Segeln Flaute vor Anker

…. fragte mich kürzlich ein Freund.

„Nee, gar nicht“ sagte ich. „Das ist Kurzurlaub, dein Rückzugsort, ein schwimmendes Wohnmobil, nette Nachbarschaft am Steg, große Fähren die vorbeiziehen, Wellen, Schraubengeräusche, das Klatschen des Wassers an den Rumpf, Kochen mit Blick auf die Promenade, wo alle auf das Boot gucken, Kaffee und Kuchen in der Plicht, basteln am Boot und und und…. naja, und natürlich:

Motor anwerfen, Leinen los, raus rangieren aus der Box, aus dem Hafen tuckern, an der Mole und dem Leuchtturm vorbei, den Urlaubern am Leuchtturm zuwinken, am Strand vorbei, prüfen woher der Wind kommt, dann die richtige Seite zum Segel setzen wählen, Ruder übergeben, an den Mast, Segel setzen, zurück in die Plicht, der Wind greift ins Groß, Du bekommst Lage ins Boot, Du ziehst an der Genuaschot, die öffnet sich mit einem Flappen, das metallische Ratschen der Winsch beim dicht holen, der Motor erstirbt, Zündung aus, Ruhe, Ruhe, Wind und Welle.

Mehr Lage, anluven, noch mehr Lage, du nimmst Fahrt auf, das Wasser gluckst an den Rumpf, das Boot taucht klatschend in die ersten Wellen ein, die Geräusche vom Ufer entfernen sich, du blinzelst in die Sonne oder die Wolken, peilst auf dem Tiefenmesser. Die Menschen am Strand werden kleiner, nur noch die Geräusche der Wellen, die anderen Segler ziehen vorbei, grosse und kleine, jeder ist ruhig und still, das Licht glitzert auf dem Wasser, das beruhigende grünblau, Strand und Wald, das Ufer zu beiden Seiten, du stemmst die Beine gegen die gegenüber liegende Bank. Nein, nicht langweilig.“

Der Freund schaut nachdenklich. Schweigen, jeder hängt seinen Gedanken nach. „Warum langweilig?“ denke ich bei mir.

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