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Nutshell Tours pesents:

Kopenhagen – weiter oder nicht?

Tag 9-11

Endlich in der Marina Margareteholms Havn angekommen, suchen wir als erstes das Hafenbüro – in der Hoffnung, es ist jemand da. Natürlich nicht am Samstag nachmittag. Wir reden mit zwei Vereinsmitgliedern und erzählen unser Dilemma. „You hit a rock? Oh“ betroffene Gesichter… nachdem wir aber erklärt haben, daß alles ok ist, der Kiel hängt noch und wir haben auch kein Wasser im Boot, sind alle wieder entspannt. Montag morgen ist der Hafenmeister wieder da und dann hilft er sicher gleich.

Zurück am Boot sind wir erledigt, irgendwie hat das doch geschlaucht. Eigentlich wären wir am liebsten im Boot geblieben, dann kam aber doch der Gedanke durch: jetzt sind wir extra nach Kopenhagen gefahren und nun wollen wir nicht raus? Schnick Schnack – ab in die Stadt! Von dem Liegeplatz kommt man entweder mit dem Bus oder mit dem Havnebus weg. Der Havnebus ist eine Fähre und natürlich haben wir uns für die Fähre entschieden. Schon auf dem Weg zur Fähre sind wir völlig überwältigt von dem Flair und der Atmosphäre dieser Stadt. Und dabei sind wir nicht mal in der Innenstadt, sondern in einem von Industrie geprägten Stadtteil, Refshaleøen.

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Mit der Fähre in die Innenstadt, begleitet von vielen Motorbooten unterschiedlicher Art und Größe. Wir steigen aus und befinden uns mitten in Nyhavn, der Touri-Rutsche. Kopenhagens Flair in voller Breitseite. Wir genießen und schlendern, drehen dann aber doch ab in die Seitenstraßen. Bei einem kleinen Italiener und lecker Pasta lassen wir die letzten Tage Revue passieren. Viel passiert und alles gut gegangen!

Sonntag entschieden wir uns gegen das klassische Sightseeing Programm, als wir die Touristenmassen zwischen der Meerjungfrau und dem Kastellet sahen. Wir fuhren mit der Fähre weiter bis zur Det Kongelige Bibliotek und liefen los. Vorbei am Zeughaus und dem Christiansborg Königspalast. Nachmittags wollten wir noch tanzen gehen. Wer uns nicht kennt, wir haben neben dem Segeln eine zweite Leidenschaft: Lindy Hop. Und Sonntag nachmittag sollte ein Social Dance sein. Kopenhagen gefiel mir von Moment zu Moment besser. Wir hatten noch dazu perfektes Wetter: Sonne pur!

Montag morgen, Zeit für Sleipnir. Beide sind wir ziemlich angespannt, es werden nicht viele Worte gewechselt. Also Taschen mit dem Nötigsten gepackt – man weiß ja nicht, wie es ausgeht. Wir tuckern zum Yachtkran, lösen das Achterstag und legen uns in Warteposition. Und warten. Dann endlich können wir ran. Langsam hebt sich Sleipi – und unser Blutdruck. Der Hafenmitarbeiter sagte uns vorher schon, er ist Bootsbauer und kann sich das anschauen. Puh, genau das, was wir erhofft hatten von dem Liegeplatz!

Schauen, suchen, checken. Dann die finale Aussage: „no damage. You have a solid boat!“ Der Stein, der mir vom Herzen gefallen ist, war definitiv um ein mehrfaches größer, als der, den wir getroffen hatten. Also wieder zurück auf den Liegeplatz und alles wieder in Normalzustand bringen. Achterstag anbringen, Taschen auspacken, Kaffee trinken. Tief durchatmen!

Endlich können wir entspannt mit unserem Urlaub weitermachen, die letzten Tage waren gedanklich doch sehr von einem möglichen Schaden am Boot in Beschlag genommen. Also setzten wir uns hin und machten einen Plan für den weiteren Törn. Eigentlich wollten wir nach Kopenhagen natürlich auch Malmö besuchen. Ist ja nur ein Katzensprung, 15 Seemeilen. Aber das musste jetzt leider ausfallen, wir wollten doch lieber langsam Richtung Süden fahren und zur Ruhe kommen. Und bei genauer Betrachtung des Weges war es Zeit. Abends sind wir noch zum Reffen, ein Streetfood Markt in Refshaleøen, um die Ecke von der Marina. Uns war die letzten Tage schon aufgefallen, daß dort immer viele Menschen und Musik war. Wir dachten, man trifft sich dort nur so zum Sundowner. Toller Ort, tolle Atmosphäre und lecker (!!!) Essen. Ein perfekter Abschluss für Kopenhagen und das Stein-Drama!

Der Wind, der Wind…

Tag 12-14

Dienstag morgen geht es los nach Rødvig. Auf dieser Strecke gab es keinen anderen Hafen, welcher für uns Sinn gemacht hätte. Also wurde Rødvig der einzige dänische Hafen, den wir auf dieser Reise zweimal besucht haben. In Rødvig angekommen, ein erneuter Windcheck: nun ja. Eher zu viel als zu wenig. Der Plan war, außen um Falster herum und den Sprung von Gedser oder Nystedt. Also erst mal die Genua gegen die Fock getauscht. Abends gab es Pizza, morgens sind wir früh los Richtung Klintholm auf Møn.  Als wir auf Höhe der Klippen von Møn waren, wurden wir in unserer Nussschale wieder ganz schön durchgeschaukelt. Der Wind blies um die Ecke, die Wellen türmten sich auf 1 Meter und wir waren froh über die Fock.

In Klintholm angekommen legten wir längs an und machten 10 Kreuze. „Ihr seht aus, als wärt ihr um die Klippen gekommen“ der Kommentar des Seglers, der neben uns lag. Im Hafen um uns herum nur „große“ Yachten, 9,50 aufwärts. Und jetzt? Morgen bei den gleichen Verhältnissen mehr als 30sm nach Hesnæs? Der Windcheck gab uns einen Start von eher später als früh am Tag, für nachmittag war wieder Starkwind angesagt. Als wir aufgestanden waren, blies der Wind schon ziemlich kräftig. Die meisten großen Yachten waren schon unterwegs. Bleiben und morgen los oder durchkämpfen durch Wind und Welle? Mein Bedarf war eigentlich gedeckt – und der Blick aus der Hafenmole war nicht besonders einladend. „Fahrt doch durch den Grønsund!“ unser Nachbar. Recht hatte er! Ab an die Karte und die mögliche Törnplanung gecheckt: perfekt! Und dabei ist auch noch Fejø drin, dort wollten wir doch so gerne hin. Er selbst mit seinem 9,5 m Boot bleibt lieber im Hafen – zu viel Wind für ihn…

Wir mussten leider doch noch ein paar Meilen um Møn, um zum Grønsund zu gelangen. Also Augen zu und durch… interessant war für mich, daß ich deutlich entspannter war, obwohl die Wellen definitiv die höchsten unserer Reise waren. Leider wurde unsere Besteckschublade ein Opfer der Wellen! Mit voller Wucht flog sie durch den Salon und die vordere Abdeckung brach. Aber zum Glück bastelt Christoph gerne und er konnte das im Hafen wieder reparieren.

Der Sund und damit das Smålandsfahrwasser war definitiv die richtige Entscheidung, es war deutlich ruhiger. Aber es war auch Konfrontationstherapie…Untiefen und flaches Wasser: das gibt es dort zu genüge. In Stubbekøbing brav dem betonnten Fahrwasser gefolgt, wunderten wir uns über das Hafenbecken, in welchem nur Fischerboote lagen. Nebenan waren die Yachten zu sehen- aber wie dort hinkommen? Ein freundlicher Däne auf dem Fahrrad gab uns die Anweisung, außen an der Hafenmauer entlang zu fahren. Keine Betonnung? Einfach so quer? Oha. Nachdem er uns versichert hatte, es ist tief genug, tuckerten wir los. Er wies uns auch gleich einen Liegeplatz an und gab uns Informationen zu der Marina. Immer nett, die Dänen!

Die letzte Insel

Tag 15-16

Fejø, der Weg dahin war lang. Wir hatten den Wind gegen an, weshalb wir viel motoren mussten. Aber: keine Welle, wenig Schiffe. Ruhe! Tolle Gegend, das Smålandsfahrwasser: kleine Häfen, kleine Ortschaften, Inseln und nicht so viel los. Fejø war wie erwartet: klein. Jeder grüßt, jeder kennt sich. Im Hafen liegen fast nur Dänen, eine weitere deutsche Flagge war zu sehen und später kam doch noch ein drittes dazu. Die Sonne scheint, wir spazieren zum einzigen „Kaufmannsladen“ der Insel. Dort gibt es alles, was man braucht. Und was es nicht gibt, braucht man nicht. Eine dänische Bilderbuchinsel und wir sind froh, hier zu sein!

Von Fejø geht es auf unsere letzte Station vor dem Sprung: Bagenkop auf Langeland. Einer der Häfen auf dem Weg von Deutschland nach Dänemark. Wir starteten früh, da für nachmittags Starkwind und schlechtes Wetter angesagt war. Das war auch gut so, wie sich herausstellte, denn später gewitterte es kurz vor Bagenkop.

Auf dem Weg nach Bagenkop hatten wir für einen langen Moment eine schöne Begleitung: Schweinswale!Wir schätzen, es waren drei und die hatten viel Spaß mit uns: sie sind immer am Boot entlang und herum geschwommen. Ein toller Abschluß für Dänemark!!!

Die Ankunft in Bagenkop war von Fejø kommend wie ein Kulturschock für uns: groß, ordentlich angelegt, viele Yachten, viel los.

Auch wenn wir immer und immer wieder neu checkten: das Wetterfenster für den Sprung nach Deutschland war knapp, wieder Starkwind für nachmittag. Wir haben nur 27 Fuß und eine entsprechende Reisegeschwindigkeit. Ein kurzes Gespräch mit andren Seglern aus Deutschland unterstütze uns in unserer Entscheidung: möglichst früh los, um dem Starkwind gegen 14.00 vorweg zu fahren.

…und Hopp?

Tag 17-19

Wecker um 05.00 Uhr. MÄH…aber nützt ja nix. Um 06.00 Uhr machten wir los. Die erste Stunde unter Motor, konnten wir dann doch Segel setzen. Die Fahrt war unspektakulär, schöner Wind, keine Welle und später sogar noch Sonne. Gegen 12 erreichten wir den Fehmarnsund und überlegten noch mal, wie weiter. Auch für Montag und Dienstag war der Wind nicht so gut angesagt: falsche Richtung und Dienstag 5-6bft. Ich muss am Mittwoch in Hamburg sein, Christoph hat noch frei. Also überlegen wir als Plan B auf Fehmarn zu bleiben, ich fahre mit dem Zug nach Hamburg und Christoph bringt das Boot alleine nach Travemünde. Sollte das Wetter tatsächlich nicht passen.

Wir gehen ohne Wecker schlafen, wie es weitergeht entscheiden wir nach dem aufwachen. Als wir aufwachen sieht das Wetter ganz gut aus, die Sonne scheint. Aber die Windvorhersage ist gegen uns. Außerdem soll nachmittags wieder ein Schwerwetterfeld durchgehen. Die nächsten Tage ist die Vorhersage auch nicht berauschend, so daß Christoph sich für weiterfahren entscheidet. Also Frühstück und Richtung auf Richtung Grömitz. Wir hoffen ja noch, Segel setzen zu können, es sollte von der Vorhersage zumindest bis zur Landspitze gehen. Nix war es. Wir sind keine Höhe gelaufen, das hätte uns zuviel Zeit gekostet. Es war ja noch Starkwind angesagt. Also Segel bergen und Motor an. Das war richtig anstrengend, anstrengender als segeln… Einige Segler, welche in die gleiche Richtung wollten, gaben auch auf, bergten die Segel und motorten. Am nächsten Morgen machten wir uns auf zur letzten Etappe: Travemünde. Wir rechneten diesmal direkt mit motoren. Als wir aus dem Hafen waren, überraschte uns aber das Wetter mehr als positiv: wir setzten Segel und flogen die letzten Meilen über die Wellen zurück „nach Hause“.

Hier unsere Finale Reiseroute:

 

Gibt es ein Fazit? Oh ja, viele Erkenntnisse:

  1. Die Dehler Optima ist ein wirklich solides Boot. Zuverlässig und verzeiht Fehler! Das Raumangebot ist toll, wir hatten keine Beklemmungsgefühle!
  2. 27 Fuß sind 27 Fuß – auf offener See gleicht das Segelverhalten eher einer Nußschale! Wind und Welle setzen Grenzen, 5bft müssen nicht unbedingt sein und 1 Meter Welle ist bei dieser Länge ziemlich ungemütlich.
  3. Konfrontationstherapie hilft: Wellen und Untiefen nehmen ihren Schrecken.
  4. Auch Christoph hat seine Grenzen beim Segeln ;)
  5. Die sprichwörtliche dänische Gelassenheit gibt es wirklich! Sehr sympathisch!

Dänemark ist eine Segelreise wert!

Wollt ihr mehr Informationen über die dänischen Häfen? Gerne machen wir darüber einen Artikel, wenn wir entsprechende Rückmeldung bekommen!

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Nutshell Tours presents:

Dänemark? Dänemark!

Christoph: „Ich kann 4 Wochen Urlaub haben. Wollen wir eine lange Reise machen?“

Ich: „Okay, wenn es mein Job erlaubt, dann machen wir das!“

Christoph: „Ich will nach Dänemark.“

Ich: „Oh ja – nach Kopenhagen mit dem eigenen Boot segeln!“

Gut, der Plan stand irgendwie. Da ich die Wochen vor dem Urlaub viel zu tun hatte, konnte ich mich nicht weiter mit Planung befassen. Ich musste in der ersten geplanten Woche noch zwei Jobs einschieben, daher starteten wir auch erst etwas später als gedacht. Christoph war schon vorgefahren um das Boot soweit vorzubereiten und alles einzuräumen. Donnerstag fuhr ich dann mit noch mehr Gepäck und voller unbekannter Erwartungen nach Travemünde. Das war meine erste lange Reise per Boot, mit dem eigenen Boot. Bis dahin war die längste Tour eine Woche mit einer 46ft Yacht um Mallorca, Komfortzone pur. Ansonsten waren es immer nur lange Wochenende – diese aber mit vielen Meilen und großer Crew. Und auch letztes Jahr konnten wir keinen langen durchgängigen Urlaub zusammen machen. Damals konnte Christoph in seinem Urlaub seine ersten Einhand-Erfahrungen mit Sleipnir machen. Mehr dazu hier: Einhandsegeln

Zurück zu mir: ich war also eher unerfahren und daher hatte ich auch viel Respekt vor der Tour. Sleipnir ist ein gutes Boot – trotzdem nur 27 Fuß groß. Genug Raum für 2 Personen, auf jeden Fall. Dennoch verhalten sich 27 Fuß bei Wind und Welle anders als 46 Fuß. 

Außerdem haben wir nur eine absolute Basic- Ausstattung: Plotter, Handfunke und Seafarer Tiefenmesser. Wer den nicht kennt, so sieht das aus:

Kein Radar, kein AIS.

Der holprige Start

Tag 1-4

Es geht los: wir wollen über Kühlungsborn nach Dänemark, Nystedt soll es werden. Leider wurde es erst mal nur Grömitz: Wind und Welle wollten es so. Und mein Kopf und Magen war damit auch vollkommen einverstanden. Für den nächsten Tag hatten wir dann eigentlich Kühlungsborn geplant, doch wieder schlug mein Kopf und mein Magen eine kürzere Route vor und wir strandeten in Boltenhagen. Weiße Wiek in Boltenhagen ist nicht unser Lieblingshafen. Nicht daß er ungepflegt oder ungastlich wäre, im Gegenteil: eine sehr gepflegte und auch mit allem ausgestattete Marina, tolle Sanitäre Anlagen und ein nettes Bistro. Wir mögen aber gewachsene Strukturen und Ortsnähe sehr gerne. Das ist in Boltenhagen nicht gegeben.

Ab nach Kühlungsborn und auf den Sprung nach Dänemark vorbereiten. Ich gestehe ja, ich habe da sehr viel Respekt vor, ist es doch etwas anderes als an der Küste entlang zu juckeln. Früh aufgestanden und… Nebel. Alles dicht, man sieht keine 2 Seemeilen mehr. Gut, zweites Frühstück mit Windfinder, Wetter noch mal checken. Es ändert nichts. Wir setzen uns einen Zeitpunkt, wann wir spätestens los müßten. Warten…aus dem Fenster schauen… Irgendwann legt neben uns eine größere Yacht an. Natürlich haben wir sie gleich befragt, sie kamen aus Boltenhagen. Die Aussage war recht klar (für mich zumindest): man sieht nicht viel und ohne entsprechende Ausstattung nicht zu empfehlen. Gut, dann ein wenig Arbeiten am Blog und Christoph konnte endlich den Artikel über den Elbe-Lübeck Kanal fertig machen. „Sofa und Video“ quasi…

Der Sprung nach Dänemark

Tag 4-5

Das Wetter hat mich schon ziemlich fertig gemacht: erst ist es zu viel Wind und darauf hin viel Welle. Dann der Nebel. Das senkt meine Bedenken nicht unbedingt und ich bin ziemlich angespannt. Am Montag ist es dann soweit, wir fahren los. Nystedt oder Gedser ist das Ziel. Zwar ist es noch etwas neblig, aber die Sicht ist gut genug. Ich hatte keinen Kaffee um meinen Magen vor Unwohlsein zu schützen. Leider bin ich dann auch nicht wach… Das Wetter klart auf, die Sonne scheint und wir laufen gut. Und immer besser, und immer mehr. Mehr Wind, mehr Welle von achtern. Teilweise zeigt der Plotter mehr als 8 Knoten Geschwindigkeit auf der Welle.

Später zeigten die realen Meßwerte bei Windfinder eine mittlere bis hohe 5. Hat sich auch so angefühlt! Kurz vor dem Ziel entscheiden wir, in den Guldborgsund nach Nykøbing zu fahren, um in der Nacht und am nächsten Tag Ruhe zu bekommen. Noch dazu war die Wettervorhersage ähnlich hoch und wir wollten wenigstens in der Nähe einer Stadt eingeweht sein. Die Einfahrt zum Sund ist extrem kabbelig und wir entscheiden, das Groß zu bergen. Für mich war das alles zum Ende hin sehr grenzwertig: Sleipi fühlte sich eher wie eine Nussschale als wie ein Boot an…

Wohin denn jetzt?

Tag 5-7

In Nykøbing angekommen, sahen wir dort eine große deutsche Yacht liegen. Je näher wir kamen, um so bekannter kam sie uns vor: es war die Moody 44, welche uns den Tag über den Elbe-Lübeck Kanal begleitet hatte! Ebenso waren noch zwei deutsche Einhand-Segler mit ihren Booten da. Wir kamen natürlich ins Gespräch und es kam die Frage auf, warum wir nicht um Sjæland segeln.

Wir haben doch viel Zeit. Und schwupps war der Floh im Ohr. Wir fanden die Idee gut. Jetzt aber gingen wir erst mal einkaufen, eine dänische Simkarte, damit wir mobil sind (60gb für 99kr und eine Karte für 49kr! Für den Preis bekommt man in Deustchland gerade mal 3gb…), und natürlich Softeis essen. Und der erste dänische Sonnenuntergang, traumhaft! Ach ja, dunkel wurde es erst gegen 23.00 Uhr, deutlich später als in Hamburg!

Am nächsten Morgen ging es los mit gesetzter Genua in Richtung Westen durch das schmale Fahrwasser des Guldborgsund. Es wurde immer enger und wir holten die Genua ein und motorten. Je weiter wir kamen, um so größer wurden bei mir die Bedenken: mit der Nussschale um Sjæland? Das war weit, wir hatten keine Karte von dem Gebiet und irgendwie und überhaupt. Irgendwann äußerte ich meine Bedenken. Nach langen Diskussionen entschieden wir, doch die Ostroute durch den Sund nach Kopenhagen zu nehmen. Christoph wollte unbedingt auf eine kleine Insel. Femø oder Fejø?

Wir hatten keinen Wind und ich hatte Zeit, mich über Femø und Fejø schlau zu machen. Natürlich gab es die Seiten im Internet nur auf schlecht übersetztem Deutsch, wodurch für Fejø „lecker Strickwolle“ und Flöhe rauskam. Das wollten wir sehen. Dann wurde es aber irgendwie doch Femø, was aber auch gut war. Eine kleine dänische Insel, im Hafen liegt die Fähre nach Kragenæs auf Lolland. Es gibt einen kleinen Laden und daher für uns Brot und Salat. Übernachten auf Femø und dann Kurs nach Vordingborg war der Plan. Auf dem Weg mussten wir feststellen, daß die geplante Route nicht schiffbar war, da die Masnedsundbroen gesperrt ist. Also um Masnedø herum. Wieder durch sehr enge Fahrwasser gelangen wir nach Vordingborg. Malerischer Ort, netter Hafen. Wir steuern eine Box an, ich wollte die Heckleine über den Dalben bringen – es geht nicht weiter. Blick zu Christoph: ?. Wir hängen im Sand. Okay, Rückwärtsgang und ab zur nächsten Box. Das gleiche Spiel: es geht nicht weiter. Blick zu Christoph, Blick zurück: es geht nichts! Plötzlich ein Ruf von nebenan: „Hey, your rope!“

So, da stecken wir nun, mitten im Hafen im Schlick mit der Leine um den Propeller. Christoph packt seinen Neo aus und den Schnorchel, er kann in aller Ruhe den Propeller befreien, wir stecken ja fest. Ab jetzt müssen wir mit einer kürzeren Heckleine leben, aber Schwund ist ja immer. Dann kommen wir auch aus dem Sand wieder frei und suchen uns eine Box bei den großen Booten – da ist genug Tiefe! Zeit für Pommes!

Vordingborg ist ein nettes kleines Städtchen, für dänische Verhältnisse schon fast groß. Es ist ein sehr idyllischer und ruhiger Hafen mit ein paar Restaurants, ein sehr nettes Café und stadtnah gelegen. Das Hafengeld wird an einem Automaten bezahlt, das kannte ich noch nicht. Ist uns bei unserer Reise dann noch öfters begegnet. Super Sache, Toilettencode und Wlancode auf der Quittung aufgedruckt! Wir hatten uns am Vormittag Ruhe und Kultur verordnet, außerdem wollten wir noch zur Bank. Was uns direkt aufgefallen ist: es gibt mehr Optiker als andere Ladengeschäfte aller Art zusammen. Merkwürdig.

My heart goes „boom“

Tag 7-10

Nachmittags machen wir uns auf den Weg, es soll über den Storstrøm und Ulvsund nach Stege auf Møn gehen. Durch die Sperrung des Masnedsund wurden die Fahrwasser im Færgestrøm angepasst und verändert, neue Fahrwasser wurden angelegt. Aber es ist alles sehr eng und knapp, teilweise nur 2m Wassertiefe und außerhalb direkt flach. Wir fahren unter Motor, sind ganz entspannt, als es plötzlich einen Schlag gibt und Sleipi hüpft. Ich bekomme direkt Schnappatmung und Christoph wird blass. Sofort stoppen und Anker werfen. Atmen. Was war das? Da war ein Stein im Weg. Christoph steigt direkt wieder in seinen Neo, schnappt sich den Schnorchel, die GoPro und los gehts. Nach ein paar Minuten die Entwarnung: scheint nichts Schlimmes zu sein, nichts zu sehen außer Schrammen. Ein Blick in die Bilge: trocken, die Bolzen sehen auch gut aus. Wir fahren langsam weiter. Ein Blick auf die Karte: der Ulvstrøm ist gestrichen, dort sind die Fahrwasser noch enger. Planänderung: wir fahren außen um Møn herum, Hårbølle wird angesteuert. Die Ansteuerung geht jetzt über sichere Wege, das heißt wir fahren zurück und die großen Fahrwasser entlang.

Die Stimmung ist angespannt, auf Grund laufen gehört zu meinen „worst case“- Szenarien! Christoph telefoniert mit der Versicherung. Der Agent ist ziemlich entspannt, dennoch weist er uns an, das Boot zu kranen und auf Beschädigungen zu checken. So wie es aussieht, wird das erst in Kopenhagen sein. In Hårbølle angekommen erst mal durchatmen und Plan machen. Kopenhagen ist in zwei längeren Schlägen zu erreichen. Also früh schlafen und aufstehen.

Am nächsten Tag um Møn, die weißen Klippen bestaunen und ab nach Rødvig, das war der Plan. Lief am Anfang auch super, gegen Nachmittag schlief dann der Wind langsam ein. Nach 11 Stunden segeln warfen wir doch den Motor an und fuhren die letzten Meter in den Hafen. Rødvig sollte laut einem Hafenführer auch einen Kran haben. Jedoch stellte sich heraus, es ist nur ein Mastkran. Also Pizza und Sofa!

Noch ein Schlag, dann sind wir in Kopenhagen. Auf dem Weg mache ich mich schlau, wo wir denn eine Marina mit Kran finden und habe drei zur Auswahl: Dragør, Margretheholms Havn und Svanemøllehavnen. Da wir nicht wußten, wie das mit Sleipnir ausgeht, entschieden wir uns für den zentralen Margretheholms Havn. Dieser wird betrieben von einem Segelverein, S/C Lynetten. Wir erhofften uns dänisches Bootswissen und Unterstützung bei der Beurteilung des Unterwasserschiffes durch den Verein. Außerdem: sollte das Boot tatsächlich beschädigt sein, kommen wir wenigstens gut von hier ins Zentrum oder sogar zum Zug – worst case…

Die Einfahrt in den Øresund ist beeindruckend. Riesige gemauerte Ansteuerungstonnen, es gibt dort ein Verkehrstrennungsgebiet, das wie ein Kreisverkehr funktioniert. Frachter und Fähren wie an eine Perlenkette aufgereiht und mitten im Sund Windräder.

Die vielen Boote, Schiffe und Häuser sind ganz ungewohnt nach den kleinen dänischen Örtchen. Wir nehmen Kurs auf Margretheholms Havn und sind froh, als wir angekommen sind.

 

Hier die bisherige Reiseroute:

 

Mehr über Kopenhagen, den Kiel und wie es weitergeht – das nächste Mal!

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Wir träumen vom Sommer

Schnee im Hamburg!

Es ist Ende Februar und es schneit. Schnee und Frost lassen Hamburg seit Tagen langsamer ticken. Wir träumen vom Sommer, vom Segeln, ja zumindest vom Arbeiten am Boot.

Es ist die wohl schlimmste Jahreszeit für Segler. Du bist auf Frühling eingestellt, die Arbeiten am Boot rufen und dann das: Kälte, Schnee und Frost.

Es ist Zeit, dich und uns ein wenig in den Sommer zu entführen. Auf diesem Video siehst du, was auf der Trave an unserem Liegeplatz so alles an einem schönen Nachmittag am Wochenende los ist. Der Blick von unserem Liegeplatz geht direkt auf die Viermastbark Passat (1911) und die Mündung der Trave in die Lübecker Bucht. Auf dem Video erkennt man, dass der Viermaster ganz schön schwoit. Mit bloßem Auge ist das nicht zu sehen. Der majestätische Segler ist übrigens das Schwesterschiff der Pamir, die 1957 in einem Hurrikan kenterte und sank.

Warum Travemünde?

Warum eigentlich Travemünde, wenn wir aus Hamburg kommen und der Hamburg Hafen so bekannt ist? Weshalb segeln wir nicht wie viele Hamburger auf der Elbe?

Wie unsere Entscheidung letztes Jahr für Travemünde gefallen ist und welche die Vor- und Nachteile der einzelnen Liegeplätze waren, erzählen wir Dir in einem der nächsten Artikel.

Kurz gefasst: Travemünde bietet mehr Erholung und viel mehr Möglichkeiten ist aber auch die teurere Wahl. Doch jetzt erstmal zurück zum Liegeplatz.

Nachmittag auf der Trave

Es ist nachmittag, die MS Hanse, unser üblicher Nachbar, ist noch nicht aus Lübeck zurück. Statt dessen liegt dort ein kleiner Ausflugsdampfer aus Lübeck, der auf die Rückkehr seiner Tagesgäste wartet. Die meisten Segler kommen von der Ostsee rein. Manche befahren die Trave unter Segeln, andere mit Motor. Wer genau hinsieht entdeckt die Schwanenfamilie und den Paddler… Und ein Motorboot auf Zickzackkurs Richtung Ostsee. Ein paar Boote machen sich auch noch auf in die Bucht für einen abendlichen Schlag und kreuzen gegen den Wind.

Ich könnte dem Treiben stundenlang zusehen. Egal ob morgens beim Frühstück, aus der Plicht am Nachmittag (falls wir ausnahmsweise mal im Hafen bleiben) oder abends beim Spaziergang von der Promenade.

Die Abendstimmung auf der Trave kennst du vielleicht noch aus einem anderen Blogartikel von uns aus dem August. Damals aber die andere Blickrichtung die Trave hoch, hier zu finden.

Travemünde Leuchtenfeld – Stadtseite, nicht der beliebteste Platz im Hafen

Wir lagen 2017 auf der Stadtseite. Eigentlich nicht der beliebteste Platz im Hafen. Für diesen Platz haben wir uns wieder beworben. Warum eigentlich?

Vieles spricht gegen diesen Platz. Es ist viel Bewegung auf dem Wasser. Bei jeder Fähre gibt es viel Schwell. Die Fähren nach Skandinavien und ins Baltikum ziehen nur 20 Meter von uns entfernt vorbei. Schwimmende Hochhäuser aus Stahl. Die Schiffsschrauben sind unter Deck sehr laut. Der Schwell schüttelt das Boot durch. Teils ist festhalten angesagt.

Es ist der Teil der Marina mit den Gastliegern. Neben unseren gewohnten und geliebten Nachbarn am Steg sind fast jedes Wochenende ein oder zwei andere Boote über Nacht oder für mehrere Tage hier. Das bringt neben dem „Zuhause“-Gefühl auch immer neue Gespräche und unterschiedliche Nachbarn. Die meisten sind sehr hilfsbereit und gesprächig. Wenige auch rücksichtslos oder wenig hilfsbereit. Einer sah mir interessiert vom Steg aus tatenlos zu, wie ich alleine mit den Leinen beim Anlegen auf dem Vorschiff kämpfte und dringend Hilfe brauchte. Zum Glück sind das nur Ausnahmen, aber auch irgendwie das Salz in der Suppe ;-)

Auch auf der Promenade ist immer etwas los, viele Menschen sind unterwegs. Lärmen, Gelächter und Massen an Touristen. Zusammen mit dem Flappen der Schiffsschrauben, dem zischenden Geräusch des verdrängten Wassers, dem Schwell und natürlich den kreischenden Möwen auf den Dalben ist das unser Urlaubselexier.

Trotzdem: Zum Schlafen brauche ich Ohropax. Ein ruhiger Liegeplatz ist etwas anderes.

Also warum wollen wir wieder dort hin?

Eigentlich aus genau diesen Gründen: es ist viel los auf dem Wasser und an Land, es gibt immer etwas zu sehen! Von der Dinette aus sehen wir die Frachter schon beim Frühstück. Ich freue mich immer wenn die „Nils Holgerson“ – eine der großen Fähren – vorbeizieht. Außer dem Hafenleben ist der Platz bequem und alles ist nah. Vor allem das Leben auf der Promenade und die Läden. Lust auf ein Eis? Keine Lust zu kochen? Zahnpasta vergessen? Kuchen zum Kaffee? Alles das ist direkt vor Ort.

Ich, bzw wir, lieben das Leben auf dem Wasser. Wenn wir in Travemünde ankommen, sind wir direkt im Liveaboard-Modus, unser Liegeplatz ist unsere Zweitwohnung. Ruhe finden wir auf dem Wasser. Das Land brauchen wir fast nur zum Einkaufen. Wir lieben die Flexibilität, die wir zum Beispiel im Passat Hafen gegenüber nicht hätten. Dort ist es zwar erheblich ruhiger, aber du hast nicht das quirlige Leben um dich herum. Wenn wir uns am Nachmittag unter die Touristen auf der Promenade mischen, befällt mich sofort eine ganz spezielle, aufgekratzt-entspannte Urlaubsstimmung.

Ach ja, und das Restaurant Il Gabbiano die Promenade weiter runter, nahe am Priwall-Fähranleger macht die besten Pizzen in Travemünde. Sehr lecker!

Außerdem hatten wir tolle Stegnachbarn. Und von mindestens einem wissen wir, dass er wieder da sein wird. Nicht mehr sehr gut zu Fuß aber segeln und Sprüche klopfen kann er wie ein echter Seebär. Und eine Stimme wie ein Nebelhorn. Auf Ihn und die Gemeinschaft am Steg freuen wir uns jetzt schon!

Jetzt erst mal: Sommer ab! Also wenn die -13 Grad morgen durch sind…

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Was kochen wir so an Bord?

Frisch, leicht, lecker!

Wir essen gerne und wir kochen gerne. Und das heißt für uns: schnell darf es gehen. Qualitative gute, regionale Produkte – gerne Bio. Gesund, lecker und nicht zu schwer. Gerne ungewöhnlich, und das am besten ohne Fertig- oder Halbfertigprodukte. Außerdem vegetarisch. Letzteres hat verschiedene Gründe.

Gebratene Melone? Warum denn nicht Spaghetti?

Klar gibt es auch mal Spaghetti, mal mit Tomatensauce, mal mit Zuccini, mal gebraten mit Ei. Vielleicht haben wir das schon zu häufig gemacht. Immer Salat, Spaghetti & Co kochen – hatten wir satt. Etwas Neues musste her. Marion schenkte mir (uns?) ein Kochbuch. Zwei Jungköche im Wohnmobil quer durch Australien! Schöne Bilder, einfache, schnelle Rezepte. Bingo! Also ähnliche Rahmenbedingungen, weil auch nur 2-Flammen-Kocher, wenig Platz und unterwegs.

Dass man Melone braten kann war mir völlig neu. Aber warum nicht! Es klingt lecker. Die Entscheidung fiel schnell. Doch dabei hätte uns Marion fast in ein feuchtes Grab gesegelt ;-)

Wer sich für das Buch interessiert, hier geht’s direkt zum Buch „Zwei Pfannen on the road“ von GU (Kauft das Buch, wo ihr wollt- das ist keine Werbung oder Verkaufslink, das soll für euch zur Info sein!)

Kann man denn auf dem Boot richtig kochen?

Sehr gut sogar. Wir haben nun einen Kocher, wie wir bereits hier erzählten. Außerdem eine Kühlbox. Die läuft allerdings nur bei Landstrom. Unter der Sitzbank haben wir Vorratsbehältnisse mit haltbaren Zutaten. Geschützt gegen Feuchtigkeit auf dem Boot und Kleintiere. Ganz wichtig – ein Regal mit verschiedenen Gewürzen. Außerdem gibt es eine Spüle unter dem Kocher. Und ein Minimal-Set an Töpfen, Pfannen und Koch-Utensilien. Minimal heißt für uns: Wenig aber gut. Also nicht das Ausrangierte von zu Hause. Denn: wenn ich es es schon zu Hause nicht mehr nutze – dann hat das seinen Grund.

Allerdings hat das Kochen an Bord natürlich immer etwas von „Tetris“ spielen. Man muss sich gut organisieren, denn es ist eng an Bord. Die Zutaten und Kochsachen sind an verschiedenen Stellen verwahrt. Damit nicht genug – alles ist eng gepackt und eineinander gestapelt. Das spart Platz und außerdem rutschen die Sachen bei Lage und Welle nicht herum.

Kochen bei Welle?

In diesem Bericht geht es nicht um eine Atlantiküberquerung und meterhohe Wellen. Hier geht es erst mal um das Kochen bei Tagestörns, am Wochenende oder im Urlaub. Wir reden also vom Kochen im Hafen, am Anleger oder bei ruhigem Wetter vor Anker. Daher geht es hier vor allem um das Kochen wenn man auch einkaufen kann.

Wie proviantieren, wie stauen?

Wer mehr wissen will über das Kochen an Bord – dem sei „Die See kocht“ ans Herz gelegt. Eine liebevoll gestaltete Seite mit dem Schwerpunkt Kochen und Genießen auf kleinen Segelyachten. Vor allem der Abschnitt über die Proviantplanung gibt hilfreiche Hinweise, welchen Proviant man an Bord gut aufbewahren kann. Und mehr noch – wie man den am besten staut, so dass nichts verdirbt oder beschädigt wird.

Wenn wir Euer Interesse geweckt haben – schreibt uns: Das Rezept schicken wir Euch gerne zu!

Kauf der Dehler Optima 830 – aus Fehlern lernen oder „you learned it the hard way“

Es lief nicht rund! Wir haben einige Fehler bei der Besichtigung und beim Kauf unserer Segelyacht begangen… Dennoch wurde es eine sympathische Dehler Optima 830 aus 1971.

Technische Daten und Zeichnung findet Ihr bei Sailboatdata.com oder hier. Warum wir das Boot dennoch lieben? Dazu lest unseren  Artikel „Der Charme der  70er“.

Unsere Erfahrungen möchten wir an dieser Stelle mit Euch teilen. Hoffentlich ist der eine oder andere hilfreiche Hinweis für Euch dabei. Sonst zum schmunzeln – ist ja „Hafenkino“.

Warum habt Ihr genau das Boot gekauft?

Wir haben zuerst eine Liste der Dinge entwickelt, die uns an einem Boot besonders wichtig sind. Material, Größe, Ausstattung, Preis etc. Diese Liste gab die Richtung vor und war ein wichtiges Hilfsmittel für den Auswahl und den Kauf.

Hilfreich vor allem, wenn man über Boote stolpert, die diesen „Au ja – will ich haben“ – Effekt haben – aber nicht ins Raster passen. Zum Beispiel manche liebenswerte, morsche Holzboote oder die sympathischen schwimmenden Rosteimer mit Motorschaden. Immer dann wedelte Marion mit der Liste ;-)

Gutachter – hätten wir besser einen gehabt!

Wir hatten Kontakt mit einem Sachverständigen im Hamburg. Jens Böckmann von Yachtverstand.com. Sehr empfehlenswert. Er gab uns wichtige Tipps, vielen Dank hierfür! Selbst bei unserem günstigen Boot wäre seine Leistung gut investiertes Geld und vor allem beruhigend gewesen. Das erspart viel Ärger. Der Fachmann bleibt objektiv, während sich der Käufer vielleicht bereits in das Boot „verliebt“ hat. Leider glaubte ich, mich mit Booten gut genug aus zu kennen.

Das Budget

Unser Budget war begrenzt, deutlich unter 10.000 Euro sollten es sein, Wunschpreis war 5.000 Euro. Das ist wenig. Wir setzten auf den schlechten Verkäufermarkt und ein „Schnäppchen“.

Wir besichtigten verschiedene Boote. Zu groß, zu klein, eigenartige Verkäufer oder technische Bedenken. Einer wollte uns sein Boot unbedingt verkaufen, er rief nach der Absage noch mehrere Wochen lang an und bot uns sogar Ratenzahlung.

Der Verkäufermarkt scheint kaputt sein. Übrigens: Im Hamburger Abendblatt war am vor einiger Zeit ein sehr lesenswerter Artikel. Er heißt „Nachwuchsproblem: Gebrauchte Boote ein Ladenhüter“ vom 15.03.2016.

Unsere Wunschliste

In unserer Wunschliste waren unter anderem der Preis, die Größe, Material, Innenborder, Toilette, 5 Schlafplätze, aber auch Ausstattung wie Kocher und Dinette vermerkt. Vor allem war uns neben der Möglichkeit, längere Fahrten zu unternehmen, der Innenraum wichtig. Der Salon sollte sich wohnlich und geräumig anfühlen. Die Dehler Optima 830 hat große Fenster zur Seite und nach vorne.  Da sie außerdem Stehhöhe hat, begeistert uns der Salon immer noch durch ein erstaunlich großzügiges Raumgefühl.

Der Erstkontakt

„Das ist es!“ war unsere erste Reaktion, als wir die Anzeige auf ebay Kleinanzeigen lasen. 6.500 Euro, GfK-Werftbau mit viel Zubehör.

Ich rief an, ein freundlicher älterer Herr. Sympathisch und begeistert. Ich war wohl der erste Anrufer. Leider klappte ein Besichtigungstermin nicht gleich, das Boot stand 250 km entfernt im Winterlager in der Halle in Barth am Darß.

Die Besichtigung

Zwei Monate später die Besichtigung. November. Eine kalte dunkle Halle.

Er hatte einen 1000 Watt-Strahler mit. Wir eine starke Taschenlampe, eine technische Checkliste und unsere Kamera. Der erste Eindruck: aufgebockt wirkt das Boot riesig. Den Rumpf abgeleuchtet, soweit wir heran kamen. Am Rumpf fällt die Beschichtung in großen Flecken ab. Ob das Osmose ist?

Deck Dehler Optima 830

Manches fiel uns bei der Besichtigung auf, vieles davon konnten wir beurteilen. Aber erstaunlich vieles haben wir übersehen oder nicht beachtet.

Unter anderem bemerken wir einen älteren Schaden im Rumpf nicht.

Wir sahen uns die Segel nicht genau auf den Zustand an. Und das Rigg gar nicht…

Unter Deck

Salon Dehler Optima 830

Es ist muffig aber trocken. Gemütlich, geräumig, ordentlich, große Fenster erlauben im Salon einen Rundumblick nach draußen, das kenne ich von keinem anderen Boot.

Die Bilge ist trocken und ohne Öl, sogar staubig. Noch der erste Motor. Er ist alt und leicht ölig, nichts ungewöhnliches. Ach ja, die Zylinderkopfdichtung wurde letztes Jahr neu gemacht. Gut, dachte ich mir, deswegen auch noch der leichte Ölfilm. Später stellt sich heraus, der Motor ölt nach wie vor leicht, qualmt bei hohen Drehzahlen und der Anlasser ist kaputt. Das sollte uns noch viel Zeit kosten, Ärger und Kopfschmerzen bereiten.

Niedergang Dehler Optima 830

Viel Zubehör gehört zum Boot: Eine Handfunke mit SOS-Taste Link 2 von Lowrance, Plotter Raymarine A 65 (hier ein link auf einen Artikel in der Yacht), GPS (alt und nie verwendet), Epirb (abgelaufen – was wir nicht wissen, der Batterietausch lohnt sich nicht!), Lifelines, Leinen, Fender, 3 Gasflaschen, 3 Anker. 2 Landstromkabel, Seekarten, voller Tank ….

Nach eineinhalb Stunden haben wir fertig besichtigt. Wir sind durchgefroren und entschlossen. Das ist es! Nicht nur die Kriterien, Zustand und der Preis passen, vor allem fühlen wir uns auf dem Boot sehr wohl und haben außerdem Vertrauen zum Verkäufer. Auf der Rückfahrt mit dem Verkäufer verhandle ich den Preis. Marion sendet mir von der Rücksitzbank Whatsapp-Nachrichten. Ich soll den Preis nicht so hart verhandeln, denn er ist uns schon weit entgegen gekommen.

Vor dem Kauf

Bedenkzeit fünf Tage – das war gut und wichtig. Die Frist wurde verlängert weil wir auf das Ergebnis der Osmose-Begutachtung und das Angebot für den Neuaufbau des Unterwasserschiffs warten mussten. Nach drei Wochen und viel Recherche und Telefonaten das Ergebnis: Keine Osmose aber das Unterwasserschiff muss gestrahlt und komplett neu aufgebaut werden. Wir einigen uns mit dem Verkäufer darauf, dass er zwei Drittel der Kosten übernimmt. Der Barther Yachtservice gibt das bessere Angebot ab, dennoch mehrere tausend Euro. Und er macht klasse Arbeit!

Der Kauf

Ende Dezember 2016 unterschreiben wir mit dem Verkäufer nach vielen angenehmen Gesprächen den Kaufvertrag. Wir sind glücklich! Der Verkäufer hat Tränen in den Augen, der Verkauf bedeutet den Abschied vom Segeln für Ihn. Das schmerzt uns.

Was würdet Ihr anders machen?

Wie Ihr sehen könnt, haben wir einige schwerwiegende Fehler beim Kauf begangen. Zum Glück sind diese aber gut ausgegangen. Das hätte auch richtig ärgerlich und teuer werden können. So hat es uns „nur“ einiges an Sorgen und schlaflosen Nächten bereitet.

Großer Fehler: Trocken kaufen ohne Wassern, ohne Probesegeln. Den Motor, das Rigg, die Segel und das Ruder haben wir nicht ausreichend, eigentlich gar nicht auf Funktion geprüft. Das Boot stand ganz hinten in der Halle, das wäre erst im April was geworden. Dazu waren wir zu ungeduldig. Nicht nachmachen! Oder wenn, dann bitte nur mit entsprechenden Vorbehalten im Kaufvertrag mit Rücktritts- oder Preisminderungsklausel.

Auch wenn sich der Verkäufer wehrt und das Geld und Mühen und viel Fahrerei bedeutet. Es lohnt sich. Wir vertrauten auf die Ehrlichkeit des Verkäufers und wurden zum Glück nicht enttäuscht. Was wir aber nicht beachteten – was ist, wenn er manche Dinge selbst nicht gesehen hat?

Falls Ihr selbst Euer erstes Boot gebraucht kaufen wollt – hier unsere Tipps:

Viele der Punkte sind sicherlich nicht neu. Rückblickend waren es aber für uns die Wichtigsten. Und die wollen wir Euch nicht vorenthalten! Hier unsere Erkenntnisse:

Welches Boot brauche ich?

Macht Euch vorher genaue Gedanken wozu das Boot dienen soll. Binnensee oder Meer? Welches Revier? Einhand und/oder mehrere Segler? Das entscheidet über Größe, Ausstattung und Preis. Lasst Euch Zeit dafür, das lohnt sich und „hält Euch auf der Spur“. Schriftlich fassen mit Prioritäten.

Wählt das Boot groß genug, aber klein genug um es alleine oder mit kleiner Crew zu segeln! Berücksichtigt unbedingt Eure eigene Segelerfahrung und die – wenn vorhanden – Eures festen Segelpartners! Wenn Ihr keinen festen Segelpartner habt, denkt an das schwächste Glied in der Kette. Oder plant gleich Einhand. Denkt dabei auch an Schlechtwetter/Starkwind und Hafenmanöver. Ich stand auf einem Boot mit knapp 10 Metern Länge, das war einen halben Meter breiter als unseres jetzt, und dachte mir: „Nein, das ist mir für den Anfang zu unhandlich“. Unser Tipp: 27 Fuss ist ideal für den Anfang. Bietet viel und die Auswahl ist zu moderaten Preisen groß.

Schaut Euch mehrere Boote an, auch solche, die nicht unbedingt in Frage kommen. Das schult den Blick auf das Wichtige! Und es wirft technische Fragen auf, die Ihr danach klären könnt und so viel dazulernt!

Technik und typische Schäden:

Beschäftigt Euch mit technischen Dingen wie Osmose, Motor und  Technik. Besorgt Euch dazu am besten eine technische Checkliste für den Bootskauf. Ich fand die Hinweise und die Liste von boot24.com sehr hilfreich.

Sprecht mit Bootseignern. Ein guter Freund von uns gab uns viele Hinweise zum grundsätzlichen Kaufabwicklung und zum Motor. Das half sehr!

Schaut nach Erfahrungsberichten über den Bootstyp und recherchiert typische Schäden. Die Zeitschrift Palstek hat umfangreiche Tests im Archiv und digital auf Abruf für wenige Euro.

Ich finde nach wie vor die älteren GfK-Werftbauten sehr überzeugend. Das GfK ist teilweise zwei Zentimeter stark! Ein gutes Gefühl. Stabil wie Stahl aber rostet nicht ;-).

Wenn Ihr bisher schon viel gesegelt seid und handwerklich geschickt seid ist das sehr gut, eine klasse Basis. ABER – das reicht nicht! Da gibt es so viel, was Euch bei der Besichtigung auffällt und Ihr möglicher Weise nicht deuten könnt. Immer wieder die Frage: Ist das schlimm oder normale Alterung? Und wenn es schlimm ist, was kostet die Reparatur? Deswegen: Fachmann oder Gutachter mitnehmen. Außerdem sind es zwei Augen mehr!

Schaut Euch die Geschichte des Bootes an. Vorbesitzer, Dokumentationen etc. Die Dokumentation sagt viel darüber aus, wie der/die Voreigner das Boot behandelt haben. Gibt es technische Zeichnungen? Schaltkreise? Bedienungsanleitungen? Rechnungen über Motorwartung? Reparaturen? Was wurde kürzlich investiert? Nur jemand, der sein Boot halten und pflegen will, steckt Geld in neue Segel oder die Zylinderkopfdichtung. In unserem Fall war die Dokumentation, so weit ich das beurteilen konnte, über Jahre vollständig. Ein sehr gutes Zeichen!

Wenn Ihr längere Schläge vorhabt oder auch Einhand unterwegs sein wollt, ist ein Pinnenpilot (oder für noch längere Schläge -Windfahnensteuerung) eine sehr sinnvolle Anschaffung. Das verschafft Euch Zeit zum Segel setzen oder auf das Wasser blicken. Unserer ist der Raymarine ST 1000.

Zum Kauf:

Kauft nicht spontan! Durch den schlechten Verkäufermarkt solltet Ihr für einige Jahre mit dem Boot zufrieden sein. Kurzfristig ohne größere Verluste verkaufen wird kaum möglich sein.

Kauft ein Viertel unter maximal Budget, den Rest braucht Ihr für Ungeplantes wie Reparaturen, fehlende oder defekte Ausstattung. Oder zusätzliche Wünsche. Außerdem kommen sofort die ersten regelmäßigen Ausgaben wie Liegegebühren, Mitgliedschaften und Versicherungen. Macht Euch hierzu einen Budgetplan, den Ihr jeweils auf das aktuelle Boot anpasst. Eine einfache Excel-Liste reicht. Wir selbst haben für die Zusatz Ausgaben zu wenig Geld veranschlagt.

Kauft von vertrauenswürdigen Personen. In unserem Fall ein älterer Herr der das Segeln aufgab. Vorteil, die lieben und pflegen meistens Ihr Boot. Nachteil, sie lieben es und sehen es nicht objektiv. Der Geschäftsführer der Werft sagte kopfschüttelnd und mit strafendem Blick später zu mir: „Bloß nicht von alten Männern kaufen, die lieben doch ihr Boot!“

Nach dem Kauf:

Nach unserer Einschätzung hat Pantaenius in Hamburg gute Boots-Versicherungen. Wir wurden dort sehr gut beraten und haben ein gutes Angebot bekommen.

Nach dem Kauf kommt der Betrieb und der Unterhalt, hier geht es direkt zum Artikel über die Unterhaltskosten 2017.

Fazit:

Unsere Wunschliste war ein Segen. Wir wussten genau, was wir suchten. Und wir haben gefunden, was wir gesucht haben. Nach mehr als 400 gesegelten Meilen sind wir begeistert. In der Realität passen die Wünsche und Vorstellungen ideal damit zusammen, was wir bekommen haben. Mehr Boot war für rund 7.200 Euro nicht zu erwarten. Mehr noch: Wir sind absolut glücklich und überzeugt von unserer „alten Dame“, trotz des Alters und der kleinen und großen Macken.

Obwohl wir von unserem Vorgehen überzeugt waren, haben wir im Rückblick leichtsinnig gekauft. Wir hatten lange nicht genug Kenntnis und keinen Fachmann mit. Wir kauften trotz aller Ratschläge „ungesegelt und trocken“. Den defekten Anlasser hätten wir so z.B. so schon vor dem Kauf gemerkt.

Trotz allem sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen! Vieles würden wir heute anders machen. Wir haben viel dazu gelernt ;-)

Habt Ihr Ähnliches erlebt? Was denkt Ihr dazu? Darf man gemachte Fehler so offen zugeben? Schreibt uns!

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Abendstimmung im Hafen

Eine anstrengende Woche lag hinter uns. Wir erreichen Travemünde auf unserer Flucht vor dem G20 Gipfel an einem Mittwoch Abend.

Endlich wieder am Wasser, am Boot, angekommen im Hafen. Ankommen. Nach Hause kommen. Der Geruch nach Wasser und Modder. Wieder an Deck. Möwengeschrei. Boote kommen von einem langen Segeltag herein. Fähren fahren zwischen dem Priwall und Travemünde hin und her. Große Fähren fahren ab nach Finnland und quetschen sich durch die enge Trave hindurch. Schon lange wollte ich diese Abendstimmung einfangen. So klettere ich auf den Metalldalben am Steg, baue Stativ und Kamera auf und lasse eine Langzeitaufnahme laufen. Dort oben stehe ich dann 50×50 cm in ca. 3,5 Metern Höhe. Stehe dort für eineinhalb Stunden. Lehne am Geländer und betrachte die Szenerie. Und erst durch das Betrachten kann ich Abstand nehmen vom Büro, von der Arbeit, von Hamburg. Ich komme zur Ruhe.

Als ich das schreibe sind wir in Grömitz. Es ist der Freitagabend vom G20 Gipfel in Hamburg. Die erschütternden Bilder von hirn- und sinnloser Gewalt in Altona wollen mir nicht aus dem Kopf gehen.

Vielleicht können die Bilder etwas Ruhe und Entspannung zu Euch bringen.

Kommt gut durch die Nacht!

Edit 01.08.2017: leider wurde der ursprüngliche Beitrag mit Spamkommentaren zugemüllt. Daher mussten wir ihn neu einsetzen. Leider wurden auch die dazugehörigen schönen Kommentare gelöscht. Schreibt doch bitte neue! Aber wir hoffen, das löst das Problem!

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Oder: kann es wahr sein?

…man glaubt es kaum: wir SEGELN!

Wie lange hat es jetzt gedauert? Ich weiß es nicht mehr. Aber heute ist es soweit: Sleipnir segelt, gleitet durch Wind und Welle!

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Ein Segelboot?

Tja, wir wollten unser Segelboot eigentlich überführen. Oder zumindest einrichten, einsegeln und die Überführung vorbereiten. Doch dann kam alles anders. Die Situation habe ich hier erklärt. Als ich einen Tag nach Christoph in Barth ankam, entschieden wir uns für eine Krisensitzung. Es gab so einige Punkte, die uns jetzt und in diesem Moment an unsere Grenze brachten.

Was war passiert?

Die letzten Monate hatten wir damit verbracht, zu recherchieren: was ist Osmose, wie können wir feststellen, ob das Boot Osmose hat oder nur schlechtes Antifouling. Was muss dann getan werden? Können wir das selbst? Was kostet das? Haben wir eine weiche Stelle an Deck – und haben wir jetzt noch ein Problem? Können wir das reparieren? Wie funktioniert eigentlich dieser alte Tiefenmesser (Modell Seafarer, analog)? Funktioniert der überhaupt? Können wir diesen austauschen? Fragen, Fragen, Fragen.

Ich bekomme heute nicht mehr alles zusammen. Stunden am Telefon, im Netz, bei Händlern, schlaflose Nächte. Bei so vielen Fragen schon im Vorfeld – kommt natürlich die berechtigte Frage:

Warum habt ihr eigentlich dieses Segelboot gekauft?

Wie oft haben wir uns selbst in den letzten Wochen und Monaten diese Frage gestellt. Warum, das erklärt euch Christoph hier. Kurz gesagt: wir haben uns schlichtweg überschätzt. Aber soweit hatten wir einen Punkt nach dem anderen vor diesem Wochenende irgendwie für uns klären können. Dann aber vor Ort noch mehr Punkte: eine große Stelle an der Außenhaut, die wohl mal geflickt wurde, die Farbe blättert ab. Die Ventile der Gasanlage lassen sich nicht bewegen, die Anlage ist vorerst nicht in Stand zu setzen….und zu guter letzt dann das: der Motor springt nicht mehr an.

Wir diskutierten und besprachen bei Kaffee, Kuchen und Schokolade (Nervennahrung…) alle Möglichkeiten, die wir jetzt hatten. Verkaufen, Rechtsanwalt und an der Verkäufer, Außenborder und nach Hamburg,.. und was noch so alles. Am Ende war uns eines klar: ohne funktionierenden Motor werden wir das Segelboot weder verkaufen noch segeln können. Also wieder nach vorne schauen.

Welches Fazit konnten wir aus diesem Wochenende ziehen?

Die wichtigste Erkenntnis der letzten Wochen und an diesem Wochenende war: es gibt immer noch viele Menschen, die gerne helfen! Auch wenn du blöde Fehler gemacht hast oder merkwürdige Fragen stellst. Im Vorfeld bekamen wir sehr viele Informationen von Händlern, Herstellern und Fachbetrieben. Vor Ort hatten viel Unterstützung: den Barther Yachtservice, ein Bootsmotoren – Fachmann aus Poel, der Chef vom Bootsmotorenladen,… Vielen Dank auch heute noch an alle, die uns geholfen haben!!!

Die nächste Erkenntnis war: bei alten Segelbooten ist immer was zu tun oder kaputt. Aber es ist wie bei alten Autos: man kann so vieles selbst machen! So gesehen: ein perfektes Segelboot zum lernen. Und für unsere Weltumsegelung müssen wir viel lernen – denn nicht überall wird eine Werkstatt oder ein Fachmann sein. Besser ist es, wenn man so viel wie möglich selbst machen kann. Und wie ihr merkt, es gibt einen Blog – das heißt, wir haben das Boot nicht verkauft. Wie es mit Sleipnir und uns weitergeht: abonniere die Flaschenpost und du wirst immer über die neuesten Ereignisse informiert werden!

DER MOTOR LÄUFT!

Ja, er läuft! Der Anlasser wurde fachgerecht und günstig repariert bei dieser Firma in Barth. Ein Chef der sein Handwerk versteht! „Der ist noch zu gut zum wegwerfen, den machen wir wieder heil!“ Gut, daß es noch Fachleute gibt, die sich mit der alten Technik auskennen. Und schön, daß es mal Technik gab, die man reparieren konnte.

Wir sind mal gleich eine Runde motort – ein schönes Geräusch. Schau hier: LÄUFT!

Aber wie sollte es auch anders sein: zum segeln ist es zu windig. Okay – also üben wir uns weiterhin in Geduld. Noch ein wenig im Boot rumpuzzeln und dann noch was nettes machen.

Wir fahren nach Stralsund, ein wenig Sightseeing und lecker was essen gehen. Ein schöner Ausflug – die Sonne scheint und wir fahren durch eine schöne Landschaft.

Marion & Christoph fahren mit offenem Cabrio

Straße mit Bäumen und Rapsfeldern

Stralsund ist eine alte Hansestadt, was man an vielen Stellen auch sieht. Wo sonst sind Bojen als Begrenzung aufgestellt. Auch die Gorch Fock liegt dort, wie schön doch so ein Segelschiff aussieht. Irgendwann möchte ich auch auf einem Traditionssegler mitfahren!

Gorch Fock 2 in Stralsund

Betonnung in Stralsund am Hafen auf der Straße

Wir bummeln, genießen das Wetter. Lecker Pizza und ab „nach Hause“.

Es war ein schöner Tag!

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Wasserung!

Es ist soweit, Sleipnir kommt endlich ins Wasser.

Tausche „endlich“ mit „endgültig“, denn schließlich war das Boot ja schon im Wasser, musste jedoch wieder herausgenommen werden. Das Unterwasserschiff musste noch einmal nachgearbeitet werden. Aber: da der Anlasser ja eh kaputt war, war es eh egal.

Schon ein Erlebnis, so eine Wasserung!

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Der Motor: Läuft! Läuft! und Läuft!

Was für ein schönes Geräusch!

…endlich läuft er, unser Motor. Klingt wie ein Trecker. Aber läuft! Endlich können wir los, unsere erste Fahrt mit dem eigenen Boot!

Wir hoffen, er hält jetzt noch lange durch und ist uns treu…

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nicht überführt.

Was für ein Wochenende…

Das Boot lag bereit, überführt vom Winterlager zum Barther Yachtservice. Voll motiviert und bereit, das Boot zur Überfahrt einzurichten waren wir. Christoph ist Donnerstag schon mal vorgefahren, ich musste noch arbeiten. Dann sein Anruf: der Motor springt nicht mehr an. Bitte was? Aber der lief doch schon? Durchatmen, ruhig bleiben. Glücklicherweise war zufällig ein Motor-Fachmann vor Ort. Christoph sprach mit ihm, er schaute sich das an: der Anlasser. Okay, das kann man machen. Allerdinges: der Motor ist so alt wie das Boot…

Krisensitzung

Als ich in Barth angekommen war, machten wir eine Krisensitzung: Boot abstoßen? Weitermachen? Das Unterwasserschiff hatte uns schon sehr belastet: die Placken, welche hier im Video zu sehen waren, kamen durch einen unfachmännischen Antifouling – Aufbau. Zuerst hatten wir natürlich auch Osmose im Verdacht… Grauenvolle Vorstellung. Aber Herr Brandt vom Barther Yachtservice, wo wir das Boot machen lassen wollten, konnte uns dahingehend beruhigen. Anfangs war es auch noch nicht so schlimm mit dem Zustand des UWS. Abschleifen per Hand und neu auftragen. Beim Abtragen stellte man jedoch schnell fest, dass mehr gemacht werden muss. Strahlen und Komplettaufbau. Teurer Spaß, aber wir wollten einfach die nächsten Jahre keine Probleme mehr damit haben.

Warum habt ihr das nicht selbst gemacht? 

Selbermachen war aufgrund der Entfernung leider keine Option. Wir haben es durchgespielt, wieder und wieder. Aber durch die weite Anfahrt hätte es Wochen gedauert: auftragen, trocknen, auftragen, trocknen… im Nachgang war die Entscheidung richtig, wenn schon die Werft das Abschleifen einstellt und zum Strahlen übergeht.

Entscheidung

Ohne laufenden Motor können wir nichts machen – weder verkaufen noch behalten. Also Motor reparieren. Mir war eingefallen, dass ich in Barth auf dem Weg eine Bootsmotorenwerkstatt gesehen hatte. „Lass uns mal hingehen, vielleicht wissen die weiter“ Zum Glück war der Chef da, ein Meister vom alten Schlag. Er sagte gleich, dass es bei einem solch alten Motor schwierig mit neuen Ersatzteilen ist, es gäbe aber oft runderneuerte Teile. Ebenso kann man den Anlasser vielleicht auch reparieren. „Bringt ihn mir bis 18.00 Uhr vorbei, ich teste ihn“. Christoph schluckte kurz – selbst ausbauen? Der Meister so: „das schaffste schon“ Um 19.00 Uhr in der Werkstatt war klar, der Anlasser ist kaputt. Der Meister hatte den Anlasser und wir ein Wochenende ohne segeln.

Und jetzt?

Was man halt so macht, wenn man nicht segeln kann… Wanten nachspannen, Putzen, aus – und einräumen… Sonntags beschlossen wir, zurück nach Hamburg zu fahren und die restlichen zwei Urlaubstage dort zu verbringen.

Und auf Infos über den Anlasser zu warten…

Unser Fazit: es ist halt ein altes Boot!

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…wenn man nicht segeln kann

Basteln, putzen, Zeit vertreiben…

Wieder kein segeln, die Überfahrt zieht sich noch hin. Leider ist ja der Anlasser kaputt und in der Werkstatt. Also steht ein Hafentag an. So ein Boot bietet ja immer viele Möglichkeiten. Und da es ja für uns neu ist, was gibt es besseres, als das Boot kennenzulernen? Einfach nur herum sitzen ist nicht unser Ding und Barth ist jetzt nicht so groß. Wieder nach Hamburg? Nöööö.

Es nützt ja nix, die Zeit will sinnvoll genutzt werden. Und mal ehrlich, eine ordentliche Wantenspannung und ein sauberes Boot – das ist doch wirklich was feines! Daher: Los gehts!

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Ich will eine Segelyacht mit dir – oder wie ein Satz ein ganzes Leben verändert…

30.12.2016 – wir unterschreiben in unserer Küche den Vertrag für unsere erste eigene Segelyacht. Das Ende einer langen Suche…die mit den einfachen Satz „ich will ein Boot mit dir“ begann.

Warum eine Segelyacht kaufen?

Nachdem wir uns kennengelernt hatten, haben Christoph und ich viele Seemeilen zusammen auf Yachten verbracht. Immer als Gast, immer gechartert. Ewiges Taschenpacken – eine Materialschlacht. Nach unserem ersten Kurzurlaub zu zweit auf einer kleinen Vereinsyacht, war mir klar: ich will mehr davon. Und irgendwann kam die Frage, ob wir uns nicht ein Segelboot kaufen möchten. Damit kam die Lawine ins Rollen. Zuerst nur ein Traum, wuchs der Wunsch bei beiden. Für mich war es der Wunsch nach einem Zuhause. Ich will mich einrichten, abschalten, mich wohl fühlen. Ich will meine Klamotten auf dem Boot, einen Kulturbeutel, Essen, etc. Jederzeit wann ich will aufs Boot und los können. Und irgendwann um die Welt.

Warum eine Weltumsegelung?

Ich habe schon lange das Ziel, eines Tages mit einer Segelyacht die Welt zu sehen. Ich liebe das Wasser, das Meer. Das hat eine gewisse Grenzenlosigkeit, die ich an Land nicht verspüre. Es ist eine umweltfreundliche Art, sich schnell fortzubewegen und Distanzen zu überwinden. Für Christoph war das ein Traum, der sehr weit weg lag. Ich habe ihn ein wenig näher geholt.

Wir sind realistisch genug, Fähigkeiten, Kenntnisse und Möglichkeiten (zBsp finanzieller Art) einzuschätzen. Und diese besagen: ihr müsst noch ganz viel lernen und sparen. Also entschieden wir, im Rahmen unserer Möglichkeiten zu starten und ein Segelboot in entsprechender Größe zu kaufen um zu lernen.

Mehr und mehr Stunden verbrachten wir mit Ebay und anderen Portalen. Wir schauten uns verschiedene Segelboote an – bis wir auf Sleipnir trafen. Wir hatten uns beide direkt „verliebt“. Ein fragender Blick von mir, ein Nicken von ihm – die Entscheidung war gefallen. Dass das so nicht der richtige Weg war, erzählt Christoph hier.

Im Februar 2017 war es dann soweit, wir wollten zum Segelboot fahren und anschauen, was wir jetzt tatsächlich haben. An diesem Tag entstanden auch die ersten Bilder und Sequenzen für unseren Blog.

Warum ein Blog?

Schon lange verfolgen wir Blogs, die mit Segeln und Langfahrt zu tun haben. Mehrheitlich findet man dort schöne Bilder und fröhliche Menschen. Wir haben Vorträge angehört, Filme geschaut. Uns ist am meisten aufgefallen, am Ende bleibt immer die Frage: Wie sind die dahin gekommen? Nur wenige erzählen davon, was sie alles gelernt und erfahren hatten, bis sie soweit waren und in die konkrete Planung gegangen sind.

Wir dachten uns – wir nehmen euch mit auf die ganze Reise!

Nun ja – mit dem Blog ist das ähnlich wie mit dem Segelboot – du musst sehr viele Erfahrungen sammeln.

Hier findest du unseren ersten Videopost, alles noch sehr unbedarft und unbeholfen. Mein erster Versuch mit iMovie – wie man unschwer erkennt.