Der Kocher

In der Verkaufsanzeige stand „2-Flammen Gaskocher mit 2 Gasflaschen. Eine davon noch voll“. Prima dachten wir uns, genau was wir brauchen.

Bei der Besichtigung sagte uns der Verkäufer, dass die Gasprüfung gemacht werden müsste. Ach und überhaupt, er habe den selten benutzt. Na gut. Ich kannte das vom Wohnwagen. Gasprüfung – kein Ding. 40 Euro Prüfgebühr und fertig. Aber das kam dann anders…

KAFFEE KOCHER PROVISORIUM

Als das Boot in der Werft war, fragten wir den Preis an. „400 Euro – alles muss neu“ – war die Antwort. Damit hatten wir nicht gerechnet! Der Kocher war uns sehr wichtig, aber andere Sachen – wie das Unterwasserschiff – hatten Vorrang.

Der Kocher widersetzte sich allen Reparaturversuchen beharrlich. Also beschlossen wir, vorerst mit einem vorhandenen Campingkocher zu kochen.

Der Sturmkocher aus dem Keller wurde heraus gekramt. Draussen kochen klappte gut, aber eben nicht gern. Allerdings: Kaffee kochen ging damit nicht, jedenfalls nicht wie vorhanden. Die Aufnahme am Kocher war zu groß für die Espressokanne, diese wäre einfach hindurch gerutscht.

Lösung frei nach Apollo 13: Abgehängt mit Zurrgurt vom Baum.

Das Draußen-Kochen fing aber dann nach zwei Wochen doch an zu nerven – gerade morgens das Gefummel an der Aufhängung.  Und das noch vor dem ersten Kaffee …

Wir standen vor der Frage: Welchen Kocher wollen wir, und wie?

Gaskocher Spüle Kombi

Im Wesentlichen gibt es nur die Wahl zwischen Gas und Spirituskocher an Bord. Naja und dann so Exoten wie Pasten und Diesel. Uns war schnell klar: Mit einem Gaskocher können wir uns nicht anfreunden, alleine schon wegen der Gasflaschen, die man nicht überall bekommt – denn wir wollen ja mit Sleipi bald um die Welt ;-). Außerdem sollte der geprüft werden, und dazu braucht es einen regelmäßigen Schlauch-Tausch, einen  Prüfer – und ja: Auch einen neuen Gasflaschenschrank im Heckspiegel. Außerdem bleibt das Rest-Risikos einer Explosion.

Unsere Anforderung an den neuen Kocher war: er müsste günstig und schnell – zumindest als Provisorium – gekauft und eingebaut werden können und zwei Flammen haben. Außerdem sollte der Brennstoff überall und einfach zu beziehen sein.

Unsere Wahl fiel auf einen mobilen 2-flammigen Spirituskocher. Günstig, transportabel – und nur mechanische Teile, also nicht kaputt zu bekommen. Den Brennstoff bekommt man in jedem Supermarkt – perfekt!

SPIRITUSKOCHER PROVISORIUM Origo 3000

Ich besorgte als Provisorium eine OSB-Platte als „Arbeitsplatte“, schnitt eine Aufnahme für den Kocher heraus. Der Kocher sitzt bombenfest und kann bei Lage nicht rutschen oder herausfallen – so bleibt das nun erstmal bis zum Winter. Dann wird der alte Kocher aus der Edelstahlspüle herausgeschnitten, und der jetzige Kocher in der dort entstandenen Öffnung eingesetzt. Solange haben wir eben ein Dauer-Provisorium.

Fazit:

Der Kocher ist pflegeleicht und unproblematisch, allerdings geht das Kochen nicht ganz so schnell wie auf Gas, denn der Brennwert vom Spiritus ist geringer. Dafür ist der Kocher auch jederzeit mit zu nehmen, auf die einsame Insel, ins Rettungsfloss … oder wohin auch immer. Der Kocher fasst 1,2 Liter Spiritus in zwei Flammen, das soll für 4-5 Stunden Brenndauer reichen.

Der viel diskutierte Spiritusgeruch ist für uns nicht wahrzunehmen. Allerdings riecht der verbrannte Spiritus gewöhnungsbedürftig. Uns stört das nicht mehr.

Für uns war der Kocher die perfekte Wahl. Wir sind glücklich nun drinnen wieder echte Gerichte zu kochen – und der erste Kaffee kann nun auch wieder im Schlafanzug gemacht werden…

Außerdem soll der Kocher auch bestens als Heizung funktionieren!

Ein Kurzurlaub.

In Hamburg tagte G20 – das haben wir zum Anlass genommen, die Stadt zu verlassen. Mittwoch Abend ab zum Boot. Wohin? Mal sehen…Hauptsache weg! In den Kurzurlaub.

Die unfassbaren Sachen, die wir über Hamburg gelesen, gesehen und gehört haben, haben uns das ganze Wochenende begleitet. Leider. Daher ist unser Bildmaterial nicht grenzenlos umfangreich. Und ehrlich gesagt, mir fällt das schreiben auch heute noch nicht so leicht. Das merkt man bestimmt. Wie soll ich locker über Sonne, Wellen und Wind schreiben, wenn wir das ganze nicht genießen konnten?

Yachthafen Grömitz

Der Plan war nach Fehmarn, der Wind hat entschieden, das wird nix. Also ab nach Grömitz, soll ja auch schön sein. Hanno schwärmt ja immer von der Disco. Hanno, 78: unser Stegnachbar. Ein alter Segler, der  den ganzen Sommer auf seinem Boot verbringt und immer was zu erzählen hat. Angekommen gegen Nachmittag war der Hafen schon voll. Wir hatten schon nur noch einen Platz an der Mole. Je später der Abend wurde, um so mehr fuhren ein –  am Ende lagen fast alle im Päckchen.

Motorboot mit Lichterketten

Ach ja, ich muss es doch erwähnen ;) kennt ihr das: wenn ihr südlich von Hamburg auf den Landstrassen fahrt (so Richtung Celle zBsp), da stehen doch immer diese Busse herum, mit rotem Licht und so. Kennt ihr die? So könnte das als Motorboot – Variante aussehen…

Es regnete und es war kein Segelwetter.

Dann war Samstag

Das Wetter sollte besser werden. Endlich weiter, ab nach Boltenhagen.

Ordentlich Wind war angesagt, also tauschten wir die Genau gegen eine Fock und refften das Groß. 25 sm lagen vor uns. Immer wieder begleitete uns das Thema Hamburg, die Krawalle, und trübte den Urlaub.

Gegen nachmittag ließ der Wind nach. Kurz vor Boltenhagen wollten wir Ankern. Wie ihr wisst, wir haben keinen richtigen Tiefenmesser. Also müssen wir uns auf unseren Plotter verlassen – was mich immer ein wenig stresst. Nun gut, ein Platz gefunden, Anker runter und… 0,3 kn Fahrt, 0,4, 0,6…bei 1 kn Fahrt bat ich dann doch, den Anker wieder hochzuholen und es für heute bleiben zu lassen. Vor Anker sollte man keinen Knoten Fahrt machen… Also weiter nach Boltenhagen. Auch dieser Hafen war ziemlich voll. Ob das doch am G20 lag? Viele Hamburger wollten ja die Stadt verlassen.

Wir fanden ein Plätzchen, meldeten uns an, kochten und ab in die Falle. Der Tag war anstrengend und am nächsten Tag wollten wir früh los, es sollte nur schwachen Wind geben. War auch so – Christoph konnte baden gehen, ohne dass wir vor Anker lagen. Nix, nada, null, niente. Was sich gegen späten nachmittag kurz vor Travemünde allerdings wieder änderte. Der Wind frischte auf und es war feinstes segeln.

Ein Wochenende voller Gedanken lag hinter uns, schöne Tage mit unschönen Meldungen. Ich hoffe, ihr habt das alles gut überstanden…

Abendstimmung im Hafen

Eine anstrengende Woche lag hinter uns. Wir erreichen Travemünde auf unserer Flucht vor dem G20 Gipfel an einem Mittwoch Abend.

Endlich wieder am Wasser, am Boot, angekommen im Hafen. Ankommen. Nach Hause kommen. Der Geruch nach Wasser und Modder. Wieder an Deck. Möwengeschrei. Boote kommen von einem langen Segeltag herein. Fähren fahren zwischen dem Priwall und Travemünde hin und her. Große Fähren fahren ab nach Finnland und quetschen sich durch die enge Trave hindurch. Schon lange wollte ich diese Abendstimmung einfangen. So klettere ich auf den Metalldalben am Steg, baue Stativ und Kamera auf und lasse eine Langzeitaufnahme laufen. Dort oben stehe ich dann 50×50 cm in ca. 3,5 Metern Höhe. Stehe dort für eineinhalb Stunden. Lehne am Geländer und betrachte die Szenerie. Und erst durch das Betrachten kann ich Abstand nehmen vom Büro, von der Arbeit, von Hamburg. Ich komme zur Ruhe.

Als ich das schreibe sind wir in Grömitz. Es ist der Freitagabend vom G20 Gipfel in Hamburg. Die erschütternden Bilder von hirn- und sinnloser Gewalt in Altona wollen mir nicht aus dem Kopf gehen.

Vielleicht können die Bilder etwas Ruhe und Entspannung zu Euch bringen.

Kommt gut durch die Nacht!

Edit 01.08.2017: leider wurde der ursprüngliche Beitrag mit Spamkommentaren zugemüllt. Daher mussten wir ihn neu einsetzen. Leider wurden auch die dazugehörigen schönen Kommentare gelöscht. Schreibt doch bitte neue! Aber wir hoffen, das löst das Problem!

Hafenmanöver

Hafenmanöver – so ziemlich jeder Skipper bekommt Respekt, wenn er das hört. Und meist ist es ein Garant für feinstes Hafenkino. Vor allem bei Pärchen. (Leider) das Standard Drehbuch:
Er am Ruder, bei der Anfahrt noch total gelassen. Bei der Annäherung an die Box wird er zusehends angespannter. Sie bereitet schon mal die Fender vor, sich jederzeit rückversichernd, dass alles passt. Er steuert, sie hüpft mit einem Fender über das Vorschiff, um Zusammenstöße mit Dalben, anderen Booten oder ähnlichen Hindernissen zu vermeiden. Er wird hektisch und lauter ‚pass auf, Steuerbord, STEUERBOOOOORD!‘, sie schaut hilflos Richtung Steg, Stoßgebete schickend „lass jemand da sein, lass jemand da sein“… Segler kennen das Szenario. 


Es nützt ja nix – ein Boot muss halt auch mal in den Hafen. Also heißt es üben, üben, üben.
Und jetzt war es für mich soweit, ich will Sleipi ja auch rein – und rausbekommen. Schliesslich bin ich Seglerin, nicht Fendermaus. Bei Christoph fluppt das schon wie nix, mein Ehrgeiz ist geweckt…


Viel Spaß beim Hafenkino!

Das Problem:

Der Schalthebel war in unserem Boot ungünstig zu erreichen – eine Lösung musste her. Es ist eine alte Dehler Optima 830 (Bj 71). Der Schalthebel sitzt mit dem Gashebel direkt vor dem Niedergang. So etwa zwei Schritte vom Ruder entfernt und ziemlich weit unten am Boden. Außerdem ist dazwischen die Travellerschiene in Kniehöhe.

Plicht Dehler Optima 830 Schalten

Also: Will ich schalten, muss ich einen weiten Schritt über die Travellerschiene machen und mich herabbeugen. Dadurch kann ich beim Rangieren im entscheidenden Moment nichts sehen und auch das Ruder nicht gut erreichen. Du siehst das auf dem Bild links. Außerdem höre ich dann keine Rückmeldung.

Allerdings muss ich in dem Moment sehen und hören können. Das sorgt für Unruhe. Und es kostet Zeit. Zeit, die ich brauche, um die Lage in dem Moment richtig einschätzen zu können.

Eine Lösung musste her. So habe ich mich ans Tüfteln gemacht.

Und hier ist eine Lösungsmöglichkeit:

Ein einfaches, selbst gebautes Gestänge zum Aufstecken auf den Kupplungshebel. Hierzu habe ich die auf dem Bild sichtbare Kugel abgedreht. Dann ein Alurohr im passenden Durchmesser besorgt, und mit einem simplen, selbst gebauten Gelenk versehen. Daran ist ein zweites Rohr befestigt, welches ich dann in der Hand halte.

Schaltung Dehler Optima 830 DetailaufnahmeDadurch ist der Schalthebel so verlängert, dass ich am Ruder stehend schalten kann. Nun kann ich schalten und aufstoppen ohne „Abzutauchen“. Ich habe immer alles im Blick und höre beim Anlegen die Rückmeldung meiner Mitsegler. Auch Einhand ist diese zwar eine kleine aber wichtige Verbesserung.

Diese einfach zu fertigende Lösung sorgt für viel weniger Stress im Hafen. Alles was ich brauchte habe ich für unter 10 Euro im Baumarkt bekommen. Diese simple Lösung macht mir viel Spaß.

Wenn Dir diese Lösung Anregungen gegeben hat, dann freut mich das sehr. Hat Dir das geholfen? Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

Hast Du für Dein Boot, oder vielleicht sogar für eine Dehler Optima eine ähnliche, einfache Lösung entwickelt? Schreib mir!

Wenn Du es genauer wissen will, hier das Video über Problem und Lösung:

Kennt Ihr den alten Film mit Tom Hanks über die Beinahe-Katastrophe bei der Mondmission Apollo 13?

Zum Film:

Darin gibt es die Szene, in der verschiedene technische Geräte – ich glaube die Lüftung – an Bord ausfallen. Hilfe gibt es nicht, Ersatzteile auch nicht. Die Lage erscheint aussichtslos! Um den Astronauten dennoch zu helfen, gibt es eine Krisensitzung in der Kommandozentrale auf der Erde. In dessen Verlauf wird beschlossen  mit einfachen Mitteln – falls das geht – den schlimmsten Schaden zu beheben. Dazu müssen sie erst eine Lösung finden und dann versuchen, den Astronauten zu erklären, wie sie den Schaden nur mit Bordmitteln (!) beheben können.

Es wird überlegt, welche Teile an Bord in Frage kommen. Die zugänglich oder entbehrlich für das Überleben sind. Wie sie verbaut sind und ob diese demontiert werden könnten. Die Mechaniker werden angewiesen diese demontierbaren Teile zusammenzusuchen und herbeizubringen. Auf dem Besprechungstisch werden diese Bauteile aus einem Karton geleert. Mechaniker und Projektingenieure machen sich daran eine Lösung zu entwickeln.

Nach langem Probieren und Abwägen finden sie gemeinsam eine Lösung. Ein Bauteil, das die Astonauten hinter einer Verkleidung ausbauen können, dient als Adapter für ein anderes lebenswichtiges Aggregat. Klar – ein Aggregat funktioniert dann nicht mehr, aber das ist weniger wichtig. Über Funk wird den Astronauten erklärt, was sie wie und wo ausbauen müssen. Wie sie das dann mit was zusammensetzen müssen. Natürlich mit viel Klebeband! Es funktioniert – und die Mission geht glimpflich aus.

Eine Szene die mich damals schon fasziniert hat. Improvisieren eben. Mit Bordmitteln und Fantasie. Aus einer unmöglich erscheinenden Situation heraus kommen. Auf Leben und Tod, unter extremem Druck und harten Bedingungen.

Und was hat das jetzt mit Segeln und einem Boot zu tun?

Was hilft an Bord? Naja, nur das was man eben dabei hat!

Und wenn es nur ein Tagestörn ist, da draussen bist Du erstmal auf Dich gestellt. Und unter uns – segeln wir nicht auch deswegen, um uns zu beweisen? Klar: häufig hilft WD 40, Kabelbinder oder Klebeband. Oder eben was so an Bord vorhanden und entbehrlich ist. Wenn Du draussen bist und etwas kaputt geht, hast Du nur Dich, Dein Wissen, Deine zwei Hände, etwas Werkzeug und Deine Fantasie – und eben was man abschrauben kann oder in den Backskisten findet.

Mit Glück hast Du noch jemanden mit dem du dich handwerklich beraten kannst und der mit anpackt – welch ein Glück habe ich! Das ist ja heute schon die Ausnahme unter den Menschen – und erst recht bei den Damen… Da bin ich mit einer handwerklich begabten Freundin reich beschenkt!

Das Boot ist von 1971.

Ein Jahr jünger als wir. Ich lasse die Augen wandern, mein Blick bleibt an den alten Bauteilen des Schiffs hängen. Darin erkenne ich auch heute noch die Qualität. Spüre sie, sehe sie, aber noch mehr merke ich sie am würdigen Altern der Bauteile. Ich nehme den Charme der 70er wahr.

Gehe ich den Niedergang hinunter, gleiten meine Hände über den Rahmen des Steckschotts. Eichenholz. War mal lackiert. Jetzt ist der Lack rissig und spröde. Dort wo der Lack schon von den Händen der Voreigner durch das viele Greifen und Anfassen abpoliert wurde, erscheint das blanke Holz wieder. Die Poren dunkel gefüllt, das Holz speckig, an den Kanten wie fein poliert und glatt.

Die Winsch, ehemals verchromt, ist durch die Leinen, getränkt mit Salz und Sand, über die Jahre bis auf das Messing blank poliert. Der Chrom ist rissig und blättrig geworden, stumpf und müde. Das Messing darunter jedoch ist glänzend und bildet mit feinen Linien den Lauf der Leinen über das Metall ab.

Überhaupt, das ganze Boot strahlt eine Behäbigkeit und leichte Staubigkeit aus. Den Charme der 70er. Das dunkle Holz, die gemusterte Resopalplatte auf dem Tisch, wie der erste Küchentisch, an den ich mich erinnern kann. Die Messinglampe, dieses Schirmmodell der frühen elektrischen Schreibtischlampen aus den 30ern.

Verchromter Rahmen, Füllung aus schwarzem stumpfem Kunstleder, ein Aschenbecher zum heraus klappen. Eingebaut in die Seitenverkleidung, wie in den Autos meiner Kindheit.

Der Motor, ein alter Diesel – der erste Motor noch (!) – ein Modell das viel in Baumaschinen verbaut wurde. Als ich zum Schlüsseldienst ging, im Gewölbe seitlich unter der Petrikirche und dem Inhaber, so alt wie die Kirche, den Schlüssel hinhalte, fragt er: „Trecker?“

Wenn der Motor startet schüttelt sich das ganze Boot unter den Bewegungen des Motors. Grundsolide Technik und einfach. Keine Elektronik. Kurbel zum Anwerfen, falls der Anlasser nicht geht. Massiv, schwer und wuchtig. Wenn er läuft ist das ein Tuckern, bei dem man jede Zündung noch zählen kann. Ein beruhigendes tucktucktuck.

Es fasziniert und beruhigt mich, dass dieses Boot vor 46 Jahren mit der Qualität gebaut wurde, die es auch heute für mich noch so wertvoll macht.

Die Genua ist bereits eingerollt. Kaum noch Wind. Der Strand ist etwa 300 Meter entfernt. Wir wollen Ankern. Das erste Mal mit unserem Boot. Wir treiben eher als dass wir fahren. Wegen des fehlenden Tiefenmessers schätzen wir die Tiefe an Hand der Tiefenlinien auf dem Plotter ab. 15 Meter, 10 Meter. Kurz vor der 5 Meter Linie drehen wir das Boot in den Wind. Ich gehe auf das Vorschiff, prüfe Anker und Kette und Leine. Alles in Ordnung. Der Anker platscht ins Wasser. Er sinkt schnell und wird durch das Wasser grünlich und mit leichten Lichtreflexen und Wellenmuster versehen. Die Kette rauscht durch meine Hände. Dann der Schäkel, die Leine. Auch diese gleitet flink in die Tiefe. Bei etwa 7 Metern findet der Anker Grund. Trotzdem rauscht die bleigefüllte Leine schnell hinterher. Noch etwa zwei Mal so viel Leine hinterher und belegen. Groß runter, Auftuchen. Leinenkontrolle am Anker. Alles scheint zu stimmen. Der Plotter zeigt nach wie vor einen Punkt, wir stehen.

Das Ufer, ein schmaler Streifen Sand, etwas Sandabbruch an der bewachsenen Düne. Hohe, alte Bäume darauf. Wenige Dächer hinter den Bäumen zu erkennen. Schön, dass der ehemalige Oste am Strand unbebaut und naturbelassen blieb. Findlinge, Sand, Strandmuscheln, Kinderjohlen. Sommerstimmung. Wenige Menschen und sehr fern. Nur vom Aussehen und der Wasserfarbe her, könnte die Küste auch weit entfernt in einem anderen Land sein. Es fühlt sich sehr nach Urlaub an.

Viel weiter entfernt in der anderen Richtung ein Motorboot. Das Plätschern am Schiffsrumpf ist viel näher, unmittelbarer. Mit dem leichten Wiegen des Schiffes, ist es das, was mich in das hier und jetzt versetzt und ganz still werden lässt. Ich spüre dem Wiegen nach. Das Wasser sieht in der blassen Sonne nach Baden aus. Badeleiter ausgeklappt. Füsse hinein, es geht eigentlich. Erst bis zu den Knöcheln, dann bis zu den Knien. Ich ziehe mich aus und tauche hinein. Es ist kühl aber angenehm. Es beruhigt, kühlt und verstärkt das Gefühl des Hier und Jetzt. Schwimme um den Rumpf. Das Boot erscheint hoch über mir. Ich tauche, lasse mich eine Weile auf dem Wasser treiben. Schwimme weiter weg, betrachte das Boot von weitem. Liegt dort friedlich in der Sommersonne wie eine einsame Insel. Nur wir.

Steige wieder auf das Boot, während Marion mich schmunzelnd empfängt. Während wir uns unterhalten lasse ich mich auf der Reling sitzend in der Sonne trocknen. Dann einen Kaffee kochen. Welcher Luxus. Einen Kocher, Wasser aus dem Kanister, Espressopulver, Espressokocher und Becher. Zuhause eine Selbstverständlichkeit, ja fast schon zu einem Reflex verkommen, ist es hier etwas ganz besonderes.

Kaffeekochen auf dem Spirituskocher. Die Hitze staut sich unter dem Dach der Kajüte. Der muffig-scharfe Geruch des verbrannten Alkohols. Ich blicke durch das Fester über die Lichtreflexe und das Schaukeln zum Strand. Der Kaffee beginnt zu simmern, zu zischen, zu blubbern. Kaffeeduft füllt das Boot.

Milch aus der Kühlbox, Tassen aus dem Schrank. Eingiessen. Dunkelbrauner Espresso mischt sich mit weißer Kühle zu einem köstlichen Gebräu. Trage die Tassen hoch in die Plicht, wo Marion in die Sonne blinzelt. Wir nippen am Kaffee, unterhalten uns und lassen uns leise von den Wellen wiegen. Das Holz der Sitzbänke warm am Rücken.

Die Ufer fern. Die Stadt weit weg. Himmlische Ruhe. Das Wasser ist fast ohne Bewegung. Dem Horizont zu wird das Wasser immer heller. Dort wo der Horizont bei Wind dunkelblau gemustert abgegrenzt ist, verliert sich heute der Himmel im Meer.

…. fragte mich kürzlich ein Freund.

„Nee, gar nicht“ sagte ich. „Das ist Kurzurlaub, dein Rückzugsort, ein schwimmendes Wohnmobil, nette Nachbarschaft am Steg, große Fähren die vorbeiziehen, Wellen, Schraubengeräusche, das Klatschen des Wassers an den Rumpf, Kochen mit Blick auf die Promenade, wo alle auf das Boot gucken, Kaffee und Kuchen in der Plicht, basteln am Boot und und und…. naja, und natürlich:

Motor anwerfen, Leinen los, raus rangieren aus der Box, aus dem Hafen tuckern, an der Mole und dem Leuchtturm vorbei, den Urlaubern am Leuchtturm zuwinken, am Strand vorbei, prüfen woher der Wind kommt, dann die richtige Seite zum Segel setzen wählen, Ruder übergeben, an den Mast, Segel setzen, zurück in die Plicht, der Wind greift ins Groß, Du bekommst Lage ins Boot, Du ziehst an der Genuaschot, die öffnet sich mit einem Flappen, das metallische Ratschen der Winsch beim dicht holen, der Motor erstirbt, Zündung aus, Ruhe, Ruhe, Wind und Welle.

Mehr Lage, anluven, noch mehr Lage, du nimmst Fahrt auf, das Wasser gluckst an den Rumpf, das Boot taucht klatschend in die ersten Wellen ein, die Geräusche vom Ufer entfernen sich, du blinzelst in die Sonne oder die Wolken, peilst auf dem Tiefenmesser. Die Menschen am Strand werden kleiner, nur noch die Geräusche der Wellen, die anderen Segler ziehen vorbei, grosse und kleine, jeder ist ruhig und still, das Licht glitzert auf dem Wasser, das beruhigende grünblau, Strand und Wald, das Ufer zu beiden Seiten, du stemmst die Beine gegen die gegenüber liegende Bank. Nein, nicht langweilig.“

Der Freund schaut nachdenklich. Schweigen, jeder hängt seinen Gedanken nach. „Warum langweilig?“ denke ich bei mir.

Die Überführung startet – jetzt!

Am Vatertag war es soweit, endlich sollte die Überführung starten.

Überführung Stefan am Mast

Von Barth nach Travemünde, 6 Tage hatten wir uns Zeit genommen. Da die ersten 2 Etappen schwierig waren, hatten wir uns Unterstützung organisiert. Stefan, ein Vereinsfreund aus der OSG wollte die ersten beiden Tage mit.
Donnerstag ging es mit dem Zug nach Barth. Allein die Anreise ist schon interessant – wer bitte kennt Velgast? Ein Ort im Niemandsland…aber anscheinend der Drehpunkt der Region.

Anspannung und ihre Folgen

Natürlich waren Christoph und ich ziemlich angespannt – ist jetzt endlich alles in Ordnung oder müssen wir wieder abbrechen? Angekommen war aber alles ok. Motor gestartet, Leinen los und ab durch den Bodden. Schmale Fahrwasser liegen vor uns. Der Wind steht gut, die Genua raus, Motor aus und bei schönstem Segelwetter geht es Richtung Barhöft. Vorbei an Wildschweinen, Vögeln und wunderschönen Ufern. Die Anspannung legt sich und es stellt sich heraus: die Einkäufe liegen noch zuhause. Kurzer Check: Nudeln und Tomatensoße sind an Bord. Das sollte uns noch eine Weile begleiten…

Barhöft nach Warnemünde – ein langer Tag

Barhöft ist erreicht, wir gehen essen und in die Koje. Der nächste Tag wird lang, mehr als 60sm liegen vor uns. Um den Bodden herum bis nach Warnemünde gibt es keinen Hafen.
Wir sind immer noch nervös- aber Stefan ist zum Glück die Ruhe selbst und freut sich über nostalgische Gefühle in unserem Boot. ‚Wie früher‘
Kurz nach 8 geht es los, nach einem einfachen Frühstück mit Bäcker- und Krümelkaffee. Unsere Gasanlage funktioniert nicht und die Gaskartusche für den Campingkocher hatte gestern den Geist aufgegeben.

Wind gegen an. Nicht die beste Voraussetzung. Also kreuzen, Motoren, kreuzen. Stunden vergehen. Kekse, Schokolade, Chips… Kochen war ja nicht. Wir hatten einen Spiritus-Campingkocher dabei und wir beschlossen, Nudeln mit Tomatensoße zu kochen wenn wir da sind. Es gab ja auch nichts anderes an Bord. Kurz vor 20.00 die ersten Kreuzfahrer am Horizont ‚die fahren alle nach Warnemünde, da ist richtig was los!‘ Stefan war da schon – und wir waren beeindruckt. Wegen der Kreuzfahrer, nicht wegen Stefan.

Warnemünde – ein Paralleluniversum

Überführung Kreuzfahrer vor Travemünde

Die Stadtmarina war natürlich belegt. Und weil es jetzt schon spät war, beschlossen wir in die ‚Hohe Düne‘ einzulaufen. 5* Marina Resort mit Hotel.
Da der Hafenmeister nicht mehr da war, mussten wir uns im Hotel anmelden. Datum? Welches Datum ist heute? ‚Segler wissen nie das Datum‘ meinte die Rezeptionistin lachend.

Auf dem Weg zurück zum Boot, es schwankte, kam uns alles unwirklich vor. Nach mehr als 10 Stunden auf dem Wasser war das ein Paralleluniversum. Eine Anlage vom Reißbrett, wahnsinnig groß und lange Wege. Plötzlich sahen wir es gleichzeitig: Pizza. Wir kochen nicht mehr.

 

Die Kellner waren betont lustig, am Nebentisch ein Berliner, der typisch laut und typisch salopp einen Salonreißer nach dem anderen erzählt. Flanierende Frauen im Bademantel und eine Gruppe betrunkener Männer, die nicht mehr wissen wer und wo sie sind. Und Schiffe groß wie Häuser fahren an einem vorbei. Ab in die Koje. Stefan musste am nächsten Tag leider los.

Danke dass du dabei warst und Nudeln mit Tomatensoße machen wir das nächste Mal!!!

Warnemünde nach Kühlungsborn – Segelurlaub statt Überführung?

Überführung Christoph im Strandkorb

Weiter alleine. Der erste Schlag war nicht so lange: Kühlungsborn. Wir kannten die Marina im Winter, leergefegt. Und heute? Chillige Clubsounds mit DJ, Cocktails im Sonnenuntergang. Ziemlich entspannt im Vergleich zu Hohe Düne.

Da Gewitter angesagt war und wir auch ziemlich durch waren, beschlossen wir einen Hafentag einzulegen. Strandkorb, Sand, einkaufen. Das tat gut und wir waren für den weiteren Weg bereit.

 

Kühlungsborn nach Travemünde – ein letzter langer Schlag

Einen Tag später dann Leinen los. Gegen Mittag die Überlegung, bis wohin wir wollen. Rerik? Poel? Boltenhagen? Der Blick auf den Windfinder half uns bei der letztendlichen Entscheidung: ab morgen Starkwind und Regen. Also ab nach Hause, weiter nach Travemünde. Wir hatten entweder kein Wind oder Wind gegen an. Ein Kreuz mit der Kreuz, Sleipi ging kaum an den Wind. Motor, Segel, Motor, Segel. Nach 46 sm kamen wir abends in Travemünde an. Kaputt, hungrig und glücklich. Sehr glücklich.  Und der nächste morgen zeigte uns, es war die richtige Entscheidung!

Windstille bei Überführung der Sleipnir Regen im Hafen von Travemünde

Das wird der Anfang eines schönen Sommers!

Ein paar Impressionen unsres Törns

Ein Segelboot?

Tja, wir wollten unser Segelboot eigentlich überführen. Oder zumindest einrichten, einsegeln und die Überführung vorbereiten. Doch dann kam alles anders. Die Situation habe ich hier erklärt. Als ich einen Tag nach Christoph in Barth ankam, entschieden wir uns für eine Krisensitzung. Es gab so einige Punkte, die uns jetzt und in diesem Moment an unsere Grenze brachten.

Was war passiert?

Die letzten Monate hatten wir damit verbracht, zu recherchieren: was ist Osmose, wie können wir feststellen, ob das Boot Osmose hat oder nur schlechtes Antifouling. Was muss dann getan werden? Können wir das selbst? Was kostet das? Haben wir eine weiche Stelle an Deck – und haben wir jetzt noch ein Problem? Können wir das reparieren? Wie funktioniert eigentlich dieser alte Tiefenmesser (Modell Seafarer, analog)? Funktioniert der überhaupt? Können wir diesen austauschen? Fragen, Fragen, Fragen.

Ich bekomme heute nicht mehr alles zusammen. Stunden am Telefon, im Netz, bei Händlern, schlaflose Nächte. Bei so vielen Fragen schon im Vorfeld – kommt natürlich die berechtigte Frage:

Warum habt ihr eigentlich dieses Segelboot gekauft?

Wie oft haben wir uns selbst in den letzten Wochen und Monaten diese Frage gestellt. Warum, das erklärt euch Christoph hier. Kurz gesagt: wir haben uns schlichtweg überschätzt. Aber soweit hatten wir einen Punkt nach dem anderen vor diesem Wochenende irgendwie für uns klären können. Dann aber vor Ort noch mehr Punkte: eine große Stelle an der Außenhaut, die wohl mal geflickt wurde, die Farbe blättert ab. Die Ventile der Gasanlage lassen sich nicht bewegen, die Anlage ist vorerst nicht in Stand zu setzen….und zu guter letzt dann das: der Motor springt nicht mehr an.

Wir diskutierten und besprachen bei Kaffee, Kuchen und Schokolade (Nervennahrung…) alle Möglichkeiten, die wir jetzt hatten. Verkaufen, Rechtsanwalt und an der Verkäufer, Außenborder und nach Hamburg,.. und was noch so alles. Am Ende war uns eines klar: ohne funktionierenden Motor werden wir das Segelboot weder verkaufen noch segeln können. Also wieder nach vorne schauen.

Welches Fazit konnten wir aus diesem Wochenende ziehen?

Die wichtigste Erkenntnis der letzten Wochen und an diesem Wochenende war: es gibt immer noch viele Menschen, die gerne helfen! Auch wenn du blöde Fehler gemacht hast oder merkwürdige Fragen stellst. Im Vorfeld bekamen wir sehr viele Informationen von Händlern, Herstellern und Fachbetrieben. Vor Ort hatten viel Unterstützung: den Barther Yachtservice, ein Bootsmotoren – Fachmann aus Poel, der Chef vom Bootsmotorenladen,… Vielen Dank auch heute noch an alle, die uns geholfen haben!!!

Die nächste Erkenntnis war: bei alten Segelbooten ist immer was zu tun oder kaputt. Aber es ist wie bei alten Autos: man kann so vieles selbst machen! So gesehen: ein perfektes Segelboot zum lernen. Und für unsere Weltumsegelung müssen wir viel lernen – denn nicht überall wird eine Werkstatt oder ein Fachmann sein. Besser ist es, wenn man so viel wie möglich selbst machen kann. Und wie ihr merkt, es gibt einen Blog – das heißt, wir haben das Boot nicht verkauft. Wie es mit Sleipnir und uns weitergeht: abonniere die Flaschenpost und du wirst immer über die neuesten Ereignisse informiert werden!

DER MOTOR LÄUFT!

Ja, er läuft! Der Anlasser wurde fachgerecht und günstig repariert bei dieser Firma in Barth. Ein Chef der sein Handwerk versteht! „Der ist noch zu gut zum wegwerfen, den machen wir wieder heil!“ Gut, daß es noch Fachleute gibt, die sich mit der alten Technik auskennen. Und schön, daß es mal Technik gab, die man reparieren konnte.

Wir sind mal gleich eine Runde motort – ein schönes Geräusch. Schau hier: LÄUFT!

Aber wie sollte es auch anders sein: zum segeln ist es zu windig. Okay – also üben wir uns weiterhin in Geduld. Noch ein wenig im Boot rumpuzzeln und dann noch was nettes machen.

Wir fahren nach Stralsund, ein wenig Sightseeing und lecker was essen gehen. Ein schöner Ausflug – die Sonne scheint und wir fahren durch eine schöne Landschaft.

Marion & Christoph fahren mit offenem Cabrio

Straße mit Bäumen und Rapsfeldern

Stralsund ist eine alte Hansestadt, was man an vielen Stellen auch sieht. Wo sonst sind Bojen als Begrenzung aufgestellt. Auch die Gorch Fock liegt dort, wie schön doch so ein Segelschiff aussieht. Irgendwann möchte ich auch auf einem Traditionssegler mitfahren!

Gorch Fock 2 in Stralsund

Betonnung in Stralsund am Hafen auf der Straße

Wir bummeln, genießen das Wetter. Lecker Pizza und ab „nach Hause“.

Es war ein schöner Tag!

nicht überführt.

Was für ein Wochenende…

Das Boot lag bereit, überführt vom Winterlager zum Barther Yachtservice. Voll motiviert und bereit, das Boot zur Überfahrt einzurichten waren wir. Christoph ist Donnerstag schon mal vorgefahren, ich musste noch arbeiten. Dann sein Anruf: der Motor springt nicht mehr an. Bitte was? Aber der lief doch schon? Durchatmen, ruhig bleiben. Glücklicherweise war zufällig ein Motor-Fachmann vor Ort. Christoph sprach mit ihm, er schaute sich das an: der Anlasser. Okay, das kann man machen. Allerdinges: der Motor ist so alt wie das Boot…

Krisensitzung

Als ich in Barth angekommen war, machten wir eine Krisensitzung: Boot abstoßen? Weitermachen? Das Unterwasserschiff hatte uns schon sehr belastet: die Placken, welche hier im Video zu sehen waren, kamen durch einen unfachmännischen Antifouling – Aufbau. Zuerst hatten wir natürlich auch Osmose im Verdacht… Grauenvolle Vorstellung. Aber Herr Brandt vom Barther Yachtservice, wo wir das Boot machen lassen wollten, konnte uns dahingehend beruhigen. Anfangs war es auch noch nicht so schlimm mit dem Zustand des UWS. Abschleifen per Hand und neu auftragen. Beim Abtragen stellte man jedoch schnell fest, dass mehr gemacht werden muss. Strahlen und Komplettaufbau. Teurer Spaß, aber wir wollten einfach die nächsten Jahre keine Probleme mehr damit haben.

Warum habt ihr das nicht selbst gemacht? 

Selbermachen war aufgrund der Entfernung leider keine Option. Wir haben es durchgespielt, wieder und wieder. Aber durch die weite Anfahrt hätte es Wochen gedauert: auftragen, trocknen, auftragen, trocknen… im Nachgang war die Entscheidung richtig, wenn schon die Werft das Abschleifen einstellt und zum Strahlen übergeht.

Entscheidung

Ohne laufenden Motor können wir nichts machen – weder verkaufen noch behalten. Also Motor reparieren. Mir war eingefallen, dass ich in Barth auf dem Weg eine Bootsmotorenwerkstatt gesehen hatte. „Lass uns mal hingehen, vielleicht wissen die weiter“ Zum Glück war der Chef da, ein Meister vom alten Schlag. Er sagte gleich, dass es bei einem solch alten Motor schwierig mit neuen Ersatzteilen ist, es gäbe aber oft runderneuerte Teile. Ebenso kann man den Anlasser vielleicht auch reparieren. „Bringt ihn mir bis 18.00 Uhr vorbei, ich teste ihn“. Christoph schluckte kurz – selbst ausbauen? Der Meister so: „das schaffste schon“ Um 19.00 Uhr in der Werkstatt war klar, der Anlasser ist kaputt. Der Meister hatte den Anlasser und wir ein Wochenende ohne segeln.

Und jetzt?

Was man halt so macht, wenn man nicht segeln kann… Wanten nachspannen, Putzen, aus – und einräumen… Sonntags beschlossen wir, zurück nach Hamburg zu fahren und die restlichen zwei Urlaubstage dort zu verbringen.

Und auf Infos über den Anlasser zu warten…

Unser Fazit: es ist halt ein altes Boot!

Ich will eine Segelyacht mit dir – oder wie ein Satz ein ganzes Leben verändert…

30.12.2016 – wir unterschreiben in unserer Küche den Vertrag für unsere erste eigene Segelyacht. Das Ende einer langen Suche…die mit den einfachen Satz „ich will ein Boot mit dir“ begann.

Warum eine Segelyacht kaufen?

Nachdem wir uns kennengelernt hatten, haben Christoph und ich viele Seemeilen zusammen auf Yachten verbracht. Immer als Gast, immer gechartert. Ewiges Taschenpacken – eine Materialschlacht. Nach unserem ersten Kurzurlaub zu zweit auf einer kleinen Vereinsyacht, war mir klar: ich will mehr davon. Und irgendwann kam die Frage, ob wir uns nicht ein Segelboot kaufen möchten. Damit kam die Lawine ins Rollen. Zuerst nur ein Traum, wuchs der Wunsch bei beiden. Für mich war es der Wunsch nach einem Zuhause. Ich will mich einrichten, abschalten, mich wohl fühlen. Ich will meine Klamotten auf dem Boot, einen Kulturbeutel, Essen, etc. Jederzeit wann ich will aufs Boot und los können. Und irgendwann um die Welt.

Warum eine Weltumsegelung?

Ich habe schon lange das Ziel, eines Tages mit einer Segelyacht die Welt zu sehen. Ich liebe das Wasser, das Meer. Das hat eine gewisse Grenzenlosigkeit, die ich an Land nicht verspüre. Es ist eine umweltfreundliche Art, sich schnell fortzubewegen und Distanzen zu überwinden. Für Christoph war das ein Traum, der sehr weit weg lag. Ich habe ihn ein wenig näher geholt.

Wir sind realistisch genug, Fähigkeiten, Kenntnisse und Möglichkeiten (zBsp finanzieller Art) einzuschätzen. Und diese besagen: ihr müsst noch ganz viel lernen und sparen. Also entschieden wir, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu starten und ein Segelboot in entsprechender Größe zu kaufen um zu lernen.

Mehr und mehr Stunden verbrachten wir mit Ebay und anderen Portalen. Wir schauten uns verschiedene Segelboote an – bis wir auf Sleipnir trafen. Wir hatten uns beide direkt „verliebt“. Ein fragender Blick von mir, ein Nicken von ihm – die Entscheidung war gefallen. Dass das so nicht der richtige Weg war, erzählt Christoph hier.

Im Februar 2017 war es dann soweit, wir wollten zum Segelboot fahren und anschauen, was wir jetzt tatsächlich haben. An diesem Tag entstanden auch die ersten Bilder und Sequenzen für unseren Blog.

Warum ein Blog?

Schon lange verfolgen wir Blogs, die mit Segeln und Langfahrt zu tun haben. Mehrheitlich findet man dort schöne Bilder und fröhliche Menschen. Wir haben Vorträge angehört, Filme geschaut. Uns ist am meisten aufgefallen, am Ende bleibt immer die Frage: Wie sind die dahin gekommen? Nur wenige erzählen davon, was sie alles gelernt und erfahren hatten, bis sie soweit waren und in die konkrete Planung gegangen sind.

Wir dachten uns – wir nehmen euch mit auf die ganze Reise!

Nun ja – mit dem Blog ist das ähnlich wie mit dem Segelboot – du musst sehr viele Erfahrungen sammeln.

Hier findest du unseren ersten Videopost, alles noch sehr unbedarft und unbeholfen. Mein erster Versuch mit iMovie – wie man unschwer erkennt.