen man sich einpicken könnte. Diese können aber ohne viel Aufwand nach gerüstet werden.

Die Backskisten sind für eine 27 Fuß Yacht geräumig.

Bei unserem Boot gibt es einen einfachen aber funktionalen Plichttisch. Es handelt sich um eine große Schichtholzplatte mit Massivholzkanten. Darunter sind zwei Füsse, diese sehen nach Besenstiel mit Flügelmuttern aus. Mit den Flügelmuttern sind die Füsse mit der Platte schnell verschraubt und diese Seite liegt dann auf dem Traveller auf. Die andere Seite des Tisches greift mit der Unterkante hinter das Süll der Plicht.

Eine sicherlich selbst gebaute Lösung, die schnell aufgebaut ist, und sich gut verstauen lässt.

Die Sprayhood ist bei uns nicht Original und eher gebastelt. Eine Original Sprayhood ist sehr hoch, um gut in den Salon zu kommen. Ich habe diese verschiedentlich gesehen, diese ist ca. 80 cm hoch, bietet dadurch dem Wind viel Angriffsfläche

Welche Erfahrungen gibt es mit dem Rigg und der Takelung der Dehler Optima 830?

Die Dehler Optima ist mit einer Sluptakelung versehen. Der Alumast sitzt mit seinem gelenkigen Mastfuß direkt auf dem Deck auf. Bei unserem Boot wurde unter dem Mastfuss im Innenraum eine Edelstahlstütze bis in die Bilge nachträglich eingebaut. Ich denke das macht viel Sinn weil es den Druck vom Deck nimmt.

Der Mast verfügt über eine Winsch für das Großfall. Auch nach beinahe 5o Jahren Gebrauch ist der Mast noch in einem guten Zustand. Das Großsegel läuft auf Kunststoff – Rutschern. Die Genua bzw. Fock ist bei unserem Boot mit einer Rollanlage versehen. Ein sehr massives Stück aus Edelstahl. Ich vermute, daß diese damals nicht Standard war.

Das Achterstag ist Standardmäßig nicht trimmbar ausgeführt, was ich manchmal vermisse.

Der Flaschenzug der Großschot verfügt standardmäßig nicht über einen Traveller. Statt dessen ist das bootsseitige Auge im Plichtboden eingelassen, wie bei einer Jolle. Eine Nachrüstung eines Travellers ist nicht wirklich praktisch umzusetzen, da hierfür kein vernünftiger Platz vorgesehen ist. Dennoch wurde bei uns ein Traveller nachgerüstet, wie man im Video sieht.

Seitlich vom Mast befinden sich die zwei Wanten und je zwei Unterwanten. Ein Salingpaar, zwar in einfacher Alurohr Ausführung aber funktional.

Wie sind die Segeleigenschaften der Dehler Optima im Langzeittest?

Wie verhält sich die Dehler Optima im Test unter Segeln?

Die Optima setzt sich schnell in Bewegung, man kann schon bei relativ geringen Windgeschwindigkeiten unter Segeln unterwegs sein. Die Yacht ist schnell, wendig und trotzdem immer gutmütig zu handhaben. Insgesamt segelt sie sich sehr ausgewogen.

Sie verlangt wegen der nicht umgelegten Fallen grundsätzlich viel und vorsichtigen Einsatz auf dem Vorschiff. Das ist vom Deckslayout, vor allem wegen des schmalen Freibords, nicht jedermanns Sache. Dennoch vermittelt sie mir so viel Sicherheit, Beherrschbarkeit und Wendigkeit, dass ich sehr gerne Einhand mit ihr unterwegs bin.

Sie geht relativ leicht durch die Wellen, auf Grund des klassischen Bugs geht sie allerdings eher „über die Welle“ als durch die Welle hindurch. Die Wellen sind hoch am Wind und ab ca. 5 Bft ruppig und deutlich zu spüren. Das ist eher der kurzen Ostseewelle und den 27 Fuß geschuldet, und hat wenig mit dem Riss zu tun.

Wir hatten bisher Winde bis 6 Bft. Bei Regenfronten und Böenwalzen hatten wir auch mal 7-8 Bft. Bis 6 Bft. geht das ganz gut, darüber wird es sportlich. Aber auch nur, wenn die Besegelung defensiv und gut darauf eingestellt ist.

Ich würde mir mit dem Boot nicht viel mehr als 7 – 8 Bft. zu trauen. Bedenken hätte ich vor allem wegen der Welle. Die kurze Ostseewelle ist daher ab ca. 5 Bft nicht ganz das Richtige für die alte Dame und die Crew ;-). Wir müssen einfach weiter raus! :)

Welche Geschwindigkeiten konnten unter Segeln bei der Dehler Optima ermittelt werden?

Durch den geteilten Lateralplan in GfK und den hervorragenden Konstrukteur ist der Rumpf für die damalige Zeit sehr schnell. Andere Boote aus der Zeit sind häufig einen halben Knoten langsamer. Bei gutem Wind kann man auch an 2 Meter längeren Booten dran bleiben, wenn der Ehrgeiz zuschlägt ;-)

Bereits bei 1 Bft setzt sich die Optima mit knapp 1-2 Kn in Bewegung. Bei 2 Bft sind es etwa 2-3 Kn. Mit 3 Bft sind dann etwa 4 – 4,5 Kn drin. Weht der Wind mit 4 Bft, dann sind bis 5,8 Kn erreichbar. Und ab 5 Bft segelt die Optima dann auch die Rumpfgeschwindigkeit mit 6,7 Kn.

Interessanterweise trägt das ungereffte Groß, welches relativ klein ausfällt, nur mit ca. 1 Knoten zur Gesamtfahrt mit Genua bei. Je achterlicher man fährt, desto schneller lohnt es sich also, das Groß zu bergen und nur mit der Genua weiter zu fahren.

Alternative ist dann ein ausgebaumter Schmetterling mit Bullenstander und Pinnensteuerung. Dann geht nichts schief und man kann damit auch noch Kurse fahren, die ohne Baum und Bullenstander zu gefährlich wären. Vor allem bei längeren Schlägen ist das interessant und wenn man den Kurs zum Wind öfter geringfügig anpassen muss (Ausweichen, Wassertiefe etc.).

Auch nur mit der Genua alleine haben wir bei achterlichen Kursen schon die Rumpfgeschwindigkeit erreicht.

Wann sollte man an das Reffen denken?

Ab 5 Bft sollte man am Wind mal so langsam ans Reffen denken, denn die Optima neigt sich wegen des schlanken Risses und dem geringen Tiefgang relativ stark. Vor allem nimmt der Ruderdruck deutlich zu. Rollt man die Genua dann nur 1-2 Umdrehungen ein, segelt man wieder aufrecht und fast ebenso schnell.

Wir tauschen ab angesagten 4 Bft noch im Hafen auf die Fock (die ebenfalls noch recht groß ist). Das ist defensiv ausgelegt.

Das Groß reffen wir abhängig von den Böen manchmal bereits ab mittleren 4 Bft.

Ab 6 Bft wäre dann das Reff 2 zu fahren und die „kleine Fock“, man könnte sie auch Sturmfock nennen.

Alle Geschwindigkeitsangaben beziehen sich auf das reisefertige Schiff, eine ausleierte Genua 1 und ein 4 Jahre altes Großsegel ;-)

Welche Eigenschaften hat die Dehler Optima unter Motor?

Hafenmanöver unter Motor sind durch das große und lange Ruder mit dem geringen Abstand zu Schraube von nur rd. 30 cm. sehr gut und vor allem präzise zu fahren.

Vorwärts Einkuppeln und hart Ruder legen – und das Boot beginnt, fast wie auf dem Teller zu drehen. Unsere Box hat eine Boxengassenbreite von 9 m, die ist aber teilweise eingeschränkt auf 5 m. Auf der anderen Seite ist es sofort flach. Es gibt starke Strömungen und Wellenschlag. Ohne diese Manövrierfähigkeit würde das nicht in Frage kommen.

Rückwärts fahren geht auch gut unter Motor, wenn man erstmal genug Fahrt aufgenommen hat und das Ruder mit beiden Händen gut festhält. Bei langsamer Geschwindigkeit rückwärts dreht das Heck wegen des Radeffekts nach Backbord weg.

Klar, ein schnelles Unterwasserschiff ist auch unter Motor von Vorteil, ebenso die sehr gute Wendigkeit.

Wie schlägt sich das Innere der Dehler Optima im Langzeittest?

Unsere Erfahrungen mit dem Salon

Haben wir einen schwimmenden Wohnwagen gekauft?

Im Salon der Dehler Optima 830 wird am deutlichsten, dass die Firma Dehler sowohl Erfahrungen mit Booten als auch mit dem Wohnwagenbau hatte. Von innen betrachtet, hat das Boot viel von einem schwimmenden Wohnwagen. In dem engen, schnellen Rumpf haben die Konstrukteure jeden Winkel klug genutzt.

Im Innenraum zeigt sich für mich am deutlichsten, wie sinnvoll und produktiv die Zusammenarbeit von Dehler mit Van de Stadt war.

Die Dinette – Das Herzstück der Optima

Die Dinette ist durch die Anordnung ein echter Gewinn für das Boot. Es verkürzt den Raum in der Länge und macht den Salon optisch gleich lang wie breit. Das verleiht dem Raum einen für die Grundfläche sehr grossen Raumeindruck.

Die drei Fenster im Salon – Mehr Licht geht nicht

Die drei riesigen Fenster, eines zum Bug hin, zwei zur Seite machen den Salon sehr hell. Aus der Plicht kann man durch den Niedergang und das vordere Fenster sehen, was hinter der Genua los ist.

Kaum zu glauben – die Dehler Optima hat Stehhöhe

Ich kann mit 178 cm gut im Salon stehen. Im Vorschiff nicht –  da ist Kopf einziehen angesagt.

Das Innere der Optima besticht durch Wohnlichkeit

Durch die Stehhöhe, die Fenster und die Dinette mit Blick nach draussen entsteht ein heller und optisch großer Innenraum. Man könnte sagen, dass auf dieser alten Yacht das Deckssalon Konzept schon damals vorweg genommen wurde.

Im Vergleich mit anderen schlanken Booten mit Längsbänken und zentralem Klapptisch ist der Innenraum sehr hell. Man hat einen guten Ausblick und der Raum wirkt durch die Dinettte viel wohnlicher. Ausserdem erscheint der Salon durch die Aufteilung deutlich breiter, ja luftiger, als er ist.

Die Hundekoje schluckt beinahe alles

Musst du etwas verstauen, die Hundekoje nimmt das mit Ihrer großen Tiefe hervorragend auf. Unter der Hundekoje finden sich die Batteriebänke. Im vorderen Bereich der Hundekoje bleibt dann noch Platz für Gepäck und einen mobilen Wasserkanister.

Wenn die Hundekoje voll gestaut ist, so wie bei uns, dann befindet sich das Hauptgewicht auf der Backbordseite. Auf dem Steuerbordbug ist sie demnach schneller.

Unter der vorderen Bank befindet sich der Diesel-Tank und unter der Bank am Niedergang ist viel Platz, um Lebensmittel zu stauen. Es gibt einen großen Stauraum innen auf der Steuerbordseite, unterhalb der Plichtbank und von innen gut erreichbar. Er bietet viel Platz für z.B. eine große Kühlbox, Werkzeug, eine dritte Batterie oder auch einen Schrank. Bei uns findet sich die 40 ltr. Kühlbox und Werkzeug darin.

Insgesamt kann man sich nicht über Stauraum beschweren, allerdings fehlt ein echter Schrank mit Fächern.

Wie ist die Kombüse der Optima ausgestattet?

Backbords längs findet sich die spartanische Kombüse mit Spülbecken und zwei Flammen Gaskocher. Bei uns wurde dieser durch einen Spirituskocher ersetzt. Darunter finden sich zwei Fächer für Geschirr und Kleinkram. Seitlich hinter einer Türe zwei Fächer für Töpfe, Salatschüssel, Nudelsieb und Wasserkocher. Darüber findet sich die Schublade für das Besteck.

Die Küche lädt trotz Ihrer knappen Ausstattung zum Kochen ein. Besonders, weil mit der Dinette in Griffweite mehr als genug Platz zum Schnippeln und Ablegen vorhanden ist. Und Tageslicht ist ja auch genug da. Nur einen Backofen vermissen wir manchmal.

Der WC-Bereich ist eng

Es ist zum Salon mit einer Türe abgetrennt. Allerdings leider nicht zu Vorschiff. Bei langen Schlägen freuen wir uns jedes Mal, dass es vorhanden ist. Eng aber funktional. Es ist ein Seewasser WC ohne Schmutzwassertank. Gegenüber befindet sich ein kleines Fach um das Segelzeug aufzuhängen.

Eine Duschmöglichkeit war damals weder drinnen noch draussen üblich.

Die Vorschiffskajüte – breit an der Schulter aber kurz und niedrig

Die Schlafmöglichkeit im Vorschiff ist mit einer Länge von 1,80 eher knapp geraten. Ab Kopf ist die Matratze 1,60 m breit, das ist viel. So bleibt seitlich noch ein schmaler Streifen für Kleidung, Taschen oder ähnliches. Bei uns sind dort elastische Hängenetze, die viel Kleidung aufnehmen können.

Die Höhe über der Matratze ist mit ca. 70 cm gerade hoch genug, um angelehnt zu lesen. Sitzen geht hier schon nicht mehr. In das Bett zu klettern ist etwas für gelenkige Menschen und erfordert eine gewisse Technik.

Sprich: es ist eher eng, vor allem in der Länge und der Höhe. Er reicht aber gut zum Schlafen.

Eine transluzenter Deckel stellt das Oberlicht dar, dieser ist mit zwei Bändseln befestigt. Eine Verdunkelungsmöglichkeit fehlt. Man kann aber gut einen schwarzen Rucksackregenschutz darüber ziehen, das tut auch seinen Dienst.

Die Lüftung im Vorschiff könnte, trotz der Doraden im WC-Bereich, besser sein. Ausserdem vermissen wir Stauraum im Vorschiff für Kleidung.

Wie ist der Motor und der Motorraum der Optima?

Der Motorraum – mehr Platz wäre gut

Viel Platz findet sich nicht um den Originalmotor ein- oder auszubauen, oder auch zu warten. Das schränkt auch die Möglichkeiten ein, eine neue Maschine einzubauen. So war zum Beispiel der Dieselfilter am Motor im eingebauten Zustand nicht zu erreichen.

Wir haben nun einen 1GM10 von Yanmar, eine deutlich bessere Wahl. Eine zwei Zylinder – Variante hätte laut Werft auch hinein gepasst, dann wird es aber für die Wartungsarbeiten wieder sehr eng.

Der Motoraum hat eine eigene Bilge, die von den anderen Bilge – Abteilungen  getrennt ist. Sehr gut bei Leckagen oder wenn der Motor ölt.

Der Originalmotor der Optima im Test – nicht mehr empfehlenswert

Im Original wurde damals ein Faryman Motor, ein Einzylinder Diesel mit 10 PS verbaut, Typ A30.Insgesamt eine robuste und sparsame Maschine. Allerdings mit starken Vibrationen und sehr laut. In unserem Boot war dieser mit 47 Jahren immer noch verbaut.

Wenn die Maschine im guten Zustand ist, ist das eine sehr verlässliche Maschine. Diese wurde damals tausendfach in Rüttelplatten und Baumaschinen verbaut. Aber….

Die Ersatzteilversorgung ist in den letzten Jahr deutlich schlechter geworden. Zudem hat Faryman im Februar 2019 Insolvenz angemeldet. Es gibt nur noch eine Vertriebsstelle in Deutschland. Die sind freundlich und kompetent,  liefern was noch auf Lager ist. Sehr vieles ist folglich nicht mehr zu liefern.

Kolben, Kolbenringe, Einspritzpumpe – nicht mehr lieferbar. Damit müssen alle Ersatzteile nachgefertigt werden, was nichts gutes verspricht. Mach‘ also einen Bogen um Dehler Optimas, die noch den Faryman Motor verbaut haben oder gönne dir dazu einen anderen Motor.

Wo Licht ist … die 10 Vorteile der Dehler Optima 830

  1. Das Boot ist schnell. Die 6,7 Knoten sind durchaus erreichbar.
  2. Der Innenraum ist kompakt aber geräumig. Ein idealer Kompromiss für 2-3 Personen, was Segeleigenschaften, Geräumigkeit, Ausstattung und Qualität angeht. Ein langes Wochenende zu viert geht auch.
  3. Der durchdachte Innenraum vermittelt Wohnlichkeit und Gemütlichkeit. Helligkeit gibt es mehr als genug durch die großen Fenster. An der Dinette sitzend hat man Ausblick. Und als Bonus gibt es noch Stehhöhe im Salon dazu.
  4. Geringer Tiefgang. Mit 1,2 Metern kommt man in fast jeden Hafen, und wenn man über den Sand rutschen muss ;-)
  5. Niedrige Durchfahrtshöhe, trotzdem schnell.
  6. Qualität! Sowohl der Rumpf als auch der Innenausbaus ist qualitativ gut. Wenn auch nicht ganz so gut, wie bei den nordischen Jachten. Alles wirkt wertig und gut durchdacht.
  7. Unverwüstliche Konstruktion. Der Kiel und der Rumpf nehmen sogar Auflaufen auf Fels nicht übel. Trotzdem bitte nicht nachmachen!
  8. Charmanter, klassischer Riss. Ich finde die alte Dame sieht trotz Ihres Alters und des Pflegezustands noch würdig und gut aus. Mit neuem Lack wäre sie ein echtes Prachtstück.
  9. Der Mast ist an Deck mit 2-3 Personen aufzustellen und zu legen.
  10. Das Boot ist insgesamt sehr ausgewogen. Wartungsfreundlich, leicht zu segeln, wohnlich. Das Gesamtkonzept ist sehr gut gelungen.

… ist auch Schatten – die 3 Nachteile der Dehler Optima 830

  1. Für den Originalmotor von Faryman gibt es kaum noch Ersatzteile. Viele Monteure lehnen es ab, an der alten Maschine Reparaturen vorzunehmen. Der Motorraum ist für den Originalmotor zu klein. An viele Bereiche kommt man fast nicht heran (Ölfilter, Anlasser, Impellerpumpe hinter Schwungrad…). Der Motor ist laut und erzeugt starke Vibrationen. Die Ersatzteil Versorgung ist durch die Insolvenz von Faryman fast zusammen gebrochen.
  2. Die Fenster neigen dazu, undicht zu werden.
  3. Das Vorschiff ist niedrig und kurz.

Fazit: Die Dehler als Gebrauchtboot in 2019

Aus unserer Sicht ist die Dehler Optima 830 oder 850 ein schönes, zeitloses Schiff. Die Segelyacht segelt schnell und wendig. Das Konzept ist rund.

Auch wenn wie immer 1-2 Meter in der Länge fehlen, würde ich das Boot nicht gerne abgeben.

Wenn Du eine Dehler mit einem jungen Ersatzmotor im guten Zustand findest wirst Du mit ihr viel Freude haben.

Falls Du Anmerkungen hast schreibe bitte einen Kommentar! Wenn Du eine spezielle Frage hast oder eine Einschätzung oder Beratung beim Kauf eines Bootes haben möchtest, dann schreibe mir gerne eine Nachricht.

Genug gelesen, nun komm gerne und begleite uns durch das ganze grosse Boot!

Da bei der YouTube Verbindung der Wurm drin ist, verlinken wir dich heute mit einem Vorschaubild auf das Video direkt bei YouTube!

Tour The Boat - Dehler Optima 830 | HAFENKINO.blog

Beim Anklicken wirst du zu YouTube weitergeleitet!

Dänische Perlen der Südsee

Juni 2019 – wir haben Urlaub. Leider nur eine Woche, daher sind wir mit dem Ziel eines Törns etwas eingeschränkt. Wir wollen in die Dänische Südsee: Ærø, Drejø, Birkholm, Lyø, Strynø,…

Wir Beide waren noch nicht in der Dänischen Südsee, haben jedoch schon so viel darüber gehört: schöne kleine Inseln, kurze Schläge, alles ganz ruhig. Aber im Sommer auch voll. Es ist Juni – noch vor den Ferien, die Wettervorhersage passte und wir machten uns auf den Weg.

Die erste Nacht verbrachten wir in Großenbrode, Yachtwerft Klemens. Abends waren wir noch ziemlich zufrieden mit dem Hafen: ruhig und idyllisch gelegen. Am nächsten Morgen jedoch sah das etwas anders aus: tausende von Mücken. So machten wir uns schnell auf den Weg. Ich hoffe, daß das nur eine Ausnahme war!

Yachtwerft Klemens Großenbrode

Mücken in der Luft

Es ist kein Wind und wir fahren weiter nach Orth auf Fehmarn. Ein schöner und ruhiger Hafen. Wusstest du, daß Jimmy Hendrix sein letztes Festival Konzert auf Fehmarn hatte?  Es gibt einen Gedenkstein auf der Insel, diesen haben wir aber nicht angeschaut. Das war uns doch zu weit zu laufen!

Jimmy Hendrix Gedenkstein auf Karte von Fehmarn

Ærø – die Ahorninsel

Am nächsten Morgen ist endlich ist es soweit, ab nach Ærø. Ærø wird als besonders hyggelig bezeichnet, also das perfekte Ziel für uns. Wir wollen nach Marstal,  die nördliche Spitze der Insel und daher Ankunfts- und Absprunghafen für viele Deutsche.

Was gibt es zu Ærø zu sagen?

Länge 30 km

Breite 6 km

Fläche 88m2

Einwohner 6050 Stand 2019

Marstal

Bei der Einfahrt in den Hafen machen wir uns noch Sorgen über die Platzsituation, schliesslich soll es da ja immer so voll sein. Doch ziemlich schnell merken wir, es ist noch Vorsaison: freie Auswahl!

Der Hafen in Marstal ist sehr gut ausgebaut, liegt ruhig und es gibt sogar einen recht gut sortierten Segelladen. Dort können wir uns einen neuen Adenauer kaufen, unseren haben wir auf der Fahrt verloren. Danach spazieren wir Richtung Ortsmitte und erkunden die Gegend. Es gibt auch im Ort alles, was man braucht: einen gut sortierten Supermarkt mit einem leckeren Bäcker, Eisläden, Cafes und Bille Knudsen Isenkram, „Eisenwarenhändler“. Dort gibt es alles, was es im Segelladen nicht gibt. Christoph war total begeistert von dem Laden!

Marstal hat ein sehr bekanntes Schifffahrtsmuseum. Wir hatten leider keine Zeit reinzugehen, es wird aber von vielen Seiten als sehr sehenswert empfohlen. Das besuchen wir dann das nächste Mal!

schönes Haus in Marstal

schiffsgerippe in Marstal

Drejø – der Mittelpunkt der Welt

Wir wollen die kleinen Inseln sehen, also machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Hjortø.  Leider haben wir es nicht dorthin geschafft, wir mussten abdrehen und sind nach Drejø gesegelt. Warum, siehst du im Video.

Was gibt es zu Drejø zu sagen?

Länge 5 km

Breite 2 km

Fläche 4,26 m2

Einwohner 69 Stand 2019

Der Yachthafen auf Drejø liegt direkt am Fährhafen, es gibt eine tägliche Fährverbindung nach Skarø und Svendborg.

Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch den alten Hafen (de Gammel Havn), dieser kann aber nur von Booten mit ganz wenig Tiefgang angefahren werden. Ich konnte bis jetzt nicht herausfinden, welche Tiefe noch geht. Aber der alte Hafen ist definitiv einen Besuch wert, es ist ein schöner Spaziergang dort hin. Überhaupt lädt die Insel zum Spazieren ein. Und das sage ich, die nicht gerne spazieren geht!

Es gibt einen kleinen Kaufmannsladen und ein Cafe. Dieses hatte leider schon geschlossen, es hatte zeitlich nur für ein Eis beim Kaufmann gereicht. Es lohnt sich aber, sich die Zeit zu nehmen!

Warum wird Drejø der „Mittelpunkt der Erde“ genannt? Dazu gibt es eine kleine Geschichte: Vor ca. 200 Jahren kam eine Amtsperson zu Besuch auf die Insel. Er schwärmte von der Schönheit der Insel. Eine alte Frau antwortete ihm: „Ja Vater, eine Meile nach Ærø, eine Meile nach Tasinge und eine Meile nach Fünen, der Herrgott hat Drejø genau in die Mitte der Welt gelegt.“ (Quelle: Sanne Wittrup, Törnführer Dänemark 1, Seite 45, Edition Maritim).

Einen schönen Bericht über Drejø gibt es auf dem Ostsee-Portal.info

der alte Hafen auf Drejoe

Häuser auf Drejoe

Birkholm – die Haseninsel

Am nächsten Morgen wollen wir dann weiter nach Strynø, das soll ja auch so schön sein. Also fahren wir los, es ist schönes segeln. Nach einer ganzen Weile wird das Wasser immer flacher. Viel flacher als gedacht, vermutlich durch die Windsituation. Da wir ja gerade erst wieder einen Stein angerempelt hatten, haben wir beschlossen, doch umzudrehen. Also kehrt um und Richtung Ærø, da die nächsten Tage starker Wind angesagt war und wir auf Nummer sicher gehen wollten für die Fahrt zurück.

Der Weg nach Ærø ging vorbei an Birkholm. Birkholm hatten wir leider ausgeschlossen, da wir einfach aufgrund der Ereignisse „tiefentraumatisiert“ sind. Je näher wir kamen, umso besser gefiel es uns. Okay – die Neugierde siegte über das Trauma. Zum Glück!

Zu Birkholm:

Fläche: 92 ha

Höchste Erhebung: 1,8 m (Deichring zum Hochwasserschutz)

Einwohner: 8

Es gibt am Hafen eine Toilette mit Seewasser. Das Duschhaus sowie Brunnenfrischwasser gibt es im Ort. Das ist nicht weit zu laufen, man benötigt aber einen Kanister o.ä. Außerdem gibt es eine „Butik“ mit Eis, Schnaps, Gummibärchen, Brot und Büchern (dänisch). Bezahlt wird auf Vertrauensbasis: es gibt Boxen mit Kronen und Euro. Die Insel wird einmal am Tag mit dem Postboot angefahren, das war es. Es gibt Fischer auf der Insel, bei denen man Frischfang einkaufen kann. Mehr Ruhe geht nicht. Wir genießen es sehr!

Sonnenuntergang auf Birkholm

Postboot auf Birkholm im Hafen

Zurück nach Ærø

Schweren Herzens verabschieden wir uns am nächsten Tag von Birkholm und setzen über nach Marstal. Es sind 6-7 Windstärken angesagt und wir müssen wieder einkaufen, die Vorräte gehen aus. Wir planen einen Strandtag und einen Sightseeing Tag. Der Bus auf Ærø ist kostenlos für alle – da sind die Dänen mal wieder weit voraus!

buntes Strandhaus in Marstal

sonnenuntergang in Marstal im Hafen

Æroskøping

Wir fahren nach Æroskøping, die Fahrt dauert ca. 30 Minuten und geht über die halbe Insel. So bekommt man auch einen tollen Eindruck von der Schönheit der Insel. Hyggelig!  Æroskøping gefällt uns auch direkt sehr gut, zurecht trägt die Stadt den Beinamen „Märchenstadt“.

Es gibt einen Fährhafen mit einer Verbindung nach Svendborg und einen großen Yachthafen. Æroskøping hat einen tollen großen Strand mit vielen malerischen bunten Strandhäuschen. Leider war durch den starken Wind die Luft kalt und die Strömung zu stark zum Baden. Nach einem schönen Ausflug nach Æroskøping fahren wir mit dem Bus wieder zurück nach Marstal, um uns auf die Überfahrt vorzubereiten.

bunte strandhäuser in aerosköping

Marstal Hafen um fünf Uhr

Geplant war es, nach Fehmarn zu fahren. Da die Windvorhersage Flaute ab mittags vorhergesagt hat, sind wir um 5 Uhr aufgestanden. Der frühe Vogel…

Grömitz und der Propeller

Es lief aber besser, als erwartet. Da für den nächsten Tag der Wind gegen an vorhergesagt war und wir sowieso hätten motoren müssen,  beschlossen wir bis nach Grömitz durchzufahren. Ob heute oder morgen unter Motor, war egal. So konnten wir in Grömitz noch einen Strandtag einlegen. Das war der Plan.

Als wir endlich in Grömitz ankamen und ich zurücksetzen wollte, um in die Box einzuparken – tat sich nichts, wir drifteten weiter geradeaus. Mit dem letzten Schwung ging es in eine viel zu kleine Box.

Wieder mal Fehlersuche… bis wir darauf kamen: kein Schub – kein Propeller???

Christoph sprang ins Wasser und er hatte beim Blick unter das Boot die Bestätigung unseres Verdachts. Also fing er an zu tauchen. Beobachter sprachen mich an, ich stand ja am Steg und versuchte mögliche Stellen zu finden. „Was sucht er denn?“ „Wir haben unseren Propeller verloren“ „Oh je, den findet er doch nie!“ „Oh ja, wenn wir den hier verloren haben, dann findet er ihn auch!“ Und wie vorhergesagt, am nächsten Morgen, als das Wasser im Hafenbecken noch klar war, hat Christoph den Propeller gefunden. Ich konnte in der Zwischenzeit einen Yachtausrüster finden, der uns die Hutmutter und den Sicherungsring besorgte. Somit konnten wir rechtzeitig wieder zurücksegeln – bei feinstem Wind und Wellengang!

verlorener Propeller im Sand

Anbringen eines Propellers unter Wasser

Und wie war es in der Dänischen Südsee?

Mein Fazit zur Dänischen Südsee: sehr hübsch – hygge! Allerdings war ich sehr froh, daß wir zur Vorsaison dort waren. Uns wurde erzählt, daß eine Woche später die dänischen Ferien sind und ab dann alles ganz anders aussieht: volle Häfen und viele Menschen. Teilweise waren am Anfang des Urlaubes die Cafés in Marstal noch geschlossen, bei unserem Besuch am Ende der Woche bereiteten sie sich schon auf die Öffnung vor, es wurde geräumt und geputzt.

Für uns war das der perfekte Urlaub in der Dänischen Südsee mit Ærø, Drejø und Birkholm. Wir werden die Dänische Südsee auf jeden Fall wieder besuchen. Schliesslich gibt es noch viele Inseln, die wir nicht besucht haben!

Abnehmen der dänischen Gastlandflagge

Wenn dir dieser Bericht gefallen hat und du mehr über Dänemark erfahren willst, schau dir doch unsere Berichte über unseren Törn nach Kopenhagen an:

Einmal Kopenhagen und zurück | Teil 1

und

Einmal Kopenhagen und zurück | Teil 2

Den Film zu unserem Törn kannst du dir natürlich bei YouTube anschauen! Hinterlasse uns einen Daumen hoch, wenn er dir gefällt und abonniere unseren Kanal, damit du keine Videos verpasst!

Mange hilsener (Viele Grüße)

Marion

Nachdem du nach der Lektüre meines Artikels „Segeln lernen für Erwachsene“ einen Segelkurs gemacht hast und endlich auf dem Wasser bist, stellt sich dir jetzt vielleicht die Frage:

Welchen Segelschein brauche ich?


Diese Frage ist einfach zu beantworten und dennoch recht komplex.

Einfach: keinen, es gibt keinen Segelschein für Alles.

Komplex: es gibt Fähigkeitsnachweise, eine amtliche Fahrerlaubnis und amtliche empfohlene Führerscheine, die sogenannten Sportbootführerscheine (SBF).

Grundsätzlich kommt es darauf an, was du willst. Dieser Artikel erklärt dir die rechtlichen Bestimmungen und die Einsatzgebiete der Scheine.

Rechtliche Begriffe

Es gibt Fähigkeitsnachweise, „amtliche“ und „amtlich anerkannte (empfohlene)“ Scheine (Fahrerlaubnis, Führerscheine). Wie jetzt?

Fähigkeitsnachweise: VDS Segel-Grundschein Jolle, Catamaran-Grundschein. Diese Scheine sind weder amtlich, noch anerkannt.

Amtliche Scheine: sind gesetzlich vorgeschriebene Scheine, die zum Führen bestimmter Fahrzeuge berechtigen. So wie der Autoführerschein die Fahrerlaubnis zum Auto fahren bescheinigt. “Amtlich“ ist der Sportbootführerschein (SBF) unterteilt in Binnen und See.

Amtlich anerkannte Scheine: sind empfohlene Scheine. Du machst diese freiwillig. Amtlich anerkannt ist der Sportküstenschifferschein (SKS), Sportseeschifferschein (SSS) und der Sporthochseeschifferschein (SHS).

Ach ja: Wenn du gewerbsmäßig auf dem Schiff unterwegs sein willst (zBsp als bezahlter Skipper), werden aus diesen „empfohlenen Scheinen“ „vorgeschriebene Scheine“ . „Vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten“ heißt der wichtige Passus dabei.

In der Rangfolge sieht das so aus:

SBF Geltungsbereich See (reiner Motorbootschein) / Geltungsbereich Binnen (unter Motor und Segel) vorgeschrieben für Antriebsmaschine über 15PS

SKS amtlich anerkannt / vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten bis 12sm vor der Küste

SSS amtlich anerkannt / vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten bis 30sm vor der Küste

SHS amtlich anerkannt / vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten weltweit

Rechtliche Vorgaben

Ach ja: In diesem Teil des Artikels geht es um dein privates Vergnügen, nicht um professionelle Schifffahrt. Darüber mehr weiter unten.

Erste zu klärende Frage: wo willst du segeln? 

SEE : Geltungsbereich Seeschifffahrtsstraßen

> Gilt auf den Seeschifffahrtsstraßen und im Küstengebiet (bis zu 3 Seemeilen).

BINNEN : Geltungssbereich Binnenschifffahrtsstraßen, Binnenseen

> Gilt auf den Binnenschifffahrtsstraßen des Bundes.

Ach ja: Auf dem Rhein, Bodensee und in Teilen Berlins gelten besondere Bestimmungen. Vor dem Befahren eines Binnengewässers bitte vorher die entsprechenden Informationen einholen!

Zwei Geltungsbereiche? Verwirrend? Ja! Deutsche Bürokratie könnte man meinen.
Jedoch kommt es daher, daß Binnen zBsp die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung (BinSchStrO) gilt. Auf dem Meer („auf See“) gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO) und auch die Kollisionsverhütungsregeln (KVR). Kurz gesagt: unterschiedliche Gesetze, Vorschriften, Betonnung  und Schifffahrtszeichen.

Jetzt aber zu den Scheinen!


Als Einstieg gebe ich dir eine Übersicht in Tabellenform

Aufgeteilt in Gebiet, Bootsklasse und Voraussetzungen zum Chartern. Als Goodie gibt es noch meine persönliche Empfehlung dazu.

Die Begründungen kannst du dann im Anschluß nachlesen – für diejenigen, die es interessiert!

BINNEN

Boostklasse rechtliche Bestimmung Miete Mein Tipp
Jolle SBF Binnen – Segel oder VDS Grundschein* SBF Binnen – Segel
Yacht unter 15 PS SBF Binnen – Segel* SBF Binnen – Segel & Motor
Yacht über 15 PS SBF Binnen – Segel & Motor SBF Binnen – Segel & Motor SBF Binnen – Segel & Motor

*besondere Bestimmungen auf Rhein, Bodensee und Teilen Berlins!

SEE

Boostklasse rechtliche Bestimmung Miete** Mein Tipp
Jolle SBF Binnen – Segel oder VDS Grundschein VDS Grundschein
Yacht unter 15 PS SBF See SBF See
Yacht über 15 PS SBF See SBF See mindestens SBF See

**unbedingt vorher abklären! Da es rechtlich keine Vorgaben gibt, kann das jeder Vermieter/Vercharterer selbst entscheiden. Mehr dazu unten.

Und hier die genaue Erklärung

Du willst nur sportlich auf Jollen segeln, dich zieht es definitiv nicht auf große Yachten?

Dann reicht dir der SBF Binnen unter Segeln. Mit diesem kannst du dir überall Jollen ausleihen. Du hast bei der Prüfung einen praktischen Teil, bei dem du bestimmte Manöver vor dem Prüfer fährst. Das schwierigste dabei ist normalerweise die eigene Nervosität. Ein paar Knoten musst du vorführen – das ist der Teil, bei welchem die meisten durchfallen. Die Theorie besteht aus 25 Fragen, das ist machbar. Wenn du an der Ostsee eine Jolle mieten willst, ist der SBF Binnen unter Segeln ein ausreichender Befähigungsnachweis.

Ach ja: Es gibt ja auch noch den VDS Grundschein Jolle. Das ist nur ein Fähigkeitsnachweis und reicht nicht überall aus, um Jollen auszuleihen! Wenn du auf der Alster oder in Berlin eine Jolle mieten willst, reicht der VDS Grundschein nicht.

Anders der VDS Catamaran-Grundschein: diesen benötigst du zum Ausleihen von kleinen Catamaranen (keine Yachten!). Er zeigt dem Verleiher, daß du mit dem Cat umgehen kannst. Das ist schon etwas anderes als eine Jolle. Normalerweise kannst du diesen bei den meisten Ausleihstationen machen.

Du willst mehr als Jolle segeln, du willst auf Dickschiffe?

Hier ist der Geltungsbereich wieder interessant.

Du willst nur BINNEN? Definitiv nicht auf See?

Dann kläre die Frage, wo du Binnen segeln möchtest. Mit einer Motorisierung über 11,03 kW / 15 PS ist allen gemein der SBF Binnen Antriebsmaschine und Segel. Je nach Gebiet gibt es aber besondere Voraussetzungen (zBsp Bodensee oder Rhein) Informationen findest du hier. In den meisten Gebieten benötigst du zum Segeln mit einer Motorisierung unter 15 PS keinen Schein.

Du willst nur auf SEE segeln?

Wenn du ein eigenes Boot hast, brauchst du mit einer Motorisierung bis 11,03 kW / 15 PS keinen Schein, rein rechtlich gesehen. Bei mehr als 15 PS brauchst du den SBF See (das ist ein reiner Motorbootschein und nur wegen der Motorisierung nötig) In der Tabelle habe ich bei „unter 15 PS“ als meinen Tipp den SBF See angegeben, obwohl rechtlich nicht nötig. Warum? Du bist nicht alleine auf dem Wasser unterwegs, sondern triffst auch auf andere „Verkehrsteilnehmer“. Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, die Regeln zu kennen. Diese lernst du beim Erwerb des Scheines. Ebenso Grundkenntnisse der Navigation und der Wetterkunde. Das kann ja nicht schaden, oder?!

Mein Tipp:

Mache am Besten gleich das „Rundum-Glücklich-Paket“!

Wenn du einen Segelkurs machst, mache direkt den SBF Binnen Schein!

Und vielleicht… willst du doch mal eine Yacht auf See für einen Urlaub chartern? Dann solltest du auch den SBF See zum Führen von Sportbooten mit Antriebsmaschine machen. 

Warum? Wie schon erwähnt, auch auf See gelten Gesetze – andere als Binnen. Die Betonnung und Befeuerung ist unterschiedlich,  es gelten andere Befahrensregeln. Diese sollte man unbedingt kennen, wenn man sich auf dem Meer bewegt. Schließlich ist man nicht alleine unterwegs, es gibt gerade in den küstennahen Gebieten viel Berufsschifffahrt und Verkehrstrennungsgebiete (Abkürzung VTG oder englisch TSS für traffic separation scheme). Du musst wissen, wie du dich zu verhalten hast. Das ist wie mit dem Auto auf der Straße.

Und dann kannst du auch gleich das „Rundum-Glücklich-Paket“ (SBF See & Binnen Motor & Segel) machen. Da fehlt ja nur noch Binnen unter Motor.

Und jetzt ein Goodie dazu:

Ich habe zuerst die Prüfung für den SBF See gemacht (Kombiprüfung: Praxis und Theorie an einem Tag), während ich den praktischen Segelkurs gemacht habe. Die Motorprüfung des SBF See wurde für den SBF Binnen anerkannt und ich wurde nicht mehr geprüft. Ebenso wird ein Teil der Theoriefragen und die Knoten bei der praktischen Binnen-Prüfung nicht mehr geprüft. Zum Abschluss habe ich dann die restlichen Theoriefragen Binnen gemacht. Es ist ein modulares System: was man hat, hat man! AUSNAHME: die SBF Binnen Motor Prüfung wird für den SBF See meines Wissens nach immer noch nicht anerkannt.

Also: ERST die SBF SEE Prüfung, DANN die SBF BINNEN Prüfung.

Bitte lass Dich nicht abschrecken, das lernt man alles! Es gibt Kombi – Angebote für die Theorie Binnen und See. Ich halte davon nichts, mich hätte das zu sehr verwirrt. Aber ich bin ja nicht das Maß der Dinge!

Brauchst du den SKS?

Der SKS ist ein amtlich anerkannter Schein, also nicht vorgeschrieben. Daher kannst nur du dir diese Frage selbst beantworten. Generell ist es nie verkehrt, mehr zu lernen. Die Theorie beim SKS ist auf jeden Fall tiefergehend als beim SBF See, die Navigation praxisnah durch Wind-, Strom- und Gezeitennavigation. Die Manöver sind ähnlich wie bei der SBF Prüfung, jedoch auf einer Yacht. Voraussetzung: SBF See & 300sm (die meisten machst du bei der Ausbildung!)

Ach ja: Während des Segelkurses wird oft über den SKS gesprochen mit dem Argument, man braucht diesen, um zu chartern und privat zu skippern. Das stimmt so nicht ganz: der SBF See reicht rein rechtlich aus, um Boote zu chartern. Erkundige dich vorher bei dem Vercharterer: es gibt immer noch welche, die den SKS erwarten. Dabei geht es um einen Fähigkeitsnachweis im Versicherungsfall. Dazu an anderer Stelle mehr. Führe auf jeden Fall dein Meilenbuch, das ist ein anerkannter Nachweis im Zweifelsfall!

Und was ist mit SSS und SHS?

SSS: Wie beim SKS, privat nicht gesetzlich gefordert. Der SSS ist eine ziemlich umfangreiche Prüfung. Als Voraussetzung gilt der SBF See & 1000sm oder der SKS & 700sm. Wenn du den SBF See sowie viel Erfahrung hast und doch noch nachlegen willst, mache gleich den SSS!

SHS: ist die höchste nautische Befähigung außerhalb der Marine. Für die „weltweite Fahrt“ – alle Meere. Der SHS ist quasi eine Ergänzungsprüfung zum SSS. Du machst hauptsächlich Theorie, praktisch nur noch „die Handhabung eines Sextanten“.  Voraussetzung: 1000sm nach Erwerb des SSS.

Du willst mieten oder chartern?


Für die Miete oder Charter gibt es keine rechtlichen Vorgaben außer vorgeschriebene Fahrerlaubnisse. Auf  See ist das „nur“ der SBF See – ein reiner Motorbootschein. Dieser sagt natürlich nichts über dein seglerisches Können aus. Der Nachweis darüber ist in einem Versicherungsfall jedoch ziemlich wichtig. Daher ist für den Vercharterer interessant, wie gut du ein Boot führen kannst. Manche erwarten daher den SKS. Die Betonung liegt auf „MANCHE“ – denn genauso reicht bei vielen der SBF See. Erkundige dich vorher, was dein Vercharterer oder Vermieter erwartet. Und: führe dein Meilenbuch, dieses ist ein guter Nachweis über deine seglerische Erfahrung.

Du willst professionell als Skipper arbeiten?


Bisher haben wir nur über den privaten Bereich gesprochen. Vielleicht willst du aber auch als bezahlter Skipper arbeiten. Hier ist die rechtliche Regelung einfach und klar:

BINNEN

benötigst du ein entsprechendes Binnenschifferpatent. Dieses Thema sprengt hier den Rahmen. Mehr Informationen findest du hier: Elwis

SEE

SKS vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten bis 12sm vor der Küste

SSS vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten bis 30sm vor der Küste

SHS vorgeschrieben zum Führen von gewerbsmäßig genutzten Sportbooten weltweit

Welche Scheine machen sonst noch Sinn?


Wenn du chartern oder sogar eine eigene Yacht willst, solltest du den SRC und/oder UBI machen (je nach Einsatzgebiet – am besten aber gleich beide, der zusätzliche Lernaufwand ist tragbar!) Umgangssprachlich „Funkschein“. Das beschränkt gültige Funkbetriebszeugnis (Abkürzung: SRC, von englisch Short Range Certificate) ist ein deutsches Funkbetriebszeugnis. Das UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk (Abkürzung: UBI) ist ein amtliches Zeugnis und berechtigt zum Betrieb von UKW-Funkanlagen in der Binnenschifffahrt. Sobald du ein Funkgerät an Bord hast, bist du verpflichtet, es zu nutzen. Das Funkgerät ist ein wichtiges Sicherheitstool und sollte unbedingt beherrscht werden.

Den LRC benötigst du nur auf dem ganz offenen Meer, also weit draussen vor der Küste. Wenn du soweit bist, weißt du das! Das LRC ist eine Ergänzung zum SRC, sprich, du musst den SRC vorher machen (auch hier gibt es Kombiangebote).

FKN – der sogenannte Pyroschein. Diesen Schein solltest du machen, wenn du ein eigenes Boot besitzt und dir entsprechende Notsignalmittel besorgen willst. Für die Benutzung im Notfall brauchst du keinen Schein und sie ist meist selbsterklärend. Wenn du charterst, bekommst du die Notsignalmittel erklärt, das genügt.

Zum Informieren empfehle ich folgende Seiten:


sportbootfuehrerscheine.org

elwis.de

dsv.org

…und natürlich die Segelschule / den Segellehrer deines Vertrauens!

Das Wichtigste zum Schluss


Kein Schein sagt etwas über deine Fähigkeiten aus. Mindestens genauso wichtig wie der richtige Schein am richtigen Ort ist PRAXIS! Ein Kurs ersetzt keine praktische Erfahrung. Oftmals wird man in einem Kurs nur zur Prüfungsreife gedrillt und die erforderlichen Manöver bis zum Umfallen geübt, das hat mit Praxis nichts zu tun.

Autofahren haben wir alle auch unabhängig vom Führerschein gelernt – manch einer vorher, die meisten hinterher!

Ab auf’s Wasser – geh segeln!

Ich hoffe, diese Übersicht konnte ein paar Fragen beantworten. Das ist natürlich keine Rechtsberatung, auch hier können sich mal Vorschriften ändern. Wenn du Fragen oder Anmerkungen dazu hast, melde dich gerne hier, per Email, auf Facebook oder Instagram.

Viel Spaß beim Segeln!

Marion

Motorschaden – der „neue“ Motor

Wie im vorherigen Beitrag zu lesen war, hatten wir einen kapitalen Motorschaden mit Feuer im Boot.

Da wir schon seit wir das Boot haben nicht glücklich mit dem Motor waren, hatte Christoph bereits auf der letzten Hanse Boot (sorry – Hamburg Boat Show heißt die ja jetzt) sich nach Alternativen umgeschaut. Am liebsten hätten wir einen E-Motor. Das lässt sich finanziell aber nicht realisieren – schließlich sparen wir auf die Langfahrt. Also kommt für uns generell nur ein gebrauchter als Austauschmotor in Frage.

Jetzt mussten wir uns entscheiden:

1. Gebrauchter Motor – viel Arbeit und man steckt nicht drin

2. Außenborder – suboptimal, da dieser konstruktionsbedingt zBsp bei Welle immer wieder rauskommt

3. Boot verkaufen – absolutes Verlustgeschäft

4. Boot über den Sommer stehen lassen und überlegen – bringt uns auch nicht weiter

Der Austauschmotor

Wir entscheiden uns für Option 1, es wird ein gebrauchter Yanmar 1GM10. Dieser ist ausreichend für unser Boot, passt von der Größe gut rein und Ersatzteile sind kein Problem.

Christoph beschließt, den Motor selbst einzubauen. Das Abenteuer beginnt im neuen Jahr.

Der Einbau

Den alten Motor hatte er schon im letzten Jahr vom Boot genommen, da dieser sowieso raus musste – egal wie wir uns entscheiden. Also konnten die Vorbereitungen beginnen. Es mussten neue Fundamente gebaut werden. Und Christoph als ursprünglich mal gelernter Tischler war da auch voll in seinem Element. Jedes Wochenende wurde im Boot verbracht, Bohlen wurden zugesägt, gehobelt und laminiert. Der Motorraum wurde soweit vorbereitet, gereinigt und gestrichen. Und dann war es soweit, „Keule“ wurde ins Boot gehoben.

Mittlerweile kam unser geplanter Wasserungstermin immer näher und die Liste wurde irgendwie nicht kürzer. Wir entschieden uns im April, das Anschließen an eine Firma abzugeben – April ist Hochsaison. Wir hatten jedoch Glück und fanden eine Firma, die uns gleich einen Monteur schicken konnte.

Es wurde immer enger mit dem Termin, bis zum Schluß hofften wir, es noch zu Ostern zu schaffen. Aber wir konnten unseren Termin nicht halten und mussten verschieben. Was bedeutete, wir mussten auch das Boot verschieben, wir standen ja schon auf der Slipbahn. Also Unterstützung organisiert und das Boot verschoben. So hatten wir sämtlichen Druck rausgenommen und konnten in Ruhe alles fertig machen. Und wieder mal wurde das Boot gründlich gereinigt – der Feuerlöscherstaub war immer noch überall.

Ins Wasser

Dann war es tatsächlich doch so weit: wir konnten ins Wasser. Endlich den Lohn der monatelangen Arbeit einkassieren…

Es ist der 1. Mai: wir fahren die Elbe entlang, vorbei am Entenwerder 1, die Elbbrücken, das Grinsen wird breiter, die Anspannung löst sich…bis ein lauter schriller Ton uns plötzlich zurückholt – Alarm!

Wir hatten gleichzeitig mit einem anderen Boot gewassert und fuhren mit denen zusammen, falls etwas wäre. Dass tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist – damit hat keiner gerechnet.

Wir hatten einen „Kühlwasseralarm“, dh heißt der Motor überhitzt. Also Maschine aus und Fragezeichen. Nach einer kurzen Wartezeit starten wir wieder und fahren weiter, zum Glück haben wir es nicht weit zum Citysporthafen in Hamburg. Dort angekommen ist die Enttäuschung genauso groß wie die Unsicherheit.

Nach Travemünde?

Die Fehlersuche startet. Und gleichzeitig die Suche nach Plan B – da wir am Wochenende überführen wollten. Christoph hatte sich freigenommen, damit wir genug Zeit haben. JaNeinJaNeinJaNein…lange Überlegungen. Donnerstag Abend hatten wir uns gegen eine Überführung entschieden. Freitag morgen dann die endgültige Entscheidung: wir fahren, aber langsam. Das könnte zwar heißen, das Boot liegt eine Woche in Lübeck, weil wir es nicht schaffen – aber ob es jetzt in Hamburg oder Lübeck liegt, ist auch egal. Also machen wir uns auf den Weg. Nach ein paar Versuchen hat sich unsere Reisgeschwindigkeit auf ca 3,8 Knoten eingependelt, nicht gerade schnell. Aber im letzten Herbst mit dem Außenborder waren wir auch nicht viel schneller, also nichts neues. Es ist jedoch ziemlich frustrierend, wenn man von Kajaks überholt wird…

Wir kommen noch am Sonntag in Travemünde an und sind glücklich, zumindest schon mal hier zu sein. Am folgenden Wochenende stellen wir den Mast und machen alles soweit fertig. Unsere Genua ist noch beim Segelmacher, wir brauchen dringend eine neue. Daher können wir sowieso noch nicht segeln.

Und jetzt?

Christoph telefoniert und recherchiert die ganze Zeit wegen des Motors und es könnte am Propeller liegen. Noch ist das aber nicht geklärt.

Ich hoffe, wir können euch und uns da bald eine positive Rückmeldung geben. Auf Facebook oder Instagram bekommst du die Informationen zeitnah!

Ansonsten wünschen wir Dir und uns eine tolle Saison und natürlich immer HANDBREIT!