Dänische Perlen der Südsee

Juni 2019 – wir haben Urlaub. Leider nur eine Woche, daher sind wir mit dem Ziel eines Törns etwas eingeschränkt. Wir wollen in die Dänische Südsee: Ærø, Drejø, Birkholm, Lyø, Strynø,…

Wir Beide waren noch nicht in der Dänischen Südsee, haben jedoch schon so viel darüber gehört: schöne kleine Inseln, kurze Schläge, alles ganz ruhig. Aber im Sommer auch voll. Es ist Juni – noch vor den Ferien, die Wettervorhersage passte und wir machten uns auf den Weg.

Die erste Nacht verbrachten wir in Großenbrode, Yachtwerft Klemens. Abends waren wir noch ziemlich zufrieden mit dem Hafen: ruhig und idyllisch gelegen. Am nächsten Morgen jedoch sah das etwas anders aus: tausende von Mücken. So machten wir uns schnell auf den Weg. Ich hoffe, daß das nur eine Ausnahme war!

Yachtwerft Klemens Großenbrode

Mücken in der Luft

Es ist kein Wind und wir fahren weiter nach Orth auf Fehmarn. Ein schöner und ruhiger Hafen. Wusstest du, daß Jimmy Hendrix sein letztes Festival Konzert auf Fehmarn hatte?  Es gibt einen Gedenkstein auf der Insel, diesen haben wir aber nicht angeschaut. Das war uns doch zu weit zu laufen!

Jimmy Hendrix Gedenkstein auf Karte von Fehmarn

Ærø – die Ahorninsel

Am nächsten Morgen ist endlich ist es soweit, ab nach Ærø. Ærø wird als besonders hyggelig bezeichnet, also das perfekte Ziel für uns. Wir wollen nach Marstal,  die nördliche Spitze der Insel und daher Ankunfts- und Absprunghafen für viele Deutsche.

Was gibt es zu Ærø zu sagen?

Länge 30 km

Breite 6 km

Fläche 88m2

Einwohner 6050 Stand 2019

Marstal

Bei der Einfahrt in den Hafen machen wir uns noch Sorgen über die Platzsituation, schliesslich soll es da ja immer so voll sein. Doch ziemlich schnell merken wir, es ist noch Vorsaison: freie Auswahl!

Der Hafen in Marstal ist sehr gut ausgebaut, liegt ruhig und es gibt sogar einen recht gut sortierten Segelladen. Dort können wir uns einen neuen Adenauer kaufen, unseren haben wir auf der Fahrt verloren. Danach spazieren wir Richtung Ortsmitte und erkunden die Gegend. Es gibt auch im Ort alles, was man braucht: einen gut sortierten Supermarkt mit einem leckeren Bäcker, Eisläden, Cafes und Bille Knudsen Isenkram, „Eisenwarenhändler“. Dort gibt es alles, was es im Segelladen nicht gibt. Christoph war total begeistert von dem Laden!

Marstal hat ein sehr bekanntes Schifffahrtsmuseum. Wir hatten leider keine Zeit reinzugehen, es wird aber von vielen Seiten als sehr sehenswert empfohlen. Das besuchen wir dann das nächste Mal!

schönes Haus in Marstal

schiffsgerippe in Marstal

Drejø – der Mittelpunkt der Welt

Wir wollen die kleinen Inseln sehen, also machen wir uns am nächsten Tag auf den Weg nach Hjortø.  Leider haben wir es nicht dorthin geschafft, wir mussten abdrehen und sind nach Drejø gesegelt. Warum, siehst du im Video.

Was gibt es zu Drejø zu sagen?

Länge 5 km

Breite 2 km

Fläche 4,26 m2

Einwohner 69 Stand 2019

Der Yachthafen auf Drejø liegt direkt am Fährhafen, es gibt eine tägliche Fährverbindung nach Skarø und Svendborg.

Der Vollständigkeit halber erwähne ich noch den alten Hafen (de Gammel Havn), dieser kann aber nur von Booten mit ganz wenig Tiefgang angefahren werden. Ich konnte bis jetzt nicht herausfinden, welche Tiefe noch geht. Aber der alte Hafen ist definitiv einen Besuch wert, es ist ein schöner Spaziergang dort hin. Überhaupt lädt die Insel zum Spazieren ein. Und das sage ich, die nicht gerne spazieren geht!

Es gibt einen kleinen Kaufmannsladen und ein Cafe. Dieses hatte leider schon geschlossen, es hatte zeitlich nur für ein Eis beim Kaufmann gereicht. Es lohnt sich aber, sich die Zeit zu nehmen!

Warum wird Drejø der „Mittelpunkt der Erde“ genannt? Dazu gibt es eine kleine Geschichte: Vor ca. 200 Jahren kam eine Amtsperson zu Besuch auf die Insel. Er schwärmte von der Schönheit der Insel. Eine alte Frau antwortete ihm: „Ja Vater, eine Meile nach Ærø, eine Meile nach Tasinge und eine Meile nach Fünen, der Herrgott hat Drejø genau in die Mitte der Welt gelegt.“ (Quelle: Sanne Wittrup, Törnführer Dänemark 1, Seite 45, Edition Maritim).

Einen schönen Bericht über Drejø gibt es auf dem Ostsee-Portal.info

der alte Hafen auf Drejoe

Häuser auf Drejoe

Birkholm – die Haseninsel

Am nächsten Morgen wollen wir dann weiter nach Strynø, das soll ja auch so schön sein. Also fahren wir los, es ist schönes segeln. Nach einer ganzen Weile wird das Wasser immer flacher. Viel flacher als gedacht, vermutlich durch die Windsituation. Da wir ja gerade erst wieder einen Stein angerempelt hatten, haben wir beschlossen, doch umzudrehen. Also kehrt um und Richtung Ærø, da die nächsten Tage starker Wind angesagt war und wir auf Nummer sicher gehen wollten für die Fahrt zurück.

Der Weg nach Ærø ging vorbei an Birkholm. Birkholm hatten wir leider ausgeschlossen, da wir einfach aufgrund der Ereignisse „tiefentraumatisiert“ sind. Je näher wir kamen, umso besser gefiel es uns. Okay – die Neugierde siegte über das Trauma. Zum Glück!

Zu Birkholm:

Fläche: 92 ha

Höchste Erhebung: 1,8 m (Deichring zum Hochwasserschutz)

Einwohner: 8

Es gibt am Hafen eine Toilette mit Seewasser. Das Duschhaus sowie Brunnenfrischwasser gibt es im Ort. Das ist nicht weit zu laufen, man benötigt aber einen Kanister o.ä. Außerdem gibt es eine „Butik“ mit Eis, Schnaps, Gummibärchen, Brot und Büchern (dänisch). Bezahlt wird auf Vertrauensbasis: es gibt Boxen mit Kronen und Euro. Die Insel wird einmal am Tag mit dem Postboot angefahren, das war es. Es gibt Fischer auf der Insel, bei denen man Frischfang einkaufen kann. Mehr Ruhe geht nicht. Wir genießen es sehr!

Sonnenuntergang auf Birkholm

Postboot auf Birkholm im Hafen

Zurück nach Ærø

Schweren Herzens verabschieden wir uns am nächsten Tag von Birkholm und setzen über nach Marstal. Es sind 6-7 Windstärken angesagt und wir müssen wieder einkaufen, die Vorräte gehen aus. Wir planen einen Strandtag und einen Sightseeing Tag. Der Bus auf Ærø ist kostenlos für alle – da sind die Dänen mal wieder weit voraus!

buntes Strandhaus in Marstal

sonnenuntergang in Marstal im Hafen

Æroskøping

Wir fahren nach Æroskøping, die Fahrt dauert ca. 30 Minuten und geht über die halbe Insel. So bekommt man auch einen tollen Eindruck von der Schönheit der Insel. Hyggelig!  Æroskøping gefällt uns auch direkt sehr gut, zurecht trägt die Stadt den Beinamen „Märchenstadt“.

Es gibt einen Fährhafen mit einer Verbindung nach Svendborg und einen großen Yachthafen. Æroskøping hat einen tollen großen Strand mit vielen malerischen bunten Strandhäuschen. Leider war durch den starken Wind die Luft kalt und die Strömung zu stark zum Baden. Nach einem schönen Ausflug nach Æroskøping fahren wir mit dem Bus wieder zurück nach Marstal, um uns auf die Überfahrt vorzubereiten.

bunte strandhäuser in aerosköping

Marstal Hafen um fünf Uhr

Geplant war es, nach Fehmarn zu fahren. Da die Windvorhersage Flaute ab mittags vorhergesagt hat, sind wir um 5 Uhr aufgestanden. Der frühe Vogel…

Grömitz und der Propeller

Es lief aber besser, als erwartet. Da für den nächsten Tag der Wind gegen an vorhergesagt war und wir sowieso hätten motoren müssen,  beschlossen wir bis nach Grömitz durchzufahren. Ob heute oder morgen unter Motor, war egal. So konnten wir in Grömitz noch einen Strandtag einlegen. Das war der Plan.

Als wir endlich in Grömitz ankamen und ich zurücksetzen wollte, um in die Box einzuparken – tat sich nichts, wir drifteten weiter geradeaus. Mit dem letzten Schwung ging es in eine viel zu kleine Box.

Wieder mal Fehlersuche… bis wir darauf kamen: kein Schub – kein Propeller???

Christoph sprang ins Wasser und er hatte beim Blick unter das Boot die Bestätigung unseres Verdachts. Also fing er an zu tauchen. Beobachter sprachen mich an, ich stand ja am Steg und versuchte mögliche Stellen zu finden. „Was sucht er denn?“ „Wir haben unseren Propeller verloren“ „Oh je, den findet er doch nie!“ „Oh ja, wenn wir den hier verloren haben, dann findet er ihn auch!“ Und wie vorhergesagt, am nächsten Morgen, als das Wasser im Hafenbecken noch klar war, hat Christoph den Propeller gefunden. Ich konnte in der Zwischenzeit einen Yachtausrüster finden, der uns die Hutmutter und den Sicherungsring besorgte. Somit konnten wir rechtzeitig wieder zurücksegeln – bei feinstem Wind und Wellengang!

verlorener Propeller im Sand

Anbringen eines Propellers unter Wasser

Und wie war es in der Dänischen Südsee?

Mein Fazit zur Dänischen Südsee: sehr hübsch – hygge! Allerdings war ich sehr froh, daß wir zur Vorsaison dort waren. Uns wurde erzählt, daß eine Woche später die dänischen Ferien sind und ab dann alles ganz anders aussieht: volle Häfen und viele Menschen. Teilweise waren am Anfang des Urlaubes die Cafés in Marstal noch geschlossen, bei unserem Besuch am Ende der Woche bereiteten sie sich schon auf die Öffnung vor, es wurde geräumt und geputzt.

Für uns war das der perfekte Urlaub in der Dänischen Südsee mit Ærø, Drejø und Birkholm. Wir werden die Dänische Südsee auf jeden Fall wieder besuchen. Schliesslich gibt es noch viele Inseln, die wir nicht besucht haben!

Abnehmen der dänischen Gastlandflagge

Wenn dir dieser Bericht gefallen hat und du mehr über Dänemark erfahren willst, schau dir doch unsere Berichte über unseren Törn nach Kopenhagen an:

Einmal Kopenhagen und zurück | Teil 1

und

Einmal Kopenhagen und zurück | Teil 2

Den Film zu unserem Törn kannst du dir natürlich bei YouTube anschauen! Hinterlasse uns einen Daumen hoch, wenn er dir gefällt und abonniere unseren Kanal, damit du keine Videos verpasst!

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Mange hilsener (Viele Grüße)

Marion

Motorschaden – der „neue“ Motor

Wie im vorherigen Beitrag zu lesen war, hatten wir einen kapitalen Motorschaden mit Feuer im Boot.

Da wir schon seit wir das Boot haben nicht glücklich mit dem Motor waren, hatte Christoph bereits auf der letzten Hanse Boot (sorry – Hamburg Boat Show heißt die ja jetzt) sich nach Alternativen umgeschaut. Am liebsten hätten wir einen E-Motor. Das lässt sich finanziell aber nicht realisieren – schließlich sparen wir auf die Langfahrt. Also kommt für uns generell nur ein gebrauchter als Austauschmotor in Frage.

Jetzt mussten wir uns entscheiden:

1. Gebrauchter Motor – viel Arbeit und man steckt nicht drin

2. Außenborder – suboptimal, da dieser konstruktionsbedingt zBsp bei Welle immer wieder rauskommt

3. Boot verkaufen – absolutes Verlustgeschäft

4. Boot über den Sommer stehen lassen und überlegen – bringt uns auch nicht weiter

Der Austauschmotor

Wir entscheiden uns für Option 1, es wird ein gebrauchter Yanmar 1GM10. Dieser ist ausreichend für unser Boot, passt von der Größe gut rein und Ersatzteile sind kein Problem.

Christoph beschließt, den Motor selbst einzubauen. Das Abenteuer beginnt im neuen Jahr.

Der Einbau

Den alten Motor hatte er schon im letzten Jahr vom Boot genommen, da dieser sowieso raus musste – egal wie wir uns entscheiden. Also konnten die Vorbereitungen beginnen. Es mussten neue Fundamente gebaut werden. Und Christoph als ursprünglich mal gelernter Tischler war da auch voll in seinem Element. Jedes Wochenende wurde im Boot verbracht, Bohlen wurden zugesägt, gehobelt und laminiert. Der Motorraum wurde soweit vorbereitet, gereinigt und gestrichen. Und dann war es soweit, „Keule“ wurde ins Boot gehoben.

Mittlerweile kam unser geplanter Wasserungstermin immer näher und die Liste wurde irgendwie nicht kürzer. Wir entschieden uns im April, das Anschließen an eine Firma abzugeben – April ist Hochsaison. Wir hatten jedoch Glück und fanden eine Firma, die uns gleich einen Monteur schicken konnte.

Es wurde immer enger mit dem Termin, bis zum Schluß hofften wir, es noch zu Ostern zu schaffen. Aber wir konnten unseren Termin nicht halten und mussten verschieben. Was bedeutete, wir mussten auch das Boot verschieben, wir standen ja schon auf der Slipbahn. Also Unterstützung organisiert und das Boot verschoben. So hatten wir sämtlichen Druck rausgenommen und konnten in Ruhe alles fertig machen. Und wieder mal wurde das Boot gründlich gereinigt – der Feuerlöscherstaub war immer noch überall.

Ins Wasser

Dann war es tatsächlich doch so weit: wir konnten ins Wasser. Endlich den Lohn der monatelangen Arbeit einkassieren…

Es ist der 1. Mai: wir fahren die Elbe entlang, vorbei am Entenwerder 1, die Elbbrücken, das Grinsen wird breiter, die Anspannung löst sich…bis ein lauter schriller Ton uns plötzlich zurückholt – Alarm!

Wir hatten gleichzeitig mit einem anderen Boot gewassert und fuhren mit denen zusammen, falls etwas wäre. Dass tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist – damit hat keiner gerechnet.

Wir hatten einen „Kühlwasseralarm“, dh heißt der Motor überhitzt. Also Maschine aus und Fragezeichen. Nach einer kurzen Wartezeit starten wir wieder und fahren weiter, zum Glück haben wir es nicht weit zum Citysporthafen in Hamburg. Dort angekommen ist die Enttäuschung genauso groß wie die Unsicherheit.

Nach Travemünde?

Die Fehlersuche startet. Und gleichzeitig die Suche nach Plan B – da wir am Wochenende überführen wollten. Christoph hatte sich freigenommen, damit wir genug Zeit haben. JaNeinJaNeinJaNein…lange Überlegungen. Donnerstag Abend hatten wir uns gegen eine Überführung entschieden. Freitag morgen dann die endgültige Entscheidung: wir fahren, aber langsam. Das könnte zwar heißen, das Boot liegt eine Woche in Lübeck, weil wir es nicht schaffen – aber ob es jetzt in Hamburg oder Lübeck liegt, ist auch egal. Also machen wir uns auf den Weg. Nach ein paar Versuchen hat sich unsere Reisgeschwindigkeit auf ca 3,8 Knoten eingependelt, nicht gerade schnell. Aber im letzten Herbst mit dem Außenborder waren wir auch nicht viel schneller, also nichts neues. Es ist jedoch ziemlich frustrierend, wenn man von Kajaks überholt wird…

Wir kommen noch am Sonntag in Travemünde an und sind glücklich, zumindest schon mal hier zu sein. Am folgenden Wochenende stellen wir den Mast und machen alles soweit fertig. Unsere Genua ist noch beim Segelmacher, wir brauchen dringend eine neue. Daher können wir sowieso noch nicht segeln.

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Und jetzt?

Christoph telefoniert und recherchiert die ganze Zeit wegen des Motors und es könnte am Propeller liegen. Noch ist das aber nicht geklärt.

Ich hoffe, wir können euch und uns da bald eine positive Rückmeldung geben. Auf Facebook oder Instagram bekommst du die Informationen zeitnah!

Ansonsten wünschen wir Dir und uns eine tolle Saison und natürlich immer HANDBREIT!

 

Saison/Ende – Eigner/Ende?

Es war sehr still um uns die letzten Monate. Auf Facebook oder Instagram konnte man erfahren, warum: wir haben ein größeres Problem mit Sleipnir. Aber lest und seht selbst:

27.08.2018 Ein Sonntag im August

Ein schöner Spätsommer-Sonntag im August. Wir machen uns gemütlich fertig, um eine Runde zu segeln. Raus aus der Box auf die Trave und die Genua gesetzt…doch noch bevor wir den Motor stoppen können, geht dieser aus.

Aha. Kurze Irritation bei uns. Ich starte den Motor, aber nichts passiert. Was ist jetzt los? Schnelle Entscheidung: wir müssen umdrehen. Aber wie sollen wir in die Box kommen? Das geht nicht unter Segeln. Also legen wir uns am Priwall an die Hafenmole und lassen uns von den Hafenmeistern mit deren Motorboot abschleppen.

Segelboot wird abgeschleppt

Jetzt ging erst einmal die Fehlersuche los… Dazu sei gesagt, es ist unser erstes Boot, unser erster Dieselmotor. Unser Stegnachbar gab uns den Kontakt zu einem Schrauber, der ein Faible für alte Motoren hat. Zum Glück hatte dieser direkt Zeit und „Mann“ machte sich zusammen direkt auf die Suche.

Es war zuerst augenscheinlich nur die Einspritzpumpe kaputt. Diese zu besorgen war nicht einfach, es ist ein sehr alter Motor und die Ersatzteile werden knapp. Zwar ein sehr robuster Motor, aber wenn dann mal etwas kaputt geht…

Christoph baute mit Manuel die neue Einspritzpumpe ein. Beim ersten Startversuch ging der Motor direkt auf Vollgas und es kamen Flammen aus dem Auspuff. Die einzige Möglichkeit war, den Motor mit dem Feuerlöscher zu stoppen. An diesem alten Motor gibt es keinen Notstopp. Der Schreck saß tief…und es gab viele Fragezeichen. Es stellte sich später heraus, der „Gasregulierer“ war gebrochen.

Segelboot Motorraum nach Feuerlöschereinsatz

Feuerlöscher-Pulver…ein Desaster. Jetzt ging es richtig los: Versicherung, Gutachter, … Es begann ein langes hin- und her: neuer Motor, alter Motor, neues Boot, kein Boot, usw.

Ja, wir stellten das ganze Boot in Frage, denn mal ganz ehrlich: den Motor austauschen? Für mich sowieso undenkbar und für Christoph auch neu. Wir sprachen und diskutierten lange und immer wieder und stellten beide fest: wir wollen weiter auf eigenem Bug segeln. (warum das so ist, kannst du hier nachlesen)

Letztendlich entschieden wir uns daher, den Motor auszutauschen. Okay, nächste Frage: neu oder gebraucht? Christoph hatte auf der Hanseboot (sorry, die heißt ja jetzt „Hamburg Boat Show“) das Angebot für einen gebrauchten Yanmar bekommen. Es gab einen 1GM10/9PS und einen 2GM20/17PS. Wir entschieden uns aus vernunftsgründen für den kleineren und führerscheinfreien 1GM10. Führerscheinfrei ist ein tolles Verkaufsargument – viele wollen ja leider keinen Führerschein machen. Außerdem passt der kleine Motor mehr oder weniger problemlos in unser Boot.

12.10.2018 Zurück nach Hamburg

Diese Entscheidung brachte mit sich, daß das Boot auf jeden Fall nach Hamburg muss. Also brauchten wir einen Außenborder, um die alte Dame über den Elbe Lübeck Kanal zu schippern. Glücklicherweise konnten wir uns einen ausleihen und diesen ohne den Heckspiegel zu durchlöchern, anbringen. Okay, Christoph brachte diesen an…

Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir Sleipi in 3 Tagesetappen nach Hamburg. Die Planung sah etwas anders aus, aber hey, was heißt schon Planung? Das Anbringen des Außenborders dauerte länger als erwartet, am Ende legten wir noch mit Jan zusammen (danke dafür!!!) den Mast am Liegeplatz. Daher kamen wir doch erst am späten Nachmittag los und schafften wir es nur bis zur Marina am Stau, nicht mal die Hälfte des Weges nach Lübeck. Wir waren dazu noch sehr langsam: der Motor hing zu schräg am Boot, wodurch es nicht genug Schub gab.

In der Marina am Stau versuchte Christoph unter der Steglaterne und mit Stirnlampe den Motor besser einzustellen.

Sonnenaufgang Marina am Stau Lübeck

Wir standen sehr früh morgens auf – und wurden dafür mit einen unglaublichen Sonnenaufgang belohnt. Plan war, bis Geesthacht durchzukommen. Wir waren jetzt auch schneller, die Nachjustierung hatte sich gelohnt. Allerdings reichte es nicht, wir tuckerten mit ca 4kn über den Kanal. Wir beschlossen dann doch, lieber in der Freizeitwelt Güster mit allem Komfort eine Nacht einzuplanen. Das ist angenehmer als irgendwo vor einer Schleuse zu nächtigen.

Der Hafenmeister sagte uns am Telefon, es wäre kein Problem, ein paar Plätze gibt es noch. Völlig untertrieben, es waren fast alle Plätze leer. Der Abstecher hat sich gelohnt, es gab lecker Bratkartoffeln und eine schöne Umgebung. Da es auf Saisonende zuging, war die Freizeitwelt sehr beschaulich und ruhig. Im Sommer sieht das sicherlich ganz anders aus.

Freizeitwelt Güster am Elbe-Lübeck-Kanal

Am nächsten Tag fuhren wir bis Geesthacht. Weiter konnten wir leider wegen der Tide nicht mehr, zeitlich hätten wir das auf jeden Fall nach Hamburg geschafft. So ist das Segeln auf der Elbe: immer abhängig von der Tide (deswegen bin ich auch lieber auf der Ostsee. Anm. d. Red.). Da ich am darauf folgenden Tag nicht mehr mit an Bord war, übte Christoph an der letzten Schleuse das „Einhandschleusen“. Echt schwer für mich, nicht mal eben einzugreifen – wie man im Video auch gut erkennt… Es klappte gut, alles war fein.

Wir legten Sleipi beim Geesthachter Segelverein an und fuhren mit dem Bus nach Hamburg, um den Sonntagabend zuhause zu verbringen. Wir hatten keinen Landstrom vor Ort und da wir mit Außenborder fuhren, konnten wir die Batterien nicht laden. Morgens fuhr ich Christoph nach Geesthacht und überließ ihn schweren Herzens seinem Schicksal.

Segelboot im Geesthachter Segelverein

In der Schleuse von Geesthacht hatte er direkt viel Spaß: der Schleusenwärter konnte ihn wegen des Sonnen-Gegenlichts nicht sehen – und schloß die Schleuse in dem Moment, als er unter dem Tor war. Es ist ihm zum Glück nichts passiert, und so kam er in den Genuß, das Einhand-Schleusen exzessiv zu üben. DAS kann er jetzt!

03.11.2018 Winterlager

Ausslippen. Wieder bei schönem Wetter die Elbe entlang. Wirklich immer wieder schön und ein Erlebnis! Es klappte alles trotz schwachem Außenborder reibungslos und wir waren erleichtert, daß das Boot jetzt in der Halle war. Allerdings hatten wir auch eine ordentliche Pockenzucht am Unterwasserschiff. So sieht es wohl aus, wenn ein Boot mehr als 2 Monate nicht bewegt wird.

Sleipnir im Winterlager

Seepocken am Unterwasserschiff

Jetzt beginnt der unschöne Teil des Segelns: die Winterarbeit! Dieses Mal mit einer ganz großen Herausforderung: Motortausch! Wir wollten ja ein altes Boot, um zu lernen und zu üben. Dass sich das Boot jetzt so proaktiv einbringt und uns die Lektionen vorgibt, war so nicht geplant…

Hier das Video dazu:

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Wie es mit dem Motor, dem Boot und uns weitergeht, erfahrt ihr bald! Wer nicht auf den nächsten Artikel warten will: folge uns doch auf Facebook oder Instagram!

Nutshell Tours pesents:

Kopenhagen – weiter oder nicht?

Tag 9-11

Endlich in der Marina Margareteholms Havn angekommen, suchen wir als erstes das Hafenbüro – in der Hoffnung, es ist jemand da. Natürlich nicht am Samstag nachmittag. Wir reden mit zwei Vereinsmitgliedern und erzählen unser Dilemma. „You hit a rock? Oh“ betroffene Gesichter… nachdem wir aber erklärt haben, daß alles ok ist, der Kiel hängt noch und wir haben auch kein Wasser im Boot, sind alle wieder entspannt. Montag morgen ist der Hafenmeister wieder da und dann hilft er sicher gleich.

Zurück am Boot sind wir erledigt, irgendwie hat das doch geschlaucht. Eigentlich wären wir am liebsten im Boot geblieben, dann kam aber doch der Gedanke durch: jetzt sind wir extra nach Kopenhagen gefahren und nun wollen wir nicht raus? Schnick Schnack – ab in die Stadt! Von dem Liegeplatz kommt man entweder mit dem Bus oder mit dem Havnebus weg. Der Havnebus ist eine Fähre und natürlich haben wir uns für die Fähre entschieden. Schon auf dem Weg zur Fähre sind wir völlig überwältigt von dem Flair und der Atmosphäre dieser Stadt. Und dabei sind wir nicht mal in der Innenstadt, sondern in einem von Industrie geprägten Stadtteil, Refshaleøen.

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Mit der Fähre in die Innenstadt, begleitet von vielen Motorbooten unterschiedlicher Art und Größe. Wir steigen aus und befinden uns mitten in Nyhavn, der Touri-Rutsche. Kopenhagens Flair in voller Breitseite. Wir genießen und schlendern, drehen dann aber doch ab in die Seitenstraßen. Bei einem kleinen Italiener und lecker Pasta lassen wir die letzten Tage Revue passieren. Viel passiert und alles gut gegangen!

Sonntag entschieden wir uns gegen das klassische Sightseeing Programm, als wir die Touristenmassen zwischen der Meerjungfrau und dem Kastellet sahen. Wir fuhren mit der Fähre weiter bis zur Det Kongelige Bibliotek und liefen los. Vorbei am Zeughaus und dem Christiansborg Königspalast. Nachmittags wollten wir noch tanzen gehen. Wer uns nicht kennt, wir haben neben dem Segeln eine zweite Leidenschaft: Lindy Hop. Und Sonntag nachmittag sollte ein Social Dance sein. Kopenhagen gefiel mir von Moment zu Moment besser. Wir hatten noch dazu perfektes Wetter: Sonne pur!

Montag morgen, Zeit für Sleipnir. Beide sind wir ziemlich angespannt, es werden nicht viele Worte gewechselt. Also Taschen mit dem Nötigsten gepackt – man weiß ja nicht, wie es ausgeht. Wir tuckern zum Yachtkran, lösen das Achterstag und legen uns in Warteposition. Und warten. Dann endlich können wir ran. Langsam hebt sich Sleipi – und unser Blutdruck. Der Hafenmitarbeiter sagte uns vorher schon, er ist Bootsbauer und kann sich das anschauen. Puh, genau das, was wir erhofft hatten von dem Liegeplatz!

Schauen, suchen, checken. Dann die finale Aussage: „no damage. You have a solid boat!“ Der Stein, der mir vom Herzen gefallen ist, war definitiv um ein mehrfaches größer, als der, den wir getroffen hatten. Also wieder zurück auf den Liegeplatz und alles wieder in Normalzustand bringen. Achterstag anbringen, Taschen auspacken, Kaffee trinken. Tief durchatmen!

Endlich können wir entspannt mit unserem Urlaub weitermachen, die letzten Tage waren gedanklich doch sehr von einem möglichen Schaden am Boot in Beschlag genommen. Also setzten wir uns hin und machten einen Plan für den weiteren Törn. Eigentlich wollten wir nach Kopenhagen natürlich auch Malmö besuchen. Ist ja nur ein Katzensprung, 15 Seemeilen. Aber das musste jetzt leider ausfallen, wir wollten doch lieber langsam Richtung Süden fahren und zur Ruhe kommen. Und bei genauer Betrachtung des Weges war es Zeit. Abends sind wir noch zum Reffen, ein Streetfood Markt in Refshaleøen, um die Ecke von der Marina. Uns war die letzten Tage schon aufgefallen, daß dort immer viele Menschen und Musik war. Wir dachten, man trifft sich dort nur so zum Sundowner. Toller Ort, tolle Atmosphäre und lecker (!!!) Essen. Ein perfekter Abschluss für Kopenhagen und das Stein-Drama!

Der Wind, der Wind…

Tag 12-14

Dienstag morgen geht es los nach Rødvig. Auf dieser Strecke gab es keinen anderen Hafen, welcher für uns Sinn gemacht hätte. Also wurde Rødvig der einzige dänische Hafen, den wir auf dieser Reise zweimal besucht haben. In Rødvig angekommen, ein erneuter Windcheck: nun ja. Eher zu viel als zu wenig. Der Plan war, außen um Falster herum und den Sprung von Gedser oder Nystedt. Also erst mal die Genua gegen die Fock getauscht. Abends gab es Pizza, morgens sind wir früh los Richtung Klintholm auf Møn.  Als wir auf Höhe der Klippen von Møn waren, wurden wir in unserer Nussschale wieder ganz schön durchgeschaukelt. Der Wind blies um die Ecke, die Wellen türmten sich auf 1 Meter und wir waren froh über die Fock.

In Klintholm angekommen legten wir längs an und machten 10 Kreuze. „Ihr seht aus, als wärt ihr um die Klippen gekommen“ der Kommentar des Seglers, der neben uns lag. Im Hafen um uns herum nur „große“ Yachten, 9,50 aufwärts. Und jetzt? Morgen bei den gleichen Verhältnissen mehr als 30sm nach Hesnæs? Der Windcheck gab uns einen Start von eher später als früh am Tag, für nachmittag war wieder Starkwind angesagt. Als wir aufgestanden waren, blies der Wind schon ziemlich kräftig. Die meisten großen Yachten waren schon unterwegs. Bleiben und morgen los oder durchkämpfen durch Wind und Welle? Mein Bedarf war eigentlich gedeckt – und der Blick aus der Hafenmole war nicht besonders einladend. „Fahrt doch durch den Grønsund!“ unser Nachbar. Recht hatte er! Ab an die Karte und die mögliche Törnplanung gecheckt: perfekt! Und dabei ist auch noch Fejø drin, dort wollten wir doch so gerne hin. Er selbst mit seinem 9,5 m Boot bleibt lieber im Hafen – zu viel Wind für ihn…

Wir mussten leider doch noch ein paar Meilen um Møn, um zum Grønsund zu gelangen. Also Augen zu und durch… interessant war für mich, daß ich deutlich entspannter war, obwohl die Wellen definitiv die höchsten unserer Reise waren. Leider wurde unsere Besteckschublade ein Opfer der Wellen! Mit voller Wucht flog sie durch den Salon und die vordere Abdeckung brach. Aber zum Glück bastelt Christoph gerne und er konnte das im Hafen wieder reparieren.

Der Sund und damit das Smålandsfahrwasser war definitiv die richtige Entscheidung, es war deutlich ruhiger. Aber es war auch Konfrontationstherapie…Untiefen und flaches Wasser: das gibt es dort zu genüge. In Stubbekøbing brav dem betonnten Fahrwasser gefolgt, wunderten wir uns über das Hafenbecken, in welchem nur Fischerboote lagen. Nebenan waren die Yachten zu sehen- aber wie dort hinkommen? Ein freundlicher Däne auf dem Fahrrad gab uns die Anweisung, außen an der Hafenmauer entlang zu fahren. Keine Betonnung? Einfach so quer? Oha. Nachdem er uns versichert hatte, es ist tief genug, tuckerten wir los. Er wies uns auch gleich einen Liegeplatz an und gab uns Informationen zu der Marina. Immer nett, die Dänen!

Die letzte Insel

Tag 15-16

Fejø, der Weg dahin war lang. Wir hatten den Wind gegen an, weshalb wir viel motoren mussten. Aber: keine Welle, wenig Schiffe. Ruhe! Tolle Gegend, das Smålandsfahrwasser: kleine Häfen, kleine Ortschaften, Inseln und nicht so viel los. Fejø war wie erwartet: klein. Jeder grüßt, jeder kennt sich. Im Hafen liegen fast nur Dänen, eine weitere deutsche Flagge war zu sehen und später kam doch noch ein drittes dazu. Die Sonne scheint, wir spazieren zum einzigen „Kaufmannsladen“ der Insel. Dort gibt es alles, was man braucht. Und was es nicht gibt, braucht man nicht. Eine dänische Bilderbuchinsel und wir sind froh, hier zu sein!

Von Fejø geht es auf unsere letzte Station vor dem Sprung: Bagenkop auf Langeland. Einer der Häfen auf dem Weg von Deutschland nach Dänemark. Wir starteten früh, da für nachmittags Starkwind und schlechtes Wetter angesagt war. Das war auch gut so, wie sich herausstellte, denn später gewitterte es kurz vor Bagenkop.

Auf dem Weg nach Bagenkop hatten wir für einen langen Moment eine schöne Begleitung: Schweinswale!Wir schätzen, es waren drei und die hatten viel Spaß mit uns: sie sind immer am Boot entlang und herum geschwommen. Ein toller Abschluß für Dänemark!!!

Die Ankunft in Bagenkop war von Fejø kommend wie ein Kulturschock für uns: groß, ordentlich angelegt, viele Yachten, viel los.

Auch wenn wir immer und immer wieder neu checkten: das Wetterfenster für den Sprung nach Deutschland war knapp, wieder Starkwind für nachmittag. Wir haben nur 27 Fuß und eine entsprechende Reisegeschwindigkeit. Ein kurzes Gespräch mit andren Seglern aus Deutschland unterstütze uns in unserer Entscheidung: möglichst früh los, um dem Starkwind gegen 14.00 vorweg zu fahren.

…und Hopp?

Tag 17-19

Wecker um 05.00 Uhr. MÄH…aber nützt ja nix. Um 06.00 Uhr machten wir los. Die erste Stunde unter Motor, konnten wir dann doch Segel setzen. Die Fahrt war unspektakulär, schöner Wind, keine Welle und später sogar noch Sonne. Gegen 12 erreichten wir den Fehmarnsund und überlegten noch mal, wie weiter. Auch für Montag und Dienstag war der Wind nicht so gut angesagt: falsche Richtung und Dienstag 5-6bft. Ich muss am Mittwoch in Hamburg sein, Christoph hat noch frei. Also überlegen wir als Plan B auf Fehmarn zu bleiben, ich fahre mit dem Zug nach Hamburg und Christoph bringt das Boot alleine nach Travemünde. Sollte das Wetter tatsächlich nicht passen.

Wir gehen ohne Wecker schlafen, wie es weitergeht entscheiden wir nach dem aufwachen. Als wir aufwachen sieht das Wetter ganz gut aus, die Sonne scheint. Aber die Windvorhersage ist gegen uns. Außerdem soll nachmittags wieder ein Schwerwetterfeld durchgehen. Die nächsten Tage ist die Vorhersage auch nicht berauschend, so daß Christoph sich für weiterfahren entscheidet. Also Frühstück und Richtung auf Richtung Grömitz. Wir hoffen ja noch, Segel setzen zu können, es sollte von der Vorhersage zumindest bis zur Landspitze gehen. Nix war es. Wir sind keine Höhe gelaufen, das hätte uns zuviel Zeit gekostet. Es war ja noch Starkwind angesagt. Also Segel bergen und Motor an. Das war richtig anstrengend, anstrengender als segeln… Einige Segler, welche in die gleiche Richtung wollten, gaben auch auf, bergten die Segel und motorten. Am nächsten Morgen machten wir uns auf zur letzten Etappe: Travemünde. Wir rechneten diesmal direkt mit motoren. Als wir aus dem Hafen waren, überraschte uns aber das Wetter mehr als positiv: wir setzten Segel und flogen die letzten Meilen über die Wellen zurück „nach Hause“.

Hier unsere Finale Reiseroute:

Karte Rückfahrt von Kopenhagen

 

Gibt es ein Fazit? Oh ja, viele Erkenntnisse:

  1. Die Dehler Optima ist ein wirklich solides Boot. Zuverlässig und verzeiht Fehler! Das Raumangebot ist toll, wir hatten keine Beklemmungsgefühle!
  2. 27 Fuß sind 27 Fuß – auf offener See gleicht das Segelverhalten eher einer Nußschale! Wind und Welle setzen Grenzen, 5bft müssen nicht unbedingt sein und 1 Meter Welle ist bei dieser Länge ziemlich ungemütlich.
  3. Konfrontationstherapie hilft: Wellen und Untiefen nehmen ihren Schrecken.
  4. Auch Christoph hat seine Grenzen beim Segeln ;)
  5. Die sprichwörtliche dänische Gelassenheit gibt es wirklich! Sehr sympathisch!

Dänemark ist eine Segelreise wert!

Wollt ihr mehr Informationen über die dänischen Häfen? Gerne machen wir darüber einen Artikel, wenn wir entsprechende Rückmeldung bekommen!

Nutshell Tours presents:

Dänemark? Dänemark!

Christoph: „Ich kann 4 Wochen Urlaub haben. Wollen wir eine lange Reise machen?“

Ich: „Okay, wenn es mein Job erlaubt, dann machen wir das!“

Christoph: „Ich will nach Dänemark.“

Ich: „Oh ja – nach Kopenhagen mit dem eigenen Boot segeln!“

Gut, der Plan stand irgendwie. Da ich die Wochen vor dem Urlaub viel zu tun hatte, konnte ich mich nicht weiter mit Planung befassen. Ich musste in der ersten geplanten Woche noch zwei Jobs einschieben, daher starteten wir auch erst etwas später als gedacht. Christoph war schon vorgefahren um das Boot soweit vorzubereiten und alles einzuräumen. Donnerstag fuhr ich dann mit noch mehr Gepäck und voller unbekannter Erwartungen nach Travemünde. Das war meine erste lange Reise per Boot, mit dem eigenen Boot. Bis dahin war die längste Tour eine Woche mit einer 46ft Yacht um Mallorca, Komfortzone pur. Ansonsten waren es immer nur lange Wochenende – diese aber mit vielen Meilen und großer Crew. Und auch letztes Jahr konnten wir keinen langen durchgängigen Urlaub zusammen machen. Damals konnte Christoph in seinem Urlaub seine ersten Einhand-Erfahrungen mit Sleipnir machen. Mehr dazu hier: Einhandsegeln

Zurück zu mir: ich war also eher unerfahren und daher hatte ich auch viel Respekt vor der Tour. Sleipnir ist ein gutes Boot – trotzdem nur 27 Fuß groß. Genug Raum für 2 Personen, auf jeden Fall. Dennoch verhalten sich 27 Fuß bei Wind und Welle anders als 46 Fuß. 

Außerdem haben wir nur eine absolute Basic- Ausstattung: Plotter, Handfunke und Seafarer Tiefenmesser. Wer den nicht kennt, so sieht das aus:

Kein Radar, kein AIS.

 

Der holprige Start

Tag 1-4

Es geht los: wir wollen über Kühlungsborn nach Dänemark, Nystedt soll es werden. Leider wurde es erst mal nur Grömitz: Wind und Welle wollten es so. Und mein Kopf und Magen war damit auch vollkommen einverstanden. Für den nächsten Tag hatten wir dann eigentlich Kühlungsborn geplant, doch wieder schlug mein Kopf und mein Magen eine kürzere Route vor und wir strandeten in Boltenhagen. Weiße Wiek in Boltenhagen ist nicht unser Lieblingshafen. Nicht daß er ungepflegt oder ungastlich wäre, im Gegenteil: eine sehr gepflegte und auch mit allem ausgestattete Marina, tolle Sanitäre Anlagen und ein nettes Bistro. Wir mögen aber gewachsene Strukturen und Ortsnähe sehr gerne. Das ist in Boltenhagen nicht gegeben.

Ab nach Kühlungsborn und auf den Sprung nach Dänemark vorbereiten. Ich gestehe ja, ich habe da sehr viel Respekt vor, ist es doch etwas anderes als an der Küste entlang zu juckeln. Früh aufgestanden und… Nebel. Alles dicht, man sieht keine 2 Seemeilen mehr. Gut, zweites Frühstück mit Windfinder, Wetter noch mal checken. Es ändert nichts. Wir setzen uns einen Zeitpunkt, wann wir spätestens los müßten. Warten…aus dem Fenster schauen… Irgendwann legt neben uns eine größere Yacht an. Natürlich haben wir sie gleich befragt, sie kamen aus Boltenhagen. Die Aussage war recht klar (für mich zumindest): man sieht nicht viel und ohne entsprechende Ausstattung nicht zu empfehlen. Gut, dann ein wenig Arbeiten am Blog und Christoph konnte endlich den Artikel über den Elbe-Lübeck Kanal fertig machen. „Sofa und Video“ quasi…

Der Sprung nach Dänemark

Tag 4-5

Das Wetter hat mich schon ziemlich fertig gemacht: erst ist es zu viel Wind und darauf hin viel Welle. Dann der Nebel. Das senkt meine Bedenken nicht unbedingt und ich bin ziemlich angespannt. Am Montag ist es dann soweit, wir fahren los. Nystedt oder Gedser ist das Ziel. Zwar ist es noch etwas neblig, aber die Sicht ist gut genug. Ich hatte keinen Kaffee um meinen Magen vor Unwohlsein zu schützen. Leider bin ich dann auch nicht wach… Das Wetter klart auf, die Sonne scheint und wir laufen gut. Und immer besser, und immer mehr. Mehr Wind, mehr Welle von achtern. Teilweise zeigt der Plotter mehr als 8 Knoten Geschwindigkeit auf der Welle.

Später zeigten die realen Meßwerte bei Windfinder eine mittlere bis hohe 5. Hat sich auch so angefühlt! Kurz vor dem Ziel entscheiden wir, in den Guldborgsund nach Nykøbing zu fahren, um in der Nacht und am nächsten Tag Ruhe zu bekommen. Noch dazu war die Wettervorhersage ähnlich hoch und wir wollten wenigstens in der Nähe einer Stadt eingeweht sein. Die Einfahrt zum Sund ist extrem kabbelig und wir entscheiden, das Groß zu bergen. Für mich war das alles zum Ende hin sehr grenzwertig: Sleipi fühlte sich eher wie eine Nussschale als wie ein Boot an…

Wohin denn jetzt?

Tag 5-7

In Nykøbing angekommen, sahen wir dort eine große deutsche Yacht liegen. Je näher wir kamen, um so bekannter kam sie uns vor: es war die Moody 44, welche uns den Tag über den Elbe-Lübeck Kanal begleitet hatte! Ebenso waren noch zwei deutsche Einhand-Segler mit ihren Booten da. Wir kamen natürlich ins Gespräch und es kam die Frage auf, warum wir nicht um Sjæland segeln.

Wir haben doch viel Zeit. Und schwupps war der Floh im Ohr. Wir fanden die Idee gut. Jetzt aber gingen wir erst mal einkaufen, eine dänische Simkarte, damit wir mobil sind (60gb für 99kr und eine Karte für 49kr! Für den Preis bekommt man in Deustchland gerade mal 3gb…), und natürlich Softeis essen. Und der erste dänische Sonnenuntergang, traumhaft! Ach ja, dunkel wurde es erst gegen 23.00 Uhr, deutlich später als in Hamburg!

Am nächsten Morgen ging es los mit gesetzter Genua in Richtung Westen durch das schmale Fahrwasser des Guldborgsund. Es wurde immer enger und wir holten die Genua ein und motorten. Je weiter wir kamen, um so größer wurden bei mir die Bedenken: mit der Nussschale um Sjæland? Das war weit, wir hatten keine Karte von dem Gebiet und irgendwie und überhaupt. Irgendwann äußerte ich meine Bedenken. Nach langen Diskussionen entschieden wir, doch die Ostroute durch den Sund nach Kopenhagen zu nehmen. Christoph wollte unbedingt auf eine kleine Insel. Femø oder Fejø?

Wir hatten keinen Wind und ich hatte Zeit, mich über Femø und Fejø schlau zu machen. Natürlich gab es die Seiten im Internet nur auf schlecht übersetztem Deutsch, wodurch für Fejø „lecker Strickwolle“ und Flöhe rauskam. Das wollten wir sehen. Dann wurde es aber irgendwie doch Femø, was aber auch gut war. Eine kleine dänische Insel, im Hafen liegt die Fähre nach Kragenæs auf Lolland. Es gibt einen kleinen Laden und daher für uns Brot und Salat. Übernachten auf Femø und dann Kurs nach Vordingborg war der Plan. Auf dem Weg mussten wir feststellen, daß die geplante Route nicht schiffbar war, da die Masnedsundbroen gesperrt ist. Also um Masnedø herum. Wieder durch sehr enge Fahrwasser gelangen wir nach Vordingborg. Malerischer Ort, netter Hafen. Wir steuern eine Box an, ich wollte die Heckleine über den Dalben bringen – es geht nicht weiter. Blick zu Christoph: ?. Wir hängen im Sand. Okay, Rückwärtsgang und ab zur nächsten Box. Das gleiche Spiel: es geht nicht weiter. Blick zu Christoph, Blick zurück: es geht nichts! Plötzlich ein Ruf von nebenan: „Hey, your rope!“

So, da stecken wir nun, mitten im Hafen im Schlick mit der Leine um den Propeller. Christoph packt seinen Neo aus und den Schnorchel, er kann in aller Ruhe den Propeller befreien, wir stecken ja fest. Ab jetzt müssen wir mit einer kürzeren Heckleine leben, aber Schwund ist ja immer. Dann kommen wir auch aus dem Sand wieder frei und suchen uns eine Box bei den großen Booten – da ist genug Tiefe! Zeit für Pommes!

Vordingborg ist ein nettes kleines Städtchen, für dänische Verhältnisse schon fast groß. Es ist ein sehr idyllischer und ruhiger Hafen mit ein paar Restaurants, ein sehr nettes Café und stadtnah gelegen. Das Hafengeld wird an einem Automaten bezahlt, das kannte ich noch nicht. Ist uns bei unserer Reise dann noch öfters begegnet. Super Sache, Toilettencode und Wlancode auf der Quittung aufgedruckt! Wir hatten uns am Vormittag Ruhe und Kultur verordnet, außerdem wollten wir noch zur Bank. Was uns direkt aufgefallen ist: es gibt mehr Optiker als andere Ladengeschäfte aller Art zusammen. Merkwürdig.

My heart goes „boom“

Tag 7-10

Nachmittags machen wir uns auf den Weg, es soll über den Storstrøm und Ulvsund nach Stege auf Møn gehen. Durch die Sperrung des Masnedsund wurden die Fahrwasser im Færgestrøm angepasst und verändert, neue Fahrwasser wurden angelegt. Aber es ist alles sehr eng und knapp, teilweise nur 2m Wassertiefe und außerhalb direkt flach. Wir fahren unter Motor, sind ganz entspannt, als es plötzlich einen Schlag gibt und Sleipi hüpft. Ich bekomme direkt Schnappatmung und Christoph wird blass. Sofort stoppen und Anker werfen. Atmen. Was war das? Da war ein Stein im Weg. Christoph steigt direkt wieder in seinen Neo, schnappt sich den Schnorchel, die GoPro und los gehts. Nach ein paar Minuten die Entwarnung: scheint nichts Schlimmes zu sein, nichts zu sehen außer Schrammen. Ein Blick in die Bilge: trocken, die Bolzen sehen auch gut aus. Wir fahren langsam weiter. Ein Blick auf die Karte: der Ulvstrøm ist gestrichen, dort sind die Fahrwasser noch enger. Planänderung: wir fahren außen um Møn herum, Hårbølle wird angesteuert. Die Ansteuerung geht jetzt über sichere Wege, das heißt wir fahren zurück und die großen Fahrwasser entlang.

Die Stimmung ist angespannt, auf Grund laufen gehört zu meinen „worst case“- Szenarien! Christoph telefoniert mit der Versicherung. Der Agent ist ziemlich entspannt, dennoch weist er uns an, das Boot zu kranen und auf Beschädigungen zu checken. So wie es aussieht, wird das erst in Kopenhagen sein. In Hårbølle angekommen erst mal durchatmen und Plan machen. Kopenhagen ist in zwei längeren Schlägen zu erreichen. Also früh schlafen und aufstehen.

Am nächsten Tag um Møn, die weißen Klippen bestaunen und ab nach Rødvig, das war der Plan. Lief am Anfang auch super, gegen Nachmittag schlief dann der Wind langsam ein. Nach 11 Stunden segeln warfen wir doch den Motor an und fuhren die letzten Meter in den Hafen. Rødvig sollte laut einem Hafenführer auch einen Kran haben. Jedoch stellte sich heraus, es ist nur ein Mastkran. Also Pizza und Sofa!

Noch ein Schlag, dann sind wir in Kopenhagen. Auf dem Weg mache ich mich schlau, wo wir denn eine Marina mit Kran finden und habe drei zur Auswahl: Dragør, Margretheholms Havn und Svanemøllehavnen. Da wir nicht wußten, wie das mit Sleipnir ausgeht, entschieden wir uns für den zentralen Margretheholms Havn. Dieser wird betrieben von einem Segelverein, S/C Lynetten. Wir erhofften uns dänisches Bootswissen und Unterstützung bei der Beurteilung des Unterwasserschiffes durch den Verein. Außerdem: sollte das Boot tatsächlich beschädigt sein, kommen wir wenigstens gut von hier ins Zentrum oder sogar zum Zug – worst case…

Die Einfahrt in den Øresund ist beeindruckend. Riesige gemauerte Ansteuerungstonnen, es gibt dort ein Verkehrstrennungsgebiet, das wie ein Kreisverkehr funktioniert. Frachter und Fähren wie an eine Perlenkette aufgereiht und mitten im Sund Windräder.

Die vielen Boote, Schiffe und Häuser sind ganz ungewohnt nach den kleinen dänischen Örtchen. Wir nehmen Kurs auf Margretheholms Havn und sind froh, als wir angekommen sind.

 

Hier die bisherige Reiseroute:

Karte Hinfahrt nach Kopenhagen

 

Mehr über Kopenhagen, den Kiel und wie es weitergeht – das nächste Mal!

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Und wenn du direkt informiert werden willst, sobald die Fortsetzung online ist, melde dich bei unserer Flaschenpost an…

Mit dem Segelboot von Hamburg durch den Elbe-Lübeck-Kanal

Im Herbst waren wir mit stehendem Mast durch den Nord-Ostsee-Kanal und die Elbe hinauf nach Hamburg gefahren, was wir dabei erlebten findest du in dem Artikel „Der Tag auf dem NOK“ oder hier. Heute versuchen wir die andere Route über den Elbe-Lübeck-Kanal, mit liegendem Mast.

Segelyacht Sleipnir am Abend in Hamburg

Endlich werfen wir die Leinen los. Strahlender Sonnenschein, warme Luft, kurze Hosen und T-Shirt. Und das, obwohl wir erst den 20. April haben und vor zwei Wochen noch Schnee in Hamburg lag. Da überlegten wir noch, das Wassern um zwei Wochen zu schieben, so viel Arbeit hatten wir im Winterlager noch zu Erterledigen.

Doch jetzt stehen wir auf dem Boot und es geht tatsächlich los! Wir können es kaum glauben. Der Winter ist vorüber, das Boot ist im Wasser, heute starten wir am Hamburg City Sportboot Hafen mit Ziel Lauenburg. Und morgen weiter nach Lübeck über die Elbe und den Elbe-Lübeck-Kanal. Schon die ganze Woche haben wir das Boot vorbereitet, gepackt, eingeräumt, noch dies und das gebastelt.

Erste Etappe: Hamburg – Tespe (Elbe)

Die Elbe hinauf

Hamburg von der Elbe aus gesehenDen City-Sportboothafen in Hamburg verlassen wir an einem sonnig-warmen Freitag Nachmittag um drei, 30 Minuten bevor die Flut einsetzt. Die soll uns die Elbe hinaufschieben, bis Geesthacht zur Schleuse. Ab der Schleuse wird es keine Gezeiten mehr geben.

Vorerst tuckern wir durch Hamburg, seine östlichen Vororte, unter der Autobahn hindurch und verlassen die Stadt. Erstaunlich lange fahren wir noch gegen das ablaufende Wasser. Dennoch kommen wir gut voran, immer um die 4,5 Knoten, das ist in Ordnung.

Der Motor läuft nun ruhiger

Der 47 Jahre alte Faryman Diesel läuft mit den neu eingestellten Ventilen und dem frischen Impeller ruhig und wie mir scheint auch etwas leichter, glatter und er qualmt weniger. Ein Segelkamerad gab mir den entscheidenden Tipp. Einen, den ich erst nicht glauben konnte. Die Motorraumentlüftung wurde irgendwann vor unserem Kauf neu gemacht. Und diese saugt sehr viel Luft ab. Wenn diese zuviel Luft absaugt und nicht genug Luft nachgesogen werden kann, entsteht ein leichter Unterdruck im Motorraum. Durch diesen geringen Unterdruck kann der Motor nicht die notwendige Luftmenge ansaugen. Offensichtlich reicht hier bereits ein kleiner Unterdruck. Die simple Lösung: Die Luftnachströmöffnungen aus dem Innenraum habe ich etwas vergrößert. Der Motor qualmt seitdem weniger, ist schneller und wir haben einen ruhigeren Motorlauf.

Die Elbe teilt sich

Nach etwa 6 Meilen kippt die Tide endlich, leider ist der Einfluss der auflaufenden Flut viel geringer als erhofft. Hier oben und auf der Norderelbe merken wir nur einen halben Knoten, na immerhin.

Wenige Meilen später erreichen wir die Bunthäuser Spitze bei Bullenhausen, wo sich die Elbe in die Norder- und die Süderelbe auftrennt. Ab hier war früher alles ein Inselmeer, bis zum Zusammenfluss im Hamburger Hafen. Heute säumen hohe Deiche die Ufer. Schafe, Bauernhäuser, Bäume, Wiesen… Land eben. Ab hier ist die Flut stärker zu spüren, wir fahren 5,5 Knoten.

Langsam geht es die Elbe hinauf. Wir quälen den Motor an einem anderen Segelboot vorbei, dann an einem großen Schubverband, Meter um Meter schieben wir uns an dem Frachter vorbei.

Die Schleuse Geesthacht

Schleuse der Elbe bei Geesthacht am Abend

Gegen 6, die Sonne steht schon niedrig, erreichen wir die Schleuse Geesthacht. Ein Luftbild, was die Größe der Schleuse Geesthacht gut zeigt gibt es hier. Seltsamer weise fand ich im Internet wenig offizielles – für Segler interessantes – über die Schleuse und das Befahren. Auf der Seite des Motor Yacht Club Geesthacht fand ich die besten und kompaktesten Informationen zum Befahren der Schleuse Geesthacht mit dem Sportboot. Das ist im Übrigen auch der Link zu dem Hafen direkt oberhalb der Schleuse im Schleusenkanal.

Als die große Schleuse von Geesthacht in Sicht kommt, stutzt Marion, überlegt, blickt mich irritiert an. „Eine Schleuse? Du weißt doch, dass ich alleine nicht schleusen will!“ Ich bin erstaunt. Dass die Flut hier endet wusste sie, offensichtlich aber nicht, dass hier eine Schleuse ist. Noch dazu eine große… Ich war wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass sie das wusste. Ratlosigkeit, ich drossele den Motor, wir beratschlagen. Umdrehen und morgen mit unseren Freunden erneut aufbrechen? Dann erreichen wir die Ostsee nicht am Wochenende. Schließlich beschließen wir, es mit der Schleuse zu zweit zu versuchen.

Lange kreisen wir mit zwei anderen Booten vor der Schleuse. Normalerweise soll man sich telefonisch anmelden, wir verzichten darauf, da die anderen Segler ja auch schon warten. Bis zu zwei Stunden soll das teilweise dauern, erzählt ein anderer Segler. Nach ca. 30 Minuten erreicht uns ein Frachter und nochmal einige Minuten später ein weiterer: der Schubverband, an dem wir uns vorhin mühsam vorbei gekämpft haben. Na toll!

Zwei grüne Lichter, eine Lautsprecherdurchsage. Wir fahren ein, werden aber vom Schleusenmeister auf die andere Seite und weiter nach vorne verwiesen. Super, das heißt in Eile Fender umhängen, in der Schleuse, und das unter Stress… Klasse. Doch alles geht reibungslos, ruckzuck sind wir vertäut, leider keine eingelassenen Poller sondern nur Sprossen. Und dann: wieder warten. Es dauert lange, bis sich die 220 Meter lange Schleuse mit Wasser füllt und unmerklich die ca. 1,5 Meter bei diesem Wasserstand überwindet. Das Hubtor öffnet sich, die Frachter fahren mit wenig Schraubenstrom aus. Wir fahren aus. Im Schleusenkanal verlassen uns die beiden anderen Segler und steuern, es ist halb Acht und wird bald dunkel – den Hafen des MYCL an.

Von Geesthacht nach Tespe

Wir beschließen, noch die 5 Seemeilen bis Tespe zu fahren. Dort soll es einen kleinen sympathischen Anleger eines Vereins geben, Gastlieger willkommen, na mal sehen. Wird schon passen. Vorher fahren wir weiter die Elbe hinauf, gegen den Strom in einem unglaublich schönen und farbenfrohen Sonnenuntergang. Es wird kalt. Eine Jolle kreuzt über die Elbe, die einzige Begegnung bis zum Hafen Tespe.

Zwischenstopp Tespe

Endlich erkennen wir die Hafeneinfahrt zum Hafen des Motorboot Verein Tespe durch das Fernglas. Die Einfahrt ist nur 1,5 Meter tief, gut betonnt, allerdings unbeleuchtet. Im letzten Licht, es ist 21 Uhr, verlassen wir die Elbe und tuckern durch die Hafeneinfahrt. Alles geht glatt, keine Grundberührung, die Zufahrt weitet sich zu einer Art Bucht. Ziemlich groß, größer als erwartet und sehr ruhig. Sicherlich auch schön um zu ankern. Einige Boote, vor allem Motorboote, aber auch einige erstaunlich große Segler. Größer jedenfalls, als ich sie hier erwartet hätte.

Hafeneinfahrt bei Tespe am Morgen

Kaum haben wir die Nähe des Stegs erreicht stehen dort schon „Einheimische“ und nehmen unsere Leinen an. Ein Hafenmeister ist nicht da, nur eine Holzkiste, auf der „Hafenmeister“ drauf steht. Die Einheimischen aber kennen sich aus und erklären uns alles. Sofort haben wir Landstrom und den Kloschlüssel aus der Kiste. Sehr freundlich und hilfsbereit die Leute hier. Wir laufen müde über den Deich zu den überraschend gut gepflegten und sauberen Sanitäranlagen. Von wegen ruhig, Mopeds knattern über den Deich, passen aber irgendwie hierher und erinnern mich an meine Jugend auf dem Land. Totmüde fallen wir in die Koje. Dank der Schleuse war es eine erstaunlich abwechslungsreiche Fahrt.

Um fünf erwachen wir wieder und torkeln erneut zum Sanitärhäuschen. Als wir zurück sind, sind wach und beschließen abzulegen. Bald wird die Sonne aufgehen. Wir rollen einen 10 Euroschein zusammen und stecken diesen, durch den Schlüsselring am Kloschlüssel gesteckt, zusammen mit dem Kloschlüssel wieder in die Kiste. Das ist der Preis für unsere Schiffsgröße mit Strom und Duschen. So einfach kann das sein! Leinen los, auf nach Lauenburg.

Zweite Etappe: Von Tespe nach Lübeck

Wir tuckern durch die Hafeneinfahrt in die Elbe hinaus und verlassen Tespe und die freundlichen Menschen dort. Ich koche erst mal Kaffee. Die Sonne geht hinter den Hügeln auf. Ein Frachter, einige Angler sonst viel Landschaft und Ruhe. Friedlich so früh am Morgen. Die Pinne in der einen, den Espresso in der anderen Hand geht es die Strömung gegen an Richtung Lauenburg. Eine sehr malerische Altstadt immer wieder im Fernsehen, vor allem

Lauenburg elbabwärts gesehen

wegen der Elbhochwasser, die die Alstadt überfluten. Dort kommen wir um 9 Uhr morgens an, Marion hat zwischendrin nochmal in der Koje gedöst, ich die Ruhe des Morgens und die Landschaft an der Pinne genossen.

Doch nun erreichen wir den Yachthafen Lauenburg an der Einfahrt zum Elbe-Lübeck-Kanal. Wir machen kurz fest und vertreten uns die Beine, auch hier sind die Sanitäranlagen sauber und groß. Einige Minuten später kommen unsere Freunde an, die uns durch 61,5 km langen Elbe-Lübeck-Kanal und die insgesamt neun Schleusen nach Travemünde begleiten werden.

Der Elbe – Lübeck – Kanal (ELK)

Vom WSA Lauenburg gibt es das Merkblatt zum Befahren des ELK mit knappen aber hilfreichen Informationen auf deren Webseite oder hier.

Weitere gute und kompakte Informationen zum Befahren des Elbe Lübeck Kanals findest Du auf der Seite „ostsee-marinas.de“ oder ober diesen Link.

Sleipnir in Schleuse am ELK

Und weil so oft gefragt wird, hier vorweg die Antwort auf die Frage: „Was kostet eigentlich der Elbe-Lübeck-Kanal?“ oder „welche Gebühren fallen für den Elbe-Lübeck-Kanal an?“. Ganz einfach: Keine Gebühren für das Befahren oder Schleusen auf dem ELK. Es ist kostenlos.Die Kosten werden öffentlich finanziert.

Sobald unsere Freunde an Bord sind werfen wir los. Schon 50 Meter weiter, vor der ersten Schleuse, müssen wir zusammen mit einem anderen Segler warten. Nach 15 Minuten erreicht uns ein Frachter, der vor uns in die Schleuse einläuft. Der andere Segler sagt lakonisch: „Den werden wir vor uns haben – bis Lübeck.“ Ich staune, klingt aber logisch. Höchstgeschwindigkeit ist für alle mit 10 km/h gleich, der Frachter ist unser Schleusenöffner. Na gut, dann eben gemütlich hinterher.

Egal, die Sonne scheint, wir haben Freunde an Bord, ein ruhiger und entspannter Tag bei mäßiger Fahrt mit vielen Schleusen liegt vor uns. Erst geht es so alle halbe Stunde durch eine Schleuse bergan, drei oder vier, dann geht es 30 Meilen ohne Schleusen durch schöne Landschaft, und dann wieder alle Stunde eine Schleuse bergab. Die 30 Meilen ohne Schleusen sind nicht langweilig, dank der schönen Landschaft und dem langsamen Tempo. Schon netter, den

Elbe Lübeck Kanal im Frühjahr

Motor bei seiner eigenen Marschfahrt von ca. 4 bis 4,5 Knoten zu bewegen hinter dem Frachter, als 13 Stunden Vollgas auf dem NOK. Außerdem sorgen die vielen Schleusen für Abwechslung. Nun, wie viele Schleusen sind den auf dem Elbe-Lübeck-Kanal zu überwinden? Danke für Eure Rückmeldungen. Wir hatten nicht mitgezählt, daher der Fehler auch im Video. Also: Es sind genau 7 Schleusen.

Und wenn Du noch nicht so häufig geschleust bist, ist der ELK das ideale Übungsgebiet für Dich.

Wir sind etwas erstaunt, wie wenige Sportboote wir treffen. Klar in unseren eigenen Richtung nur der zweite Segler der mit uns fährt und der Frachter. Auf der Gegenrichtung treffen wir zwischen Lauenburg und Lübeck genau zwei Boote, beides Motorboote. Gut, unser Konzept Sommerliegeplatz Travemünde, Winterliegeplatz Hamburg ist vielleicht auch nicht sehr gängig.

Zwischenstopp Lübeck

ELK bei Lübeck am Abend

Dann wird es dämmerig, die Türme von Lübeck tauchen hinter einer Biege auf. Wir fahren im letzten Licht westlich um die Stadt am ehemaligen Stadtwall dem „Stadtgraben“ entlang, zickzack um die Stadt herum. Wir unterqueren eine Brücke und da liegen nun die alten Segelschiffe, Hafenanlagen, Frachter und die Ziegelfassaden der hübschen Häuser am Hafen.

Ein letztes Mal fahren wir um eine Kurve und erreichen um 21 Uhr den Yachthafen am Mediadock auf der Trave, direkt gegenüber vom ehemaligen Feuerschiff Fehmarnbelt und der bisherigen Marina.

Yachthafen im Lübecker Zentrum

Der Yachthafen am Media Dock in Lübeck ist neu gebaut, Fingerstege und große Yachten. Teilweise wirken die Yachten wie „zusammengecastet“. Hauptsache groß, repräsentativ und auffällig.

Natürlich sind wir das kleinste und älteste Boot. Und auch noch zu viert auf dem kleinen Ding …

Eine Homepage zur Marina gibt es als ich den Beitrag schreibe noch nicht, die Links verweisen noch auf die alte Marina. Selbst die Internetseite zum Restaurant, dem Hauptstandbein des Betreibers,  ist eher Platzhalter oder Werbetext als Info.

Trave in Lübeck am AbendWir machen uns auf die Suche nach dem Hafenmeister, ein Papierzettel auf der Innenseite der Glastüre an dem modernen Restaurant „The Newport“ behauptet schließlich, dass hier der Hafenmeister zu finden wäre. Ich öffne die Türe und stapfe in meinen Seglerklamotten mitten in eine superschicke geschlossene Gesellschaft an weißen Tischdecken im Abendkleid und Anzug. Der Betreiber des Ganzen fängt uns ab. Doch ja, hier ist der Hafenmeister, ja die Kasse ist gerade nicht da, ob wir morgen früh nochmal kommen wollen. Schnell werden wir hinauskomplimentiert, durch den Vordereingang, um nicht noch einmal durch die Gesellschaft zu spazieren. Wir sind amüsiert über diesen Zwischenfall aber auch etwas beschämt und enttäuscht.

Ein schwimmendes Sanitärgebäude, sehr modern, sauber und geräumig. Wir vermissen den etwas altmodischen Seglercharme alter Häfen und alter Anlagen und… genug Kleiderhaken in den Duschkabinen. Auf dem Dach ein Tisch und Bänke mit Blick auf die Altstadt von Lübeck– für die Segler? Finde ich ungewöhnlich, sehr gut!

Später sitzen wir noch in der Plicht zusammen, lachen, blödeln und trinken ein „Einlaufbier“. Eklige Sache, auch vom Namen her. Ein großer Segelausstatter aus Hamburg hatte uns einen 6-Träger mitgegeben. Der heisst wirklich so. Und schmeckt auch so….

Dann geht es endlich ins Kojen. Es reicht für heute. Gestern mittag noch Hamburg City, heute Abend Lübeck, wir sind glücklich und begeistert, dass der Motor so gut mitmacht und wir es bis hierher geschafft haben.

Die malerische Altstadt, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist, verkneifen wir uns heute.

Letzte Etappe: Lübeck – Travemünde (Ostsee) auf der Trave

Stadthafen Lübeck am Abend mit Leuchtschiff

Um sieben sind wir wieder auf den Beinen, gehen brav ins Restaurant und zahlen unsere Hafengebühr. 26,50 Euro, zu viert, mit Strom und Duschen, im Zentrum von Lübeck, das ist zwar nicht günstig, aber okay. Wir treffen wieder auf den Betreiber des Restaurants, der sich nochmals entschuldigt, dass er gestern nicht kassieren konnte und uns hinausschicken musste.  Ich finde man sollte wissen, auf was man sich einlässt, wenn man vor hat, zum trendigen Restaurant gleichzeitig den Yachthafen zu betreiben. Aus meiner Sicht als aktiver Segler keine stimmige Kombination. Für das „Gesehen-werden“ und das Repräsentieren wohl eher das Richtige. Er sagt, er habe ein Hafenrestaurant und er möchte gerne Segler an der Bar sitzen haben. Bemüht um uns ist er auf jeden Fall.

Für uns wünschen wir uns für das nächste Mal eine informative Internetseite zur Marina und das Gefühl, dass auch aktive Segler mit kleinen Booten willkommen sind. Der letztere Wunsch ist vielleicht übertrieben, denn hier kommen vielleicht gar nicht so viele Segler durch….

Natürlich ist das nicht die einzige Möglichkeit mit dem Boot bei Lübeck zu übernachten. Kurz vor und kurz nach Lübeck gibt es verschiedene Vereine mit Gastliegeplätzen, zum Beispiel die Häfen auf der Teerhofinsel flussabwärts von Lübeck Richtung Travemünde. Informationen zu den Liegeplätzen auf der Teerhofinsel findest Du bei „Mein Ostseehafen“ oder hier.

Von Lübeck nach Travemünde

Denn dritten Tag, den Sonntag, lassen wir langsam angehen. Erst gegen 10:30 Uhr verlassen wir Lübeck um nach Travemünde zu tuckern. Erst noch einige Hafenanlagen, alle 3 Meter ein Angler, dann haben wir schon schnell die Stadt hinter uns gelassen. Wir lassen die Teerhofinsel mit den vielen Yachthäfen links liegen. Nach der Herreninsel dann erscheint die Trave eher wie eine Förde und weitet sich. Kein Wunder das sich hier einige Yachthäfen befinden, ein schönes Segelrevier.

An schönen grünen Ufern mit Stränden vorbei erreichen wir erst den Dassower See und dann die Pötenitzer Wiek, erstaunlich schön, das alles. Kaum 5 Seemeilen von unserem Liegeplatz in Travemünde, kannten wir das noch nicht, denn es zieht uns immer auf die Ostsee.

Endlich Travemünde

Und schon kommt der Fischereihafen in Travemünde in Sicht. 13 Uhr und wir sind am Ziel.

Und weil es so schnell und gut ging, beschließen wir noch schnell den Mast zu stellen. Am Passathafen ist ein Kran, und obwohl heute ein gesamter Segelverein den Mast stellen will, haben wir wohl Glück, wir rutschen am Mastkran so dazwischen.

Das Rigg ist schnell klariert und obwohl wir das das erste Mal mit unseren Freunden „fast alleine“ machen, geht es erstaunlich reibungslos. Beim ersten Mal haben wir zwar die Salinge angebracht, aber die Wanten nicht durch die Salinge gefädelt, keiner ist perfekt. Auch haben wir das Achterstag zusammen mit dem Rigg an den Mast gebunden, das ist unglücklich, denn das brauchen wir ja gleich mit als erstes. Und weil wir den Stropp verkehrt herum um die Salinge eingefädelt haben hängt der Mast beim Kranen nach vorne, statt nach hinten. Nur mit viel Geduld und Kraft bekommen wir den Mast deswegen gestellt. Resultat: die nagelneue Windex ist verbogen und unbrauchbar.

Dass nächste Mal beim Mast stellen: Stropp richtig anschlagen, Hauptwanten durch die Salinge fädeln, und Vor- und Achterstag separat halten. Und: Windex nicht zerstören ;-). Über die kaputte Windex sind wir sehr unglücklich, da müssen wir uns dann eben was Schlaues einfallen lassen.

Fazit zum ELK

Abwechslungsreich und entspannend, wenig Verkehr, schöne Landschaft und kurzweilig. Die 7 Schleusen waren halb so wild. Ist ja nur Fender hängen, längsseits anlegen, festmachen und rechtzeitig fieren oder dichtholen und Umhängen der Festmacher. Nix dabei. Nun ist auch Schleusen kein Abenteuer mehr.

Die Zwischenstopps in Tespe und Lübeck waren schön und die Marinas angenehm. Und erzählen gibt es außer dem etwas. Wir sind glücklich, die Tour – noch dazu mit guten Freunden – war ein voller Erfolg und der Mast steht! Ich denke, diese Tour werden wir häufiger machen.

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Manchmal werden wir gefragt:

Warum habt Ihr eine Segelyacht?

Für jeden ist etwas anderes wichtig, keiner legt bei dieser Frage die selben Maßstäbe an. Der eine schaut aufs Geld, dem anderen ist Unabhängigkeit am wichtigsten, der Dritte bewertet vielleicht den Status besonders hoch. Oder auch: nach Liebhaberei oder dem „ideellen Wert“?

Der Kern der Frage lautet also eher „Was ist uns daran wichtig? Warum ist es das Geld wert?“

Wenn uns klar ist, was wir wollen, sind die anderen Punkte notwendige Folgen und haben ihre Konsequenzen. Also zum Beispiel: ihren Preis.

Also warum haben wir ein Boot?

Segeln und damit das Segelboot ist für uns das gemeinsame Hobby schlechthin. Es ist Kurzurlaub, Zufluchtsort, das schwimmende Ferienhaus, Urlaub und Entspannung. Man könnte sagen: Wir sind verrückt nach segeln, wir haben den Segelvirus…

Unser Boot bietet uns viele glückliche Stunden mit Wind, Welle, Sturm aber eben auch Stille, lesen, dösen, baden, basteln, lachen und diskutieren, draußen sein und das Wetter hautnah spüren, am Boot oder dem Motor schrauben, Sonnenuntergänge, Regen im Gesicht, Strandspaziergänge, kochen, Abende und übernachten an Bord.

Und nicht zu vergessen: die vielen schönen Momente am Steg und in der Halle.

Außerdem ist es ein spannendes gemeinsames Projekt. Es bringt viele interessante und lehrreiche Kontakte, neue Freunde und Bekanntschaften im Verein. Ausserdem ist es ein großer Wissensgewinn, Abwechslung und Beschäftigung.

Was waren also unsere Kriterien?

Wir wollten und wollen immer noch:

  • viel Zeit darauf verbringen,
  • am und auf dem Wasser sein,
  • viel Segeln,
  • viel erleben,
  • viel über das Boot und das Segeln wissen und
  • davon so viel wie möglich!
  • Ach ja: Marion hatte dann die Idee mit dem Blog, was ihr und mir nun auch (neben viel Arbeit) viel Freude macht
  • und ich entdeckte, dass ein altes Boot viel Handwerksarbeit erfordert, was mir einen echten Ausgleich bedeutet.

Diese beiden letzten Dinge sind für uns eine wertvolle Erweiterung und Ergänzung des Themas.

Und möglichst viel am Boot selbst machen zu können ist nicht nur sehr befriedigend sondern für uns auch ein zwingend notwendiges Wissen, weil wir in ein paar Jahren auf Langfahrt gehen wollen.

Was kam denn oben nicht vor:

  • es darf nichts kosten,
  • wir wollen zwar segeln aber keine Arbeit mit dem Boot,
  • es muss einfach und unkompliziert sein,
  • ich will an vielen verschiedenen – auch entfernteren – Orten segeln,
  • ich will nur hin und wieder segeln (dann darf es auch einen Euro mehr kosten),
  • ich will ein topmodernes Boot

Die letzten fünf Punkte sprechen für mich deutlich für das Chartern.

Lohnt es sich also?

Ich glaube: für wen klar ist „ich will so viel Zeit auf dem Wasser wie möglich verbringen“ und „natürlich macht das Arbeit“, der kommt an einem eigenen Boot nicht vorbei.

Deswegen ist für uns die einfache Antwort: Ja, weil es nicht ohne eigenes Boot geht!

Wir haben dieses Jahr viel Zeit auf dem Boot verbracht und können immer hin, wenn wir das wollen. Und so ganz nebenbei: Wenn die Antwort „lieber chartern“ wäre, gäbe es ja das Boot und diesen Blog nicht, oder?

Aber die Kosten?

Im vorletzten Beitrag „Die Unterhaltskosten unserer Segelyacht in 2017“ ging es um’s Geld. Da findest Du übersichtlich alle angefallenen Kosten zu unserer Dehler Optima 830.

Natürlich hat ein Boot seinen Preis, und der ist hoch. Segeln ist eine der teuersten Freizeitbeschäftigungen die ich kenne. Schach oder Joggen wäre billiger. Kommt aber nicht in Frage. Dafür sparen wir lieber an anderer Stelle in unserem Leben. Wir haben nur einen und dazu einen kleinen Wagen, wir machen keine teuren Urlaubsreisen und wir wohnen auch nicht in unserer Traumwohnung….

Charterfans würden vielleicht sagen, das Boot ist zu alt, zu teuer und es macht zu viel Arbeit. Dafür kann ich ja chartern und habe keine Arbeit damit. Ja, nicht falsch, deren Kriterien sind aber auch sicherlich nicht unsere.

Da ist sie wieder, die Frage: Was ist uns wichtig? Auf was sind wir bereit hierfür zu verzichten? Vielleicht könnte man auch sagen: Segeln bringt Dich näher an den Sinn Deines Lebens?! Na, zumindest können wir hierdurch eher benennen, was uns besonders wichtig ist.

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Wir wollen aber auch nicht verschweigen, dass eine alte Segelyacht viel, viel Arbeit und auch Sorgen macht – aber wir wollten es ja so!?!

Ich hoffe ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen, ob sich das alles lohnt. Wenn ja, freut mich das sehr!

Bist Du mit etwas nicht einverstanden, fehlt etwas? Wie immer:

Schreib uns gerne einen Kommentar, wir freuen uns drauf!

Wenn es Dir gefällt – schreib Dich in den Verteiler ein!

Wir träumen vom Sommer

Schnee im Hamburg!

Es ist Ende Februar und es schneit. Schnee und Frost lassen Hamburg seit Tagen langsamer ticken. Wir träumen vom Sommer, vom Segeln, ja zumindest vom Arbeiten am Boot.

Es ist die wohl schlimmste Jahreszeit für Segler. Du bist auf Frühling eingestellt, die Arbeiten am Boot rufen und dann das: Kälte, Schnee und Frost.

Es ist Zeit, dich und uns ein wenig in den Sommer zu entführen. Auf diesem Video siehst du, was auf der Trave an unserem Liegeplatz so alles an einem schönen Nachmittag am Wochenende los ist. Der Blick von unserem Liegeplatz geht direkt auf die Viermastbark Passat (1911) und die Mündung der Trave in die Lübecker Bucht. Auf dem Video erkennt man, dass der Viermaster ganz schön schwoit. Mit bloßem Auge ist das nicht zu sehen. Der majestätische Segler ist übrigens das Schwesterschiff der Pamir, die 1957 in einem Hurrikan kenterte und sank.

Warum Travemünde?

Warum eigentlich Travemünde, wenn wir aus Hamburg kommen und der Hamburg Hafen so bekannt ist? Weshalb segeln wir nicht wie viele Hamburger auf der Elbe?

Wie unsere Entscheidung letztes Jahr für Travemünde gefallen ist und welche die Vor- und Nachteile der einzelnen Liegeplätze waren, erzählen wir Dir in einem der nächsten Artikel.

Kurz gefasst: Travemünde bietet mehr Erholung und viel mehr Möglichkeiten ist aber auch die teurere Wahl. Doch jetzt erstmal zurück zum Liegeplatz.

Nachmittag auf der Trave

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Es ist nachmittag, die MS Hanse, unser üblicher Nachbar, ist noch nicht aus Lübeck zurück. Statt dessen liegt dort ein kleiner Ausflugsdampfer aus Lübeck, der auf die Rückkehr seiner Tagesgäste wartet. Die meisten Segler kommen von der Ostsee rein. Manche befahren die Trave unter Segeln, andere mit Motor. Wer genau hinsieht entdeckt die Schwanenfamilie und den Paddler… Und ein Motorboot auf Zickzackkurs Richtung Ostsee. Ein paar Boote machen sich auch noch auf in die Bucht für einen abendlichen Schlag und kreuzen gegen den Wind.

Ich könnte dem Treiben stundenlang zusehen. Egal ob morgens beim Frühstück, aus der Plicht am Nachmittag (falls wir ausnahmsweise mal im Hafen bleiben) oder abends beim Spaziergang von der Promenade.

Die Abendstimmung auf der Trave kennst du vielleicht noch aus einem anderen Blogartikel von uns aus dem August. Damals aber die andere Blickrichtung die Trave hoch, hier zu finden.

Travemünde Leuchtenfeld – Stadtseite, nicht der beliebteste Platz im Hafen

Wir lagen 2017 auf der Stadtseite. Eigentlich nicht der beliebteste Platz im Hafen. Für diesen Platz haben wir uns wieder beworben. Warum eigentlich?

Vieles spricht gegen diesen Platz. Es ist viel Bewegung auf dem Wasser. Bei jeder Fähre gibt es viel Schwell. Die Fähren nach Skandinavien und ins Baltikum ziehen nur 20 Meter von uns entfernt vorbei. Schwimmende Hochhäuser aus Stahl. Die Schiffsschrauben sind unter Deck sehr laut. Der Schwell schüttelt das Boot durch. Teils ist festhalten angesagt.

Es ist der Teil der Marina mit den Gastliegern. Neben unseren gewohnten und geliebten Nachbarn am Steg sind fast jedes Wochenende ein oder zwei andere Boote über Nacht oder für mehrere Tage hier. Das bringt neben dem „Zuhause“-Gefühl auch immer neue Gespräche und unterschiedliche Nachbarn. Die meisten sind sehr hilfsbereit und gesprächig. Wenige auch rücksichtslos oder wenig hilfsbereit. Einer sah mir interessiert vom Steg aus tatenlos zu, wie ich alleine mit den Leinen beim Anlegen auf dem Vorschiff kämpfte und dringend Hilfe brauchte. Zum Glück sind das nur Ausnahmen, aber auch irgendwie das Salz in der Suppe ;-)

Auch auf der Promenade ist immer etwas los, viele Menschen sind unterwegs. Lärmen, Gelächter und Massen an Touristen. Zusammen mit dem Flappen der Schiffsschrauben, dem zischenden Geräusch des verdrängten Wassers, dem Schwell und natürlich den kreischenden Möwen auf den Dalben ist das unser Urlaubselexier.

Trotzdem: Zum Schlafen brauche ich Ohropax. Ein ruhiger Liegeplatz ist etwas anderes.

Also warum wollen wir wieder dort hin?

Eigentlich aus genau diesen Gründen: es ist viel los auf dem Wasser und an Land, es gibt immer etwas zu sehen! Von der Dinette aus sehen wir die Frachter schon beim Frühstück. Ich freue mich immer wenn die „Nils Holgerson“ – eine der großen Fähren – vorbeizieht. Außer dem Hafenleben ist der Platz bequem und alles ist nah. Vor allem das Leben auf der Promenade und die Läden. Lust auf ein Eis? Keine Lust zu kochen? Zahnpasta vergessen? Kuchen zum Kaffee? Alles das ist direkt vor Ort.

Ich, bzw wir, lieben das Leben auf dem Wasser. Wenn wir in Travemünde ankommen, sind wir direkt im Liveaboard-Modus, unser Liegeplatz ist unsere Zweitwohnung. Ruhe finden wir auf dem Wasser. Das Land brauchen wir fast nur zum Einkaufen. Wir lieben die Flexibilität, die wir zum Beispiel im Passat Hafen gegenüber nicht hätten. Dort ist es zwar erheblich ruhiger, aber du hast nicht das quirlige Leben um dich herum. Wenn wir uns am Nachmittag unter die Touristen auf der Promenade mischen, befällt mich sofort eine ganz spezielle, aufgekratzt-entspannte Urlaubsstimmung.

Ach ja, und das Restaurant Il Gabbiano die Promenade weiter runter, nahe am Priwall-Fähranleger macht die besten Pizzen in Travemünde. Sehr lecker!

Außerdem hatten wir tolle Stegnachbarn. Und von mindestens einem wissen wir, dass er wieder da sein wird. Nicht mehr sehr gut zu Fuß aber segeln und Sprüche klopfen kann er wie ein echter Seebär. Und eine Stimme wie ein Nebelhorn. Auf Ihn und die Gemeinschaft am Steg freuen wir uns jetzt schon!

Jetzt erst mal: Sommer ab! Also wenn die -13 Grad morgen durch sind…

Wichtige Tipps und Erfahrungsbericht mit Video

Einhandsegeln – das ist kein Geheimnis!

In unserem letzten Sommerurlaub musste Marion überraschend einige Tage arbeiten gehen. Ich war also alleine an Bord und hatte die Wahl zwischen im Hafen bleiben oder alleine raus zu gehen. Die Wahl war klar – alleine raus. Einhandsegeln! Aber was gilt es zu beachten? Die Internetrecherche ergab erstaunlich wenige Informationen. Ob Einhandsegler wortkarge Menschen sind? Natürlich las ich das wenige, was ich fand und beschloss es einfach auszuprobieren. Nachdem ich vorher schon verschiedentlich alleine auf einer Jolle auf der Alster in Hamburg gesegelt war, dachte ich mir, so schwer könne das nicht sein. Ist es auch nicht, aber es gilt einiges zu beachten, und das möchte ich gern mit dir teilen.

Was ist Einhandsegeln überhaupt?

Einhandsegeln bedeutet, ein Segelboot oder einer Segelyacht ganz alleine zu segeln. Abgeleitet vom englischen „hand“ für Besatzungsmitglied (vgl.: „all hands on deck“, „single handed“)

Wer sollte Einhandsegeln können?

Du kannst immer in eine Situation geraten, in der dein Partner oder Dein Team an Bord ausfällt. Seekrankheit, Unfall, MOB. Deshalb bin ich der Meinung: Jeder sollte Einhand segeln können.

Welche Voraussetzungen brauche ich?

Du solltest dir in jeder Situation und bei jedem Manöver auf dem Segelboot sicher  sein. Außerdem solltest du dich bereit zum Einhandsegeln fühlen.

Das heißt, Du beherrscht die gängigen Manöver sicher. Du bist bereits alle Kurse gesegelt und hast Erfahrung mit verschiedenen Winden, Windstärken und Wetterverhältnissen. Mehr noch, das Boot ist dir vertraut, du kennst alle Fallen, Taue und Beschläge und kannst das Boot alleine segelfertig machen. Du bist dem Setzen und Bergen der Segel und dem Vertäuen und Klarieren nach dem Segeln vertraut.

Soll heißen, du bist ein sicherer Segler, eine sichere Seglerin! Bist du? Na fein, dann übertragen wir das Ganze nun auf das Einhand segeln.

Wie lerne ich Einhand segeln?

Also, sicher segeln kannst Du schon, bist aber noch nie alleine gesegelt? Macht nichts!

Folgende Schritte schlage ich vor:

  1. Segele mit einem Partner gemeinsam, aber Du machst alle Manöver alleine.
  2. falls Du danach nicht sicher bist: Segele Einhand und bitte ein zweites Boot mit Freunden, Dich zu begleiten. Das sollte in Deiner Nähe bleiben und zur Not zur Stelle sein. Das wirst Du nicht brauchen, die moralische Unterstützung könnte aber wichtig sein.
  3. Alternative: Nur mit dem Großsegel segeln, wie auf dem Laser
  4. Du fühlst Dich sicher: Dann bist Du bereit und kannst Deinen ersten Ausflug Einhand planen.

Welche der Schritte du machst oder benötigst hängt ganz von deiner Einschätzung ab.  Ich bin nach der Segelschule mit einem Partner Einhand gesegelt, wie unter 1. Das war eher spielerisch, weil mein „Fockaffe“ keine Lust hatte. Ob ich mir da den Einhandsegel-Virus geholt habe?

Segle zuerst mit einem Partner Einhand

Am einfachsten beginnst du also auf einem vertrauten Boot, an dem gewohnten Ort (wegen dem An- und Ablegen) mit Deinem  Segelpartner und suchst dir einen Tag mit wenig Wind und gutem Wetter. Ihr startet ganz normal – mit einem Unterschied. Dein Partner ist heute nur Zuschauer und soll dir nur – und nur dann – helfen, wenn Du ihn darum bittest. Das sprecht ihr vorher am besten so ab. 

Warum? Du sollst heute alles alleine machen, er oder sie soll dir nicht dazwischen greifen, egal was – Boot am Steg abdrücken, Segel setzen, Fock bedienen, Segel klarieren und so weiter – heute du alleine. Ganz alleine! Dein Partner, Deine Segelpartnerin ist an Bord, das gibt Dir Sicherheit. Und du wirst sehen: du wirst Ihn oder Sie nicht brauchen! Und wenn Du zurück bist: auch das Groß wird alleine aufgetucht und die Fock zusammengelegt. Du wirst staunen: das bringt Dir viele neue Erkenntnisse und viel Sicherheit im Segeln!

Wenn das gut war kannst Du an das Einhand segeln denken. Ich selbst stand eines morgens bei wenig Wind am Steg und wusste  – jetzt ist es soweit.

Welches Boot brauche ich zum Einhand segeln?

Benötige ich ein spezielles Boot?

Nein, ein spezielles Boot ist nicht nötig – wenn Du auf einer Jolle segelst. Ich empfehle Dir für den Start allerdings eine gutmütige, leicht zu segelnde Jolle, keine Gleitjolle oder einen Racer. Nichts kippeliges oder zickiges! Gilt natürlich genauso für die Yacht. Bei einer Yacht gibt es noch etwas mehr zu beachten, hier bietet sich eine bestimmte Ausrüstung schon an. Diese haben normalerweise die modernen Yachten bereits an Bord. Dazu mehr weiter unten.

Ich gehe bei meinen Erklärungen von einem „Ersten Schlag“ alleine, also in Sicht- bzw. Rufweite zum Ufer aus. Diesen Schlag willst Du zum Üben machen.

In jedem Fall empfehle ich Dir – von klein nach groß – heißt: Starte Einhand auf der Jolle. Diese ist leicht und direkt zu steuern und einfach von Hand oder mit dem Stechpaddel zu bewegen.

Ausstattung

 Jolle, Ausstattung zum Einhandsegeln

Der Vorteil an der Jolle ist, dass diese einfach aber sinnvoll ausgestattet ist und du alles gut alleine bedienen kannst. Du benötigst keine zusätzliche Ausstattung, sofern du von der Plicht aus beide Segel bergen und alles bedienen kannst. Normalerweise ist das der Fall, nur mit Ausnahme der Fock. Zu Not wirfst Du die Fock einfach los und lässt diese auswehen.

Klar: Stechpaddel und Rettungsweste sowie Ösfass gehören an Bord bzw. „an den Mann“ – eine Selbstverständlichkeit.

Yacht, Ausstattung zum Einhandsegeln

Bei der Yacht gilt im Prinzip das Selbe. Die Yacht sollte für den Beginn nicht zu groß sein. Ich empfehle eine Größe für den ersten Schlag alleine von nicht mehr als 27 oder 28 Fuss. Bei dieser Größe ist alles gut erreichbar und bei Bedarf kannst Du das Boot noch vom Pfahl oder dem Anleger abdrücken, wenn es nicht gerade ein „Stahldampfer“ ist.

Außerdem ist im Idealfall alles von der Plicht aus bedienbar (Anker mal ausgenommen), bedeutet, folgendes ist vorhanden und Du mit der Bedienung vollkommen (!) vertraut:

  • Motor – hilft beim Ablegen und Anlegen, Manövern, Flaute oder (hoffentlich nicht notwendig) bei Notfällen
  • Rollfock, Rollgenua – erlaubt das Setzen, Bergen und Reffen von der Plicht aus
  • Bergesystem am Großsegel (Lazy Jacks, Lazy Bag, Rollgroß) – erlaubt die Bedienung von der Plicht aus
  • Einleinen-Reffsstem am Groß – von der Plicht bedienbar.
  • Umgelenkte Fallen und alle Trimmeinrichtungen vom Cockpit aus erreichbar
  • Großschot sitzend vom Ruder aus bedienbar (ja, es gibt auch Ausnahmen, z.B. auf dem Kajütdach)
  • Pinnenpilot oder Autopilot – unverzichtbare Hilfe beim Segel setzen und -bergen, Seekrankheit, Müdigkeit und natürlich beim Toilettengang.
  • Strecktaue – um Dich spätestens außerhalb des Cockpits oder bei stärkerem Wind oder Welle einpicken zu können. Persönlich empfehle ich Dir, Dich wenn Du alleine auf der Yacht bist immer einzupicken. Warum erfährst Du später oder im Video.

Klingt viel und kompliziert? Nun, Du wirst alleine an Bord sein und wirst auch bei Deinem ersten Schlag möglicherweise schon von Böen oder einem Gewitter überrascht werden. Dann bist Du draußen und alleine – und keiner kann Dir helfen. Also: „Keep it simple“. Es sind Dinge zu Deiner Sicherheit, für Dein Leben.

Wenn die Yacht älter ist – so wie unsere Dehler Optima 830 aus 1971, sind die Fallen oftmals nicht umgelenkt und kein Reff- oder Bergesystem vorhanden. Das geht zur Not auch, ist aber ein deutlicher Sicherheitsverlust wie Du im Video sehen kannst. Das kannst nur Du alleine bewerten, ob Du das Risiko eingehen willst. Empfehlen kann ich das für den Anfang auf keinen Fall.

Ich sah das etwas fatalistisch, allerdings stehen nun nach dem Einhand-Schlag kurzfristig Lazy Jacks und ein Einleinen Reffsystem auf der ToDo-Liste. Und das nächste Mal spanne ich die Streckleinen auch bei 3 Bft vor dem Ablegen…

Außer dem Üblichen wie Erste-Hilfe Material, Seenotmittel, Kompass und aktuellem Kartenmaterial etc. sollte mindestens noch ein Funkgerät an Bord sein. Bist Du länger unterwegs, empfiehlt sich neben dem Kartenplotter eine Rettungsinsel.

Nun haben wir fast alles zusammen. Nein, das Wichtigste fehlt noch:

Sicherheit

Wie immer ist die Sicherheit an Bord das Wichtigste, das heißt zuerst einmal, Du hast Deinen Schlag sorgfältig vorbereitet und geplant. Wetterbericht gecheckt, Dir ein Bild von der Lage gemacht und diese für Dich alleine (!) eingeschätzt, Freunden oder der Familie Bescheid gesagt und eine Rückkehrzeit vereinbart.

„Am Mann“ solltest Du immer folgendes haben

  • automatische Rettungsweste
  • Lifeline  – eingepickt natürlich, sonst hilft sie wenig ;-)
  • Epirb, falls vorhanden
  • Mobiltelefon mit Navigationssoftware, wasserdicht verpackt (evtl. Hilferufe und Backup fürs Navi und Zweit-GPS)

Persönliche Vorbereitung

Alleine = keine Hilfe

Du wirst alleine unterwegs sein und alleine alles schaffen müssen, egal was passiert. Schätze deswegen immer zuerst deine persönliche Sicherheit ein und bedenke mögliche Konsequenzen. Sei überlegt und schätze die Lage objektiv und an Deinen persönlichen Fähigkeiten gemessen ein. Es wird und es kann einiges schief gehen. Auch wenn das passier musst Du die Dinge alleine meistern können. Bereite dich deswegen auch darauf vor, dass es nicht glatt geht. Vor jedem Manöver und vor jeder Handlung.

Wir  haben z.B. bisher keine Lazy Jacks. Das Groß benötigt daher Zeit und aufwändiges Auftuchen falls es bei Sturm runter muss. Und das dann logischer Weise bei viel Wind und bei Welle. Außerdem sitzen bei uns Großfall und Winsch am Mast. Für mich war daher immer erste Frage: Wie entwickelt sich das Wetter? Wenn ich das Groß jetzt setze, kann ich es später alleine sicher reffen oder bergen?

Außerdem hatten wir noch keinen Mastnut-Stopper. Der hindert das Großsegel beim Herausrutschen aus der Mastnut. Weil ich den nicht hatte, sicherte ich nach dem Setzen des Großsegels dieses mit einem um den Mast geknoteten Tampen. Leider vergaß ich den Tampen zwei oder drei Male. Beim Bergen glitt dann das Groß aus der Mastnut, bildete einen Windsack und ich bekam es dadurch – vor allem bei viel Wind – kaum noch unter Kontrolle. Natürlich merkte ich das erst dann, wenn schon zwei oder drei Rutscher aus dem Mast gerutscht waren und der Wind hinein gegriffen hatte. Klar, jetzt haben wir einen Nutstopper.

Du siehst daran, wie schnell dich kleine Fehler in größere Probleme verwickeln können.

Alleine = nacheinander

Und alleine segeln bedeutet auch, die Dinge die ihr bisher zu zweit gemacht habt, nun nacheinander zu machen. Kannst du bei der Wende beide Segel gleichzeitig bedienen? Vermutlich nicht. Groß und Fock bedienst du also nacheinander. Aber in welcher Reihenfolge? Mein Tipp: Bediene erst das Groß und dann die Fock. Das heißt, Du gehst zuerst „durch den Wind“, die Fock steht back, dann holst Du die Fock über.

Allein = keine Fehler

Also, denke voraus, sei ruhig und überlegt. Vermindere Stress und Mißerfolg auf ein Minimum durch sorgfältige und frühzeitige Vorbereitung. Ohnehin – es wird vieles schief gehen. Bleibe ruhig und gelassen. Mache die Dinge früher als sonst. Reffe früher, bereite Segel setzen, Manöver und vor allem das Anlegen früher vor. Du bist alleine und benötigst deshalb auch viel mehr Zeit. Wenn es geht, nutze den Pinnenpilot.

Lasse Dir Zeit. Lieber eine oder zwei Runden mehr im Vorhafen drehen. Suche den Liegeplatz im Hafen sorgfältiger als sonst aus. Hole Dir beim Anlegen Hilfe. Ein freundliches, „Ich bin alleine an Bord, kannst Du bitte die Leinen übernehmen?“ wirkt normaler Weise Wunder. Dir wird gerne geholfen! Dennoch sind Anlegemanöver, auch für alte Hasen, Stress pur.

Lies dir hierfür die zwei oder drei wichtigsten Tricks für die Hfenmanöver an. Das würde hier aber den Rahmen sprengen.

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Weitere Tipps

Im Übrigen gibt es zum Einhand Segeln ganz tolle Bücher, die auch viele Einhand-Tipps im Gepäck haben, lies Dich ein und probiere bereits vorher einiges aus! Ich empfehle Dir „Stressfrei segeln“ von Duncan Wells. Reich bebildert, einfach erklärt und gute Tipps.

Bestelle bei Deinem kleinen Buchladen um die Ecke, der nimmt die Bestellung auch gerne telefonisch an und freut sich. Und für Dich ist das Abholen vermutlich einfacher als irgendwo im Paketshop.

Alles klar so weit?

Na dann: Viel Spaß und Viel Erfolg für Deinen Einhandschlag! Natürlich sind diese Hinweise aus meiner persönlichen Erfahrung geschrieben. Die Anwendung der Tipps ist – wie immer beim Segeln – auf eigene Gefahr.

Weitere Fragen? Schreib mir einen Kommentar! Erzähl wie es gelaufen ist, und welche Tipps Du noch hast!

So, nun ist es fast vorbei, unser erstes Jahr als Eigner.

„Eigner“ das klingt so groß, so nach „mein Haus, mein Auto, mein Boot…“. Aber es ist ja nicht immer so, auch ein 27 Fuß Segelboot ist eine Yacht. Und die gehört jetzt uns. Und daher sind wir Eigner.

Wie es dazu kam und wie das ganze Jahr für uns war, habe ich mal zusammen gefasst. Das war garnicht so einfach, alle Ereignisse zusammenzubekommen. Ich habe jetzt nur die großen Dinge herausgepickt

Dezember 2016

Im Herbst 2016 erzählte mir Christoph von einer Anzeige auf Ebay Kleinanzeigen für eine Dehler Optima 830.

Dehler Optima 830 Backbord Seite im Wasser

Er nahm Kontakt mit dem Eigner auf, ein älterer Herr, der aus gesundheitlichen Gründen das Segeln aufgeben musste. Dieser war sehr nett – und anscheinend mochte er uns. Aber es kam erst mal nicht zu einer Besichtigung. Im Dezember schauten wir uns mal wieder Boote an, unter anderem eine Seamaster 925, eines meiner Traumboote. Aber sie war mir zu groß, ich wollte etwas kleineres für den Anfang. Christoph war da zuerst anderer Meinung, bis wir auf Deck standen und er feststellte, was 9,25 Meter sind. Die Dehler hatte die richtige Größe, also vereinbarten wir den Besichtigungstermin. Als wir auf dem Boot waren – war uns beiden klar: das ist es. Tolles Raumangebot, gute Größe, offenbar das perfekte Angebot. Klar waren uns ein paar Dinge aufgefallen. Daher telefonierten wir, machten uns schlau und diskutierten viel und lange. Es gab Verhandlungen mit dem Voreigner und  am 30.12. war die Vertragsunterschrift bei uns in der Küche – wir waren Eigner! Uns beiden war mulmig zumute: war das die richtige Entscheidung?

Januar 2017

Viele weitere Telefonate folgten: Anmeldung bei der Versicherung, Bewerbung für den Liegeplatz. Wir entschieden uns für Travemünde und gegen die Elbe. Durch unseren ehemaligen Segelverein kannten wir den LYC und wussten, wo wir ungefähr liegen wollten.
Bei unseren Überlegungen kommt uns die Idee, wir könnten unsere Erlebnisse und Erfahrungen eigentlich in einen Blog schreiben. Also gehen wir in Konzeption: Warum? Für wen? Wie? Ich mache mich mal gleich an die Arbeit und versuche, eine ansprechende Seite zu entwerfen und erstellen.
Aber welchen Namen soll das Kind bekommen? Hey, Hafenkino! Was passt besser zu uns?

Warum Hafenkino? Das erklären wir in dem Trailer auf der Startseite!

Februar 2017

Unser zweiter Besuch bei unserem Boot Sleipnir. Wir waren sehr aufgeregt: wird das Boot uns immer noch gefallen? Was erwartet uns, was haben wir übersehen? Nach der Fahrt nach Barth fanden wir uns auf dem Boot im Winterlager wieder : und konnten es immer noch kaum glauben… unser Boot!
Aber: das Unterwasserschiff machte uns Sorgen. Wir sprachen mit Herrn Brandt vom Barther Yachtservice und soweit klang es gut: Abschleifen und neu machen, sollte nicht so teuer werden. Keine Osmose. Puh.

schlechter Zustand Unterwasserschiff und Antifouling

schlechter Zustand Antifouling vor Neuaufbau

Okay, er sollte das Boot zu sich holen, im Moment lag es noch ein paar Meter weiter in der Halle. Termin sollte so gegen Ostern sein. Alles gut soweit.

März 2017

Unterwasserschiff – das Thema der ersten Monate. Beim Abschleifen wurde schnell festgestellt, so geht das nicht. Okay. Es musste doch abgestrahlt werden, wodurch sich die Kosten erheblich erhöhten. Nützt ja nix…also Unterwasserschiff fast neu.

April 2017

Dehler Optima 830 aufgetakelt

Wir wollten Ostern überführen. Aber: Sleipnir war nicht fertig. Also umplanen und Ostern die Familie besuchen. Im Nachhinein auch okay – das Wetter war sowieso nicht passend. Dann endlich die Nachricht: das Unterwasserschiff ist fertig.  Also Urlaub geplant zum letzten Aprilwochenende. Christoph ist schon mal vorgefahren, ich musste noch einen Tag arbeiten. Schon auf dem Weg mit dem Zug nach Barth der Anruf von Christoph: der Motor geht nicht. Angekommen erst mal Frühstück & Lagebesprechung. Der Anlasser war kaputt. Wir konnten am selben Tag noch eine Bootsmotorenwerkstatt finden und den Anlasser zur Reparatur bringen. Und wieder die Frage: war das die richtige Entscheidung mit dem Boot?

Mai 2017

Arbeiten am Bootsmotor

…warten auf den Anlasser… Und wir fangen an, den Blog mit Leben zu füllen. Die ersten Geschichten werden geschrieben, die ersten Videos gedreht.

Dann die Nachricht: der Anlasser ist fertig! Wir fahren zu Sleipnir, um den Anlasser einzubauen und das Boot einzurichten. Jede Menge Geschirr und Schnick Schnack. Und es wird geputzt. Und…der Motor läuft! Was für ein schönes Geräusch! Wir takeln auf und machen unsere erste Runde auf dem Bodden. Sie fährt – und wir segeln! Wir können es kaum fassen.

Eine Woche später: Überführung!

ungewöhnliche Kaffeezubereitung mit Campingkocher an Bord

Endlich ist es soweit. Mit weichen Knien machen wir uns auf den Weg. Christoph hat noch für die Gasanlage einen neuen Druckregler besorgt, schließlich wollen wir ja auch Kochen, vor allem ohne Kaffee geht nichts. Aber wie soll es auch anders sein – die Gasanlage lässt sich nicht instand setzen – also wird gekocht, was mit dem Campingkocher und Wasserkocher zu machen ist. Ist auch halb so wild – bei der ganzen Aufregung hatten wir die Einkäufe zuhause vergessen. Oh je…
Wir lassen uns davon nicht abhalten – Stefan, ein Freund aus unserem ehemaligen Segelverein begleitet uns und wir fangen langsam an, das Leben als ‚Eigner‘ zu genießen…

Juni 2017

Ist etwas besonderes passiert? Nein, wir lernen unser Boot kennen, wir richten uns ein, im Boot und am Liegeplatz. Es werden Sorgleinen gespannt, Ruckdämpfer eingebaut und die Hafenmanöver geübt.

Origo 3000 Spirituskocher an Bord

Wir genießen das Leben an Bord, es ist für uns immer eine Auszeit von der Realität. Da die Gasanlage ja nicht mehr in Gang zu setzen war, haben wir einen schönen 2-flammigen Spirituskocher gekauft. Tolles Ding.
Und damit wir bequem kochen können, hat Christoph eine Ablage über dem alten Kocher gebaut. Sehr praktisch!

Juli 2017

In Hamburg ist G20 angesagt – und wir fliehen aus der Stadt. Unser erster Kurzurlaub mit Sleipnir, leider sehr überschattet durch die Ereignisse zuhause. Wir segeln nach Grömitz und Boltenhagen – und sind froh, unterwegs zu sein. Endlich fühlt es sich wie ein Zuhause an, es kommt das Gefühl, welches wir uns erhofft, gewünscht und geträumt haben!

Tisch in der Plicht Dehler Optima 830

Christoph hat Spaß beim Segeln mit mir – und hält das mal direkt in einem Video fest…
Es wird Zeit für eine neue Matratze, das alte Ding geht nicht mehr – durchgelegen und muffelig. Also mal wieder die Gehirnzellen angekurbelt. Wir sägen uns Dachlatten zurecht und schneiden aus einer alten Matratze, die wir noch übrig hatten, eine passende neue für das Boot zu. Der Bericht dazu kommt noch, das ist doch ein nettes Winterthema. Schlafen wie im siebten Himmel! Juhuuu!

August 2017

Dehler Optima 830 in Action beim Segeln

Wir fühlen uns immer heimischer an Bord, unsere Stegnachbarn sind schon wie echte Freunde. Wir verbringen nette Tage an Bord, auf dem Wasser, in Travemünde. Aber langsam wir uns auch klar, die Saison neigt sich dem Ende zu…
Sleipnir bekommt neue Batterien gegönnt. Und wir lernen beim Händler, daß wir diese auch gut pflegen – sprich, laden – müssen. Okay, wir machen das ab sofort besser. Außerdem wurde der Motor immer langsamer. Nach einiger Recherche gab es dafür nur eine Lösung: tauchen. Also ging Christoph erst mal ins Wasser und kratzte jede Menge Pocken und Muscheln vom Propeller. Und siehe da, der Motor lief wieder besser.

Christoph hat Urlaub. Leider muss ich genau in dieser Zeit viel Arbeiten – so müssen wir unsere großen Pläne etwas herunterschrauben. Eigentlich wollten wir in die Dänische Südsee, aber Grömitz ist ja auch nett. Ich versuche dennoch, soviel Zeit wie möglich an Bord zu verbringen. Und Christoph macht seine ersten Einhand – Erfahrungen. Ankern bis in die Nacht, alleine Hafenmanöver, Segel setzen und bergen (wir machen das alles noch am Mast und ohne Lazy Jacks). Das hat ihm ziemlich viel Spaß gemacht. Aber darüber wird er noch berichten!

September 2017

Einer meiner Lieblingsartikel wird endlich fertig! Ich habe Christoph ein Kochbuch zum Geburtstag geschenkt… ja, sowas machen wir! Und endlich kochen wir ein Gericht nach! Das hat echt viel Spaß gemacht – und es war eine Herausforderung, in Travemünde alle Zutaten zu bekommen.
Das Wetter wird schlechter, die Tage kürzer, es geht langsam in Richtung Saisonende… die Überführung muss geplant werden. Außerdem brauchen wir einen stählernen Bock für das Winterlager. Noch klappt der Verdrängungsmechanismus!

Bis… ja, bis die Wellenkupplung bricht. Und, weil das nicht reicht – platsch – und Christoph ist weg. Abgerutscht und ins Wasser gefallen. Dabei ging eine Smartwatch verloren und ein Iphone baden. Die sind nicht wasserdicht – schon garnicht bei Seewasser.

Uns wird langsam klar, was noch vor uns liegt. Zum Glück konnte uns ein Händler und Werkstattinhaber aus Travemünde helfen, er konnte die Kupplung besorgen und soweit zusammenfügen, dass wir die Überfahrt nach Hamburg machen können.

Oktober 2017

Überführung nach Hamburg! Wir entschieden uns für den langen Weg, über den NOK. Noch mal eine 4-tägige Tour über Fehmarn und Kiel zum Abschluss! Das war ziemlich spannend, aber für mich auch sehr traurig. Wir hatten viel Spaß mit Anni & Phillip. Vor allem der Dreh zum „Plopp“ Video war witzig! Und zum Schluß des Törns die rasante Fahrt über die Elbe bis in den City Sporthafen! 9,1 Knoten Fahrt! Okay, mit der Strömung…aber wow, was für ein Saisonende!

Jetzt müssen wir noch den Lagerbock bauen. Schwere Eisenteile wollen geschweißt werden. Ein Spielplatz für Männer – ich halte mich von solchen arbeiten fern! Da fliegen Funken und das ist nicht mein Metier!

November 2017

Der Termin für das Ausslippen steht. Tja, aber wie soll es auch anders sein – Hamburg fährt wieder einmal alles auf, was es zu bieten hat – und bringt eine Sturmflut vom feinsten. Wir müssen das Ausslippen verschieben, was nicht so einfach ist, da man nur zu Hochwasser ausslippen kann und andere Vereinsmitglieder nach uns auch noch Termine haben. Aber es klappt dann doch noch – bei schönstem Sonnenschein! Und Christoph darf zum Saisonabschluss noch bei 12 Grad Wassertemperatur in die Elbe – um die Patschen am Lagerbock zu richten. Seine Taufe hat er bestanden, haben die Segelkollegen gesagt. Das muss wohl jeder mal machen!

Sleipnir sitzt, ist eingewintert und jetzt beginnt die undankbare Zeit…

Dezember 2017

Was für ein Jahr!!! Ich kann gar nicht alles zusammen bringen, so vieles fehlt noch! Sleipnir wird jetzt im Winterlager eine neue Außenfarbe bekommen, der Motor wird gecheckt und die Wellenkupplung richtig gemacht. Die Genua wird beim Segelmacher überarbeitet. Lazy Jacks montiert, kleinere Reparaturen und Ausbesserungsarbeiten. Das alte Material leidet. Und wir waren gestern Abend bei 1°C mit der Fähren 62 auf der Elbe unterwegs, natürlich an Deck, um die Entzugserscheinungen zu mildern… Ein Video davon gibt es auf Facebook oder Instagram zu sehen

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Wie hat sich das erste Jahr als Eigner angefühlt?

Es war ein Jahr voller ups and downs. Es fing an mit dem Kampf um die Entscheidung: Sleipnir ja oder nein? Uns war klar, dass es ein altes Boot ist – und wir nicht viel Erfahrung haben. Aber das Boot hatte so ziemlich alles, was wir uns vorgestellt hatten. Zumindest auf dem Papier. Und doch gab es Fragezeichen. Unser Wunsch und unser Optimismus siegte vor der Vernunft, zumindest im Nachhinein gesehen.

Nachdem Sleipnir endlich an seinem Liegeplatz war, konnte das Abenteuer beginnen. Auf jeden Fall haben wir die Saison ausgiebig genutzt. Fast jedes Wochenende verbrachten wir auf dem Boot. Und auch, wenn der Sommer im Norden maximal eine 4- war, die Wochenenden in Travemünde waren meist trocken und auch schön sonnig. Was wollten wir nicht alles besegeln… Dänische Südseee, mindestens aber mal nach Fehmarn oder Kühlungsborn und landeten doch meist wieder zuhause oder in Grömitz. Aber vermutlich ist das im ersten Jahr normal. Alles war aufregend, neu und schön!
Am schönsten finde ich, dass sich die Welt sofort verändert, sobald ich beim Boot bin. Sorgen relativieren sich, Ansprüche verändern sich. Es macht mich glücklich, auf dem Boot und auf dem Wasser zu sein, selbst wenn wir nicht raus und Segel setzen können.

Wenn aber etwas kaputt geht, bringt es mich schnell an meine Grenzen. Das Boot ist, was die Technik angeht, ein Terrain, das ich nicht kenne und nicht durchblicke. Ich bin sowohl handwerklich als auch technisch nicht unbegabt – aber Motor ist absolut nicht meins. Und vor Elektrik habe ich viel Respekt. Jetzt sind das aber die Dinge, die bei einem alten Boot am meisten Sorgen machen… nun gut, Christoph ist aber ein Bastler, da ergänzen wir uns zum Glück!
Inzwischen sehen wir Sleipnir als Übungsplatz an: auf Langfahrt ist es wichtig, dass man möglichst viele Dinge selbst machen und reparieren kann. Alles andere kostet viel Geld.

Was war besonders schön?

Besonders schön fand ich unsere erste Fahrt mit Sleipnir, die Überführung nach Travemünde. Der Motor lief, die alte Dame segelte. Wir waren am Anfang zu dritt, den letzten Abschnitt segelten wir alleine. Und endlich, nach dem ganzen hin und her mit dem Unterwasserschiff und dem Anlasser, kam das gute Gefühl, das Richtige getan zu haben! Wir sind Eigner!

Wir haben eine Träne im Auge, denn die Saison endet heute

Heute wollen wir ausslippen, aus dem Wasser und in die Halle. Wir starten morgens um halb elf bei allerschönster Sonne im City-Sport-Hafen in Hamburg. Es geht in das Winterlager auf der Peute in Hamburg.

Der Mast ist bereits gelegt, das haben wir vor wenigen Tagen im Rüschhafen gemacht. Wir tuckern also an diesem schönen Morgen an der Elbphilharmonie vorbei die Elbe hinauf. Ein würdiger Abschluss unserer ersten Saison als Eigner. Wir passieren die Freihafen-Elbbrücken, bisher habe ich immer von oben herabgesehen auf die Boote und Schiffe, wenn ich mit dem Rad darüber fuhr. Ein Erlebnis die Brücke heute auf dem eigenen Boot zu unterqueren. Kurz danach dann die Elbbrücken, dahinter weitet sich der Blick. Links der Park Entenwerder, mit dem Ponton und dem goldenen Pavillon des Café „Entenwerder 1“, wo wir gerne Kaffee trinken und auf die Elbe sehen. Wir überlegen kurz am Ponton anzulegen und uns einen Latte Macchiato zu holen,  fahren dann aber weiter, um um bloß nicht den Hochwasserscheitel zu verpassen.

Rechts kommt unser Segelverein in Sicht, der Hanseat mit seiner Halle aussendeichs. Gestern beim Orkan und Sturmflut schwammen alle Boote in der Halle… Ein Einfahren in den Lagerbock wäre allein schon wegen des Seitenwindes nicht möglich gewesen, außerdem wäre bei dem Pegel das Hallentor viel zu niedrig gewesen.

Wasser und Anfahrt

Jetzt kommt der spannendste Teil: Unsere zwei Helfer haben schon unseren Lagerbock, den ich vor ein paar Tagen auf die Lore montiert habe, zu Wasser gelassen. Nur noch die vier Stangen am Gestell – die sogenannten Rungen – stehen noch einen Meter aus dem Wasser, sozusagen als Positionsangabe. Dort muss das Boot rein. Dazu muss genau der Hochwasserscheitel abgepasst werden, vorher und danach haben wir mit ca. 2,5 bis 3 Knoten zu viel Quer-Strömung durch die Elbe. Diese würde uns schräg in die Rungen drücken, das Boot säße nicht richtig auf dem Bock.

Der Lagerbock

Ohnehin ist das sehr spannend, weil der Bock nach meinem Entwurf geschweißt wurde. Weil an unserem Boot im zeitigen Frühjahr das Unterwasserschiff in der Werft neu aufgebaut wurde, lag das Boot danach im Lagerbock der Werft. Aus diesen Fotos habe ich die Maße abgeleitet. Ich hatte die Maße der Pflastersteine, die Länge des Boots und ich erinnerte mich, dass der Wasserpass etwa auf meiner Augenhöhe war. Daraus konnte ich dann alle Maße so einigermaßen ableiten. Der Rest wurde geraten und geschätzt.

Ob das passt?

Wir sind sehr nervös, ob dass alles klappt. Der Lagerbock selbst, das Einfahren in den Lagerbock, der Abstand der Rungen. Dass das mit dem Wasserstand alles passt und alles bereit ist. Und schließlich, dass das Boot sich richtig auf den Bock absenkt, wenn es aus dem Wasser gezogen wird. Und dass der Bock das alles hält. Viele Fragen also, wir sind extrem angespannt.

Wir fahren ein

Wir erwischen den richtigen Zeitpunkt, das Einfahren klappt einwandfrei. Die Rungen sind etwas stramm, aber soweit erstmal alles klar. Beim Herausziehen aber zeigt sich dann, dass das Boot noch nicht richtig sitzt. Also nochmal zurück ins Wasser, das Boot neu zwischen den Rungen ausrichten. Dann neuer Versuch. Besser jetzt, aber das Boot sitzt nicht auf den Auflagerpunkten, den „Patschen“ auf. Da der Bock im Wasser steht – gibt es nur eine Lösung.

Und die heißt: Klamotten aus und ein Bad in der 12 Grad kalten Elbe. Ich gehe rein, vor lauter Stress spüre ich die Kälte gar nicht so extrem. Ich schwimme um das Boot,  drehe eine nach der anderen die vier Patschen hoch und steige wieder in das Boot. Das Boot wird herausgezogen bis zur Wasserlinie und ich gehe von Bord, erstmal heiß duschen. Das muss nun sein! Erst unter der Dusche merke ich, wie durchgefroren ich bin.

Während dessen wird das Boot nochmal ins Wasser gelassen und letzte Korrekturen vorgenommen. Als ich dann zurück komme sitzt das Boot fast perfekt im Bock. Okay, kleinere Änderungen müssen im Winter am Bock noch vorgenommen werden, doch das ist normal. Wir sind zufrieden und erleichtert, dass bisher alles geklappt hat.

Runter von der Lore – von Hand!

Bisher, denn das ist lange noch nicht alles. Schlagartig wird uns klar: Es ist noch nicht mal Halbzeit des Ausslippens, denn das 1-Tonnen-Gestell muss samt 3-Tonnen-Boot von der Lore wieder runter! Alles mit purer Muskelkraft und ein paar Handgeräten.

Wir haben Seilzüge und große Wagenheber mit Kurbeln und Pallhölzer zur Verfügung. Ein Abenteuer für uns, mich fasziniert das alles unglaublich. Das so etwas mechanisch und von Hand geht, ich bin schwer beeindruckt.

Wie geht denn das?

Kurz gesagt geht das etwa so: Der Lagerbock wird zuerst von den Ketten befreit, die Ihn auf der Lore in Position halten. Dann wird der Lagerbock mit Boot darauf von Hand hochgekurbelt, bis quer U-Profile aus Stahl als Laufschiene darunter passen, Räder werden an den Lagerbock gesteckt. Die gesamte Konstruktion wird wieder abgelassen, nun kann der Lagerbock auf den Laufschienen quer von der Lore herunter gezogen werden. Doch leider ist die Lücke, in die wir hinein müssen nicht gr0ß genug dafür. Einige Mal müssen die Räder umgesetzt werden und der Lagerbock wieder angehoben und versetzt werden, bis das Boot halb auf der Lore, halb mit den Rädern, schräg hinter das bereits eingelagerte Boot eingeschoben werden kann.

Am meisten beeindrucken mich die beiden älteren Segler, die mit viel Erfahrung und Ruhe die gesamte Aktion während der fast 3 Stunden organisieren und vieles noch selbst machen. Der eine ist 82, der andere um die 75! Ob Segeln fit hält?

Schließlich liegt das Boot im Lagerbock wo es hin sollte, nahe an der Wand in der Halle umgeben von 10 anderen Booten, die auch bereits das selbe Verfahren hinter sich gebracht haben.

Wir sind erleichtert und zufrieden!

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Alles hat gut begonnen ….

… doch dann haben wir einen Schaden am Boot. Die Wellenkupplung an unserer Dehler Optima 83 ist gerissen. Damit ist klar: Heute und bis auf weiteres kein Segeln mehr! Und dann wurde es auch noch nass, denn ich fiel über Bord.

Doch eines nach dem anderen:

Die Sonne scheint milchig durch die Fenster. Sonntag morgen. Wir sitzen noch gemütlich im Bett, ich halte das Kaffee Glas in der Hand. Lecker! Wenig Wind ist angesagt, aber Sonne. Natürlich wollen wir zum Boot, denn es fehlt uns. Viel zu lange sind wir schon ohne Wind und Wellen! Wir packen eilig unsere Sachen zusammen. Vor allem warme Kleidung, denn es sind nur 15 Grand vorausgesagt. Gegen 10 sind wir auf der Autobahn. Wenig Verkehr und wir kommen gut voran. Die Felder sind abgeerntet, der Herbst ist deutlich spürbar. Wehmut macht sich bei mir breit. Es wird eines der letzten Male sein, dass wir dieses Jahr segeln können.

Erst einmal einen Tee…

…. denken wir uns, als wir angekommen sind. Während Marion den Tee kocht, hänge ich die Batterie an das Ladegerät. Es lohnt sich, nur noch 12,8 Volt. Ich bringe noch schnell die Klemme an der Mastnut an, die die Rutscher in der Nut halten sollen. Bastele noch 2-3 weitere Kleinigkeiten. So, fertig, es kann losgehen. Hm, Tee ist kalt. Schon wieder eine Stunde vorbei?! Unglaublich! Waren das nicht wenige Minuten gewesen? Egal, gut das erledigt zu haben! Marion hat sich dem Handy zugewandt, während ich gebastelt habe.

Kein Wind?

Der Wind war mit 3 Knoten vorausgesagt. Doch er frischt auf. Nichts wie los! Marion möchte uns raus fahren aus dem Hafen. Die Heckleinen sind gelöst. Ich werfe uns vorne los, endlich kann es losgehen. Wie oft wir noch in diesem Herbst zum segeln kommen werden? Es könnte einer unserer letzen Schläge sein.

Einkuppeln!

Marion legt den Rückwärtsgang ein.  Es klingt anders als sonst. „Ist der Gang drin?“, fragt mich Marion. Ich blicke auf den Schalthebel. „Ja, ist drin!“ meine ich. „Wir fahren aber nicht, wir treiben mit dem Wind.“ Wir versuchen es nochmal. Vorwärtsgang, Leerlauf, Rückwärtsgang. Nichts. Der Gang scheint sich nicht einlegen zu lassen. Noch bin ich gelassen. „Sicherlich hat sich nur das Schalt-Gestänge gelöst“, denke ich bei mir und hole das Werkzeug. Wir stoppen den Motor. Um an das Gestänge zu kommen müssen wir den Boden in der Plicht ausheben. Ein großer, schwerer Deckel aus GfK. Um den heraus zu bekommen, muss allerdings der Traveller abgebaut werden und die Roste in der Plicht heraus. Wir schrauben gemeinsam den Traveller ab, heben den Deckel aus. Ich steige hinein, Marion startet den Motor, ich schalte. Es klingt nicht wie sonst. Ich kontrolliere das Gestänge.  Nichts, alles in Ordnung.

Der Schaden – die Wellenkupplung ist gerissen

Dann sehe ich die Bescherung. Die Wellenkupplung, das Verbindungsstück zwischen Getriebe und Welle, ist abgerissen. Das Teil ist aus massivem Gummi und soll die Vibrationen des Motors von der Welle und der Dichtung in der Rumpfdurchführung fern halten. Abgerissen. Damit ist klar: Heute kein Segeln mehr!

Marion zieht sich erst mal zurück um den Schreck zu verarbeiten. Ich bekämpfe den Schreck und den Schaden mit Werkzeug. Schnell ausbauen das Ding. Hier das Video zum Schaden:

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„Wird schon nicht so schlimm sein….“, denke ich bei mir, „bestimmt ein Standardteil für 50 Euro“. Nachdem ich die Wellenkupplung ausgebaut habe, schaue ich in die Ersatzteilliste des Motors. Nicht verzeichnet. Hm. Also Internetrecherche auf dem Handy. Einer verkauft so eine passende Wellenkupplung gebraucht. 130 Euro?! Unglaublich! Bei Faryman, dem Hersteller des Motors, finde ich auch nichts. Ich suche nach technischen Alternativen. Andere Systeme von Wellenkupplungen kosten um die 400 Euro – ohne Montage, natürlich! Langsam wird uns klar, dass das möglicher Weise teurer und komplizierter werden könnte, als wir dachten. Mit Pech brauchen wir einen Mechaniker. Für heute können wir nichts mehr tun. Wir wollen zusammenpacken und zurück fahren.

Das ist aber noch nicht alles…

Als ich das Boot vorne wieder festmachen möchte, versuche ich mit einem großen Schritt auf den Steg zu gelangen. Der Abstand ist zu groß, plötzlich hänge ich zwischen Boot und Steg und kann mich nicht mehr halten. Platsch! Ich liege drin, in voller Kleidung. Zum Glück ist die Brille noch da! Der Nachbar versucht mich raus zu ziehen, aber ich bin zu schwer. Seine Töchter verbeißen sich mühsam das Lachen. Ich drehe um, schwimme zum Heck und klettere über die Badeleiter wieder an Bord. Patschnass, das finde ich eher lustig. Noch.

Dann realisiere ich, dass ich das Iphone in der Hosentasche hatte. Das ist aus und wohl hin. Sicher werde ich das erst morgen wissen. Und später auf der Heimfahrt entdecke ich, dass meine Smartwatch weg ist. Dort wo an meinem Handgelenk das Gummiarmband war, ist jetzt eine Schramme. Vermutlich abgerissen bei der Aktion und gesunken. Sehr ärgerlich!

Ein teurer Sonntag. Und die Sonne haben wir nicht wirklich genossen…. dafür gibt es was zu erzählen und wieder was gelernt.

Wir hoffen, das Ersatzteil noch zu bekommen, schließlich ist der Motor 46 Jahre alt. Hoffentlich! Genauer werden wir es erst in den kommenden Tagen wissen.

Dienstag

Nach vielem telefonieren und Email schreiben scheint sich eine Lösung abzuzeichnen. Der Dehler Händer, das Marina Team in Oldenburg hat eine passende Wellenkupplung für 462 Euro. Stolzer Preis! Außerdem sieht das anders aus als unseres, würde aber passen. Nach deren Aussage ist das Teil auf deren Liste das Original und das bei uns verbaute demnach etwas anderes. Zwei Wochen Lieferzeit, hm. Weil es schnell gehen muss frage ich noch 2-3 andere Adressen an.

Mittwoch:

Schließlich die Erlösung! Unser Lieblings Händler, Törper Marinetechnik in Travemünde, scheint etwas gefunden zu haben. Er kann uns eine passende Wellenkupplung für unsere Dehler Optima 83 tatsächlich anbieten. Und deutlich günstiger und schneller. Törper hat sich die Fotos und Maße genau angesehen und hat echt Ahnung. Lieferzeit nur rd. 5 Tage. Obwohl beide beim selben Lieferanten beziehen. Support your local dealer!

So viel ist klar: Es gibt eine Lösung, kostet halt Geld ;-)

Ach Geld: Nun ist es sicher, das Iphone ist hin! Und heute hat sich der Autoschlüssel, den ich beim „Baden“ in der Hosentasche hatte, auch noch verabschiedet ….. Da wird einem erst mal klar, wie viel „Geld“ man so in der Hosentasche hat. Erstaunlich!

„Ein Segelboot ist ein Loch im Wasser in das man Geld wirft“, wohl wahr!

Was kochen wir so an Bord?

Frisch, leicht, lecker!

Wir essen gerne und wir kochen gerne. Und das heißt für uns: schnell darf es gehen. Qualitative gute, regionale Produkte – gerne Bio. Gesund, lecker und nicht zu schwer. Gerne ungewöhnlich, und das am besten ohne Fertig- oder Halbfertigprodukte. Außerdem vegetarisch. Letzteres hat verschiedene Gründe.

Gebratene Melone? Warum denn nicht Spaghetti?

Klar gibt es auch mal Spaghetti, mal mit Tomatensauce, mal mit Zuccini, mal gebraten mit Ei. Vielleicht haben wir das schon zu häufig gemacht. Immer Salat, Spaghetti & Co kochen – hatten wir satt. Etwas Neues musste her. Marion schenkte mir (uns?) ein Kochbuch. Zwei Jungköche im Wohnmobil quer durch Australien! Schöne Bilder, einfache, schnelle Rezepte. Bingo! Also ähnliche Rahmenbedingungen, weil auch nur 2-Flammen-Kocher, wenig Platz und unterwegs.

Dass man Melone braten kann war mir völlig neu. Aber warum nicht! Es klingt lecker. Die Entscheidung fiel schnell. Doch dabei hätte uns Marion fast in ein feuchtes Grab gesegelt ;-)

Wer sich für das Buch interessiert, hier geht’s direkt zum Buch „Zwei Pfannen on the road“ von GU (Kauft das Buch, wo ihr wollt- das ist keine Werbung oder Verkaufslink, das soll für euch zur Info sein!)

Kann man denn auf dem Boot richtig kochen?

Sehr gut sogar. Wir haben nun einen Kocher, wie wir bereits hier erzählten. Außerdem eine Kühlbox. Die läuft allerdings nur bei Landstrom. Unter der Sitzbank haben wir Vorratsbehältnisse mit haltbaren Zutaten. Geschützt gegen Feuchtigkeit auf dem Boot und Kleintiere. Ganz wichtig – ein Regal mit verschiedenen Gewürzen. Außerdem gibt es eine Spüle unter dem Kocher. Und ein Minimal-Set an Töpfen, Pfannen und Koch-Utensilien. Minimal heißt für uns: Wenig aber gut. Also nicht das Ausrangierte von zu Hause. Denn: wenn ich es es schon zu Hause nicht mehr nutze – dann hat das seinen Grund.

Allerdings hat das Kochen an Bord natürlich immer etwas von „Tetris“ spielen. Man muss sich gut organisieren, denn es ist eng an Bord. Die Zutaten und Kochsachen sind an verschiedenen Stellen verwahrt. Damit nicht genug – alles ist eng gepackt und eineinander gestapelt. Das spart Platz und außerdem rutschen die Sachen bei Lage und Welle nicht herum.

Kochen bei Welle?

In diesem Bericht geht es nicht um eine Atlantiküberquerung und meterhohe Wellen. Hier geht es erst mal um das Kochen bei Tagestörns, am Wochenende oder im Urlaub. Wir reden also vom Kochen im Hafen, am Anleger oder bei ruhigem Wetter vor Anker. Daher geht es hier vor allem um das Kochen wenn man auch einkaufen kann.

Wie proviantieren, wie stauen?

Wer mehr wissen will über das Kochen an Bord – dem sei „Die See kocht“ ans Herz gelegt. Eine liebevoll gestaltete Seite mit dem Schwerpunkt Kochen und Genießen auf kleinen Segelyachten. Vor allem der Abschnitt über die Proviantplanung gibt hilfreiche Hinweise, welchen Proviant man an Bord gut aufbewahren kann. Und mehr noch – wie man den am besten staut, so dass nichts verdirbt oder beschädigt wird.

Wenn wir Euer Interesse geweckt haben – schreibt uns: Das Rezept schicken wir Euch gerne zu!

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Wie muss ich mir eigentlich so einen Tag auf dem Boot vorstellen?

Szenen und Ausschnitte

Manche Menschen finden segeln vielleicht langweilig, das mag sein. Warum das für mich nicht so ist, hatte ich ja bereits erzählt. Manchmal ist es weniger das Segeln selbst, sondern die Gespräche oder Situationen.

Es ist das Miteinander, was an manchen Tagen spannender ist als an anderen. Das hängt zum einen von mir selbst, aber auch vom anderen ab. Manchmal ist man nicht gesprächig, man segelt also schweigend. Schaut aufs Wasser, hängt seinen Gedanken nach, döst in der Plicht während der andere steuert.

Gespräche an Bord…

Aber wenn dann mal gesprochen wird, kommen teils lustige Situationen dabei raus. Doch seht selbst!

Übrigens: auch wenn ich die Worte beisteuere, die Idee für den Inhalt des Videobeitrags, die Auswahl der Filmsequenzen, der Schnitt, das Zusammenfügen – das alles hat Marion gemacht. Nicht dass mir da etwas unterstellt wird ….

Viel Spaß damit!

PS.: Schreibt uns, was Euch interessiert. Stellt uns Fragen! Wovon wollt Ihr mehr sehen oder lesen? Hinterlasst uns sehr gerne einen Kommentar. Wir freuen uns darauf!

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Ein Kurzurlaub.

In Hamburg tagte G20 – das haben wir zum Anlass genommen, die Stadt zu verlassen. Mittwoch Abend ab zum Boot. Wohin? Mal sehen…Hauptsache weg! In den Kurzurlaub.

Die unfassbaren Sachen, die wir über Hamburg gelesen, gesehen und gehört haben, haben uns das ganze Wochenende begleitet. Leider. Daher ist unser Bildmaterial nicht grenzenlos umfangreich. Und ehrlich gesagt, mir fällt das schreiben auch heute noch nicht so leicht. Das merkt man bestimmt. Wie soll ich locker über Sonne, Wellen und Wind schreiben, wenn wir das ganze nicht genießen konnten?

Yachthafen Grömitz

Der Plan war nach Fehmarn, der Wind hat entschieden, das wird nix. Also ab nach Grömitz, soll ja auch schön sein. Hanno schwärmt ja immer von der Disco. Hanno, 78: unser Stegnachbar. Ein alter Segler, der  den ganzen Sommer auf seinem Boot verbringt und immer was zu erzählen hat. Angekommen gegen Nachmittag war der Hafen schon voll. Wir hatten schon nur noch einen Platz an der Mole. Je später der Abend wurde, um so mehr fuhren ein –  am Ende lagen fast alle im Päckchen.

Motorboot mit Lichterketten

Ach ja, ich muss es doch erwähnen ;) kennt ihr das: wenn ihr südlich von Hamburg auf den Landstrassen fahrt (so Richtung Celle zBsp), da stehen doch immer diese Busse herum, mit rotem Licht und so. Kennt ihr die? So könnte das als Motorboot – Variante aussehen…

Es regnete und es war kein Segelwetter.

Dann war Samstag

Das Wetter sollte besser werden. Endlich weiter, ab nach Boltenhagen.

Ordentlich Wind war angesagt, also tauschten wir die Genau gegen eine Fock und refften das Groß. 25 sm lagen vor uns. Immer wieder begleitete uns das Thema Hamburg, die Krawalle, und trübte den Urlaub.

Gegen nachmittag ließ der Wind nach. Kurz vor Boltenhagen wollten wir Ankern. Wie ihr wisst, wir haben keinen richtigen Tiefenmesser. Also müssen wir uns auf unseren Plotter verlassen – was mich immer ein wenig stresst. Nun gut, ein Platz gefunden, Anker runter und… 0,3 kn Fahrt, 0,4, 0,6…bei 1 kn Fahrt bat ich dann doch, den Anker wieder hochzuholen und es für heute bleiben zu lassen. Vor Anker sollte man keinen Knoten Fahrt machen… Also weiter nach Boltenhagen. Auch dieser Hafen war ziemlich voll. Ob das doch am G20 lag? Viele Hamburger wollten ja die Stadt verlassen.

Wir fanden ein Plätzchen, meldeten uns an, kochten und ab in die Falle. Der Tag war anstrengend und am nächsten Tag wollten wir früh los, es sollte nur schwachen Wind geben. War auch so – Christoph konnte baden gehen, ohne dass wir vor Anker lagen. Nix, nada, null, niente. Was sich gegen späten nachmittag kurz vor Travemünde allerdings wieder änderte. Der Wind frischte auf und es war feinstes segeln.

Ein Wochenende voller Gedanken lag hinter uns, schöne Tage mit unschönen Meldungen. Ich hoffe, ihr habt das alles gut überstanden…

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