Ausgangssituation und Zusammenhang

Wenn Du unseren Segelblog verfolgst, weisst Du, dass wir einen „neuen“ Motor haben, allerdings wurde der zu warm. Also habe ich mich auf die Fehlersuche im Kühlsystem gemacht. Das Wissen, was ich mir dabei aufwändig angeeignet habe, möchte ich Dir nun mit diesem Artikel zur Verfügung stellen. Ich hoffe es hilft Dir!

Ich habe mich bemüht, für jeden verständlich zu schreiben. Grundkenntnisse sind hilfreich aber nicht unbedingt notwendig. Das Ganze zeige ich am Beispiel eines Bootsmotors Yanmar 1GM10 mit 9 PS. Das ist ein Einzylinder Innenbordmotor mit Einkreiskühlung.

Es geht hier um die Fehlersuche am Kühlsystem eines Bootsmotors mit Direktkühlung. Die Direktkühlung wird auch als Einkreis- oder Seewasserkühlung bezeichnet. Das alles bedeutet nichts weiter, als dass das angesaugte Kühlwasser aus dem Gewässer direkt durch den Motor gepumpt wird und den Motor direkt kühlt.

Woraus besteht das Kühlsystem am Bootsmotor mit Einkreiskühlung?

Bevor wir uns an die Fehlersuche am Kühlsystem machen, sollten wir das Kühlsystem verstehen. Zuerst mal sollten wir uns einen Überblick über die verschiedenen Kühlsysteme verschaffen. Hier der Weg, den das Wasser im Kühlsystem vom Ansaugen bis zum Ausstoß in den Auspuffschlauch bzw. außenbords durch die Komponenten durchläuft:

Damit überhaupt Kühlwasser zirkulieren kann, brauchen wir eine Pumpe. Die sogenannte Impellerpumpe ist Teil des Kühlsystems, wird durch den Motor angetrieben und ist mit diesem fest verbunden. Das Wasser wird also durch die Umwälzpumpe (Impeller) angesaugt und bewegt. Doch halt!

Da sind wir noch gar nicht, ich wollte ja von vorne beginnen. Also noch mal von vorne:

Schaubild einer Seewasserkühlung am Boot

Der Weg des Kühlwassers beim Seewasser gekühlten Motor

Das Wasser wird außenbords angesaugt und über den Ansaugkorb, Ansaugstutzen bzw. den Borddurchlass dem Gewässer entnommen. Es wird durch das Seeventil, Schläuche und den Seewasserfilter geleitet. Durch das Impellerrad der Wasserpumpe wird das Seewasser Richtung Motor gepumpt. Vorn dort aus erreicht es das Thermostatventil.

Ist der Motor noch kalt, dann ist das Thermostatventil geschlossen.  Das Kühlwasser geht dann direkt über den sogenannten Bypass zum Abgasschlauch und durch diesen außenbords.

Schaubild für offenen und geschlossenen Thermostat

Der Einfluss des Thermostatventils auf die Einkreiskühlung: Ist das Thermostatventil geschlossen, wird das Kühlwasser am Motor vorbei geleitet. Ist das Thermostatventil offen, strömt das angesaugte Seewasser durch den Motor und kühlt diesen.

Ab 40 Grad Celsius beginnt das Thermostatventil zu öffnen und Kühlwasser wird teils durch die Motorkanäle, den sogenannten Kühlmantel, geleitet. Der Kühlmantel ist gewisser Maßen eine zweite Schicht vor allem um den Zylinder. Darin zirkuliert das Kühlwasser und nimmt die Verbrennungshitze vom Motor auf.

Ab ca. 60 Grad Celsius ist der Thermostat komplett offen. Dann wird das Kühlwasser zum Großteil durch den Kühlmantel geleitet und kühlt den Motor. Von dort aus geht das Kühlwasser weiter zum Auspuff und außenbords.

Immer der erste Check: Kommt Kühlwasser am Auspuff an?

Sobald der Motor gestartet wird sollte der erste Blick immer zum Auspuff gehen. Das ist ein Routinepunkt für die Fehlersuche am Kühlsystem und sollte unbedingt täglich erfolgen.

Spuckt das Boot Kühlwasser? So viel wie immer? Nein, nichts? Dann schalten wir den Motor aus und starten die Fehlersuche am Kühlsystem. Wenn hinten nichts heraus kommt, dann ist das Kühlsystem nicht in Ordnung und der Motor wird auch nicht gekühlt – einfach oder?

Der Fehler ist fast immer, dass kein oder nicht genügend Kühlwasser den Motor kühlt. Wenn das der Fall ist, drohen schwere Schäden am Motor. Deswegen sollte der Motor schnell abgeschaltet, die Fehlersuche am Kühlsystem begonnen und die Fehler behoben werden.

Ob genug Kühlwasser ausgeblasen wird, merkst Du ja bereits beim Anlassen, also noch im Hafen oder kurz vor einem geplanten Manöver.

Daher: Motor vor geplanten Manövern etwas früher starten, also besser nicht 5 Meter vor der Hafeneinfahrt. Sondern eben dort, wo Du noch abdrehen kannst.

Die häufigsten Fehlerursachen am Kühlsystem

Meist ist das Seeventil geschlossen, der Borddurchlass oder Seewasserfilter verstopft oder der Impeller hat einen Defekt.

Manchmal stimmt auch etwas mit der Schraube nicht. Das hat natürlich nichts mit dem Kühlsystem zu tun, hier nur der Vollständigkeit halber und mehr dazu weiter unten.

Hier die komplette Checkliste für die Fehlersuche am Kühlsystem

Wir Starten also die ausführliche Fehlersuche am Kühlsystem. Um es verständlich zu halten arbeiten uns hierfür am Kühlsystem entlang:

  • Borddurchlass

    • Borddurchlass zu (Tüte, Blatt, Muscheln etc.) -> Rückwärts Gang einlegen und Gas geben und wieder vorwärts, ggf. mehrfach. Oder Motor abstellen und die Strömung arbeiten lassen -> wenn das nicht hilft, können es Muscheln oder am Ansaugkorb sein -> Tauchen und abkratzen
  • Seeventil

    • Das Seeventil ist noch geschlossen -> Seeventil öffnen
  • Seewasserfilter

    • Der Seewasserfilter ist zu gesetzt mit angesaugten Partikeln wie Plastiktütenfetzen, Seegras, Tang etc. -> Seewasserfilter reinigen.
  • Schläuche und Schellen

    • Ein Schlauch ist porös, geplatzt oder abgerutscht -> sieht man daran, dass plötzlich Wasser in der sonst trockenen Bilge steht-> Schlauchanschlüsse und Schläuche kontrollieren, Anfassen oder mit Lichtquelle, ggf. ersetzen oder nachziehen
  • Keilriemen

    • Der Keilriemen ist gerissen -> Keilriemen ersetzen
    • Die Spannung des Keilriemens ist zu gering -> nachspannen
  • Impeller und Pumpe

    • Impellerdeckeldichtung

      • Ist die Dichtung in Ordnung und dicht? ->  Nein? Dann ersetzen.
    • Impellerdeckel

      • Der Impellerdeckel ist verschlissen (eingelaufen) -> der Impeller hat sich in den Deckel durch Drehung und Sediment eingeschliffen, ja sogar richtig eingegraben (bei mir war das fast ein halber Millimeter), eine runde Vertiefung am Deckel ist entstanden -> das Kühlwasser wird nicht mehr mit dem nötigen Druck gepumpt -> Deckel umdrehen oder tauschen. Dichtung prüfen, ggf. ersetzen.
    • Impellerrad

      • Das Impellerrad ist defekt (Flügel abgebrochen oder auch verschlissen?) -> Impellerdeckel abschrauben, vorher Seeventil schließen! Sonst läuft viel Wasser raus und Du wunderst Dich weshalb. Ist mir schon passiert… Dann Impeller prüfen und ggf. ersetzen, auf richtigen Einbau achten (mit dem neuen Impeller kommt die Einbauanleitung). Dichtung prüfen, ggf. ersetzen. Deckel wieder fest schrauben.
    • Pumpe

      • Die Pumpe selbst ist defekt (Antrieb des Impellers) -> beim Wechsel des Impellers darauf achten, ob der Impeller dreht. Wenn Du mit der Hand am Schwungrad drehst, sollte sich der Impeller drehen-> Keilriemen nach spannen oder Pumpe defekt / austauschen. Letzteres ist sehr selten und ich habe noch nie davon gehört.
  • Thermostatventil

    • Das Thermostatventil ist defekt -> Thermostatventil ausbauen und prüfen, ggf. ersetzen
      Nahaufnahme eines verrosteten Thermostatventils

      Ein so stark korrodiertes Thermostatventil öffnet nicht mehr. Der Motor wird nicht gekühlt und droht zu überhitzen.

      • optische Prüfung (verrostet, verklebt, blockiert), ggf. reinigen -> okay? Lässt er sich von Hand aufdrücken? Gut, dann
      • Heißwassertest im Kochtopf -> Thermostatventil in den Kochtopf mit kaltem Wasser legen -> sobald sich im warmen Wasser Bläschen bilden sollte das Thermostatventil offen sein (besser mit Thermometer prüfen, geht aber auch ohne)-> im kalten Wasser sollte das Ventil sich schließen -> Nein? Dann tauschen oder ausgebaut lassen.
      • Man kann übrigens zur Not auch ohne Thermostatventil fahren. Hierzu den Motor warm laufen lassen, dann das Thermostatventil ausbauen und ohne weiter fahren. Dauerhaft ohne Thermostatventil sollte man aber nicht fahren. Der Motor wird dann nicht schonend erwärmt und nicht so schnell warm. Alternativ: lange warm laufen lassen, bis sich der Zylinderkopf beim vorsichtigen berühren warm anfühlt. Keine Sorge, eine Überhitzung des Motors ist ausgeschlossen, denn ohne Termostatventil wird der Motor immer voll gekühlt, egal ob er warm oder kalt ist. Das ist im kalten Motorzustand ein Nachteil, also nur in den ersten Minuten.

        Blick in die Öffnung beim ausgebauten Thermostatventil am Yanmar 1GM10

        Die Öffnung, in der das Thermostatventil eingebaut ist. Darin ist das abgelagerte Sediment zu erkennen. Im Vordergrund Dieselleitung und der Deckel des Thermostatventilgehäuses.

  • Kühlkanäle

    • Die Kühlkanäle sind verstopft -> Meist durch Sedimente oder angesaugte Partikel, Verkalkung, kleine Muscheln -> Mit der Zeit „wachsen“ die Kühlkanäle zu. Sediment verbindet sich mit Kalk und Salz zu einem festen Belag, der den Querschnitt verringert. Es kann nicht mehr genug Wasser die Hitze des Motors abführen.
    • Das Problem daran ist, dass das Zusetzen der Kanäle schleichend passiert. Die ausgestossene Kühlwassermenge nimmt von Woche zu Woche um wenige Milliliter ab. Also praktisch nicht kontrollierbar. Man merkt das nur daran, dass der Kühlwasseralarm immer früher und scheinbar ohne Grund angeht. Einziger Test ist Zylinderkopf abnehmen und Kühlkanäle dort ansehen oder vorsorglich den ganzen Motorblock, bzw. die Kühlkanäle spülen.
    • Ich empfehle das Spülen alle zwei bis drei Jahre im Winterlager. Das gewählte Intervall ist abhängig davon, wie viel Sediment vorhanden ist. Wenn viel Sediment vorhanden ist, z.B. in Seitenarmen von Flüssen, Hafenbecken, grosse Flüssen mit regem Schiffsverkehr, im Wattenmeer oder Boddengewässer -> dann ggf. häufiger.
    • Abhilfe: Regelmäßig die Motorkanäle mit Essiglösung spülen. Über das Spülen der Motorkanäle kannst Du Dich in diesem Bericht von Thomas Eulenberg informieren. Oder in der Checkliste von Schmidt und Seifert.
    • Besser noch: Wenn Du weisst, dass das Boot länger liegen wird, also mehrere Tage oder Wochen: Bevor Du den Motor abstellst, Kühlwasserfilterdeckel öffnen, Seeventil schließen, und in den Seewasserfilter direkt nach und nach 3 oder mehr Liter (hängt von der Motorgröße ab) einfüllen. Das Süßwasser wird durch den noch laufenden Motor gepumpt. Dann Motor abstellen und Seewasserfilterdeckel wieder schließen
    • Folge: Keine Sedimentablagerung, weniger Rost. Das geht flott und der Motor dankt es Dir mit voller Leistungsentfaltung. In dem Fall kannst Du das regelmäßige Spülen mit Essiglösung im Winterlager sogar unterlassen. Ich empfehle das grundsätzlich bei Motoren im Salzwasser und oder starkem Sedimentgehalt (trübes Wasser). Ich selbst mache das immer, wenn ich das Boot für mehr als 3-4 Tage oder bei unklarer Rückkehr verlasse.
    • Das Süsswasserspülen vor dem Abstellen verhindert das Festsetzen des Sediments schon am Anfang und spült das ggf. eingetragene Meersalz und Sedimente und Muschelbrut wieder aus. Die Sedimente lagern sich nur bei stehendem Motor, unter Hitze und mit Kalk fest an. Ob Kalk ausfällt, hängt von der Temperatur ab, die das Kühlwasser erreicht. Kalk fällt erst bei ca. 60 Grad Celsius aus. Daher sind verschiedene Motoren, so auch der Yanmar auf eine Kühlmitteltemperatur von max. 60 Grad eingestellt. Ab dieser Grenze ertönt dann auch der Alarm.

Welche Fehler kommen sonst noch in Frage?

  • zu geringer Ölstand, kein Öl mehr vorhanden -> Öl nachfüllen, vorher Fehler beseitigen (Ablassschraube los gerüttelt?)
  • Überlastung durch
    • zu grossen Propeller, falsche Steigung. Zu erkennen daran, dass der Motor eingekuppelt unter Fahrt nicht die volle Drehzahl erreicht und schwarzen Qualm spuckt. Bei meinem Motor (Solldrehzahl 3.600 Umdrehungen) wurden nur 2.400 Umdrehungen erreicht. Messbar über Drehzahlmesser oder manuellen Drehzahlmesser („blitzen“ am Schwungrad und messen mit mobilem Drehzahlmesser) -> Propeller tauschen. Berechnung des passenden Propellers über das Stichwort „Propellerberechnung“ im Internet. Bis zum Einbau des neuen Propellers dann nur bis kurz unter der erreichbaren Drehzahl fahren um eine Überlastung des Motors zu verhindern.
    • Seepocken und oder Muscheln an der Schraube. Fehlerbild wie vor. Abhilfe: Tauchen und kratzen
    • Leine, Netz oder Tüten um die Schraube oder die Welle gewickelt. Fehlerbild und Abhilfe wie vor

Unterwegs und die Signalleuchte geht an und der Alarm piept. Was tun?

Falls Du unter Motor unterwegs bist und Dich der akustischen Kühlwasseralarm völlig unvorbereitet trifft, dann hast Du mehrere Optionen.

Zuerst mal: Umschauen, Umfeld beobachten und vor allem: Ruhe bewahren! Du hast oft mehr Zeit als Du glaubst.

Dann gilt:

Drehzahl reduzieren und falls der Alarm nicht in spätestens 60 Sekunden verstummt, den Motor abstellen. Falls Du den Motor abstellen musst, um Schäden zu vermeiden, dann prüfe diese Optionen.

Was kann ich ohne Motor tun?

  • treiben lassen (genug Platz vorausgesetzt – z.B. auf freier See)
  • Beilieger fahren, sofern unter Segeln. Hierdurch liegt das Boot ruhiger.
  • schnell an einem Dalben etc. festmachen.
  • Ankern (klar, nicht im Fahrwasser, Hafeneinfahrt etc.)
  • Nachbarboot um Schlepphilfe anrufen
  • Hilfe holen über Funk oder Handy. Bei Motorproblemen kostet das meines Wissens über die Seenotkreuzer nichts, es geht aber nicht schnell sondern dauert im besten Fall mehrere Minuten. Leinen vorbereiten und Schall- und Sichtzeichen geben! Leine hochhalten versteht jeder. Bei privaten Helfern ist das in der Regel Ehrensache, kein Geld zu nehmen. Bei Fischern oder gewerblichen vorher (!) die Konditionen des Abschleppens erfragen und Pauschale vereinbaren!
  • Segel setzen und raus aus der Gefahrenzone, bzw. dort wohin Platz ist und dann eine der oben genannten Optionen ziehen
  • Fehlersuche und Reparatur einleiten

Unterwegs oder im Hafen reparieren?

Wenn Du die Ersatzteile an Bord hast und Dich an einen Dalben retten konntest, vor Anker liegst oder einen zweiten Mann am Steuer hast, dann kannst Du die Fehlersuche und Reparatur selbst und sofort und ggf. unterwegs einleiten.

Welche Ersatzteile und welches Material sollte ich an Bord haben?

  • zuerst mal das passende Werkzeug
  • Motorhandbuch
  • Impeller Ersatzset (Dichtung, Impellerrad mit Schmiermittel)
  • ggf. Ersatzdeckel für den Impeller, wenn Deiner bereits einmal gedreht wurde. Wenn Du regelmäßig und selbst den Impeller prüfst, merkst Du das aber schon rechtzeitig im Winterlager und brauchst das nicht
  • Wasserfestes Fett oder Gleitmittel. Zum Einschmieren des Impellers, wenn Du ihn zum Prüfen herausgenommen hast – sehr dünn einfetten. Und nur wenn du kein Gleitmittel hast.
  • passenden Keilriemen als Ersatz
  • passendes Thermostatventil als Ersatz, Ersatzdichtung
  • Ersatzschläuche und Schellen
  • Taucherbrille, Schnorchel, Flossen, Neoprenanzug (Shorty reicht bis ca. 14 Grad), ggf. eine Leine, um Dich unter Fahrt mit dem Boot zu verbinden. Besser: Beilieger machen. Vorsicht bei Welle! Dann nur von Luv herantauchen und beim Stampfen des Boots auf den Kopf achten. Am besten aber im Hafen, dort liegt man ruhiger. Allerdings wird dort alles mögliche in die Hafenbecken gekippt und gepumpt. Gesund ist das meistens nicht…

Fazit: Für Laien machbar!

Mit etwas handwerklichem Geschick, dem Motorhandbuch und dem passenden Werkzeug kannst Du die häufigsten Mängel am Kühlsystem selbst finden:

Überprüfe zuerst

  • Seeventil
  • Borddurchlass,
  • Seewasserfilter
  • Impeller
  • Propeller

ansonsten prüfe danach

  • Keilriemen
  • Schläuche und Schellen
  • Pumpe, Pumpengehäuse und Dichtung
  • Thermostatventil
  • Kühlkanäle
  • Dichtungen

Das ist alles machbar, nur Mut, auch mit geringem Vorwissen und Geduld ist das gut zu machen! Um die ganze Liste durchzuchecken habe ich beim ersten Mal, mit zwischen drin recherchieren und mal was anderes machen ungefähr einen Vormittag gebraucht.

Wer es zum zweiten Mal macht, braucht für das durch checken und reparieren noch ca. 1-2 Stunden, je nachdem was es ist.

Ausserdem bin ich der Meinung, dass man das als Eigner eines Segelboots können sollte. Zudem reduziert eine selbst gemachte Reparatur die Unterhaltskosten. Hier geht es zu dem Artikel über die Unterhaltskosten des Boots in 2017.

Die Entstehung der Liste

Diese kleine Checkliste ist durch Versuch und Irrtum, vor allem aber durch Internetrecherche und Herumfragen  im Frühjahr 2019 entstanden. Zu vielen Dingen konnte ich zum Glück bei erfahrenen Vereinskollegen, Freunden und drei Motorspezialisten nachfragen.

Da ich Tischler mit etwas handwerklichem Geschick bin, aber kein Motorenspezialist: Keine Garantie, kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Und nun bist Du dran!

Welche Erfahrungen mit dem Kühlsystem hast Du gemacht? Fällt Dir noch mehr dazu ein? Fehler oder Anregungen? Dann schreibe mir bitte. Der Artikel kann nur so gut sein wie unser aller Wissen und Erfahrung.

Ich freue mich auf Deine Kommentare und Erlebnisse hierzu. Bitte hierzu die Kommentarfunktion verwenden, dann haben alle etwas davon!  Und immer einen kühlen Kopf und Motor! Danke!

 

Weitere technische bzw. Schrauber-Artikel

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Erst kam der Motorschaden, hier der Artikel dazu (mit Video)

dann der Artikel über den Einbau des neuen Motors (mit Video)

 

Motorschaden – der „neue“ Motor

Wie im vorherigen Beitrag zu lesen war, hatten wir einen kapitalen Motorschaden mit Feuer im Boot.

Da wir schon seit wir das Boot haben nicht glücklich mit dem Motor waren, hatte Christoph bereits auf der letzten Hanse Boot (sorry – Hamburg Boat Show heißt die ja jetzt) sich nach Alternativen umgeschaut. Am liebsten hätten wir einen E-Motor. Das lässt sich finanziell aber nicht realisieren – schließlich sparen wir auf die Langfahrt. Also kommt für uns generell nur ein gebrauchter als Austauschmotor in Frage.

Jetzt mussten wir uns entscheiden:

1. Gebrauchter Motor – viel Arbeit und man steckt nicht drin

2. Außenborder – suboptimal, da dieser konstruktionsbedingt zBsp bei Welle immer wieder rauskommt

3. Boot verkaufen – absolutes Verlustgeschäft

4. Boot über den Sommer stehen lassen und überlegen – bringt uns auch nicht weiter

Der Austauschmotor

Wir entscheiden uns für Option 1, es wird ein gebrauchter Yanmar 1GM10. Dieser ist ausreichend für unser Boot, passt von der Größe gut rein und Ersatzteile sind kein Problem.

Christoph beschließt, den Motor selbst einzubauen. Das Abenteuer beginnt im neuen Jahr.

Der Einbau

Den alten Motor hatte er schon im letzten Jahr vom Boot genommen, da dieser sowieso raus musste – egal wie wir uns entscheiden. Also konnten die Vorbereitungen beginnen. Es mussten neue Fundamente gebaut werden. Und Christoph als ursprünglich mal gelernter Tischler war da auch voll in seinem Element. Jedes Wochenende wurde im Boot verbracht, Bohlen wurden zugesägt, gehobelt und laminiert. Der Motorraum wurde soweit vorbereitet, gereinigt und gestrichen. Und dann war es soweit, „Keule“ wurde ins Boot gehoben.

Mittlerweile kam unser geplanter Wasserungstermin immer näher und die Liste wurde irgendwie nicht kürzer. Wir entschieden uns im April, das Anschließen an eine Firma abzugeben – April ist Hochsaison. Wir hatten jedoch Glück und fanden eine Firma, die uns gleich einen Monteur schicken konnte.

Es wurde immer enger mit dem Termin, bis zum Schluß hofften wir, es noch zu Ostern zu schaffen. Aber wir konnten unseren Termin nicht halten und mussten verschieben. Was bedeutete, wir mussten auch das Boot verschieben, wir standen ja schon auf der Slipbahn. Also Unterstützung organisiert und das Boot verschoben. So hatten wir sämtlichen Druck rausgenommen und konnten in Ruhe alles fertig machen. Und wieder mal wurde das Boot gründlich gereinigt – der Feuerlöscherstaub war immer noch überall.

Ins Wasser

Dann war es tatsächlich doch so weit: wir konnten ins Wasser. Endlich den Lohn der monatelangen Arbeit einkassieren…

Es ist der 1. Mai: wir fahren die Elbe entlang, vorbei am Entenwerder 1, die Elbbrücken, das Grinsen wird breiter, die Anspannung löst sich…bis ein lauter schriller Ton uns plötzlich zurückholt – Alarm!

Wir hatten gleichzeitig mit einem anderen Boot gewassert und fuhren mit denen zusammen, falls etwas wäre. Dass tatsächlich etwas nicht in Ordnung ist – damit hat keiner gerechnet.

Wir hatten einen „Kühlwasseralarm“, dh heißt der Motor überhitzt. Also Maschine aus und Fragezeichen. Nach einer kurzen Wartezeit starten wir wieder und fahren weiter, zum Glück haben wir es nicht weit zum Citysporthafen in Hamburg. Dort angekommen ist die Enttäuschung genauso groß wie die Unsicherheit.

Nach Travemünde?

Die Fehlersuche startet. Und gleichzeitig die Suche nach Plan B – da wir am Wochenende überführen wollten. Christoph hatte sich freigenommen, damit wir genug Zeit haben. JaNeinJaNeinJaNein…lange Überlegungen. Donnerstag Abend hatten wir uns gegen eine Überführung entschieden. Freitag morgen dann die endgültige Entscheidung: wir fahren, aber langsam. Das könnte zwar heißen, das Boot liegt eine Woche in Lübeck, weil wir es nicht schaffen – aber ob es jetzt in Hamburg oder Lübeck liegt, ist auch egal. Also machen wir uns auf den Weg. Nach ein paar Versuchen hat sich unsere Reisgeschwindigkeit auf ca 3,8 Knoten eingependelt, nicht gerade schnell. Aber im letzten Herbst mit dem Außenborder waren wir auch nicht viel schneller, also nichts neues. Es ist jedoch ziemlich frustrierend, wenn man von Kajaks überholt wird…

Wir kommen noch am Sonntag in Travemünde an und sind glücklich, zumindest schon mal hier zu sein. Am folgenden Wochenende stellen wir den Mast und machen alles soweit fertig. Unsere Genua ist noch beim Segelmacher, wir brauchen dringend eine neue. Daher können wir sowieso noch nicht segeln.

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Und jetzt?

Christoph telefoniert und recherchiert die ganze Zeit wegen des Motors und es könnte am Propeller liegen. Noch ist das aber nicht geklärt.

Ich hoffe, wir können euch und uns da bald eine positive Rückmeldung geben. Auf Facebook oder Instagram bekommst du die Informationen zeitnah!

Ansonsten wünschen wir Dir und uns eine tolle Saison und natürlich immer HANDBREIT!

 

Saison/Ende – Eigner/Ende?

Es war sehr still um uns die letzten Monate. Auf Facebook oder Instagram konnte man erfahren, warum: wir haben ein größeres Problem mit Sleipnir. Aber lest und seht selbst:

27.08.2018 Ein Sonntag im August

Ein schöner Spätsommer-Sonntag im August. Wir machen uns gemütlich fertig, um eine Runde zu segeln. Raus aus der Box auf die Trave und die Genua gesetzt…doch noch bevor wir den Motor stoppen können, geht dieser aus.

Aha. Kurze Irritation bei uns. Ich starte den Motor, aber nichts passiert. Was ist jetzt los? Schnelle Entscheidung: wir müssen umdrehen. Aber wie sollen wir in die Box kommen? Das geht nicht unter Segeln. Also legen wir uns am Priwall an die Hafenmole und lassen uns von den Hafenmeistern mit deren Motorboot abschleppen.

Segelboot wird abgeschleppt

Jetzt ging erst einmal die Fehlersuche los… Dazu sei gesagt, es ist unser erstes Boot, unser erster Dieselmotor. Unser Stegnachbar gab uns den Kontakt zu einem Schrauber, der ein Faible für alte Motoren hat. Zum Glück hatte dieser direkt Zeit und „Mann“ machte sich zusammen direkt auf die Suche.

Es war zuerst augenscheinlich nur die Einspritzpumpe kaputt. Diese zu besorgen war nicht einfach, es ist ein sehr alter Motor und die Ersatzteile werden knapp. Zwar ein sehr robuster Motor, aber wenn dann mal etwas kaputt geht…

Christoph baute mit Manuel die neue Einspritzpumpe ein. Beim ersten Startversuch ging der Motor direkt auf Vollgas und es kamen Flammen aus dem Auspuff. Die einzige Möglichkeit war, den Motor mit dem Feuerlöscher zu stoppen. An diesem alten Motor gibt es keinen Notstopp. Der Schreck saß tief…und es gab viele Fragezeichen. Es stellte sich später heraus, der „Gasregulierer“ war gebrochen.

Segelboot Motorraum nach Feuerlöschereinsatz

Feuerlöscher-Pulver…ein Desaster. Jetzt ging es richtig los: Versicherung, Gutachter, … Es begann ein langes hin- und her: neuer Motor, alter Motor, neues Boot, kein Boot, usw.

Ja, wir stellten das ganze Boot in Frage, denn mal ganz ehrlich: den Motor austauschen? Für mich sowieso undenkbar und für Christoph auch neu. Wir sprachen und diskutierten lange und immer wieder und stellten beide fest: wir wollen weiter auf eigenem Bug segeln. (warum das so ist, kannst du hier nachlesen)

Letztendlich entschieden wir uns daher, den Motor auszutauschen. Okay, nächste Frage: neu oder gebraucht? Christoph hatte auf der Hanseboot (sorry, die heißt ja jetzt „Hamburg Boat Show“) das Angebot für einen gebrauchten Yanmar bekommen. Es gab einen 1GM10/9PS und einen 2GM20/17PS. Wir entschieden uns aus vernunftsgründen für den kleineren und führerscheinfreien 1GM10. Führerscheinfrei ist ein tolles Verkaufsargument – viele wollen ja leider keinen Führerschein machen. Außerdem passt der kleine Motor mehr oder weniger problemlos in unser Boot.

12.10.2018 Zurück nach Hamburg

Diese Entscheidung brachte mit sich, daß das Boot auf jeden Fall nach Hamburg muss. Also brauchten wir einen Außenborder, um die alte Dame über den Elbe Lübeck Kanal zu schippern. Glücklicherweise konnten wir uns einen ausleihen und diesen ohne den Heckspiegel zu durchlöchern, anbringen. Okay, Christoph brachte diesen an…

Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir Sleipi in 3 Tagesetappen nach Hamburg. Die Planung sah etwas anders aus, aber hey, was heißt schon Planung? Das Anbringen des Außenborders dauerte länger als erwartet, am Ende legten wir noch mit Jan zusammen (danke dafür!!!) den Mast am Liegeplatz. Daher kamen wir doch erst am späten Nachmittag los und schafften wir es nur bis zur Marina am Stau, nicht mal die Hälfte des Weges nach Lübeck. Wir waren dazu noch sehr langsam: der Motor hing zu schräg am Boot, wodurch es nicht genug Schub gab.

In der Marina am Stau versuchte Christoph unter der Steglaterne und mit Stirnlampe den Motor besser einzustellen.

Sonnenaufgang Marina am Stau Lübeck

Wir standen sehr früh morgens auf – und wurden dafür mit einen unglaublichen Sonnenaufgang belohnt. Plan war, bis Geesthacht durchzukommen. Wir waren jetzt auch schneller, die Nachjustierung hatte sich gelohnt. Allerdings reichte es nicht, wir tuckerten mit ca 4kn über den Kanal. Wir beschlossen dann doch, lieber in der Freizeitwelt Güster mit allem Komfort eine Nacht einzuplanen. Das ist angenehmer als irgendwo vor einer Schleuse zu nächtigen.

Der Hafenmeister sagte uns am Telefon, es wäre kein Problem, ein paar Plätze gibt es noch. Völlig untertrieben, es waren fast alle Plätze leer. Der Abstecher hat sich gelohnt, es gab lecker Bratkartoffeln und eine schöne Umgebung. Da es auf Saisonende zuging, war die Freizeitwelt sehr beschaulich und ruhig. Im Sommer sieht das sicherlich ganz anders aus.

Freizeitwelt Güster am Elbe-Lübeck-Kanal

Am nächsten Tag fuhren wir bis Geesthacht. Weiter konnten wir leider wegen der Tide nicht mehr, zeitlich hätten wir das auf jeden Fall nach Hamburg geschafft. So ist das Segeln auf der Elbe: immer abhängig von der Tide (deswegen bin ich auch lieber auf der Ostsee. Anm. d. Red.). Da ich am darauf folgenden Tag nicht mehr mit an Bord war, übte Christoph an der letzten Schleuse das „Einhandschleusen“. Echt schwer für mich, nicht mal eben einzugreifen – wie man im Video auch gut erkennt… Es klappte gut, alles war fein.

Wir legten Sleipi beim Geesthachter Segelverein an und fuhren mit dem Bus nach Hamburg, um den Sonntagabend zuhause zu verbringen. Wir hatten keinen Landstrom vor Ort und da wir mit Außenborder fuhren, konnten wir die Batterien nicht laden. Morgens fuhr ich Christoph nach Geesthacht und überließ ihn schweren Herzens seinem Schicksal.

Segelboot im Geesthachter Segelverein

In der Schleuse von Geesthacht hatte er direkt viel Spaß: der Schleusenwärter konnte ihn wegen des Sonnen-Gegenlichts nicht sehen – und schloß die Schleuse in dem Moment, als er unter dem Tor war. Es ist ihm zum Glück nichts passiert, und so kam er in den Genuß, das Einhand-Schleusen exzessiv zu üben. DAS kann er jetzt!

03.11.2018 Winterlager

Ausslippen. Wieder bei schönem Wetter die Elbe entlang. Wirklich immer wieder schön und ein Erlebnis! Es klappte alles trotz schwachem Außenborder reibungslos und wir waren erleichtert, daß das Boot jetzt in der Halle war. Allerdings hatten wir auch eine ordentliche Pockenzucht am Unterwasserschiff. So sieht es wohl aus, wenn ein Boot mehr als 2 Monate nicht bewegt wird.

Sleipnir im Winterlager

Seepocken am Unterwasserschiff

Jetzt beginnt der unschöne Teil des Segelns: die Winterarbeit! Dieses Mal mit einer ganz großen Herausforderung: Motortausch! Wir wollten ja ein altes Boot, um zu lernen und zu üben. Dass sich das Boot jetzt so proaktiv einbringt und uns die Lektionen vorgibt, war so nicht geplant…

Hier das Video dazu:

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Wie es mit dem Motor, dem Boot und uns weitergeht, erfahrt ihr bald! Wer nicht auf den nächsten Artikel warten will: folge uns doch auf Facebook oder Instagram!

Alles hat gut begonnen ….

… doch dann haben wir einen Schaden am Boot. Die Wellenkupplung an unserer Dehler Optima 83 ist gerissen. Damit ist klar: Heute und bis auf weiteres kein Segeln mehr! Und dann wurde es auch noch nass, denn ich fiel über Bord.

Doch eines nach dem anderen:

Die Sonne scheint milchig durch die Fenster. Sonntag morgen. Wir sitzen noch gemütlich im Bett, ich halte das Kaffee Glas in der Hand. Lecker! Wenig Wind ist angesagt, aber Sonne. Natürlich wollen wir zum Boot, denn es fehlt uns. Viel zu lange sind wir schon ohne Wind und Wellen! Wir packen eilig unsere Sachen zusammen. Vor allem warme Kleidung, denn es sind nur 15 Grand vorausgesagt. Gegen 10 sind wir auf der Autobahn. Wenig Verkehr und wir kommen gut voran. Die Felder sind abgeerntet, der Herbst ist deutlich spürbar. Wehmut macht sich bei mir breit. Es wird eines der letzten Male sein, dass wir dieses Jahr segeln können.

Erst einmal einen Tee…

…. denken wir uns, als wir angekommen sind. Während Marion den Tee kocht, hänge ich die Batterie an das Ladegerät. Es lohnt sich, nur noch 12,8 Volt. Ich bringe noch schnell die Klemme an der Mastnut an, die die Rutscher in der Nut halten sollen. Bastele noch 2-3 weitere Kleinigkeiten. So, fertig, es kann losgehen. Hm, Tee ist kalt. Schon wieder eine Stunde vorbei?! Unglaublich! Waren das nicht wenige Minuten gewesen? Egal, gut das erledigt zu haben! Marion hat sich dem Handy zugewandt, während ich gebastelt habe.

Kein Wind?

Der Wind war mit 3 Knoten vorausgesagt. Doch er frischt auf. Nichts wie los! Marion möchte uns raus fahren aus dem Hafen. Die Heckleinen sind gelöst. Ich werfe uns vorne los, endlich kann es losgehen. Wie oft wir noch in diesem Herbst zum segeln kommen werden? Es könnte einer unserer letzen Schläge sein.

Einkuppeln!

Marion legt den Rückwärtsgang ein.  Es klingt anders als sonst. „Ist der Gang drin?“, fragt mich Marion. Ich blicke auf den Schalthebel. „Ja, ist drin!“ meine ich. „Wir fahren aber nicht, wir treiben mit dem Wind.“ Wir versuchen es nochmal. Vorwärtsgang, Leerlauf, Rückwärtsgang. Nichts. Der Gang scheint sich nicht einlegen zu lassen. Noch bin ich gelassen. „Sicherlich hat sich nur das Schalt-Gestänge gelöst“, denke ich bei mir und hole das Werkzeug. Wir stoppen den Motor. Um an das Gestänge zu kommen müssen wir den Boden in der Plicht ausheben. Ein großer, schwerer Deckel aus GfK. Um den heraus zu bekommen, muss allerdings der Traveller abgebaut werden und die Roste in der Plicht heraus. Wir schrauben gemeinsam den Traveller ab, heben den Deckel aus. Ich steige hinein, Marion startet den Motor, ich schalte. Es klingt nicht wie sonst. Ich kontrolliere das Gestänge.  Nichts, alles in Ordnung.

Der Schaden – die Wellenkupplung ist gerissen

Dann sehe ich die Bescherung. Die Wellenkupplung, das Verbindungsstück zwischen Getriebe und Welle, ist abgerissen. Das Teil ist aus massivem Gummi und soll die Vibrationen des Motors von der Welle und der Dichtung in der Rumpfdurchführung fern halten. Abgerissen. Damit ist klar: Heute kein Segeln mehr!

Marion zieht sich erst mal zurück um den Schreck zu verarbeiten. Ich bekämpfe den Schreck und den Schaden mit Werkzeug. Schnell ausbauen das Ding. Hier das Video zum Schaden:

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„Wird schon nicht so schlimm sein….“, denke ich bei mir, „bestimmt ein Standardteil für 50 Euro“. Nachdem ich die Wellenkupplung ausgebaut habe, schaue ich in die Ersatzteilliste des Motors. Nicht verzeichnet. Hm. Also Internetrecherche auf dem Handy. Einer verkauft so eine passende Wellenkupplung gebraucht. 130 Euro?! Unglaublich! Bei Faryman, dem Hersteller des Motors, finde ich auch nichts. Ich suche nach technischen Alternativen. Andere Systeme von Wellenkupplungen kosten um die 400 Euro – ohne Montage, natürlich! Langsam wird uns klar, dass das möglicher Weise teurer und komplizierter werden könnte, als wir dachten. Mit Pech brauchen wir einen Mechaniker. Für heute können wir nichts mehr tun. Wir wollen zusammenpacken und zurück fahren.

Das ist aber noch nicht alles…

Als ich das Boot vorne wieder festmachen möchte, versuche ich mit einem großen Schritt auf den Steg zu gelangen. Der Abstand ist zu groß, plötzlich hänge ich zwischen Boot und Steg und kann mich nicht mehr halten. Platsch! Ich liege drin, in voller Kleidung. Zum Glück ist die Brille noch da! Der Nachbar versucht mich raus zu ziehen, aber ich bin zu schwer. Seine Töchter verbeißen sich mühsam das Lachen. Ich drehe um, schwimme zum Heck und klettere über die Badeleiter wieder an Bord. Patschnass, das finde ich eher lustig. Noch.

Dann realisiere ich, dass ich das Iphone in der Hosentasche hatte. Das ist aus und wohl hin. Sicher werde ich das erst morgen wissen. Und später auf der Heimfahrt entdecke ich, dass meine Smartwatch weg ist. Dort wo an meinem Handgelenk das Gummiarmband war, ist jetzt eine Schramme. Vermutlich abgerissen bei der Aktion und gesunken. Sehr ärgerlich!

Ein teurer Sonntag. Und die Sonne haben wir nicht wirklich genossen…. dafür gibt es was zu erzählen und wieder was gelernt.

Wir hoffen, das Ersatzteil noch zu bekommen, schließlich ist der Motor 46 Jahre alt. Hoffentlich! Genauer werden wir es erst in den kommenden Tagen wissen.

Dienstag

Nach vielem telefonieren und Email schreiben scheint sich eine Lösung abzuzeichnen. Der Dehler Händer, das Marina Team in Oldenburg hat eine passende Wellenkupplung für 462 Euro. Stolzer Preis! Außerdem sieht das anders aus als unseres, würde aber passen. Nach deren Aussage ist das Teil auf deren Liste das Original und das bei uns verbaute demnach etwas anderes. Zwei Wochen Lieferzeit, hm. Weil es schnell gehen muss frage ich noch 2-3 andere Adressen an.

Mittwoch:

Schließlich die Erlösung! Unser Lieblings Händler, Törper Marinetechnik in Travemünde, scheint etwas gefunden zu haben. Er kann uns eine passende Wellenkupplung für unsere Dehler Optima 83 tatsächlich anbieten. Und deutlich günstiger und schneller. Törper hat sich die Fotos und Maße genau angesehen und hat echt Ahnung. Lieferzeit nur rd. 5 Tage. Obwohl beide beim selben Lieferanten beziehen. Support your local dealer!

So viel ist klar: Es gibt eine Lösung, kostet halt Geld ;-)

Ach Geld: Nun ist es sicher, das Iphone ist hin! Und heute hat sich der Autoschlüssel, den ich beim „Baden“ in der Hosentasche hatte, auch noch verabschiedet ….. Da wird einem erst mal klar, wie viel „Geld“ man so in der Hosentasche hat. Erstaunlich!

„Ein Segelboot ist ein Loch im Wasser in das man Geld wirft“, wohl wahr!

Kauf der Dehler Optima 830 – aus Fehlern lernen oder „you learned it the hard way“

Es lief nicht rund! Wir haben einige Fehler bei der Besichtigung und beim Kauf unserer Segelyacht begangen… Dennoch wurde es eine sympathische Dehler Optima 830 aus 1971.

Technische Daten und Zeichnung findet Ihr bei Sailboatdata.com oder hier. Warum wir das Boot dennoch lieben? Dazu lest unseren  Artikel „Der Charme der  70er“.

Unsere Erfahrungen möchten wir an dieser Stelle mit Euch teilen. Hoffentlich ist der eine oder andere hilfreiche Hinweis für Euch dabei. Sonst zum schmunzeln – ist ja „Hafenkino“.

Warum habt Ihr genau das Boot gekauft?

Wir haben zuerst eine Liste der Dinge entwickelt, die uns an einem Boot besonders wichtig sind. Material, Größe, Ausstattung, Preis etc. Diese Liste gab die Richtung vor und war ein wichtiges Hilfsmittel für den Auswahl und den Kauf.

Hilfreich vor allem, wenn man über Boote stolpert, die diesen „Au ja – will ich haben“ – Effekt haben – aber nicht ins Raster passen. Zum Beispiel manche liebenswerte, morsche Holzboote oder die sympathischen schwimmenden Rosteimer mit Motorschaden. Immer dann wedelte Marion mit der Liste ;-)

Gutachter – hätten wir besser einen gehabt!

Wir hatten Kontakt mit einem Sachverständigen im Hamburg. Jens Böckmann von Yachtverstand.com. Sehr empfehlenswert. Er gab uns wichtige Tipps, vielen Dank hierfür! Selbst bei unserem günstigen Boot wäre seine Leistung gut investiertes Geld und vor allem beruhigend gewesen. Das erspart viel Ärger. Der Fachmann bleibt objektiv, während sich der Käufer vielleicht bereits in das Boot „verliebt“ hat. Leider glaubte ich, mich mit Booten gut genug aus zu kennen.

Das Budget

Unser Budget war begrenzt, deutlich unter 10.000 Euro sollten es sein, Wunschpreis war 5.000 Euro. Das ist wenig. Wir setzten auf den schlechten Verkäufermarkt und ein „Schnäppchen“.

Wir besichtigten verschiedene Boote. Zu groß, zu klein, eigenartige Verkäufer oder technische Bedenken. Einer wollte uns sein Boot unbedingt verkaufen, er rief nach der Absage noch mehrere Wochen lang an und bot uns sogar Ratenzahlung.

Der Verkäufermarkt scheint kaputt sein. Übrigens: Im Hamburger Abendblatt war am vor einiger Zeit ein sehr lesenswerter Artikel. Er heißt „Nachwuchsproblem: Gebrauchte Boote ein Ladenhüter“ vom 15.03.2016.

Unsere Wunschliste

In unserer Wunschliste waren unter anderem der Preis, die Größe, Material, Innenborder, Toilette, 5 Schlafplätze, aber auch Ausstattung wie Kocher und Dinette vermerkt. Vor allem war uns neben der Möglichkeit, längere Fahrten zu unternehmen, der Innenraum wichtig. Der Salon sollte sich wohnlich und geräumig anfühlen. Die Dehler Optima 830 hat große Fenster zur Seite und nach vorne.  Da sie außerdem Stehhöhe hat, begeistert uns der Salon immer noch durch ein erstaunlich großzügiges Raumgefühl.

Der Erstkontakt

„Das ist es!“ war unsere erste Reaktion, als wir die Anzeige auf ebay Kleinanzeigen lasen. 6.500 Euro, GfK-Werftbau mit viel Zubehör.

Ich rief an, ein freundlicher älterer Herr. Sympathisch und begeistert. Ich war wohl der erste Anrufer. Leider klappte ein Besichtigungstermin nicht gleich, das Boot stand 250 km entfernt im Winterlager in der Halle in Barth am Darß.

Die Besichtigung

Zwei Monate später die Besichtigung. November. Eine kalte dunkle Halle.

Er hatte einen 1000 Watt-Strahler mit. Wir eine starke Taschenlampe, eine technische Checkliste und unsere Kamera. Der erste Eindruck: aufgebockt wirkt das Boot riesig. Den Rumpf abgeleuchtet, soweit wir heran kamen. Am Rumpf fällt die Beschichtung in großen Flecken ab. Ob das Osmose ist?

Deck Dehler Optima 830

Manches fiel uns bei der Besichtigung auf, vieles davon konnten wir beurteilen. Aber erstaunlich vieles haben wir übersehen oder nicht beachtet.

Unter anderem bemerken wir einen älteren Schaden im Rumpf nicht.

Wir sahen uns die Segel nicht genau auf den Zustand an. Und das Rigg gar nicht…

Unter Deck

Salon Dehler Optima 830

Es ist muffig aber trocken. Gemütlich, geräumig, ordentlich, große Fenster erlauben im Salon einen Rundumblick nach draußen, das kenne ich von keinem anderen Boot.

Die Bilge ist trocken und ohne Öl, sogar staubig. Noch der erste Motor. Er ist alt und leicht ölig, nichts ungewöhnliches. Ach ja, die Zylinderkopfdichtung wurde letztes Jahr neu gemacht. Gut, dachte ich mir, deswegen auch noch der leichte Ölfilm. Später stellt sich heraus, der Motor ölt nach wie vor leicht, qualmt bei hohen Drehzahlen und der Anlasser ist kaputt. Das sollte uns noch viel Zeit kosten, Ärger und Kopfschmerzen bereiten.

Niedergang Dehler Optima 830

Viel Zubehör gehört zum Boot: Eine Handfunke mit SOS-Taste Link 2 von Lowrance, Plotter Raymarine A 65 (hier ein link auf einen Artikel in der Yacht), GPS (alt und nie verwendet), Epirb (abgelaufen – was wir nicht wissen, der Batterietausch lohnt sich nicht!), Lifelines, Leinen, Fender, 3 Gasflaschen, 3 Anker. 2 Landstromkabel, Seekarten, voller Tank ….

Nach eineinhalb Stunden haben wir fertig besichtigt. Wir sind durchgefroren und entschlossen. Das ist es! Nicht nur die Kriterien, Zustand und der Preis passen, vor allem fühlen wir uns auf dem Boot sehr wohl und haben außerdem Vertrauen zum Verkäufer. Auf der Rückfahrt mit dem Verkäufer verhandle ich den Preis. Marion sendet mir von der Rücksitzbank Whatsapp-Nachrichten. Ich soll den Preis nicht so hart verhandeln, denn er ist uns schon weit entgegen gekommen.

Vor dem Kauf

Bedenkzeit fünf Tage – das war gut und wichtig. Die Frist wurde verlängert weil wir auf das Ergebnis der Osmose-Begutachtung und das Angebot für den Neuaufbau des Unterwasserschiffs warten mussten. Nach drei Wochen und viel Recherche und Telefonaten das Ergebnis: Keine Osmose aber das Unterwasserschiff muss gestrahlt und komplett neu aufgebaut werden. Wir einigen uns mit dem Verkäufer darauf, dass er zwei Drittel der Kosten übernimmt. Der Barther Yachtservice gibt das bessere Angebot ab, dennoch mehrere tausend Euro. Und er macht klasse Arbeit!

Der Kauf

Ende Dezember 2016 unterschreiben wir mit dem Verkäufer nach vielen angenehmen Gesprächen den Kaufvertrag. Wir sind glücklich! Der Verkäufer hat Tränen in den Augen, der Verkauf bedeutet den Abschied vom Segeln für Ihn. Das schmerzt uns.

Was würdet Ihr anders machen?

Wie Ihr sehen könnt, haben wir einige schwerwiegende Fehler beim Kauf begangen. Zum Glück sind diese aber gut ausgegangen. Das hätte auch richtig ärgerlich und teuer werden können. So hat es uns „nur“ einiges an Sorgen und schlaflosen Nächten bereitet.

Großer Fehler: Trocken kaufen ohne Wassern, ohne Probesegeln. Den Motor, das Rigg, die Segel und das Ruder haben wir nicht ausreichend, eigentlich gar nicht auf Funktion geprüft. Das Boot stand ganz hinten in der Halle, das wäre erst im April was geworden. Dazu waren wir zu ungeduldig. Nicht nachmachen! Oder wenn, dann bitte nur mit entsprechenden Vorbehalten im Kaufvertrag mit Rücktritts- oder Preisminderungsklausel.

Auch wenn sich der Verkäufer wehrt und das Geld und Mühen und viel Fahrerei bedeutet. Es lohnt sich. Wir vertrauten auf die Ehrlichkeit des Verkäufers und wurden zum Glück nicht enttäuscht. Was wir aber nicht beachteten – was ist, wenn er manche Dinge selbst nicht gesehen hat?

Falls Ihr selbst Euer erstes Boot gebraucht kaufen wollt – hier unsere Tipps:

Viele der Punkte sind sicherlich nicht neu. Rückblickend waren es aber für uns die Wichtigsten. Und die wollen wir Euch nicht vorenthalten! Hier unsere Erkenntnisse:

Welches Boot brauche ich?

Macht Euch vorher genaue Gedanken wozu das Boot dienen soll. Binnensee oder Meer? Welches Revier? Einhand und/oder mehrere Segler? Das entscheidet über Größe, Ausstattung und Preis. Lasst Euch Zeit dafür, das lohnt sich und „hält Euch auf der Spur“. Schriftlich fassen mit Prioritäten.

Wählt das Boot groß genug, aber klein genug um es alleine oder mit kleiner Crew zu segeln! Berücksichtigt unbedingt Eure eigene Segelerfahrung und die – wenn vorhanden – Eures festen Segelpartners! Wenn Ihr keinen festen Segelpartner habt, denkt an das schwächste Glied in der Kette. Oder plant gleich Einhand. Denkt dabei auch an Schlechtwetter/Starkwind und Hafenmanöver. Ich stand auf einem Boot mit knapp 10 Metern Länge, das war einen halben Meter breiter als unseres jetzt, und dachte mir: „Nein, das ist mir für den Anfang zu unhandlich“. Unser Tipp: 27 Fuss ist ideal für den Anfang. Bietet viel und die Auswahl ist zu moderaten Preisen groß.

Schaut Euch mehrere Boote an, auch solche, die nicht unbedingt in Frage kommen. Das schult den Blick auf das Wichtige! Und es wirft technische Fragen auf, die Ihr danach klären könnt und so viel dazulernt!

Technik und typische Schäden:

Beschäftigt Euch mit technischen Dingen wie Osmose, Motor und  Technik. Besorgt Euch dazu am besten eine technische Checkliste für den Bootskauf. Ich fand die Hinweise und die Liste von boot24.com sehr hilfreich.

Sprecht mit Bootseignern. Ein guter Freund von uns gab uns viele Hinweise zum grundsätzlichen Kaufabwicklung und zum Motor. Das half sehr!

Schaut nach Erfahrungsberichten über den Bootstyp und recherchiert typische Schäden. Die Zeitschrift Palstek hat umfangreiche Tests im Archiv und digital auf Abruf für wenige Euro.

Ich finde nach wie vor die älteren GfK-Werftbauten sehr überzeugend. Das GfK ist teilweise zwei Zentimeter stark! Ein gutes Gefühl. Stabil wie Stahl aber rostet nicht ;-).

Wenn Ihr bisher schon viel gesegelt seid und handwerklich geschickt seid ist das sehr gut, eine klasse Basis. ABER – das reicht nicht! Da gibt es so viel, was Euch bei der Besichtigung auffällt und Ihr möglicher Weise nicht deuten könnt. Immer wieder die Frage: Ist das schlimm oder normale Alterung? Und wenn es schlimm ist, was kostet die Reparatur? Deswegen: Fachmann oder Gutachter mitnehmen. Außerdem sind es zwei Augen mehr!

Schaut Euch die Geschichte des Bootes an. Vorbesitzer, Dokumentationen etc. Die Dokumentation sagt viel darüber aus, wie der/die Voreigner das Boot behandelt haben. Gibt es technische Zeichnungen? Schaltkreise? Bedienungsanleitungen? Rechnungen über Motorwartung? Reparaturen? Was wurde kürzlich investiert? Nur jemand, der sein Boot halten und pflegen will, steckt Geld in neue Segel oder die Zylinderkopfdichtung. In unserem Fall war die Dokumentation, so weit ich das beurteilen konnte, über Jahre vollständig. Ein sehr gutes Zeichen!

Wenn Ihr längere Schläge vorhabt oder auch Einhand unterwegs sein wollt, ist ein Pinnenpilot (oder für noch längere Schläge -Windfahnensteuerung) eine sehr sinnvolle Anschaffung. Das verschafft Euch Zeit zum Segel setzen oder auf das Wasser blicken. Unserer ist der Raymarine ST 1000.

Zum Kauf:

Kauft nicht spontan! Durch den schlechten Verkäufermarkt solltet Ihr für einige Jahre mit dem Boot zufrieden sein. Kurzfristig ohne größere Verluste verkaufen wird kaum möglich sein.

Kauft ein Viertel unter maximal Budget, den Rest braucht Ihr für Ungeplantes wie Reparaturen, fehlende oder defekte Ausstattung. Oder zusätzliche Wünsche. Außerdem kommen sofort die ersten regelmäßigen Ausgaben wie Liegegebühren, Mitgliedschaften und Versicherungen. Macht Euch hierzu einen Budgetplan, den Ihr jeweils auf das aktuelle Boot anpasst. Eine einfache Excel-Liste reicht. Wir selbst haben für die Zusatz Ausgaben zu wenig Geld veranschlagt.

Kauft von vertrauenswürdigen Personen. In unserem Fall ein älterer Herr der das Segeln aufgab. Vorteil, die lieben und pflegen meistens Ihr Boot. Nachteil, sie lieben es und sehen es nicht objektiv. Der Geschäftsführer der Werft sagte kopfschüttelnd und mit strafendem Blick später zu mir: „Bloß nicht von alten Männern kaufen, die lieben doch ihr Boot!“

Nach dem Kauf:

Nach unserer Einschätzung hat Pantaenius in Hamburg gute Boots-Versicherungen. Wir wurden dort sehr gut beraten und haben ein gutes Angebot bekommen.

Nach dem Kauf kommt der Betrieb und der Unterhalt, hier geht es direkt zum Artikel über die Unterhaltskosten 2017.

Fazit:

Unsere Wunschliste war ein Segen. Wir wussten genau, was wir suchten. Und wir haben gefunden, was wir gesucht haben. Nach mehr als 400 gesegelten Meilen sind wir begeistert. In der Realität passen die Wünsche und Vorstellungen ideal damit zusammen, was wir bekommen haben. Mehr Boot war für rund 7.200 Euro nicht zu erwarten. Mehr noch: Wir sind absolut glücklich und überzeugt von unserer „alten Dame“, trotz des Alters und der kleinen und großen Macken.

Obwohl wir von unserem Vorgehen überzeugt waren, haben wir im Rückblick leichtsinnig gekauft. Wir hatten lange nicht genug Kenntnis und keinen Fachmann mit. Wir kauften trotz aller Ratschläge „ungesegelt und trocken“. Den defekten Anlasser hätten wir so z.B. so schon vor dem Kauf gemerkt.

Trotz allem sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen! Vieles würden wir heute anders machen. Wir haben viel dazu gelernt ;-)

Nachtrag: Anmerkungen und Erfahrungen nach zwei Jahren Betrieb

Kritikpunkte

Der originale Faryman Motor ist zwar relativ robust, es gibt für die Ersatzteile allerdings nur noch einen Händler in Deutschland und der bekommt auch nicht mehr alle Ersatzteile. Was man bekommt ist sehr teuer. Ventile, Kolben, Abstreifringe sollen angeblich  nicht mehr lieferbar sein. Da hörte ich von einem Motorenfachmann für Faryman in Hamburg als ich überlegte unseren Motor nach dem Feuerlöscher Schaden nochmal in Stand zu setzen. Wie es dazu kam, dazu gibt es hier einen Artikel mit Video. Der Restmotor steht hier noch rum, wer Interesse hat, bitte melden….

Als die Einspritzpumpe kaputt ging, habe ich die letzte Bosch Einspritzpumpe aus dem Ausland kaufen müssen, und die war natürlich sehr teuer.

Der Motor ist übrigens – nicht wie heute üblich auf Stellfüßchen gelagert, ein justieren des Motors auf die Welle ist damit fast nicht möglich. Nur an den vorderen Auflagern kann man durch zusätzlichen Metallplättchen den Motor etwas anheben. Die hinteren Auflager sind liegende Bolzen, hier ist ein Einstellen theoretisch nur über das Verbiegen der Bolzen möglich, das sollte man aber lassen, weil die brechen können.

Die Gummi-Wellenkupplung hält ca. 15 Jahre, dann wird diese rissig und reisst irgendwann ab, vor allem, wenn sich die Motorlager gesetzt haben. Die Kupplung kostet je nachdem wo man kauft 300 – 400 Euro! Also nachsehen, ob diese noch rissfrei ist.

Vom Salon aus sind manche Punkte des Motors z.B. Ölfilter links unten oder Anlasser rechts hinter der Sitzbank nur blind erreichbar. Ausserdem ist das sehr eng und schlecht zugänglich.

Motorenspezialisten hassen oder lieben den alten Motor. Nicht jeder traut sich da gerne ran. Also sollte man am besten einen guten Schrauber finden, oder alles selbst machen.

Das Deck ist eine Sandwichkonstruktion, wir haben eine weiche Stelle an Deck. Die Sprayhood ist nur in das GfK stumpf eingeschraubt, ohne die Schraubenlöcher einzudichten oder Bolzen als Aufnahme richtig einlaminiert zu haben. Am Mastfuss war direkt ein Feuchteeintrag in den Sandwich, der Kern ist Balsaholz. Da müssen wir noch ran, wir werden das durch Injektionen versuchen zu beheben. Falls das nicht geht, müssen wir den Sandwich öffnen und den Kern durch eine Hartschaumeinlage in diesem Bereich ersetzen. Dann ist aber auch die Antirutsch-Struktur auf dem Vorschiff in dem Bereich beschädigt. Die müsste dann ganz runter und durch eine neue Antirutschbeschichtung ersetzt werden. Und das Deck und die Laufflächen müssten neu lackiert werden. Das wäre ein grösserer Eingriff.

Die Vorschiffskoje ist recht niedrig und recht eng, und auch nicht sehr lang. Ich bin 178 cm groß, das ist knapp für mich in der Länge (jedenfalls zu zweit). Das WC hat zum Vorschiff keine Türe und nur einen Vorhang, was je nach Befindlichkeit nachts ein Thema sein kann. Zum Salon allerdings gibt es eine Türe.

Wer auf Gas als Brennmaterial besteht, sollte die Gasanlage prüfen. Ist ein Prüfbuch vorhanden? Falls nein: Vor allem nachsehen, ob ein abnahmefähiger Gasschrank eingebaut ist. Bei unserem Boot war das eine nicht abnahmefähige Konstruktion aus orangem Kanalrohr und die Gaszuleitung zum Kocher ging als Metallleitung direkt durch den Motorraum. Wir haben jetzt einen zweiflammigen Spiritus-Origo-Kocher und sind damit zufrieden.

Die Fenster sollen, was wir hörten, häufig undicht sein. Da lohnt sich ein Blick oder besser noch ein Test. Unsere waren neu, das soll relativ aufwändig sein, die zu erneuern.

Die Einlässe und Auslässe sollten durch Kugelventile ersetzt werden, die Beleuchtung durch LED.

Positiv

Gute Segeleigenschaften! Das Boot geht weich durch die Welle und ist stabil und gutmütig. Allerdings ist das Großfall und die Winsch am Mast. Segel setzen, reffen und bergen muss also auf dem Vorschiff gemacht werden.

Man kann zuerst das Vorsegel setzen und hart am Wind in dessen Windschatten und gelöster Großschot das Großsegel setzen. Dadurch geht das Boot weich durch die Welle und man hat auf dem Vorschiff beim Hantieren am Mast mehr Ruhe.

Das Boot ist im Salon hell, geräumig und sinnvoll eingerichtet. Wir lieben die Dinette-Lösung, das ist aber Geschmacksache. Es ist Stehhöhe im Salon. Für mich mit 178 cm Größe reicht das. Man kann im Sitzen, vom Tisch aus, aus dem Boot herausgucken. Durch die Frontscheibe ist auch ein Aufenthalt im Salon mit Pinnenpilot und Blick nach vorne während der Fahrt theoretisch möglich.

Die Plicht ist gross und lang, einer kann während der Fahrt bequem liegen. Grosse Backskisten. Eine schmale aber ausreichende und tiefe Hundekoje. Staumöglichkeiten sind ausreichend und durchdacht. Es gibt eine Pumptoilette im vom Salon abgetrennten Bereich.

Der originale Faryman Motor ist mit 10 ps nicht üppig, aber ausreichend motorisiert. Der Motor ist robust und sparsam. Zum Motor und  Ersatzteilen habe ich ja weiter oben schon was gesagt. Der Motor ist, wenn Original, fast 50 Jahre alt.

Was toll ist, der Mast kann gut mit 2-3 Personen mit Muskelkraft ohne Kran gestellt werden, dank der gelenkigen Bolzenbefestigung zwischen Mast und Mastfuss. Die mittleren Babystagen  lösen aber dran lassen. Zwei Mann stabilisieren, einer  zieht am Achterstag oder gibt Lose am Vorstag … Das wars!  Eine schnelle Sache. Das mit den Babystagen wussten wir noch nicht, wir haben alles gelöst und dann zu dritt gelegt, ging auch.

Original hat die Optima 830 und die 850 einen Innensteuerstand, was sich auf ein Steuerrad beschränkt. Durch die Frontscheibe eine tolle Sache. Bei uns fehlt der Steuerstand allerdings, schade. Bei den langen, teils nassen und kalten Überführungsfahrten im Frühjahr und Herbst haben wir den schon das eine oder andere Mal vermisst.

Trotz aller kritischen Anmerkungen, es ist ein tolles Schiff und wir lieben es! Wir würden den Typ jederzeit wieder kaufen. Das liegt vor allem an der Qualität, der sinnvollen Ausstattung und den tollen Segeleigenschaften.

Habt Ihr Ähnliches erlebt? Was sind Eure Erfahrungen? Was denkt Ihr dazu?

Schreibt uns einen Kommentar, wir freuen uns und antworten gerne!

Der Kocher

In der Verkaufsanzeige stand „2-Flammen Gaskocher mit 2 Gasflaschen. Eine davon noch voll“. Prima dachten wir uns, genau was wir brauchen.

Bei der Besichtigung sagte uns der Verkäufer, dass die Gasprüfung gemacht werden müsste. Ach und überhaupt, er habe den selten benutzt. Na gut. Ich kannte das vom Wohnwagen. Gasprüfung – kein Ding. 40 Euro Prüfgebühr und fertig. Aber das kam dann anders…

KAFFEE KOCHER PROVISORIUM

Als das Boot in der Werft war, fragten wir den Preis an. „400 Euro – alles muss neu“ – war die Antwort. Damit hatten wir nicht gerechnet! Der Kocher war uns sehr wichtig, aber andere Sachen – wie das Unterwasserschiff – hatten Vorrang.

Der Kocher widersetzte sich allen Reparaturversuchen beharrlich. Also beschlossen wir, vorerst mit einem vorhandenen Campingkocher zu kochen.

Der Sturmkocher aus dem Keller wurde heraus gekramt. Draussen kochen klappte gut, aber eben nicht gern. Allerdings: Kaffee kochen ging damit nicht, jedenfalls nicht wie vorhanden. Die Aufnahme am Kocher war zu groß für die Espressokanne, diese wäre einfach hindurch gerutscht.

Lösung frei nach Apollo 13: Abgehängt mit Zurrgurt vom Baum.

Das Draußen-Kochen fing aber dann nach zwei Wochen doch an zu nerven – gerade morgens das Gefummel an der Aufhängung.  Und das noch vor dem ersten Kaffee …

Wir standen vor der Frage: Welchen Kocher wollen wir, und wie?

Gaskocher Spüle Kombi

Im Wesentlichen gibt es nur die Wahl zwischen Gas und Spirituskocher an Bord. Naja und dann so Exoten wie Pasten und Diesel. Uns war schnell klar: Mit einem Gaskocher können wir uns nicht anfreunden, alleine schon wegen der Gasflaschen, die man nicht überall bekommt – denn wir wollen ja mit Sleipi bald um die Welt ;-). Außerdem sollte der geprüft werden, und dazu braucht es einen regelmäßigen Schlauch-Tausch, einen  Prüfer – und ja: Auch einen neuen Gasflaschenschrank im Heckspiegel. Außerdem bleibt das Rest-Risikos einer Explosion.

Unsere Anforderung an den neuen Kocher war: er müsste günstig und schnell – zumindest als Provisorium – gekauft und eingebaut werden können und zwei Flammen haben. Außerdem sollte der Brennstoff überall und einfach zu beziehen sein.

Unsere Wahl fiel auf einen mobilen 2-flammigen Spirituskocher. Günstig, transportabel – und nur mechanische Teile, also nicht kaputt zu bekommen. Den Brennstoff bekommt man in jedem Supermarkt – perfekt!

SPIRITUSKOCHER PROVISORIUM Origo 3000

Ich besorgte als Provisorium eine OSB-Platte als „Arbeitsplatte“, schnitt eine Aufnahme für den Kocher heraus. Der Kocher sitzt bombenfest und kann bei Lage nicht rutschen oder herausfallen – so bleibt das nun erstmal bis zum Winter. Dann wird der alte Kocher aus der Edelstahlspüle herausgeschnitten, und der jetzige Kocher in der dort entstandenen Öffnung eingesetzt. Solange haben wir eben ein Dauer-Provisorium.

Fazit:

Der Kocher ist pflegeleicht und unproblematisch, allerdings geht das Kochen nicht ganz so schnell wie auf Gas, denn der Brennwert vom Spiritus ist geringer. Dafür ist der Kocher auch jederzeit mit zu nehmen, auf die einsame Insel, ins Rettungsfloss … oder wohin auch immer. Der Kocher fasst 1,2 Liter Spiritus in zwei Flammen, das soll für 4-5 Stunden Brenndauer reichen.

Der viel diskutierte Spiritusgeruch ist für uns nicht wahrzunehmen. Allerdings riecht der verbrannte Spiritus gewöhnungsbedürftig. Uns stört das nicht mehr.

Für uns war der Kocher die perfekte Wahl. Wir sind glücklich nun drinnen wieder echte Gerichte zu kochen – und der erste Kaffee kann nun auch wieder im Schlafanzug gemacht werden…

Außerdem soll der Kocher auch bestens als Heizung funktionieren!

Das Problem:

Der Schalthebel war in unserem Boot ungünstig zu erreichen – eine Lösung musste her. Es ist eine alte Dehler Optima 830 (Bj 71). Der Schalthebel sitzt mit dem Gashebel direkt vor dem Niedergang. So etwa zwei Schritte vom Ruder entfernt und ziemlich weit unten am Boden. Außerdem ist dazwischen die Travellerschiene in Kniehöhe.

Plicht Dehler Optima 830 Schalten

Also: Will ich schalten, muss ich einen weiten Schritt über die Travellerschiene machen und mich herabbeugen. Dadurch kann ich beim Rangieren im entscheidenden Moment nichts sehen und auch das Ruder nicht gut erreichen. Du siehst das auf dem Bild links. Außerdem höre ich dann keine Rückmeldung.

Allerdings muss ich in dem Moment sehen und hören können. Das sorgt für Unruhe. Und es kostet Zeit. Zeit, die ich brauche, um die Lage in dem Moment richtig einschätzen zu können.

Eine Lösung musste her. So habe ich mich ans Tüfteln gemacht.

Und hier ist eine Lösungsmöglichkeit:

Ein einfaches, selbst gebautes Gestänge zum Aufstecken auf den Kupplungshebel. Hierzu habe ich die auf dem Bild sichtbare Kugel abgedreht. Dann ein Alurohr im passenden Durchmesser besorgt, und mit einem simplen, selbst gebauten Gelenk versehen. Daran ist ein zweites Rohr befestigt, welches ich dann in der Hand halte.

Schaltung Dehler Optima 830 DetailaufnahmeDadurch ist der Schalthebel so verlängert, dass ich am Ruder stehend schalten kann. Nun kann ich schalten und aufstoppen ohne „Abzutauchen“. Ich habe immer alles im Blick und höre beim Anlegen die Rückmeldung meiner Mitsegler. Auch Einhand ist diese zwar eine kleine aber wichtige Verbesserung.

Diese einfach zu fertigende Lösung sorgt für viel weniger Stress im Hafen. Alles was ich brauchte habe ich für unter 10 Euro im Baumarkt bekommen. Diese simple Lösung macht mir viel Spaß.

Wenn Dir diese Lösung Anregungen gegeben hat, dann freut mich das sehr. Hat Dir das geholfen? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

Hast Du für Dein Boot, oder vielleicht sogar für eine Dehler Optima eine ähnliche, einfache Lösung entwickelt? Schreib mir!

Wenn Du es genauer wissen will, hier das Video über Problem und Lösung:

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