Jolle Möve Segelschule OSG

Der Ratgeber für Neueinsteiger und Sehnsüchtige!

Vor einiger Zeit sprach mich eine Freundin an, sie will jetzt endlich segeln lernen. „Du kennst dich doch aus, wie gehe ich das am besten an und was muss ich machen? Ist das schwer?“

Wie und wann habe ich segeln gelernt?

Ich habe erst im Jahr 2013 segeln gelernt. Zwar hatte ich es schon lange vor, aber es kam nie dazu. Nach einem Segelausflug mit Sonne und Sturm auf der Alster war ich infiziert. Da ich keinen Plan hatte, löcherte ich sowohl Tante Google als auch den Segellehrer eines Vereins und den Inhaber einer Yachtschule nach Informationen. Angefangen habe ich im Juni 2013 und im September hatte ich die für mich wichtigen Prüfungen bestanden und die Scheine zusammen. Es war ein toller Sommer auf der Alster mit vielen Erlebnissen und neuen Eindrücken! Aber auch große Herausforderungen, teilweise auch sehr nah an meiner persönlichen Grenze.

Warum „Segeln lernen für Erwachsene“?

Neidisch blicke ich auch heute noch auf die Kids in ihren Optimisten, die scheinbar völlig angstfrei an die Sache gehen und sich ausprobieren. Wir Erwachsene durchdenken meist viel zu viel und bringen unsere ganze Lebenserfahrung ins Spiel. Wir haben deutlich mehr Hemmschwellen.

Ich habe mich selbst am Anfang schwer getan. Mit der Zeit kam aber die Routine und die Sicherheit. Diese Erfahrung wollte ich anderen weitergeben und ich begann, im Verein die Segelschule zu unterstützen. Am liebsten habe ich mit den ganz blutigen Anfängern gearbeitet: es macht so viel Spaß, anderen das Segeln näher zu bringen und die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. Es scheint alles so schwierig zu sein: Segelstellung, Schoten, neue Ausdrücke, schwankendes Boot…. Aber mal ehrlich: das war doch in der Fahrschule nicht anders: kuppeln, schalten, bremsen und dann auch noch den Verkehr im Auge halten? Heute ist das alles pillepalle.

Und jetzt zu dir!

Du willst endlich auch mit dem Segeln anfangen, weißt aber nicht wie, wo und was?  Damit du nicht soviel suchen musst, zeige ich dir die Möglichkeiten. Und ich erkläre dir, warum ich mich für meinen Weg entschieden habe.

Übrigens, das Thema „Prüfung und Schein“ lasse ich jetzt mehr oder weniger außen vor, das sprengt den Rahmen. Du sollst ja erst mal segeln und Spaß haben – also los gehts!

Wie und wo fange ich an?

Segeln lernt man auf der Jolle. Du hast direkt das Zusammenspiel von Wind, Segel und Wasser und spürst genau, was du machst und wie das Boot darauf reagiert. Das ist deutlich direkter als auf Dickschiffen, auch wenn dort die gleichen Kräfte wirken. Egal, ob du später nur Yacht segeln willst, fange auf der Jolle an!

WIE?

Das WIE ist einfach: in einem Segelkurs. In einem Kurs wirst du an das Segeln herangeführt und dir werden Manöver, Segeltrimm und Zusammenhänge erklärt und du kannst es direkt erfahren.

WO?

Es gibt hauptsächlich zwei Möglichkeiten, einen Kurs zu machen: in einem Verein oder einer Segelschule.

Persönlich bin ich Befürworter davon, das Segeln in einem Verein zu lernen. Der Umgang ist meist persönlicher und Vereinskollegen helfen gerne weiter, wenn es mal nicht so klappt. Daher habe ich mich für einen Verein entschieden. In meinem Verein segelten wir am Anfang mit geübten Seglern, um die Grundkenntnisse zu bekommen. Wenn das soweit passte, durfte man dann alleine zu zweit an Pinne & Fock. Der Segellehrer war von Anfang an mit dem Motorboot dabei und gab Tipps. Die Theorie wurde an Land erklärt. Der DSV hat anerkannte Vereine aufgelistet: ausbildende Vereine.

Natürlich kannst du auch bei einer Segelschule lernen. Die anerkannten Segelschulen hat der DSV hier aufgelistet: Segelschulen. Die Kursdauer variiert von Crashkursen in 14 Tagen bis hin zu 6-wöchigen Kursen. Meistens ist das Schema ähnlich: die ersten Stunden sind mit einem Segellehrer, dann in Zweiergruppen auf der Jolle. Dieses Gruppentraining wird von einem Segellehrer auf Begleitboot angeleitet. Danach sollte es noch Stunden zum freien Training geben! Diese Zeit gibt dir Sicherheit, du kannst die Manöver in deinem Tempo üben.

Egal ob Verein oder Segelschule, mache auf jeden Fall ein unverbindliches Schnuppersegeln. So merkst du, ob dir der Stil und Ton passt. Du musst dich wohl fühlen! Dieses Schnuppersegeln solltest du machen, bevor du dich für die Kursvariante entscheidest. Vielleicht bist du ein Naturtalent und schaffst locker den Crashkurs. Oder aber du bist wie ich und lässt dir ganz viel Zeit.

Mein ganz persönlicher Tipp: achte darauf, daß du genügend Zeit zum üben hast, schließlich bewegst du dich nicht alleine auf dem Wasser und solltest daher wissen, was du tust. Die Sicherheit kommt mit der Zeit und der Erfahrung!

Der Kurs endet normalerweise mit einer Prüfung & einem Schein. Und keine Angst vor der Prüfung: die Prüfer machen das oft und wissen, daß es gerade für erwachsene Prüflinge Stress ist.

Equipment

Du brauchst nicht viel, wenn du mit Segeln anfängst, das meiste hat man. Meine Liste für dich:

  • Schuhe mit heller Sohle. Ich empfehle Stoffsneaker, es wird auch mal nass in der Jolle
  • bequeme Kleidung, Jollensegeln ist sportlich
  • Regenbekleidung, die vom Radfahren ist ausreichend
  • Segelhandschuhe! Hier bitte gute, die billigen halten die Segelschule nicht durch. Ich hatte auch erst günstige gekauft. Nach 4 Wochen gab es dann gute von Musto, die habe ich heute noch.
  • nice to have: eine Cap. Gut bei Regen und Sonne!
  • wenn du deine Wertsachen am Steg nicht wegschließen kannst, besorge dir ein kleines Drybag, 5 Liter sind mehr als genug!

Und hier noch mein Insider-Tipp: Ersatzklamotte und Microfaserhandtuch, beides aber am Steg lassen!

Und was kommt nach dem Segelkurs?

Geschafft, du hast die Prüfung bestanden und festgestellt, es war alles weniger schlimm als erwartet! Ich habe viele Prüfungen begleitet und ich verspreche dir, danach wirst auch du sagen: war halb so wild. Auch wenn du mir das vorher nicht glaubst. Glückwunsch!

Versuche dich auf unterschiedlichen Jollen-/Bootsklassen. So merkst du schnell, was dir mehr liegt und Spaß macht!

Vielleicht bist du der sportliche Segler? Dann probiere dich mit Laser, Hobie-Cat und ähnlichen Booten! Es gibt verschiedene Kursangebote, sowohl im Verein als auch kommerziell. Man kann das auch gut mit einem Urlaub verbinden,  z.B. den Cat-Schein auf Fehmarn oder Mallorca. Vereine haben oft interne Regatta Gruppen, dabei lernst du mehr über Segeltrimm und das richtige Bootshandling.

Bei mir hatte es sich schnell herausgestellt, dass ich eher der sogenannte „Kaffeesegler“ bin. Das heißt entspanntes segeln mit anderen. Das Rauschen der Wellen und die Sonne genießen, abschalten. Es darf auch mal schnell, sportlich und nass werden, aber ohne Druck und ohne Streß.

Dich zieht es auf die Yacht? Dann suche dir Mitsegelangebote. Vielleicht kennst du inzwischen Bootsbesitzer, dann frag bei ihnen nach. Viele freuen sich über neugierige Mitsegler! Oft bieten Vereine Yachtsegeln an, auf eigenen oder gecharterten Booten. Auch ein Segelurlaub kann infrage kommen. Dafür erkundige dich aber vorher unbedingt über den Anbieter. Am besten hörst du dich nach Erfahrungen von Bekannten um, durch den Segelkurs hast du ja erste Kontakte. Da du noch Anfänger bist, solltest du dabei Segelerfahrungen sammeln können. Nichts ist frustrierender als ein misslungener Törn! Lege dir ein Meilenbuch zu und lass dir deine Seemeilen immer unterschreiben. Es gilt als Nachweis für dein Können und für manche Scheine benötigst später du den Nachweis.

Die grundsätzliche Frage: Warum eine Prüfung und einen Schein?

Scheine und Prüfungen sind meistens unangenehm. Du musst zum einen lernen und zum anderen dich in eine Stresssituation begeben. Aus diesem Alter sind wir ja eigentlich raus. Also warum? Auf dem Wasser ist es wie auf der Straße: es gibt Führerscheine unterschiedlicher Klassen. Welchen Führerschein du benötigst, hängt also davon ab, was du vorhast. Aber vermutlich weißt du das noch nicht, wenn du anfängst. Welchen Schein du für was benötigst, erkläre ich dir in einem späteren Artikel.

Solltest du vorher schon Informationen darüber wollen oder Fragen haben, schreib mir einfach einen Kommentar, eine Mail oder über Facebook!

Übrigens: meine Freundin machte vor zwei Jahren ihren Schein und ist begeisterte Seglerin!

Daher zum Abschluss der ULTIMATIVE Tipp:

Ab aufs Wasser, geh segeln!

2 Kommentare
  1. Jan to Baben sagte:

    Moin Christoper,

    Ich bin durch Zufall bei Youtube auf Deinen ersten „Einhandtörn“ gestoßen. Als jemand mit Jahrgang 61 und mit dem Segelvirus infiziert seit 66, kann ich zu Deinem Film nur sagen dass Du noch viel lernen musst um Einhand wirklich sicher unterwegs sein zu können. Ich habe in den Kommentaren einiges gelesen, dass bös falsch ist und damit mehr als gefährlich. Wenn Du konkrete Fragen zum Alleinsegeln hast, dann frag jemanden, der das schon oft gemacht hat!
    Unsere Silja (Jeanneau Poker) liegt in Bockholmwik wenn Du / Ihr mal in der Nähe bist / seid – herzlich willkommen.

    Mast und Schootbruch
    Gruß
    Jan

    Antworten
    • Christoph sagte:

      Hallo Jan, danke für Deine Anmerkungen! Das Video über das Einhand segeln war als Erfahrungsvideo gedacht – ohne Anspruch auf Richtigkeit ;-) und ja: Ich hoffe doch sehr, dass ich noch viel dazu lernen werde. Wenn Du magst, dann stelle doch bitte Deinen Kommentar nochmal neu bei dem Beitrag „Einhand segeln“ ein, würde mich freuen! Den Artikel findest Du hier: https://hafenkino.blog/einhandsegeln/. Wenn wir mal in Bockholmwik sind hole ich mir Deine Tipps sehr gerne persönlich ab. Schau doch gerne mal in Travemünde vorbei! Liebe Grüße!

      Antworten

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