Nachdem du segeln gelernt und vielleicht sogar einen Schein gemacht hast, willst du jetzt natürlich auf deinen ersten Segeltörn.
2014, im Jahr nach meinem Segelschein, stand mein erster Törn an. Eine langes Wochenende mit dem Segelverein auf der Flensburger Förde.
Und da waren sie, die Fragen: Was nehme ich mit? Wie verhält man sich? Muss ich was besonderes beachten?…

Für mich war es bis heute ein unvergesslicher Segeltörn, auch wenn danach noch viele weitere folgten. Auf diese konnte ich mich dann auch immer freuen: ich wußte ja, was mich erwartet.

Damit du vor deinem ersten Segeltörn den Kopf frei hast für deine Vorfreude, geben wir dir jetzt viele wichtige Tipps und 5 spezielle Insidertipps an die Hand! Diese habe ich mit Christoph zusammengetragen.

Kleidung

Was du brauchst, ist abhängig vom Segelrevier und der Jahreszeit. Logisch: in der Karibik benötigst du andere Kleidung als auf einem Törn nach Island. Und natürlich ist auch jeder unterschiedlich empfindlich.
Aber es gibt ein paar Basics, die du bei deiner Planung beachten kannst. Der Rest ist dann individuell nach Temperatur und Gusto.
Grundsätzlich gilt: nimm nur soviel mit, wie nötig. Ich habe immer noch meistens zu viel dabei, obwohl ich schon viele Segelreisen gemacht habe.

Neben der normalen Kleidung gibt es ein paar spezifische Kleidungsstücke, die für das Segeln wichtig sind.

Wasserdichte Kleidung

Ja, segeln ist Wassersport und es kann nass werden. Und auch wenn es regnet, muss mindestens einer das Boot steuern, wenn es auf dem Wasser ist. Daher benötigst du wasserdichte Kleidung.

Insidertipp Nr 1 – Bekleidung

Es muss für die erste Reise nicht spezielle Segelbekleidung sein, es tut absolut auch die gute Fahrradregenkleidung oder Outdoorkleidung. Und wenn es kälter werden sollte, kann es auch die Skibekleidung sein!

Christoph mit Fahrrad- Regenbekleidung

Du hast weder noch? Es gibt auch einen Verleih: (keine bezahlte Werbung, nur Info) Ich habe damit keine Erfahrung, finde die Idee aber super. Wenn du das ausprobiert hast, kannst du uns gerne deine Erfahrungen in den Kommentaren hinterlassen!

Schuhe

Sneakers mit heller Sohle und Profil, das erhöht die Rutschsicherheit. Nimm zwei Paar mit, falls ein Paar nass wird oder doch rutschig sind. Mädels: natürlich an Bord keine spitzen Absätze. Und für alle: keine dunklen Sohlen, das gibt blöde Schlieren und Streifen an Deck, Boote sind zu 99% weiß.
Wenn das Wetter nicht ganz so gut sein könnte, sind Gummistiefel eine gute Idee. Auch hier gilt: helle Sohlen! Je nach Temperatur solltest du gerade bei Gummistiefeln an warme Socken denken (am besten Merinowolle) und je nach Wetter wärmende Einlagen. Es gibt von Thermopad sich selbst aktivierende Sohlen. Traumhaft für Kaltfüssler! (wieder keine bezahlte Werbung, nur reine Überzeugung) Und immer daran denken: Gummistiefel sind nicht atmungsaktiv!

Ich halte übrigens nichts davon, barfuß zu segeln. Die Verletzungsgefahr an Bord ist hoch. Aber das ist meine Meinung, Christoph sieht das anders, er liebt es.

Windjacke

Beim Segeln wird es schnell mal kühler und windig, daher empfiehlt es sich, eine leichte Windjacke dabei zu haben. Oder eine Softshelljacke. Oder ein gutes Fleece. Die klassische Outdoorbekleidung ist für das erste mehr als ausreichend!

Es gibt doch auch günstige Segelbekleidung bei (Sport)Discountern, warum nicht dort kaufen?

„Wer billig kauft, kauft zweimal“. Wer Spaß beim segeln haben will und auch öfters auf das Wasser möchte, sollte sich meiner Meinung nach gute Kleidung kaufen. Und diese am besten auch im Laden deines Vertrauens mit der richtigen Beratung. Lieber einmal richtig investieren und lange Spaß und Freude damit haben.

Beim Segeln lässt sich eine Sache einfach nicht planen: das Wetter. Mache auf jeden Fall kurz vor der Abfahrt einen Wettercheck und passe gegebenenfalls dein Reisegepäck an: ein Pulli mehr oder ein Pulli weniger. Aber bedenke bitte, auf dem Wasser ist es noch mal anders (meistens kühler) als an Land!
Ein schönes Wort für die Bekleidung ist das „Zwiebelprinzip“. Wenn du mehrere Lagen trägst, dann kannst du dich den Wetterverhältnissen besser anpassen.

Ausstattung

Ein Segelurlaub ist etwas anderes als ein Urlaub im Hotel. Wenn du Backpacker – Erfahrung hast oder Camper bist, wird dir das Packen und das Zusammenstellen der Ausrüstung vermutlich leichter fallen. Aber auch dann haben wir ein paar Tipps für dich, speziell für den Urlaub auf dem Boot.

Insidertipp Nr 2 – eine Lampe

Nimm eine Lampe mit. Eine Stirnlampe ist super, manche haben ja eine vom Laufen. Du musst du dir aber nicht extra eine kaufen, eine kleine Taschenlampe geht auch! Du brauchst sie zum Beispiel nachts auf dem Weg zum Klo oder wenn du mal etwas suchen musst.

Weitere Tipps

  • Bitte keinen Koffer. Nein, nein, nein. Eine Sporttasche, eine Reisetasche, auch gerne mit Rollen. Es ist immer zu wenig Platz auf dem Boot!
  • nimm nicht zu viel Technik wie zBsp Laptop mit, genieße das Segeln!
  • magenfreundliche Kopfschmerztabletten, Elektrolyte & Vitamin C. Und Ohrstöpsel, vermutlich seid ihr mehrere Leute an Bord und manchmal kann es dann laut sein, wenn du Ruhe willst.
  • Sehr wichtig: einen Turnbeutel für den Waschbeutel, das Handtuch sowie Flipflops/ Badeschuhe für die Dusche.
  • Packe dein Gepäck in der Reisetasche in kleinere Taschen: zum Beispiel Wäsche, Oberteile, Hosen, Technik, etc. Dadurch hast du mehr Ordnung und findest deine Sachen schneller.
Gepäck und Proviant für den Segeltörn
Unser Gepäck in Taschen und Klappboxen

Am besten du besorgst dir eine Packliste. Es gibt im Netz viele unterschiedliche Packlisten, daher habe ich mich jetzt auch dagegen entschieden, die x.te Packliste zu erstellen. Wenn du willst, kann ich dir meine aber gerne geben. Schreibe einfach einen Kommentar, dann stelle ich diese zur Verfügung.

Sehr praktisch finde ich persönlich die Zusammenstellung von Sönke Roever: Packliste Segeltörn für Mitsegler – Das muss unbedingt mit! Dort ist alles wichtige aufgeführt, zusammengetragen und erklärt. Natürlich kannst du auch hier auf das eine oder andere verzichten, ein paar Dinge sind nur „nice-to-have“ (ich habe kein Taschenmesser dabei und vor allem keine Angel…)

Schreibe dir deine Liste zusammen und beachte dabei noch unsere Tipps, dann kann nicht viel schiefgehen! Und wie gesagt, lieber zu wenig als zu viel.

Regeln an Bord

Es gibt nur eine allgemein gültige Regel an Bord: Der Skipper hat immer recht. Punkt. Er trägt er die Verantwortung für Besatzung und Boot. Und dafür muss er klare Ansagen machen.
Der Skipper klärt am Anfang der Reise auch über die bei ihm geltenden Regeln auf.

Zum Beispiel gibt es oft „Bordkasse“. Da schmeißt jeder pro Tag einen bestimmten Betrag rein, von dem alles an Bord bezahlt wird. Aber auch schon hier beginnen die individuellen Spielregeln: manchmal wird die Bordkasse nur für Einkäufe genommen, manchmal auch wenn man Essen geht. Manchmal ist der Skipper frei, manchmal beteiligt er sich.

Klärt die Spielregeln am Anfang (zum Beispiel auch: kochen, putzen, Vorlieben, …)
Ihr seid normalerweise mehrere Personen auf engstem Raum, je nach Reise sogar Unbekannte. Da sind Kompromisse an der Tagesordnung. An Bord hilft man sich, man arbeitet miteinander und nimmt Rücksicht aufeinander. Das ist selbstredend und seemännische Praxis.

Insidertipp Nr. 3 – Törndauer

Ich bevorzuge für einen Törn mit unbekannten Mitreisenden eine Reisedauer von maximal einer Woche, aus eigener Erfahrung und nach Umfragen unter Skippern. Solange kann sich normalerweise jeder zusammenreissen, falls es nicht passen sollte. Wenn es länger dauert, kann es kritisch werden…

Eine ganz wichtige Regel ist Ordnung und Sauberkeit. Jeder räumt alles wieder weg und verstaut, was nicht mehr gebraucht wird. Vor allem, wenn es dann auf Fahrt geht. Da kann ein Messer sehr schnell zum lebensgefährlichen Flugobjekt werden.

Sicherheit

Ein beliebtes Thema und die Meinungen sind sehr kontrovers.
Meine Meinung ist: lieber zu vorsichtig. Aber da unterscheide ich mich zum Beispiel auch schon von Christoph, dessen Level doch ein anderes ist. Daher nur der Tipp: mache nichts, bei dem du dich unwohl fühlst.

Ansonsten: achte darauf, daß du alles Relevante weißt: wo sind die Notsignalmittel, wo ist der Feuerlöscher und wie holst du im echten Ernstfall Hilfe. Ein verantwortlicher Skipper macht eine ausführliche Sicherheitseinweisung. Dabei zeigt er euch alles und erklärt auch, was im Notfall zu tun ist. Gerade bei deinem ersten Törn ist das sehr wichtig! Frage ruhig nach, wenn du etwas nicht verstehst. Natürlich hoffe ich, du wirst dieses Wissen nie anwenden müssen!

Und das Lieblingsthema, stets heißdiskutiert in Seglerforen: das Tragen der Rettungsweste. Trage deine Rettungsweste lieber zu oft als zu wenig und auch wenn es doof aussieht: benutze den Schrittgurt! Nur dann erfüllt die Weste auch ihren Zweck richtig. Lass dir erklären, warum.

Höre auf den Skipper. Frage nach Manöverübungen (Person über Bord) falls der Skipper es nicht anspricht.

Rettungsweste beim ersten Törn
Trotz leichter Brise: Marion trägt Rettungsweste mit Schrittgurt

Insidertipp Nr. 4 – gehe ans Ruder

Wenn du Angst vor dem Segeln hast, zum Beispiel wenn das Boot in Schräglage ist, dann gehe selbst ans Ruder. Auch gerne mit dem Skipper neben dir. Ein verantwortlicher Schiffsführer wird versuchen, dir die Angst zu nehmen. Das bringt enorm viel Sicherheit!

Natur

Segelurlaub ist ein Urlaub direkt in der Natur. Daher gibt es noch für euch den

Insidertipp Nr. 5 – respektiere die Natur

Das ist eigentlich kein Tipp sondern eher ein Hinweis und sollte auch selbstverständlich sein:
du bewegst dich in einem unglaublich tollen Umfeld und Revier. Bitte benehme dich entsprechend und respektiere die Natur und die Umwelt. Es gehört nichts ins Wasser, was da nicht von Natur aus ist. Müll gehört an Land. Und in Schutzgebieten verhält man sich entsprechend.

Vor allem: Sei sparsam mit den Ressourcen und genieße auch einfach mal!

Du hast jetzt 5 Insidertipps von uns bekommen, aber vielleicht hast du noch diese eine ganz bestimmte offene Frage:

Was mache ich bei Seekrankheit?

Es gibt von mir keinen Insidertipp, da das Thema sehr individuell und auch komplex ist. Der nächste Artikel widmet sich rein nur diesem Thema. Darin findest du dann alle Informationen auf einen Blick. Wenn du diesen nicht verpassen willst, trage dich direkt in unseren Newsletter ein!

Trotzdem ein paar Worte vorab:

Grundsätzlich kann Seekrankheit jeden treffen. Immer und überall, sogar langjährige Seebären. Jetzt bei deinem ersten Törn Angst davor zu haben, ist unnötig. Viel dabei ist Kopfsache: wenn du Sorge oder Angst davor hast, ist die Wahrscheinlichkeit höher auch seekrank zu werden. Seekrankheit hat etwas mit dem Gleichgewichtssinn zu tun, dieser wird gesteuert über Auge und Ohr. Wenn da etwas im Ungleichgewicht ist, wird uns schwindelig. Mehr ist es eigentlich nicht, es kann aber bei manchen Menschen zum Totalausfall führen.

Was hilft wirklich?

Es gibt so viele Tipps wie Fische im Wasser. Der allerheißeste Tipp im letzten Jahr war ein Ohrstöpsel, Rechtshänder links und Linkshänder rechts (ein einzelner Ohrstöpsel ist gemeint). Wenn du Sorge oder Angst vor Seekrankheit hast, nimm dir Reisetabletten oder Reisekaugummis mit. Alleine das Wissen, du hast im Ernstfall etwas dabei, kann schon sehr helfen!

Das Fazit

Segeln ist wahnsinnig erholsam und vor allem: du bist sofort weg vom Alltagsstress und tauchst in eine andere Welt. Lass es auf dich wirken, es wird dich verändern! Normalerweise hat man speziell nach dem ersten längeren Törn ein ganz besonderes Lächeln im Gesicht…
Und ich hoffe, unsere Insidertipps helfen dir dabei, dich auf dieses Lächeln gut vorzubereiten und es zu einem unvergesslichen ersten Segeltörn zu machen!

Wenn du noch Fragen hast oder auch einen tollen Tipp, dann schreibe gerne einen Kommentar! Du kannst mich auch über Facebook und Instagram erreichen und Email geht natürlich auch.

Jetzt noch mein allerletzter Tipp für dich, und das ist definitiv kein Insider:
Ab auf’s Wasser, geh segeln!

2 Kommentare
  1. Martin Drache sagte:

    Hi!
    Toller Blogbeitrag!
    Ich habe ihn eigentlich nur gelesen um zu lesen wie andere ihre Blogbeiträge verfassen (ich selber habe gerade seedrachen.com gestartet…) und dabei habe ich dann tatsächlich etwas gelernt! Als Rechtshänder Ohrstöpsel ins linke Ohr. Ich segle seit fast 40 Jahren – den kannte ich noch nicht!!! ;-)
    CU
    Martin

    Antworten
    • Hafenkino sagte:

      Moin Martin!
      Vielen Dank, das freut mich aber, wenn du sogar nach so vielen Jahren „auf See“ noch etwas lernen konntest! Das mit dem Ohrstöpsel kam letztes Jahr in diversen Foren auf und wurde für gut befunden. Und das ist ja so ein einfacher und guter Tipp, den muss man ja unbedingt weitergeben! Aber ich hoffe, den selbst nie testen zu müssen ;)
      Schöne Grüße und bleib gesund!
      Marion

      Antworten

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