Ankern Windstille Blick über die Ostsee

Die Genua ist bereits eingerollt. Kaum noch Wind. Der Strand ist etwa 300 Meter entfernt. Wir wollen Ankern. Das erste Mal mit unserem Boot. Wir treiben eher als dass wir fahren. Wegen des fehlenden Tiefenmessers schätzen wir die Tiefe an Hand der Tiefenlinien auf dem Plotter ab. 15 Meter, 10 Meter. Kurz vor der 5 Meter Linie drehen wir das Boot in den Wind. Ich gehe auf das Vorschiff, prüfe Anker und Kette und Leine. Alles in Ordnung. Der Anker platscht ins Wasser. Er sinkt schnell und wird durch das Wasser grünlich und mit leichten Lichtreflexen und Wellenmuster versehen. Die Kette rauscht durch meine Hände. Dann der Schäkel, die Leine. Auch diese gleitet flink in die Tiefe. Bei etwa 7 Metern findet der Anker Grund. Trotzdem rauscht die bleigefüllte Leine schnell hinterher. Noch etwa zwei Mal so viel Leine hinterher und belegen. Groß runter, Auftuchen. Leinenkontrolle am Anker. Alles scheint zu stimmen. Der Plotter zeigt nach wie vor einen Punkt, wir stehen.

Das Ufer, ein schmaler Streifen Sand, etwas Sandabbruch an der bewachsenen Düne. Hohe, alte Bäume darauf. Wenige Dächer hinter den Bäumen zu erkennen. Schön, dass der ehemalige Oste am Strand unbebaut und naturbelassen blieb. Findlinge, Sand, Strandmuscheln, Kinderjohlen. Sommerstimmung. Wenige Menschen und sehr fern. Nur vom Aussehen und der Wasserfarbe her, könnte die Küste auch weit entfernt in einem anderen Land sein. Es fühlt sich sehr nach Urlaub an.

Viel weiter entfernt in der anderen Richtung ein Motorboot. Das Plätschern am Schiffsrumpf ist viel näher, unmittelbarer. Mit dem leichten Wiegen des Schiffes, ist es das, was mich in das hier und jetzt versetzt und ganz still werden lässt. Ich spüre dem Wiegen nach. Das Wasser sieht in der blassen Sonne nach Baden aus. Badeleiter ausgeklappt. Füsse hinein, es geht eigentlich. Erst bis zu den Knöcheln, dann bis zu den Knien. Ich ziehe mich aus und tauche hinein. Es ist kühl aber angenehm. Es beruhigt, kühlt und verstärkt das Gefühl des Hier und Jetzt. Schwimme um den Rumpf. Das Boot erscheint hoch über mir. Ich tauche, lasse mich eine Weile auf dem Wasser treiben. Schwimme weiter weg, betrachte das Boot von weitem. Liegt dort friedlich in der Sommersonne wie eine einsame Insel. Nur wir.

Steige wieder auf das Boot, während Marion mich schmunzelnd empfängt. Während wir uns unterhalten lasse ich mich auf der Reling sitzend in der Sonne trocknen. Dann einen Kaffee kochen. Welcher Luxus. Einen Kocher, Wasser aus dem Kanister, Espressopulver, Espressokocher und Becher. Zuhause eine Selbstverständlichkeit, ja fast schon zu einem Reflex verkommen, ist es hier etwas ganz besonderes.

Kaffeekochen auf dem Spirituskocher. Die Hitze staut sich unter dem Dach der Kajüte. Der muffig-scharfe Geruch des verbrannten Alkohols. Ich blicke durch das Fester über die Lichtreflexe und das Schaukeln zum Strand. Der Kaffee beginnt zu simmern, zu zischen, zu blubbern. Kaffeeduft füllt das Boot.

Milch aus der Kühlbox, Tassen aus dem Schrank. Eingiessen. Dunkelbrauner Espresso mischt sich mit weißer Kühle zu einem köstlichen Gebräu. Trage die Tassen hoch in die Plicht, wo Marion in die Sonne blinzelt. Wir nippen am Kaffee, unterhalten uns und lassen uns leise von den Wellen wiegen. Das Holz der Sitzbänke warm am Rücken.

Die Ufer fern. Die Stadt weit weg. Himmlische Ruhe. Das Wasser ist fast ohne Bewegung. Dem Horizont zu wird das Wasser immer heller. Dort wo der Horizont bei Wind dunkelblau gemustert abgegrenzt ist, verliert sich heute der Himmel im Meer.

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