Innenraum eines Boots nach Feuerlöschereinsatz

Saison/Ende – Eigner/Ende?

Es war sehr still um uns die letzten Monate. Auf Facebook oder Instagram konnte man erfahren, warum: wir haben ein größeres Problem mit Sleipnir. Aber lest und seht selbst:

27.08.2018 Ein Sonntag im August

Ein schöner Spätsommer-Sonntag im August. Wir machen uns gemütlich fertig, um eine Runde zu segeln. Raus aus der Box auf die Trave und die Genua gesetzt…doch noch bevor wir den Motor stoppen können, geht dieser aus.

Aha. Kurze Irritation bei uns. Ich starte den Motor, aber nichts passiert. Was ist jetzt los? Schnelle Entscheidung: wir müssen umdrehen. Aber wie sollen wir in die Box kommen? Das geht nicht unter Segeln. Also legen wir uns am Priwall an die Hafenmole und lassen uns von den Hafenmeistern mit deren Motorboot abschleppen.

Segelboot wird abgeschleppt

Jetzt ging erst einmal die Fehlersuche los… Dazu sei gesagt, es ist unser erstes Boot, unser erster Dieselmotor. Unser Stegnachbar gab uns den Kontakt zu einem Schrauber, der ein Faible für alte Motoren hat. Zum Glück hatte dieser direkt Zeit und „Mann“ machte sich zusammen direkt auf die Suche.

Es war zuerst augenscheinlich nur die Einspritzpumpe kaputt. Diese zu besorgen war nicht einfach, es ist ein sehr alter Motor und die Ersatzteile werden knapp. Zwar ein sehr robuster Motor, aber wenn dann mal etwas kaputt geht…

Christoph baute mit Manuel die neue Einspritzpumpe ein. Beim ersten Startversuch ging der Motor direkt auf Vollgas und es kamen Flammen aus dem Auspuff. Die einzige Möglichkeit war, den Motor mit dem Feuerlöscher zu stoppen. An diesem alten Motor gibt es keinen Notstopp. Der Schreck saß tief…und es gab viele Fragezeichen. Es stellte sich später heraus, der „Gasregulierer“ war gebrochen.

Segelboot Motorraum nach Feuerlöschereinsatz

Feuerlöscher-Pulver…ein Desaster. Jetzt ging es richtig los: Versicherung, Gutachter, … Es begann ein langes hin- und her: neuer Motor, alter Motor, neues Boot, kein Boot, usw.

Ja, wir stellten das ganze Boot in Frage, denn mal ganz ehrlich: den Motor austauschen? Für mich sowieso undenkbar und für Christoph auch neu. Wir sprachen und diskutierten lange und immer wieder und stellten beide fest: wir wollen weiter auf eigenem Bug segeln. (warum das so ist, kannst du hier nachlesen)

Letztendlich entschieden wir uns daher, den Motor auszutauschen. Okay, nächste Frage: neu oder gebraucht? Christoph hatte auf der Hanseboot (sorry, die heißt ja jetzt „Hamburg Boat Show“) das Angebot für einen gebrauchten Yanmar bekommen. Es gab einen 1GM10/9PS und einen 2GM20/17PS. Wir entschieden uns aus vernunftsgründen für den kleineren und führerscheinfreien 1GM10. Führerscheinfrei ist ein tolles Verkaufsargument – viele wollen ja leider keinen Führerschein machen. Außerdem passt der kleine Motor mehr oder weniger problemlos in unser Boot.

12.10.2018 Zurück nach Hamburg

Diese Entscheidung brachte mit sich, daß das Boot auf jeden Fall nach Hamburg muss. Also brauchten wir einen Außenborder, um die alte Dame über den Elbe Lübeck Kanal zu schippern. Glücklicherweise konnten wir uns einen ausleihen und diesen ohne den Heckspiegel zu durchlöchern, anbringen. Okay, Christoph brachte diesen an…

Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir Sleipi in 3 Tagesetappen nach Hamburg. Die Planung sah etwas anders aus, aber hey, was heißt schon Planung? Das Anbringen des Außenborders dauerte länger als erwartet, am Ende legten wir noch mit Jan zusammen (danke dafür!!!) den Mast am Liegeplatz. Daher kamen wir doch erst am späten Nachmittag los und schafften wir es nur bis zur Marina am Stau, nicht mal die Hälfte des Weges nach Lübeck. Wir waren dazu noch sehr langsam: der Motor hing zu schräg am Boot, wodurch es nicht genug Schub gab.

In der Marina am Stau versuchte Christoph unter der Steglaterne und mit Stirnlampe den Motor besser einzustellen.

Sonnenaufgang Marina am Stau Lübeck

Wir standen sehr früh morgens auf – und wurden dafür mit einen unglaublichen Sonnenaufgang belohnt. Plan war, bis Geesthacht durchzukommen. Wir waren jetzt auch schneller, die Nachjustierung hatte sich gelohnt. Allerdings reichte es nicht, wir tuckerten mit ca 4kn über den Kanal. Wir beschlossen dann doch, lieber in der Freizeitwelt Güster mit allem Komfort eine Nacht einzuplanen. Das ist angenehmer als irgendwo vor einer Schleuse zu nächtigen.

Der Hafenmeister sagte uns am Telefon, es wäre kein Problem, ein paar Plätze gibt es noch. Völlig untertrieben, es waren fast alle Plätze leer. Der Abstecher hat sich gelohnt, es gab lecker Bratkartoffeln und eine schöne Umgebung. Da es auf Saisonende zuging, war die Freizeitwelt sehr beschaulich und ruhig. Im Sommer sieht das sicherlich ganz anders aus.

Freizeitwelt Güster am Elbe-Lübeck-Kanal

Am nächsten Tag fuhren wir bis Geesthacht. Weiter konnten wir leider wegen der Tide nicht mehr, zeitlich hätten wir das auf jeden Fall nach Hamburg geschafft. So ist das Segeln auf der Elbe: immer abhängig von der Tide (deswegen bin ich auch lieber auf der Ostsee. Anm. d. Red.). Da ich am darauf folgenden Tag nicht mehr mit an Bord war, übte Christoph an der letzten Schleuse das „Einhandschleusen“. Echt schwer für mich, nicht mal eben einzugreifen – wie man im Video auch gut erkennt… Es klappte gut, alles war fein.

Wir legten Sleipi beim Geesthachter Segelverein an und fuhren mit dem Bus nach Hamburg, um den Sonntagabend zuhause zu verbringen. Wir hatten keinen Landstrom vor Ort und da wir mit Außenborder fuhren, konnten wir die Batterien nicht laden. Morgens fuhr ich Christoph nach Geesthacht und überließ ihn schweren Herzens seinem Schicksal.

Segelboot im Geesthachter Segelverein

In der Schleuse von Geesthacht hatte er direkt viel Spaß: der Schleusenwärter konnte ihn wegen des Sonnen-Gegenlichts nicht sehen – und schloß die Schleuse in dem Moment, als er unter dem Tor war. Es ist ihm zum Glück nichts passiert, und so kam er in den Genuß, das Einhand-Schleusen exzessiv zu üben. DAS kann er jetzt!

03.11.2018 Winterlager

Ausslippen. Wieder bei schönem Wetter die Elbe entlang. Wirklich immer wieder schön und ein Erlebnis! Es klappte alles trotz schwachem Außenborder reibungslos und wir waren erleichtert, daß das Boot jetzt in der Halle war. Allerdings hatten wir auch eine ordentliche Pockenzucht am Unterwasserschiff. So sieht es wohl aus, wenn ein Boot mehr als 2 Monate nicht bewegt wird.

Sleipnir im Winterlager

Seepocken am Unterwasserschiff

Jetzt beginnt der unschöne Teil des Segelns: die Winterarbeit! Dieses Mal mit einer ganz großen Herausforderung: Motortausch! Wir wollten ja ein altes Boot, um zu lernen und zu üben. Dass sich das Boot jetzt so proaktiv einbringt und uns die Lektionen vorgibt, war so nicht geplant…

Hier das Video dazu:

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Wie es mit dem Motor, dem Boot und uns weitergeht, erfahrt ihr bald! Wer nicht auf den nächsten Artikel warten will: folge uns doch auf Facebook oder Instagram!

2 Kommentare
  1. Jan sagte:

    Moin Ihr beiden,
    wie immer habe ich Euren Beitrag mit ( Freude ) gelesen. Die Nummer mit dem
    Motor ist eine echte Prüfung , die sicher kein Wassersportler erleben möchte.
    Aber mit Eurem Beitrag macht Ihr vielen Menschen die für diesen Sport leben
    Mut auch so schweere Zeiten zu meistern. Ich drücke Euch die Daumen für den
    Einbau des (neuen) Motors . Ich habe Ihn ja gesehen und den Testlauf mitbekommen
    und kann nur sagen ….. ER macht einen sehr guten Eindruck. Ich freue mich auf den
    gemeinsamen Sommer am Steg in Travemünde mit Euch. Und da spreche ich
    bestimmt für alle in unseren SAISONFAMILIE .
    Liebe Grüße von der Trave/Ostsee an die Elbe
    Jan

    Antworten
    • Marion sagte:

      Moin Jan,
      danke für die tolle Unterstützung!
      Der Einbau wird noch spannend – aber die Vorfreude motiviert…

      Ich freu mich schon wie Bolle auf die neue Saison am Steg und auf dem Wasser!

      Liebe Grüße aus Hamburg
      Marion

      Antworten

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